Yellowstone: Echinus-Geysir aktiv geworden

echnius

Yellowstone zeigt sich von seiner dynamischsten Seite: Rückkehr eines alten Geysirs

Die Aktivität der Yellowstone-Caldera ist auch ohne Vulkanausbruch äußerst dynamisch und sorgt immer wieder für Überraschungen. So meldete das Yellowstone Volcano Observatory (YVO) gestern Abend, dass ein seit Jahren ruhender Geysir im Norris Geyser Basin bereits Anfang Februar unerwartet ausgebrochen ist und seitdem regelmäßig aktiv ist: die Rede ist vom Echinus-Geysir, dem größten „sauren“ Geysir der Welt. Sein Wasser weist einen so niedrigen pH-Wert auf, dass Vulkanologen ihn mit Orangensaft oder verdünntem Essig vergleichen.




Die Acidität des Wassers, das sich im Becken des Echinus-Geysirs sammelt, schwankt zwischen pH 3,3 und 3,6. Trotz dieser Werte besitzt das Wasser lediglich die Eigenschaften einer schwach bis mäßig sauren Lösung – es verätzt die Haut also nicht sofort bei Kontakt. Dennoch gelten „saure“ Geysire als instabiler als ihre alkalischen Pendants. Grund dafür sind im Wasser gelöste Gase wie Schwefeldioxid und Kohlendioxid, die kalkhaltige Gesteine wie Sinter angreifen und erodieren. Da die meisten Geysirbecken aus Kalksinter bestehen, reagieren sie besonders empfindlich auf saure Bedingungen. Dieses Phänomen spiegelt sich sogar im Namen des Geysirs wider: Sein Entdecker fühlte sich beim Anblick des stark erodierten Beckens an einen Seeigel erinnert und benannte ihn nach der Gattung „Echinus“.

Umso bemerkenswerter ist es, dass sich unter diesen Bedingungen dennoch eine stabile Geysirstruktur ausbilden konnte, die ausreichend Druck aufbaut, um Wasserfontänen von bis zu 23 Metern Höhe zu erzeugen. Derzeit erreicht Echinus allerdings geringere Höhen: Laut Bericht steigen die Fontänen aktuell auf etwa 6 bis 10 Meter. Ein erster Ausbruch wurde am 7. Februar beobachtet, bis zum 15. Februar folgten drei weitere. Seit dem 16. Februar treten die Eruptionen in Intervallen von zwei bis fünf Stunden auf. Im Februar wurden mehr als 40 Sprünge des Geysirs detektiert.

Die Wiederbelebung des Echinus-Geysirs fällt in eine Phase verstärkter geothermischer Aktivität im Norris Geyser Basin, die von einer leichten Bodenhebung geprägt ist, welche im vergangenen Sommer begann. Bereits im letzten Winter häuften sich Berichte über neu entstandene Heißwasserquellen. Besonders im Fokus stand dabei die Bildung eines neuen Wasserbeckens im Porcelain Basin. Noch spektakulärer war jedoch die Reaktivierung des Valentine-Geysirs, der im Herbst erstmals seit mehr als 20 Jahren wieder ausbrach. Hinzu kommt, dass am 27. Februar Steamboat Geyser sprang. Es war der erste Sprung des weltgrößten Geysirs in diesem Jahr. Im letzten Jahr gab es insgesamt nur 3 Sprünge, den letzten am 31. Dezember. Somit betrug die Pause 57 Tage.

Bei der aktuellen Bodenhebung -die im Februar allerdings pausierte- handelt es sich um eine Reaktivierung der sogenannten Norris-Uplift-Anomalie, die bereits Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre beobachtet wurde. Zuletzt sorgte sie zwischen 2013 und 2018 in einer zweiphasigen Hebungsperiode für mediale Aufmerksamkeit. Zwar ist die derzeitige Hebung vergleichsweise gering und für ein dynamisches Vulkansystem nicht ungewöhnlich, doch weist sie auf Veränderungen in der Verteilung von Fluiden und Druckverhältnissen im Untergrund hin, die indirekt Einfluss auf die hydrothermale Aktivität haben könnten.