
Starker Erdbebenschwarm erschüttert subglazialen Vulkan Bardarbunga – stärkstes Beben M 4,8
Gestern Abend begann ein außergewöhnlich intensiver Erdbebenschwarm am subglazialen Vulkan Bardarbunga (isländische Schreibweise Bárðarbunga), der unter dem Nordwestrand des Gletschers Vatnajökull auf Island liegt. Der Schwarm hält auch heute Morgen weiter an und besteht bis jetzt aus 378 Einzelbeben mit Magnituden größer als 0,0. Zählt man Mikrobeben mit negativen Magnituden mit, dürften sich weitaus mehr Erschütterungen zugetragen haben Die Aktivität konzentriert sich auf den nördlichen Teil der Caldera des mächtigen Zentralvulkans und zählt nach Einschätzung des Isländischen Wetteramtes zu den stärksten Ereignissen seit den Eruptionen von 2014 bis 2015.

Der stärkste Erdstoß wurde um 20:14 Uhr registriert und erreichte eine Magnitude von 4,8. Die Herdtiefe lag bei 3400 m unter dem Meeresspiegel. In Bezug auf die Stärke der Beben unter Bardarbunga spielt dieses in der Spitzenliga mit. Wenige Stunden später folgte um 22:30 Uhr ein weiteres spürbares Beben der Stärke 3,7. Hier befand sich das Hypozentrum in nur 600 m Tiefe. Erdbeben dieser Größenordnung treten an der Bardarbunga zwar immer wieder auf, die derzeitige Häufung gilt dennoch als bemerkenswert.
Innerhalb von nur sechs Stunden registrierten die Seismometer mehr als 250 Erschütterungen. Das macht rund ein Beben pro 1,5 Minuten aus. Die aktuelle Statistik weist insgesamt 378 Erdbeben aus. Davon lagen 165 unter Magnitude 1, weitere 157 zwischen Magnitude 1 und 2. Insgesamt 48 Beben erreichten Magnituden zwischen 2 und 3, während acht Erschütterungen stärker als Magnitude 3 waren, was die ungewöhnlich hohe Intensität des Schwarms unterstreicht.
Angesichts der anhaltenden Aktivität wurde der Flugfarbcode für Bardarbunga vorsorglich von Grün auf Gelb angehoben. Nach der Definition des Wetteramtes bedeutet dies, dass der Vulkan Anzeichen erhöhter Aktivität zeigt, die über den normalen Hintergrundzustand hinausgehen. Hinweise auf vulkanischen Tremor oder eines unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruchs wurden bislang nicht festgestellt, doch die Erhöhung der Alarmstufe zeigt, dass ein gewisses Risiko einer spontanen Eruption besteht.
Die aktuelle Erdbebenserie erinnert an einen ähnlichen Schwarm aus dem Januar des vergangenen Jahres, scheint nach Angaben der IMO-Forscher aber noch stärker auszufallen. Vulkanologen führen die Aktivität auf die fortschreitende Wiederaufladung des Vulkansystems nach dem Holuhraun-Ausbruch 2014 zurück. Seit dem Ende dieser Eruption wird eine allmähliche Aufblähung des Magmenreservoirs unter Bardarbunga beobachtet.
In den letzten Monaten zeigte Bardarbunga eine konstant erhöhte Seismizität. Tatsächlich gibt es eine moderate Bodendeformation, die an der Messstation KISTA deutlich zutage tritt. Der vertikale Versatz im Verlauf eines Jahres beträgt 75 mm. Dazu gesellt sich eine Horizontalkomponente von fast 100 mm. Diese Daten verdeutlichen, dass die Inflation des Vulkans anhält. Seit Anfang des Monats zeigen die Messwerte eine deutliche Verlangsamung der Bodenhebung. Möglicherweise ein Grund für den aktuellen Schwarm, der eine erneute Beschleunigung einleiten könnte.