Yellowstone-Caldera: Wo ist das Schwefeldioxid geblieben?

Rätsel um das Fehlen von Schwefeldioxid-Emissionen in der Yellowstone-Caldera gelöst

Unter der idyllischen Landschaften des Yellowstone-Nationalparks mit ihren weiten Wäldern und Prärien verbirgt sich eines der gewaltigsten Vulkansysteme der Erde: die Yellowstone-Caldera. Sie entstand durch mehrere calderabildende Eruptionen, zuletzt vor etwa 640.000 Jahren, und misst rund 70 × 45 Kilometer. Heute ist sie kein Ort von Lavaströmen, sondern ein Gebiet intensiver hydrothermaler Aktivität, das Forschenden tiefe Einblicke in die Prozesse eines aktiven Supervulkans erlaubt.

Norris

Ein besonders spannender Aspekt ist das Verhalten vulkanischer Gase – allen voran das scheinbare Fehlen von Schwefeldioxid-Emissionen (SO₂). In vielen aktiven Vulkanregionen ist SO₂ ein zentrales Überwachungssignal. Vulkane wie der Kīlauea oder der Ätna stoßen täglich große Mengen dieses Gases aus. Die Gaswolken sind mithilfe von Satellitenmessungen oft über Hunderte Kilometer verfolgbar und haben direkte Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. Yellowstone dagegen zeigt ein anderes Bild: Trotz seines riesigen magmatischen Systems ist dort kaum messbares SO₂ in der Atmosphäre nachweisbar. Stattdessen riecht es aber an vielen Stellen der Thermalgebiete nach faulen Eiern. Dieser charakteristische Geruch wird von Schwefelwasserstoff (H₂S) verursacht.

Der Schlüssel zum Verständnis des im Yellowstone emittierten Gascocktails liegt im Aufbau des tief hinabreichenden Magmasystems: Unter Yellowstone befinden sich zwei Hauptreservoire: eine obere, rhyolithische Magmazone in 4 bis 17 Kilometern Tiefe und ein deutlich größeres, basaltisches Reservoir, das sich zwischen 20 und 50 Kilometern Tiefe erstreckt. Diese Tiefenlage ist entscheidend für den Verbleib des Schwefeldioxids. Während Kohlendioxid (CO₂) bereits in großer Tiefe aus dem Magma entweichen kann – weshalb Yellowstone zu den weltweit stärksten CO₂-Emittenten zählt –, wird SO₂ normalerweise erst sehr oberflächennah freigesetzt. In Yellowstone erreicht es diese flache Zone jedoch kaum, sodass nur vergleichsweise wenig SO₂ aus der Schmelze entweicht.

Das, was an Schwefeldioxid dem Magma entweicht und aufsteigt, trifft auf seinem Weg zur Oberfläche auf eines der größten hydrothermalen Systeme der Erde, das zehntausende heißen Quellen, Geysire und Fumarolen speist. Dort arbeitet eine Art natürliche Chemiefabrik: Das SO₂ löst sich im heißen Wasser und wird chemisch umgewandelt, vor allem in Schwefelwasserstoff (H₂S) und Sulfate. Der typische Geruch nach faulen Eiern in Gebieten wie dem Norris Geyser Basin ist somit kein Zeichen fehlender vulkanischer Aktivität, sondern das Endprodukt dieser Umwandlung und der Grund, warum in den emittierten Gasen kaum Schwefeldioxid nachweisbar ist.

Für die Vulkanüberwachung ist dieses Phänomen von großer Bedeutung. Würde plötzlich SO₂ an der Oberfläche gemessen, wäre das ein ernstes Warnsignal: Es würde auf aufsteigendes Magma und das Austrocknen des hydrothermalen Systems hindeuten. Solange jedoch vor allem CO₂ und H₂S dominieren, gilt Yellowstone trotz seiner Größe als geologisch aktiv, aber derzeit stabil.

Yellowstone zeigt damit eindrucksvoll, dass selbst ein Supervulkan nicht durch spektakuläre Ausbrüche auffallen muss – manchmal erzählen Gase, die man nicht misst, die spannendste Geschichte.

Yellowstone: Hydrothermale Explosion am 20. Dezember

Hydrothermale Explosion am Black-Diamond-Pool im Yellowstone. © USGS, KI-interpoliert

Weitere Hydrothermale Eruption erschüttert Black Diamond Pool im Biscuit Basin im Yellowstone

Gestern Morgen ereignete sich in der Yellowstone-Caldera um 09:22:51 Uhr (MST) eine weitere hydrothermale Explosion. Ort des Geschehens war wieder der Black-Diamond-Pool im Biscuit Basin, wo es seit Juli 2024 mehrere dampfgetriebene Eruptionen gegeben hat. Das Ereignis dauerte rund fünf Sekunden und wurde unter klaren Winterbedingungen von einer Webcam des Yellowstone Volcano Observatory (YVO) aufgezeichnet. Eine dunkle Schlamm- und Wasserfontäne schoss mehrere Meter hoch aus dem Pool empor, begleitet von Dampf und akustisch deutlich wahrnehmbaren Geräuschen.

