Yellowstone: Ungewöhnliche hydrothermale Aktivität im September

Ungewöhnliche hydrothermale Aktivität im Yellowstone – Black Diamond Pool und Giant Geyser im Fokus

Die Entwicklung der hydrothermalen Aktivität der Yellowstone-Caldera verlief im September bemerkenswert: Es wurden mehrere ungewöhnliche Eruptionen von Geysiren und Thermalbecken dokumentiert, obwohl die Erdbebentätigkeit und die Bodendeformation auf Hintergrundniveau blieben. Besonders auffällig waren Aktivitäten am Black-Diamond-Pool im Biscuit Basin sowie eine neue Phase häufiger Eruptionen des Giant Geyser.



Der Black-Diamond-Pool, der am 23. Juli 2024 Schauplatz einer starken hydrothermalen Explosion gewesen war, eruptierte in der zweiten Septemberhälfte mehrfach. Insgesamt registrierte das Yellowstone Volcano Observatory (YVO) vier Eruptionen. Besonders stark war ein Ereignis am Abend des 23. September, bei dem Wasser und Schlamm bis zu 10 Meter hoch in die Luft geschleudert wurden. Der Pool steht seit der Explosion von 2024 unter besonderer Beobachtung. Eine 2025 installierte Messstation mit Kamera, nebst Seismometer und Infraschallsensoren sowie weiteren Instrumenten registriert die Aktivität. Trotz der Kameras wurden von den Ereignissen keine mir bekannten Fotos veröffentlicht.

Neuer Pool

Neben dem bereits bekannten Pool war auch das deutlich kleinere, dafür neu entstandene Thermalbecken unmittelbar nördlich des Black-Diamond-Pools aktiv. Der Pool bildete sich nach der hydrothermalen Explosion vom 13. Juni 2026 durch einen Kollaps des Untergrunds. Das kleine Heißwasserbecken eruptierte am 24. und 27. September mehrfach. Am Abend des 27. September kam es schließlich zu einer hydrothermalen Explosion. Dabei wurde eine Fontäne aus kochendem Wasser, Dampf, Schlamm und Gesteinsbrocken mindestens 30 Meter hoch geschleudert. Nach Angaben des YVO war dies die erste bedeutende Explosion dieses neuen Thermalbeckens. Das Ereignis wurde von den nahe gelegenen seismischen, akustischen und optischen Messsystemen aufgezeichnet, doch auch hier fehlen Bilder und zeitnahe Medienberichte. Der Mangel an Bildern könnte damit erklärt werden, dass es zur Zeit der Eruption um 20:17 Uhr Lokalzeit bereits dunkel war. Doch auch von früheren Eruptionen des neuen Beckens fehlen Bilder, obwohl im Sommer extra eine neue Kamera installiert wurde, die diesen Bereich überblickt.

Giant-Geyser

Im Upper Geyser Basin zeigte sich ebenfalls eine ungewöhnliche Entwicklung am Giant Geyser. Er zählt mit einer Eruptionshöhe von bis zu 76 Metern zu den Geysiren mit der größten Eruptionshöhe, der allerdings normalerweise selten ausbricht. Er sprang am 10. und 22. September. Damit kam er in diesem Jahr bereits auf vier beziehungsweise fünf Eruptionen. Bemerkenswert sind vor allem die kurzen Intervalle: Seit August kam es etwa alle 10 bis 12 Tage zu Ausbrüchen. Laut YVO handelt es sich um die erste derartige Phase häufiger Aktivität seit 2018–2019.

Die Aktivitätszunahme beschränkt sich nicht auf Giant. Der Echinus-Geyser im Norris-Geyser-Becken eruptierte am 15. September und setzt damit eine seit Monaten beobachtete Phase gelegentlicher Eruptionen fort. Steamboat Geyser zeigte dagegen nur sporadische kleinere Ausbrüche.

Trotz der auffälligen hydrothermalen Vorgänge gibt es derzeit keine Hinweise auf eine grundlegende Veränderung des vulkanischen Systems der Yellowstone-Caldera. Im September wurden 77 Erdbeben registriert, das stärkste hatte Magnitude 3,4. Die Caldera zeigte keine signifikante Netto-Deformation. Der Vulkanalarm bleibt daher auf NORMAL, der Luftfahrt-Farbcode auf GRÜN.