Teneriffa: Weiterer Erdbebenschwarm am Vulkan Teide

Caldera des Vulkans Teide von weiterem Erdbebenschwarm erschüttert – mehr als 100 Beben an einem Tag

Auf Teneriffa registrieren die seismologischen Messnetze des Instituto Geográfico Nacional de España (IGN) seit den frühen Morgenstunden eine erneute Verstärkung der seismomagmatischen Aktivität unter dem Vulkan Teide. Innerhalb von 24 Stunden wurden mehr als 100 Erdbeben aufgezeichnet. Das stärkste Beben erreichte eine Magnitude von Mb 2,0 und wurde von der Bevölkerung nicht wahrgenommen.

Teneriffa. © IGN

Die Epizentren konzentrieren sich überwiegend auf den westlichen Bereich der Gipfelcaldera Las Cañadas del Teide im Grenzgebiet der Gemeinden Guía de Isora und Vilaflor de Chasna. Die Hypozentren wurden in Tiefen zwischen 10 und 16 Kilometern unter dem Meeresspiegel lokalisiert. Damit ähnelt der aktuelle Schwarm den meisten Ereignissen der vergangenen Wochen. Allerdings muss klargestellt werden, dass es sich de facto um einen anhaltenden Erdbebenschwarm handelt, dessen Intensität phasenweise zunimmt. Die Aktivität geht zwischenzeitlich nie so weit zurück, dass der Schwarm als beendet betrachtet werden könnte.

Die aufgezeichneten Signale umfassen überwiegend hybride Ereignisse sowie vulkanotektonische und niederfrequente Erdbeben. Sie zeugen von der Bewegung magmatischer Fluide im tieferen Untergrund. Hervorzuheben ist dabei, dass sich die Erdbebenherde allmählich in geringere Tiefen verlagern, was als Hinweis auf aufsteigendes Magma interpretiert werden kann.

Die aktuelle Episode ähnelt laut IGN den Ereignissen der vergangenen Monate und gilt als Teil eines wiederkehrenden seismischen Musters. Die Daten werden als vorläufig eingestuft und können nach weiteren Analysen noch angepasst werden.

Trotz der erneuten Aktivität sieht das IGN derzeit kein erhöhtes kurz- oder mittelfristiges Eruptionsrisiko für die Insel. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass unter Teneriffa komplexe magmatische Systeme existieren, die regelmäßig schwache seismische Aktivität erzeugen können. Vergleichbare Schwärme wurden in der Vergangenheit wiederholt beobachtet, ohne dass es zu einem Vulkanausbruch gekommen ist.

Als jemand, der seit mehr als drei Jahrzehnten Vulkane und Erdbeben beobachtet und darüber berichtet, beunruhigt mich die öffentliche Einschätzung der IGN-Forscher mehr als die Erdbeben selbst. Die Erdbebenschwärme zeigen aus meiner Sicht recht deutlich, dass sich der Vulkan auf einen Ausbruch vorbereitet. Zwar kann niemand genau prognostizieren, ob und wann es zu einer Eruption kommen wird, doch die Erfahrung lehrt, dass die Situation ausgehend vom aktuellen Stadium der Magmenakkumulation in etwa zehn Kilometern Tiefe innerhalb weniger Tage eskalieren könnte. Zwar sind die wiederkehrenden Erdbebenschwärme noch keine Anzeichen final aufsteigenden Magmas, aber es sind klar Prozesse in Vorbereitung einer Eruption. Wahrscheinlich wird sich der finale Magmenaufstieg durch eine signifikante Steigerung der Erdbebenaktivität hin zu mehreren Tausend Beben am Tag ankündigen. Dann steht ein Vulkanausbruch unmittelbar bevor.

Die Einschätzung der Vulkanologen hinsichtlich eines kurzfristigen Zeitraums von wenigen Stunden oder Tagen teile ich grundsätzlich. Betrachtet man jedoch mittelfristige Zeiträume von mehreren Tagen bis Wochen, ergibt sich bereits ein anderes Bild. Auf Sicht von Monaten oder Jahren halte ich eine Eruption des Teide sogar für sehr wahrscheinlich.