Teneriffa: Besorgnis beim Bürgermeister wächst

Anhaltende Erdbebenaktivität unter dem Teide auf Teneriffa: Bürgermeister äußerte sich besorgt

Am Wochenende hielt die seismovulkanische Aktivität unter dem Vulkan Teide auf Teneriffa an, auch wenn sie gegenüber Anfang März in abgeschwächter Form auftrat. Dennoch wurden 59 Erdbeben unter dem Vulkan Teide registriert. Darunter in Pulsen auftretende Hybrid- und Niederfrequenzerdbeben, die direkt auf die Bewegung magmatischer Fluide zurückzuführen sind. In der letzten Woche äußerte sich der Bürgermeister von Santa Cruz besorgt und kündigte an, Notfallpläne für den Fall einer Eruption weiterzuentwickeln und eine interne Lagebeurteilung zu erstellen.



Spektogram

Am 14. und 15. März registrierten die Messstationen vor allem niederfrequente seismische Signale (LP-Events) sowie zahlreiche sogenannte Hybrid-Events im Bereich der Caldera Las Cañadas del Teide. Insgesamt wurden bislang 84 Ereignisse automatisch erkannt, von denen 59 eindeutig lokalisiert werden konnten. Ihre Magnituden liegen unter 1,8, die Herdtiefen zwischen etwa 8 und 21 Kilometern unter dem Meeresspiegel.

Zudem ereigneten sich zwei kurzzeitige Aktivitätsschübe mit verstärkten niederfrequenten Signalen. Trotz dieser Beobachtungen sehen IGN-Vulkanologen derzeit keine Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch. Die Erdbebenaktivität wird weiterhin engmaschig überwacht. Die bereits aufgefangenen Signale werden einer detaillierteren Analyse unterzogen, die die Zahl der registrierten Ereignisse noch verändern könnte.

Bereits in der vergangenen Woche äußerte sich nach langem Schweigen der Bürgermeister José Manuel Bermúdez von Santa Cruz de Tenerife – dem größten Ort der Kanareninsel –, dass die Vorgänge unter dem Vulkan nach Einschätzung der Vulkanologen „nicht normal“ seien, weshalb die Stadtverwaltung vorsorglich in einen Präventionsmodus wechselt. Ziel sei es, im Ernstfall schnell reagieren zu können und die notwendigen organisatorischen Strukturen bereits im Vorfeld festzulegen. Bermúdez betonte, dass es nicht darum gehe, Panik zu verbreiten, sondern vorbereitet zu sein.

Die Stadtverwaltung verstärkt dementsprechend ihre Vorbereitungen für einen möglichen Vulkanausbruch auf Teneriffa. Der Bürgermeister hat eine technische Expertenkommission eingerichtet, die einen umfassenden Notfall- und Einsatzplan ausarbeiten soll.

Hauptstadt mit zentraler Rolle im Krisenfall

Obwohl die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass Lavaströme direkt die Hauptstadt erreichen, könnte Santa Cruz im Fall einer Eruption eine entscheidende Rolle für die gesamte Insel spielen. Die Stadt würde voraussichtlich zu einem wichtigen logistischen und humanitären Zentrum werden – etwa für die Aufnahme von Evakuierten aus Gemeinden rund um den Vulkan oder für die Organisation von Versorgung und Infrastruktur.

Die Verwaltung prüft deshalb bereits, welche Kapazitäten vorhanden sind, um im Notfall mehrere tausend Menschen unterzubringen. Dazu zählen mögliche Unterkünfte, die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln sowie die Aufrechterhaltung öffentlicher Dienstleistungen. Laut Bermúdez könnten die bestehenden Infrastrukturen eine „normale“ Evakuierung wahrscheinlich bewältigen, während ein außergewöhnlich großes Ereignis schwerer vorhersehbare Anforderungen stellen würde.

Expertenkommission soll Szenarien analysieren

Die neu geschaffene Kommission setzt sich aus Fachleuten verschiedener Bereiche der Stadtverwaltung zusammen, darunter Sicherheit, Infrastruktur, Verwaltung und Finanzen. Sie soll unterschiedliche Szenarien durchspielen, präventive Maßnahmen definieren und ein Koordinationsmodell mit anderen Behörden – etwa dem Inselrat und der Regionalregierung der Kanaren – entwickeln.

Das Ergebnis dieser Arbeit wird in einem vertraulichen Bericht zusammengefasst. Auf dessen Grundlage entscheidet die Stadt, welche konkreten Maßnahmen umgesetzt werden und ob das Gremium dauerhaft als Krisenstab bestehen bleibt.

Diese Meldungen versetzten die Medienwelt in Aufregung und es erschienen zahlreiche Berichte über die Pläne und Äußerungen von Bermúdez, die das Interesse der Leserschaft an den Vorgängen unter Teneriffa haben explodieren lassen. An der Aktivität des Teide hat sich indes nichts geändert: Nach wie vor könnte es mittelfristig und erst recht langfristig betrachtet zu einer Eruption kommen. Einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch sehen die Forscher allerdings nicht.