
Neue Studie zeigt: Magmareservoir des Nevados de Chillán blieb trotz Lavaförderung unter Druck
Der chilenische Vulkankomplex Nevados de Chillán gehört zu den am besten überwachten und zugleich aktivsten Vulkanen der südlichen Anden. Eine neue Studie im Bulletin of Volcanology liefert wichtige Erkenntnisse über das Magmasystem, das hinter dem langjährigen Eruptionszyklus von 2015 bis 2023 stand. Die Ergebnisse sind auch für die aktuellen Gefahreneinschätzung relevant, denn am Fuß des Vulkans befindet sich mit den Nevados-de-Chillán-Skigebieten eine bedeutende touristische Infrastruktur, die durch weitere Ausbrüche gefährdet werden könnte.
Die Forscher werteten Daten aus zehn Jahren intensiver Vulkanüberwachung aus und kombinierten seismische Messungen mit GNSS- und InSAR-Daten, die mithilfe von Satellitenradar gewonnen wurden. Dabei zeigte sich, dass sich der Vulkan zwischen 2019 und 2022 infolge anhaltender Magmaintrusion deutlich aufblähte. Die Oberfläche bewegte sich dabei um bis zu 25 Zentimeter entlang der Sichtlinie der Satelliten. Die Forscher gehen davon aus, dass sich in etwa 5 Kilometern Tiefe ein flacher Magmakörper befindet, der zunehmend unter Druck geriet.
Der Eruptionszyklus lässt sich in drei deutlich unterschiedliche Perioden gliedern:
- 2015–2019: leichte Absenkung des Untergrunds und relativ geringe Seismizität
- 2019–2022: starke Aufwölbung des Vulkans und zunehmende Erdbebentätigkeit
- ab Ende 2022 bis 2025: Deflation und allmähliches Abklingen der Seismizität.
Besonders bemerkenswert ist, dass die Inflation auch während der Phase mit der stärksten eruptiven Lavaförderung anhielt. Demnach drang mehr Magma in den Untergrund ein, als an der Oberfläche eruptiert wurde. Bei vielen Eruptionen überwiegt in der Hochphase dagegen der Magmaausstoß gegenüber der Akkumulation von Schmelze im Magmenkörper.

Dies spricht gegen die Vorstellung, dass sich ein einzelnes Magmareservoir während der Eruption einfach entleerte. Das von den Forschern modellierte Volumen der Druckänderung beträgt etwa 0,048 Kubikkilometer, während insgesamt nur etwa 0,01 bis 0,02 Kubikkilometer Lava gefördert wurden. Offenbar wurde das flache Magmasystem während der Eruption weiterhin mit Magma versorgt beziehungsweise unter Druck gehalten.
Auch die Aktivität an der Oberfläche war ausgesprochen vielfältig. Der Eruptionszyklus begann 2016 mit explosiven Ereignissen und setzte sich mit strombolianischen Explosionen, Ascheemissionen, Lavaströmen und Lavadomwachstum fort. Ab 2018 entstanden im Nicanor-Krater mehrere Lavadome. Mehrfach wurden Teile der Dome durch Explosionen zerstört, wobei Block-und-Asche-Ströme sowie kleinere pyroklastische Ströme entstanden. Diese erreichten mehrere hundert Meter Entfernung vom Krater; im Mai 2021 wurden sogar Strecken von rund 1,1 Kilometern registriert.
Gerade das wiederholte Wachstum und die Zerstörung der Lavadome machen den Vulkan gefährlich. Die zähflüssigen Lavamassen können instabil werden und teilweise kollabieren. Dabei können heiße Gemische aus Gas, Asche und Gesteinsfragmenten als pyroklastische Ströme die Hänge hinabrasen. Die Gefahr beschränkt sich deshalb nicht auf die unmittelbare Umgebung des aktiven Kraters.
Die Studie zeigt zugleich, wie wichtig eine kontinuierliche Überwachung des Vulkans ist. Nach dem Ende der eruptiven Phase 2022 gingen Seismizität und Inflation zwar zurück, doch die Entspannung des Systems setzte sich bis Ende 2025 fort. Die Forscher sehen darin eine allmähliche Druckentlastung des flachen Magmasystems.
Damit endete zwar der beschriebene Eruptionszyklus, doch die Ruhe währte nicht lange: Jüngst wurden erneut Ascheeruptionen beobachtet – und das mitten im Südfrühling, wenn das Skigebiet noch gut besucht ist. Historische Untersuchungen weisen ausdrücklich auf mögliche Gefahren für die Ski-Infrastruktur hin. Entsprechend wichtig ist eine lückenlose Überwachung des Vulkans.
Quelle der Studie: Symmes-Lopetegui, B., Delgado, F., Metzger, S., Ruiz, S., Báez, J. C., Cabrera, L., Li, S. & Alarcón, A. (2026):
Integrated geodetic and seismic constraints on deformation at Nevados de Chillán, 2015–2025.
Bulletin of Volcanology, DOI: 10.1007/s00445-026-02032-1.
Weitere Quellen: Global Volcanism Program, SERNAGEOMIN, vulkane.net