Teneriffa: Erneut erhöhte Erdbebenaktivität unter dem Teide

Neuer Erdbebenschwarm unter dem Teide auf Teneriffa – stärkste Erschütterung Mb 1,6

Das seismische Netzwerk der Kanaren registrierte wieder einen Erdbebenschwarm verschiedenster Signale unter dem Westen der Caldera Las Cañadas des Teide-Massivs. Die ING-Wissenschaftler betonen, dass es sich ihrer Meinung nach eigentlich nicht um einen Erdbebenschwarm handelt, da die Beben unterschiedliche Charakteristika aufweisen. Der Nicht-Erdbebenschwarm begann gestern Abend gegen 23:30 Uhr (UTC) und wird als eine Serie niedrigfrequenter seismischer Ereignisse beschrieben. Dabei traten Impulse von LP-Events (Long-Period-Ereignissen) sowie mehrere Dutzend hybride Ereignisse auf, die sich zwischen diese Signale mischten.

Teneriffa

Das automatische Auswertungssystem registrierte rund hundert Ereignisse. Sie werden nicht als Schwarm wiederholender Beben eingestuft, da ihnen gemeinsame Merkmale fehlen, die eine Zuordnung zu derselben Ereignis-„Familie“ erlauben würden. Von bislang 114 gemeldeten Ereignissen konnten 26 lokalisiert werden. Ihre Magnituden liegen zwischen Mb 0,9 und Mb 1,6 und damit etwas höher als bei den zuletzt gemessenen Ereignissen. Alle lokalisierten Beben befinden sich im westlichen Bereich von Las Cañadas in Tiefen zwischen 7 und 15 km unter dem Meeresspiegel.

Diese Form der Aktivität – das Auftreten von LP- und hybriden Ereignissen – erhöht nach Ansicht der Forscher derzeit nicht die kurz- oder mittelfristige Ausbruchsgefahr auf Teneriffa. Keines der Signale, die das Instituto Geográfico Nacional in den letzten Wochen in diesem Gebiet registriert hat, wurde bislang von der Bevölkerung gespürt. Dennoch deuten sie auf Magmaakkumulation in der Tiefe hin, ein Prozess, der innerhalb weniger Monate zu einem Vulkanausbruch am Teide führen könnte. Zum aktuellen Zeitpunkt lassen sich jedoch keine seriösen Prognosen erstellen, ob oder wann es zu einer Eruption kommt, noch in welchem Gebiet des Vulkans sie sich manifestieren wird oder wie stark sie sein wird.

Das für die Vulkanüberwachung in Spanien zuständige Instituto Geográfico Nacional betreibt auf der Insel ein Netzwerk von mehr als 100 festen Messstationen, Instrumenten und Probenahmestellen. Damit werden seismische Aktivität, Bodenverformungen und geochemische Parameter kontinuierlich überwacht und in Echtzeit ausgewertet, um mögliche Veränderungen oder Anomalien zu erkennen, die auf eine Entwicklung der kurz-, mittel- oder langfristigen Ausbruchsgefahr hinweisen könnten.