
Morphologisch präsentiert sich der Kupreanof als klassischer Schichtvulkan mit steilen Flanken, die durch den Wechsel von Lavaströmen und pyroklastischen Ablagerungen aufgebaut wurden. Die heutige Oberfläche wird jedoch stark von Vergletscherung überprägt. Mehrere Eiskappen und Talgletscher formen die Flanken und maskieren große Teile der ursprünglichen Vulkanstruktur. An der Westflanke nahe des Gipfels befindet sich ein aktives Fumarolenfeld, das kontinuierlich Wasserdampf und vulkanische Gase freisetzt und auf ein persistierendes hydrothermales System hinweist.
Tektonisch betrachtet liegt der Vulkan im Aleutenbogen, einer aktiven Subduktionszone, in der die Pazifische Platte unter die Nordamerikanische Platte abtaucht. Diese Konvergenzzone ist eine der produktivsten vulkanischen Regionen der Erde und verantwortlich für eine Reihe explosiver Stratovulkane entlang Alaskas und der Aleuten.
Petrologisch besteht der Kupreanof überwiegend aus intermediären Magmen: Häufigster Vulkanit ist der Andesit, gefolgt von basaltischen Andesiten, wie sie typisch für Subduktionszonen sind. Diese Gesteine deuten auf eine mäßig differenzierte Magmenentwicklung hin, bei der Mantelschmelzen durch die Interaktion mit der kontinentalen Kruste angereichert werden. Explosive Eruptionen mit Aschebildung sowie effusive Lavaströme sind grundsätzlich möglich, wobei das Vorhandensein von wasserreichen Bedingungen durch Einfluss der Gletscher zusätzlich das Risiko von phreatomagmatischen Ereignissen und Laharen erhöht.
Die Eruptionsgeschichte des Mount Kupreanof ist weitgehend unbekannt. Es sind keine gesicherten historischen Ausbrüche dokumentiert, was ihn zu einem der schlecht erforschten Vulkane der Region macht. Lediglich einzelne geologische Hinweise deuten auf vergangene explosive Aktivität hin. Zu diesen hinweisen zählen die Ablagerungen eines möglichen Schutt- oder Block-und-Aschestrom aus dem Holozän, der südlich des Vulkans entdeckt wurde. Insgesamt gilt der Vulkan als potenziell aktiv, aber in historischer Zeit ruhig.
Aktuelle Beobachtungen zeigen jedoch eine deutliche Veränderung. Seit Februar 2026 wurde eine zunehmende seismische Aktivität registriert, einschließlich Erdbeben bis Magnitude 3,1. Parallel dazu wurden erstmals erhöhte Schwefeldioxid-Emissionen festgestellt, die deutlich über Hintergrundwerten liegen. Diese Signale deuten auf eine wahrscheinliche magmatische Intrusion in mehreren Kilometern Tiefe hin. Obwohl derzeit keine unmittelbare Eruption erwartet wird, zeigt der Vulkan klare Anzeichen einer Reaktivierung und wird entsprechend verstärkt überwacht.
Online seit 2026. Foto: © Tom Miller/AVO/USGS.