Mammoth Hot Springs 2007

Im Sommer 2025 besuchte ich zum dritten Mal die Yellowstone-Caldera in den USA und staunte nicht schlecht über die vielfältigen Veränderungen, die sich in den vergangenen 35 Jahren manifestiert haben. Einige davon waren subtil, wie etwa die zunehmende Unzuverlässigkeit mancher Geysire, deren Eruptionen früher besser vorhersagbar waren und sich zeitlich präziser einordnen ließen. Andere Veränderungen fielen sofort ins Auge, etwa die veränderte Terrassenstruktur und Wasserführung der Mammoth Hot Springs: Wo früher Wasser für strahlend weiße Kalkablagerungen sorgte, dominiert heute stellenweise ein tristes Grau. Dafür sind an anderer Stelle neue Terrassen mit den klassischen Stalagmitenstrukturen entstanden.
Am Castle-Geyser änderte sich ebenfalls der Lauf des Wassers, sodass der Geysir eruptierte. Dadurch sind die Kalksinter vor dem Geysir trockengefallen, was seiner Fotogenität schadete. Er sprang deutlich unzuverlässiger als ich es von früheren Besuchen kannte.
Erfreulich ist, dass die Narben der gewaltigen Waldbrände von 1988 weitgehend verschwunden sind. Dennoch waren in den Flusstälern entlang der Hauptrouten kaum noch Bisons oder andere Wildtiere zu sehen.
Auch touristisch hat sich Yellowstone stark verändert. Vor allem die Besucherzahlen sind in den letzten Jahren massiv gestiegen, sodass bereits am späten Vormittag viele Parkplätze an den Geyser-Basins überfüllt sind und sich auf den Zufahrtsstraßen Staus bilden. Der Parkplatz an der Yellowstone Lodge im Upper-Geyser-Basin hat inzwischen gewaltige Dimensionen angenommen.
Die Dimensionen des Yellowstone-Vulkans selbst, der nur aus dem Weltraum vollständig zu überblicken ist, sind ebenso gigantisch wie die Zunahme des Tourismus und der Verlust eines ruhigen Idylls ‐ zumindest während der Hauptsaison. Die Veränderungen der zahlreichen vulkanischen Manifestationen, für die Yellowstone bekannt ist, stehen in engem Zusammenhang mit der Dynamik des hydrothermalen Systems, das durch Magma in der Tiefe gespeist wird. Während Geoforscher der Öffentlichkeit häufig vermitteln, dass das eine mit dem anderen wenig zu tun habe, sehe ich das differenzierter. In den vergangenen zwei Jahren sind mehrere bemerkenswerte Studien erschienen, die eine Migration von Magma im Untergrund belegen. Diese kann durchaus auf das Hydrothermalsystem einwirken und durch einen veränderten Wärmefluss mitverantwortlich sein, wenn der Steamboat-Geysir plötzlich deutlich häufiger eruptiert, neue Quellen und Schlammtöpfe entstehen oder es zu hydrothermalen Explosionen kommt. Solche Veränderungen müssen keine Vorboten eines bevorstehenden Vulkanausbruchs sein, zeugen jedoch von der außergewöhnlichen Dynamik des Systems und vom Vorhandensein fließfähiger Schmelze im Untergrund.
Die Studien konzentrierten sich vor allem auf die innere Struktur des Magmasystems. Dabei identifizierten die Forschenden eine volatile-reiche Zone in geringer Tiefe von rund vier Kilometern unter der Oberfläche, die wie ein "Deckel" wirkt. Diese poröse Magmaschicht ermöglicht es, Gase kontinuierlich entweichen zu lassen, sodass sich kein extremer Druck aufbaut. Das erklärt, warum das System trotz anhaltender Aktivität vergleichsweise stabil bleibt und im Falle eines Ausbruchs nicht mit einem Supervulkanausbruch gerechnet wird.
Moderne seismologische Methoden, insbesondere der Einsatz von Machine-Learning-Algorithmen, führten zudem zu einer deutlich verbesserten Erfassung kleinster Erdbeben. Zehntausende zuvor nicht erkannte Mikrobeben konnten in älteren Datensätzen nachträglich identifiziert werden. Sie treten häufig in Schwärmen auf und stehen mit Fluidbewegungen sowie Spannungsumlagerungen in der Erdkruste in Zusammenhang. Heute gelten sie als normaler Bestandteil der Dynamik des Systems.
Auch die räumliche Verteilung des Magmas wurde neu kartiert. Einige Studien deuten darauf hin, dass sich magmatische Schmelzen langfristig innerhalb der Caldera verlagern, unter anderem in Richtung nordöstlicher Bereiche. Diese Prozesse spielen sich jedoch über lange geologische Zeiträume ab und haben keine kurzfristige Bedeutung für die Gefahrenlage.
Messungen der Bodenverformung zeigen weiterhin Phasen leichter Hebung und Senkung, wie sie in Yellowstone seit Jahrzehnten beobachtet werden. Solche Bewegungen werden als Reaktion auf Druckänderungen durch Fluide und Magma interpretiert und gelten nicht als Eruptionsvorboten. Ergänzend liefern neue geophysikalische Verfahren wie die Magnetotellurik hochauflösende Bilder des Untergrunds.
Insgesamt zeichnen die Forschungsergebnisse seit 2024 das Bild eines hochdynamischen, aber gut "entlüfteten" Vulkansystems, dessen Prozesse intensiv überwacht werden und das derzeit keine Anzeichen für eine bevorstehende Supereruption zeigt.

Lage: 44.43 N 110.67 W, USA
Höhe: 2.805 m
Art: Caldera-Vulkan
Typ: Hot-Spot-Vulkansimus
Petrographie: Rhyolith
Ausbruchsart: ultra-plinianisch