Schweres Doppelbeben erschüttert Venezuela – Dutzende Tote und schwere Schäden an der Karibikküste
Datum: 24.06.2026 | Zeit: 22:05:14 UTC | Koordinaten: 10.422 ; -68.376 | Tiefe: 35 km | Mw 7,5
Ein außergewöhnliches Doppelbeben hat am späten Abend des 24. Juni 2026 weite Teile Venezuelas erschüttert und schwere Verwüstungen angerichtet. Nach offiziellen Angaben kamen mindestens 32 Menschen ums Leben, mehr als 700 wurden verletzt. Besonders betroffen sind die Bundesstaaten Carabobo und Yaracuy an der zentralen Karibikküste des Landes.

Das erste Erdbeben ereignete sich um 22:04:32 UTC im Bundesstaat Yaracuy. Laut EMSC erreichte es eine Magnitude von 7,1 und hatte sein Hypozentrum in nur 10 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum lag rund 33 Kilometer östlich von San Felipe und etwa 60 Kilometer westnordwestlich der Millionenstadt Valencia. Nur 42 Sekunden später folgte ein noch stärkeres Beben der Magnitude 7,5 im Bundesstaat Carabobo. Dessen Epizentrum befand sich rund 20 Kilometer westsüdwestlich von Morón beziehungsweise 40 Kilometer westsüdwestlich von Puerto Cabello. Die Herdtiefe betrug 35 Kilometer.
Die Erschütterungen waren in weiten Teilen Venezuelas sowie in mehreren Nachbarstaaten zu spüren und wirkten sich selbst auf der 160 Kilometer entfernt liegenden Hauptstadt Caracas verheerend aus. Zahlreiche Wohnhäuser, öffentliche Gebäude und Verkehrswege wurden beschädigt oder zerstört. Besonders entlang der dicht besiedelten Küstenregion zwischen Morón, Puerto Cabello und La Guaira kam es zu Gebäudeeinstürzen. Strom- und Kommunikationsausfälle erschwerten die Rettungsarbeiten. Tausende Menschen verbrachten die Nacht aus Angst vor Nachbeben im Freien.
Seismologen sprechen von einem seltenen „Doppelereignis“. Dabei lösen zwei große Brüche innerhalb weniger Sekunden nacheinander erhebliche Spannungen im Untergrund. Das erste Beben schwächte zahlreiche Bauwerke, bevor das zweite, stärkere Ereignis weitere Schäden verursachte. Aufgrund der vergleichsweise großen Herdtiefe des zweiten Bebens wurden seine Auswirkungen an der Oberfläche etwas gedämpft.
Tektonische Einordnung des doppelten Erdbebens in Venezuela

Großtektonisch betrachtet liegt Venezuela an der Grenze zwischen der Karibischen Platte und der Südamerikanischen Platte, die sich mit etwa einer Geschwindigkeit von ca. 2 cm pro Jahr gegeneinander bewegen. Anders als an den Anden dominiert hier keine klassische Subduktionszone, sondern eine komplexe Transformgrenze aus rechtsseitigen Blattverschiebungen und Normalstörungen. Die Karibische Platte bewegt sich relativ zur Südamerikanischen Platte nach Osten, wodurch entlang großer Störungssysteme wie der Boconó-, San-Sebastián- und El-Pilar-Störung erhebliche Spannungen aufgebaut werden. Die beiden Beben vom 24. Juni gelten nach bisherigem Kenntnisstand als Folge eines Bruchs innerhalb dieses aktiven Blattverschiebungssystems und manifestierten sich wahrscheinlich an der Boconó-Störung.
Die Region zählt zu den erdbebengefährdetsten Gebieten der Karibik. Zu den schwersten historischen Ereignissen gehört das Caracas-Erdbeben von 1812, bei dem schätzungsweise 20.000 bis 30.000 Menschen ums Leben kamen. Auch das Erdbeben von Caracas im Jahr 1967 sowie das Magnitude-7,3-Beben vor der Küste Nordostvenezuelas im Jahr 2018 verdeutlichen die anhaltende tektonische Aktivität des Landes. Das Doppelbeben von 2026 reiht sich nun in die Liste der stärksten und folgenreichsten Erdbeben der modernen venezolanischen Geschichte ein.
Update: Die Herdtiefe des stärkeren Bebens wurde neu berechnet und wird jetzt mit 10 Kilometern angegeben. Auch bezüglich ihrer Epizentren scheint es Unstimmigkeiten zwischen den Angaben verschiedener Erdbebendienste zu geben. Das Gefon des GFZ-Potsdam, das heute Morgen nur ein Beben verortet hatte, zeigt das Epizentrum des stärkeren Erdbebens nun viel näher bei Caracas an, was in Bezug auf die entstandenen Schäden plausibel erscheint.