Vulkanismus auf der Venus aktiver als vermutet

Vulkanismus auf der Venus: Neue Studie liefert Hinweise auf einen noch aktiven Planeten

Die Venus galt lange Zeit als geologisch weitgehend erstarrter Planet. Doch neue Forschungsergebnisse zeichnen jetzt ein anderes Bild: Unter der dichten Atmosphäre unseres Nachbarplaneten könnten bis heute tektonische und vulkanische Prozesse ablaufen. Eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift Nature Geoscience liefert neue Hinweise darauf, dass große Riftzonen der Venus noch aktiv sein könnten.

Die Wissenschaftler untersuchten die ausgedehnten Grabenbruchsysteme Ganis Chasma, Devana Chasma und Dali Chasma. Mithilfe von Radardaten der NASA-Sonde Magellan, die Anfang der 1990er-Jahre die Venusoberfläche kartierte, sowie geophysikalischen Modellen analysierten sie die charakteristischen Aufwölbungen entlang der Riftflanken. Die Ergebnisse zeigen, dass diese Strukturen am besten durch eine weiterhin aktive Dehnung der Venuskruste erklärt werden können.

Maat Mons

Nach den Berechnungen der Forscher könnten sich einige Riftzonen mit Geschwindigkeiten von mehreren Zentimetern pro Jahr verändern. Ursache dürfte aufsteigendes heißes Mantelmaterial sein, das die Lithosphäre aufwölbt, ausdünnt und möglicherweise Magma aufsteigen lässt. Die Studie beweist zwar keinen aktuellen Vulkanausbruch, stärkt aber die Annahme, dass die Venus noch heute ein geologisch aktiver Planet sein könnte.

Zugleich wirft die Studie die Frage auf, was mit dem überschüssigen Gesteinsmaterial einer potenziellen Krustendehnung geschieht, schließlich wird der Planet ja nicht größer. Planetenforscher gehen bis jetzt davon aus, dass es auf der Venus weder Subduktion noch Plattentektonik gibt, weshalb der Planet auch kein schützendes Magnetfeld besitzt. Einen Erklärungsansatz liefern die Faltengebirge der Venus, die die Dehnung und Kompression der Erdkruste entlang der Riftzonen kompensieren könnten.

Geologische und insbesondere tektonische und vulkanische Prozesse schaffen auf der Erde Grundvoraussetzungen für biologisches Leben, indem sie Gase, Flüssigkeiten und wichtige Mineralstoffe an die Erdoberfläche transportieren und das schützende Erdmagnetfeld erzeugen. Doch auch wenn die Venus geologisch aktiver als bislang angenommen sein sollte, ergeben sich hieraus noch keine günstigen Lebensbedingungen, denn auf der Venusoberfläche ist es heiß, höllisch heiß sogar.

Die Venus besitzt eine außergewöhnlich hohe vulkanische Dichte. Radaraufnahmen zeigen Tausende Vulkane und vulkanische Strukturen, von kleinen Schildvulkanen bis zu gewaltigen Vulkanbergen. Besonders bekannt ist Maat Mons, ein fast neun Kilometer hoher Schildvulkan und einer der höchsten Berge der Venus. Seine Bedeutung erlangte er, nachdem Forscher alte Magellan-Aufnahmen verglichen und 2023 Hinweise auf eine Veränderung eines Vulkanschlots fanden. Die Formänderung wurde als mögliches Zeichen einer Eruption oder eines frischen Lavastroms interpretiert – der erste überzeugende Hinweis auf aktuell aktiven Vulkanismus außerhalb der Erde.

Weitere große Vulkane sind Sapas Mons und Gula Mons, die ebenfalls durch die Radarkartierung der Magellan-Mission entdeckt und untersucht wurden. Anders als die oft steilen Stratovulkane der Erde handelt es sich bei den meisten Venusvulkanen um breite Schildvulkane, die durch dünnflüssige basaltische Lava aufgebaut wurden.

Weitere Hinweise auf Aktivität liefern Messungen der Raumsonde Venus Express. Sie registrierte zeitweise ungewöhnlich hohe Infrarotemissionen an bestimmten Regionen, die möglicherweise auf noch warme Lava hindeuten. Auch Schwankungen des atmosphärischen Schwefeldioxids werden als mögliches Signal vulkanischer Entgasung diskutiert.

Die Bedingungen auf der Venus unterscheiden sich drastisch von denen der Erde. Die Oberfläche herrscht unter einem Druck von rund 92 bar – vergleichbar mit einer Tiefe von fast einem Kilometer im irdischen Ozean. Die Atmosphäre besteht zu etwa 96 Prozent aus Kohlendioxid, und eine globale Wolkendecke aus Schwefelsäure verhindert den Blick auf die Oberfläche im sichtbaren Licht. Mit durchschnittlich rund 465 Grad Celsius ist die Venus heißer als der Merkur, obwohl sie weiter weg von der Sonne ist. Zudem schmilzt bei diesen Temperaturen nicht nur Bleich, sondern sie liegen auch nahe an der Solidustemperatur der Lengai-Lava.

Trotz dieser extremen Bedingungen könnte der Planet geologisch lebendig sein. Die neuen Ergebnisse legen nahe, dass die Venus möglicherweise noch immer von denselben Kräften geprägt wird, die ihre Oberfläche seit Milliarden Jahren verändern: aufsteigendem Mantelmaterial, tektonischer Dehnung und Vulkanismus. Künftige Missionen wie VERITAS, DAVINCI und EnVision sollen klären, ob heute tatsächlich noch Lava auf der Venus fließt.

Quelle: Yang, X., Gerya, T. V. & Gülcher, A. J. P. (2026): Recent active rifting on Venus revealed by wide rift flank uplifts. Nature Geoscience, veröffentlicht am 24. Juli 2026. DOI: 10.1038/s41561-026-02044-8.