
Krascheninnikov - Vom Erdbeben erweckt
Der Vulkan Krascheninnikov liegt im südlichen Teil der russischen Halbinsel Kamtschatka und dort innerhalb des östlichen Vulkangürtels, an einer der aktivsten Subduktionszonen der Erde. Er befindet sich im abgelegenen Kronozki-Naturreservat, rund 15 km südlich des bekannteren Kronozki-Vulkans, und ist von nahezu unberührter Taiga und vulkanisch geprägter Wildnis umgeben. Tektonisch steht der Vulkan im Zusammenhang mit der Subduktion der Pazifischen Platte unter die Okhotsk-Platte am Kamtschatkagraben.
Morphologisch handelt es sich beim Krascheninnikov nicht um einen einzelnen Kegel, sondern um einen komplexen Stratovulkan, der aus zwei sich überlagernden Schichtvulkanen besteht. Diese liegen innerhalb einer großräumigen Caldera von etwa 9 × 11 km Ausdehnung. Der südliche Vulkankomplex ist der ältere und begann seine Entwicklung vor rund 13.000 Jahren, während der nördliche Teil etwa 5.000 Jahre später entstand. Beide Hauptkegel besitzen große Gipfelkrater mit Durchmessern von mehreren hundert Metern; im nördlichen Bereich existiert zudem eine calderaartige Depression mit mehreren Schlotsystemen.
Petrografisch zeigt der Krascheninnikov ein breites Spektrum an andesitischen bis dazitischen Gesteinen. Lokal treten auch basaltische Laven auf. Diese Zusammensetzung ist typisch für die Subduktionszonenvulkane Kamtschatkas und begünstigt explosive Eruptionsstile, da die Magmen vergleichsweise viskos und gasreich sind. Pyroklastische Ablagerungen, Tuffe und Lavaströme überlagern sich weiträumig.
Die Eruptionsgeschichte des Vulkans ist lang, aber historisch nur lückenhaft dokumentiert. Geologische Befunde deuten auf wiederholte explosive Phasen hin, doch der letzte bekannte Ausbruch lag etwa 500‐600 Jahre zurück. Entsprechend galt der Vulkan lange Zeit als ruhend, jedoch nicht als erloschen.
Am 3. August 2025 änderte sich diese Einschätzung abrupt. Kurz nach einem Megabeben vor der Küste der Regionalhauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski wurde der Krascheninnikov reaktiviert und begann erstmals seit Jahrhunderten wieder zu eruptieren. Es kam zu Ascheeruptionen und effusiven Lavaaustritten. Lavaströme flossen über mehrere Monate hinweg über die Ostflanke des Vulkans. Der Ausbruch machte deutlich, dass auch lange ruhende Vulkane weiterhin ein großes Eruptionspotenzial besitzen und dass starke Erdbeben Vulkanausbrüche triggern können.
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