Lava des Piton de la Fournaise erreicht den Indischen Ozean – Ocean Entry aktiv
Die Lava hat am Piton Fournaise heute Nacht endlich die Küste erreicht und fließt über eine kleine Klippe ins Meer. Bei dem Meer handelt es sich um den Indischen Ozean, in dem sich die Insel La Réunion erhebt, die vulkanischen Ursprungs ist und sich – ähnlich wie Hawaii – über einen Hotspot bildete. Nach Angaben der Vulkanologen vom OVPF floss die Lava gegen 00:20 Uhr Ortszeit ins Meer und erzeugte damit einen sogenannten Ocean Entry – eines der spektakulärsten Phänomene aktiven Vulkanismus.
Der Lavastrom entspringt weiterhin dem neu entstandenen Schlackenkegel auf dem aktiven Förderschlot, der seit Eruptionsbeginn am 13. Februar gewachsen ist und dessen Seiten inzwischen komplett geschlossen sind. Die Lava fließt im oberen Bereich des Vulkans komplett durch ein neu angelegtes Tunnelsystem, wodurch sie bei gegebener Abkühlung gut isoliert ist und die ca. 10 Kilometer lange Strecke bis zur Küste zurücklegen kann. Dennoch kommt es eher selten vor, dass Lavaströme aus Schloten so weit oben am Vulkan die Küste erreichen. Typischerweise entspringen solche Lavaströme tiefer gelegenen Eruptionsspalten auf der Flanke des Piton de la Fournaise.
Das Lavafeld bildet zwei Hauptarme. Der nördliche Arm bewegt sich weiterhin langsam hangabwärts und endet derzeit rund 2,6 Kilometer oberhalb der Küstenstraße RN2 in etwa 660 Metern Höhe. Der südliche Arm hingegen entwickelte sich dynamischer. Er verzweigte sich in mehrere Nebenarme, deren Geschwindigkeit stark von der Topographie und der Vegetation entlang des Weges beeinflusst wird.
Am 13. März überquerten drei Arme des südlichen Lavastroms die Nationalstraße RN2, die entlang der Südostküste der Insel verläuft. In den folgenden Tagen setzte der Strom seinen Weg über den nunmehr sanft geneigten Vulkanhang fort. Dabei verlangsamte sich der Strom deutlich und es dauerte wesentlich länger, bis ein schmaler Frontabschnitt die Küste erreichte, als zunächst angenommen wurde. Einer der Gründe liegt darin, dass sich oberhalb der Küstenstraße ein neuer Lavaarm vom Hauptstrom abzweigte, so dass dieser weniger Nachschub frischer Lava erhielt.
Die seismische Aktivität bleibt währenddessen gering. Gleichzeitig zeigen GNSS-Messstationen weiterhin eine leichte Aufblähung des Vulkangebäudes, was auf einen erneuten Druckanstieg im Magmafördersystem hinweist.
Die Tremoramplitude hat seit dem 14. März wieder zugenommen und hat jetzt wieder fast das Niveau wie vor dem plötzlichen Rücksetzer letzte Woche erreicht. Seit der erneuten Zunahme treten am Förderschlot Gaspistons auf: explosionsartige Entgasungen, die durch große Gasblasen im Magma verursacht werden. Hierdurch kann es zu größeren Schwankungen im Lavaausstoß kommen. Am Piton Fournaise treten diese Gaspistons häufig in einem fortgeschrittenen Eruptionsstadium auf und deuten darauf hin, dass überwiegend älteres, bereits stark entgastes Magma gefördert wird. Dennoch kann es zu einem weiteren Schub jungen Magmas kommen.
Die geschätzten Lavaausflussraten liegen aktuell unter 5 m³ pro Sekunde. Trotz der momentan stabilen Situation bleibt der Vulkan unter Beobachtung, da sich in früheren Ausbrüchen neue Spalten teilweise ohne Vorwarnung geöffnet haben. Der Alarmstatus bleibt daher bei Stufe 2.2.
