310 Erdbeben erschütterten Teneriffa innerhalb einer Woche: Wenn das Anormale zur Normalität wird
Teneriffa, die bekannteste und größte Insel der Kanaren, steht weiterhin im Fokus der seismischen Aktivität des Archipels. Diese begann bereits im Herbst 2025 stetig zuzunehmen, erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt in einer Serie starker Schwarmbeben im Februar und ist seitdem auf einem konstant erhöhten Niveau geblieben, ohne jedoch die früheren Spitzenwerte erneut zu erreichen. Das anfängliche Medieninteresse und damit auch die Bereitschaft der Behörden, Katastrophenschutzmaßnahmen voranzutreiben, haben inzwischen nachgelassen. Auch die Bevölkerung scheint sich an das anomale Verhalten ihres Inselvulkans gewöhnt zu haben. Dies dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass nur sehr selten ein Erdbeben stark genug ist, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu den Vorgängen in den italienischen Campi Flegrei: Dort gibt es zwar meist deutlich weniger Erdbeben pro Woche, aufgrund ihrer geringeren Herdtiefe werden sie jedoch wesentlich häufiger gespürt.

Im heute veröffentlichten Guayota-Bericht von INVOLCAN heißt es, dass in der vergangenen Woche – die bei den kanarischen Forschern stets von Freitag bis Freitag geht – insgesamt 313 Erdbeben registriert wurden. Davon entfielen allein 310 Erschütterungen auf Teneriffa, womit die Insel erneut das Zentrum der aktuellen seismischen Aktivität bildet. Das stärkste Beben erreichte eine Magnitude von 2,5 und ereignete sich am 9. Juni im Meeresgebiet zwischen Teneriffa und Gran Canaria.
Die insgesamt freigesetzte seismische Energie belief sich auf 0,06 Gigajoule. Neben Teneriffa wurden auf Gran Canaria und La Palma lediglich drei weitere Erdbeben registriert. Auf La Palma hält die seismische Aktivität zwar weiterhin an, bewegt sich jedoch deutlich unter den Werten, die während des Vulkanausbruchs von 2021 gemessen wurden.
Trotz der erhöhten Erdbebentätigkeit bleibt die Warnstufe für Teneriffa, Gran Canaria, El Hierro und Lanzarote auf Grün. Für Einwohner und Besucher bestehen somit keine Einschränkungen im täglichen Leben. Lediglich auf La Palma gilt weiterhin die Warnstufe Gelb, da sich die geophysikalischen und geochemischen Parameter auch mehr als vier Jahre nach dem Ende des Ausbruchs noch nicht vollständig normalisiert haben.
Bei der Bodenverformung wurden auf keiner der Inseln signifikante Veränderungen festgestellt. Darin liegt zugleich einer der markantesten Unterschiede zur Aktivität der Campi Flegrei: Dort geht die hohe Seismizität mit einer anhaltenden Bodenhebung, starkem Gasausstoß und steigenden Temperaturen einher. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass sich Magma in Tiefen von weniger als fünf Kilometern befindet. In solchen Tiefen sammelt sich Magma gewöhnlich an, wenn es sich auf ein Eruption vorbereitet. Auf Teneriffa scheint sich das Magma dagegen noch in deutlich größerer Tiefe zu befinden, sodass die unmittelbare Gefahr eines Vulkanausbruchs derzeit als eher gering eingeschätzt werden kann.