Stromboli: Vulkan erzeugt Schloträumer und Lavaüberlauf

Aschewolke über Stromboli. © Gianni Porto – digital bearbeitet

Stromboli erzeugte stärkere Explosion – möglicher Beginn eines neuen Lavaüberlaufs

-Der Artikel erhielt um 11: 30 Uhr ein Update-

Der liparische Inselvulkan Stromboli sprengte heute Morgen um 05:12 Uhr UTC einen Förderschlot frei, wobei nicht nur ein stärkeres seismisches Signal entstand, sondern auch eine Aschewolke, die gut 500 m über den Gipfel hinaus aufstieg und vom Ort aus sichtbar war. Ohrenzeugen berichten von einer lauten Explosion, den Geräuschen von Tephra, die auf den Boden prasselt, und leichtem Ascheniederschlag. Auf der Wärmebildkamera ist eine ausgeprägte Wärmesignatur auf der Sciara del Fuoco zu sehen, wie sie typischerweise von einem Lavaüberlauf verursacht wird.

Das Ereignis wurde vom ortsansässigen Gianni Porto mit seiner Smartphonekamera in einer Fotoserie dokumentiert. Darüber hinaus zeigt die Wärmebildkamera des INGV die von der Lava ausgehende Wärmeanomalie, die sich bis jetzt nur wenig von der Basis des Kraters entfernt hat. Andere Livecams zeigen die Aschspuren von Schuttlawinenabgängen, wie sie besonders im Frühstadium eines Lavaüberlaufs häufig auftreten.

Der Vulkanausbruch hinterlässt seine Spuren auch in den Seismogrammen Die Explosion ist durch ein deutliches Signal dokumentiert. Zudem zeigt der Tremorgraph einen scharfen Peak, der wie aus dem Nichts kommt und hohe Werte erreicht.

Das Lavaspattering der letzten Tage war also ein Vorzeichen der aktuellen Ereignisse. Die stärkere Explosion des Schloträumers löste offenbar eine Verstopfung im Schlot aus, was erklärt, warum es in den letzten Tagen zwar häufige, aber nur schwache Explosionssignale gab.

Weder das INGV noch das LGS veröffentlichten bis jetzt Statements mit Daten zu dem Ausbruch. Diese reiche ich nach, sobald vorhanden.

Beim Stromboli handelt es sich um einen 924 m hohen Inselvulkan im Tyrrhenischen Meer, nördlich von Sizilien. Er ist seit mindestens 2000 Jahren daueraktiv und seit der Antike als „Leuchtfeuer des Mittelmeeres“ bekannt. Bis zu einer größeren Eruption im Jahr 2002, bei der durch einen Hangrutsch ein kleiner Tsunami ausgelöst wurde, galt Stromboli als ungefährlicher Touristenvulkan, doch dieses Image hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert.

Update 11:30 Uhr: Das INGV hat nun eine Meldung veröffentlicht, die das Geschehen genauer einordnet. Demnach wurde eine starke Explosion registriert, die den Tremor kurzfristig auf hohe Werte ansteigen ließ. Die Phase dauerte gut 8 Minuten. Eine ungewöhnliche Bodendeformation wurde nicht registriert.

Aschewolke. © LGS-Livecam

Das LGS hingegen kommuniziert, dass mit der Explosion eine Bodenverformung von 0,3 µrad einherging. Demnach lief also eine Magmablase durch das Fördersystem. Die Explosion warf Tephra bis auf den Pizzo aus und es soll zu einem Kollaps am Krater gekommen sein. Das heiße Material lief dann zusammen mit der glühenden Tephra über die Sciara del Fuoco. Das thermische Signal auf der Wärmebildkamera sieht dennoch wie von einem Lavastrom aus, was man besonders jetzt erkennt, wo es abkühlt: An der kurzen senkrecht verlaufenden Struktur unter dem Schlot ist es nach wie vor heiß. Tephra hätte sich hier nicht halten können.

Bei solchen Ereignissen können schnell pyroklastische Ströme entstehen. Weitere Explosionen sind nicht auszuschließen und somit könnte ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Dichteströmen bestehen.