Vulkan-News 30.09.21: Ocean Entry

Am Cumbre Vieja auf La Palma kam es zum Ocean Entry, als Lava in den Ozean floss.

Cumbre Vieja mit Ocean Entry

Staat: Spanien | Koordinaten: 28.57, -17.84 | Eruption: Hawaiianisch

In der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch erreichte der Lavastrom die Küste und stürzte sich über die bis zu 90 m hohen Klippen ins Meer. Schnell bildete sich ein Lavadelta im Ozean, von dem relativ wenig Dampf aufsteigt. Die Gegend ist weiträumig abgesperrt. Da bei einer der letzten Eruptionen auf La Palma eine Person in der Dampfwolke eines Ocean Entrys erstickte, ist man hier besonders Vorsichtig.

Mein Apartment auf La Palma befindet sich ca. 3 km Luftlinie von den aktiven Schloten des Cumbre Vieja entfernt und Donnergrollen erfüllt die Luft. Vor gut 1 Stunde konnte ich ein Erdbeben spüren. Um die Eruption zu sehen, brauche ich nur aus dem Fenster zu Blicken: genau die richtige Atmosphäre, um über Vulkanausbrüche zu berichten. Einige Kollegen übertreiben es allerdings und schüren Panik. So konnte ich gestern eine Reporterin beobachten, die in ca. 4 km Entfernung zum Ocean Entry mit Gasmaske moderierte. Eine vollkommen unnötige Aktion, die nur Einschaltquote bringen sollte und bei den Anwohnern weitere Sorgen hervorgerufen haben dürfte. Ich konnte bereits mehrere Anwohner mit Gasmasken rumlaufen sehen, obwohl der starke Wind sämtliche Gase von ihnen Weg wehte. Dieser Ausbruch ist bestimmt nicht harmlos, aber wenn er sich in unbewohntem Gebiet ereignen würde, fände er in den Medien kaum Beachtung.

Die aktuellen Daten zu Seismizität und Bodendeformation legen nahe, dass weiter Magma aus größeren Tiefen aufsteigt und sich im Magmenkörper unter dem Vulkan sammelt. Es steigt mehr Magma auf als eruptiert wird und die Bodenhebung liegt wieder bei 25 cm. Als dieser Wert zuletzt erreicht wurde, steigerte sich die Aktivität des Vulkans deutlich. Die Erdbeben verlagerten sich mehr unter dem Gipfelbereich des Cumbre Vieja und es ist nicht auszuschließen, dass sich dort ein weiteres Eruptionszentrum bilden könnte. Die Situation erinnert mich an den Ätna-Ausbruch von 2001, der ebenfalls an der Flanke begann und bei dem sich Tage später weitere Spalten in Richtung Gipfel öffneten. Beim Mittagessen traf ich gestern den bekannten britischen Vulkanologen Clive Oppenheimer. Er wollte klugerweise keine Prognose zum weitern Verlauf abgeben, fühlte sich aber ebenfalls an die Ätna-Eruption von 2001 erinnert.

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