Stromboli mit Lavaüberlauf und hohen Drücken

Weiterer Lavaüberlauf am Stromboli – sehr hoher akustischer Druck weist auf stärkere Explosionen hin

Am Nachmittag des 12. Aprils begann um 15:36 UTC erneut Lava aus dem nördlichsten Schlot unterhalb der Kraterterrasse auszufließen und einen kurzen Lavastrom zu bilden, der im oberen Bereich der Sciara del Fuoco unterwegs war und in abgeschwächter Form auch heute Vormittag noch ist. Das geht aus einer Notiz des INGV hervor, die das Ereignis via Livecam beobachteten.

Stromboli

Der farblich codierte Tremorgraph beim LGS zeigt zum Zeitpunkt des Beginns der neuen Überlauf-Episode einen Peak, der den roten Bereich allerdings nicht erreichte. Bereits seit dem 9. April war der Tremor erhöht und vom gelben in den orangenen Bereich gestiegen. Es gibt keine nennenswerten Unterschiede in der Geschwindigkeit des Auftretens und der Größe von Explosionsbeben. Das heißt, dass die normale strombolianische Tätigkeit trotz der Lavaüberlauf-Episode weiterging und nicht nennenswert beeinflusst wurde. Indirekt lässt das Rückschlüsse auf das Fördersystem des Strombolis zu: Die explosiv tätigen Schlote scheinen von dem Nordschlot isoliert zu sein, denn wenn es nicht so wäre, würde man aufgrund des Lavaausflusses einen Druckabfall im Fördersystem erwarten. Insbesondere, da auch bei den Hochfrequenz-GNSS-Netzverformungsdaten keine signifikanten Variationen festgestellt wurden und es vor der Lavastrombildung nicht zu einer verstärkten Inflation des Vulkans gekommen war.

Die geophysikalischen Daten des LGS attestieren dem Stromboli heute sogar eine erhöhte Explosivität. In den letzten 24 Stunden wurden überdurchschnittlich viele Explosionsbeben festgestellt. Einige Eruptionen erzeugten dabei einen sehr hohen akustischen Druck von 2,2 bar. Werte, wie sie am Stromboli schon länger nicht mehr gemessen wurden. Normal sind Werte bis 1 bar. Seit dem 9. April registrierten die Infraschallsensoren bereits hohe Drücke bis zu 1,5 bar.

Während der Hauptphase des Lavaüberlaufs wurde eine minimale Deflation von 0,07 µrad festgestellt. Leider sind einige Messgeräte immer noch offline, so dass Daten zu den thermischen Durchgängen fehlen.

Die laut den LGS-Daten verstärkte explosive Komponente spricht für eine weitere Aktivitätssteigerung des Stromboli, die sich meiner Meinung nach in den 6 schwachen Erdbeben, die sich Anfang März unter der Insel ereigneten, ankündigte. Wenn ich in meine Glaskugel der Erfahrung und des Bauchgefühls blicke, sehe ich das Ende der Verstärkung noch nicht erreicht. Der Vulkan befindet sich möglicherweise noch in der Aufbauphase zu stärkeren Eruptionen.