Der Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Ereignisse ein, die seit der großen hydrothermalen Explosion vom 23. Juli 2024 auftreten. Damals wurde ein Boardwalk zerstört, Gesteinsbrocken und Schlamm wurden mehrere hundert Meter weit ausgeworfen. Seit diesem Ereignis zeigt der Black-Diamond-Pool ein instabiles Verhalten mit sporadischen, schmutzigen Schlammeruptionen, die Höhen von etwa 9 bis 12 Metern erreichen können.

In den Wochen vor dem Ereignis gestern registrierten Messinstrumente wiederholt nächtliche oder witterungsbedingt verdeckt ablaufende Ereignisse, die akustisch erfasst, jedoch visuell nicht dokumentiert werden konnten. Erst im Frühsommer 2025 installierten Wissenschaftler des Geologieprogramms des Nationalparks die Kamera und zusätzliche Sensoren, wie Geophone, Temperaturfühler und Mikrofone. Diese technische Aufrüstung ermöglicht eine deutlich präzisere Erfassung solcher kurzfristigen, explosiven Prozesse.

Das Biscuit Basin bleibt aufgrund der anhaltenden Gefährdung weiterhin für Besucher gesperrt. Die Sperrung gilt seit der Explosion 2024 und soll Besucher vor unvorhersehbaren Druckentladungen im hydrothermalen System schützen.

Geografisch gehört das Biscuit Basin zum Upper Geyser Basin, in dem auch der berühmte Old-Faithful-Geyser liegt, und ist Teil eines dichten Netzwerks bedeutender Thermalgebiete. In unmittelbarer Nähe befinden sich auch das Midway-Geyser-Basin mit dem Grand-Prismatic-Spring sowie das Lower-Geyser-Basin mit ausgedehnten Fumarolen- und Sinterflächen. Die jüngsten Ereignisse verdeutlichen einmal mehr, wie dynamisch und unberechenbar die hydrothermalen Systeme des Yellowstone sind – selbst in Bereichen, die über Jahrzehnte als vergleichsweise ruhig galten.

Yellowstone-Caldera: Erdbebenaktivität über der Norm

Geysir Hill vom Old-Faithful. © Jake Frank, Yellowstone National Park

Überdurchschnittliche Erdbebenaktivität im Yellowstone: 251 Erschütterungen im November

Der Yellowstone-Nationalpark ist für seine spektakulären Geysire, farbenprächtigen Thermalquellen und das gewaltige Magmasystem unter seinen Füßen bekannt, welches sich in den vergangenen Monaten vergleichsweise ruhig zeigt. Doch im November registrierte das seismische Netzwerk der Universität Utah 251 Erdbeben, was leicht über den Normwerten liegt – Hinweise auf außergewöhnliche vulkanische Prozesse gab es jedoch nicht. Das geht aus dem aktuellen Monatsbericht des Yellowstone Volcano Observatory (YVO) hervor, der am 1. Dezember veröffentlicht wurde.




Das stärkste Erdbeben hatte eine Magnitude von 3,2 und ereignete sich am 9. November süd-südwestlich von Mammoth Hot Springs. Ansonsten wurde die Erdbebentätigkeit von drei Schwärmen dominiert:

  • Ein seit Ende September andauernder Schwarm in der Region südlich von Mammoth Hot Springs fügte der Sequenz weitere 70 Beben hinzu.
  • Ein größerer Schwarm mit 105 Ereignissen ereignete sich vom 2. bis 30. November westnordwestlich des Lake-Gebiets.
  • Ein kleinerer Schwarm mit elf Erschütterungen fand Ende des Monats nordöstlich von West Yellowstone statt.
14-Tage-Übersicht

Solche Schwärme sind in Yellowstone typisch: Das oberflächennahe Hydrothermalsystem aus heißen Fluide führt regelmäßig zu diesen natürlichen „Zitterphasen“. Doch ganz folgenlos blieb dies leicht erhöhte Aktivität des Systems nicht.

Hydrothermale Aktivität: Black Diamond Pool erneut aktiv

Besondere Aufmerksamkeit gilt weiterhin dem Black Diamond Pool im Biscuit Basin. Dort kam es am 22. und 29. November zu zwei kleineren Ausbrüchen, die sich in der Folge der Geschehnisse nach der großen hydrothermalen Explosion im Juli 2024 einreihen. Die aktuellen Ereignisse wurden sowohl per Kamera als auch über Infraschall erfasst.

Der berühmte Steamboat Geyser hingegen blieb im November ruhig. Nach der außergewöhnlich aktiven Phase ab 2018, in der der Geysir mehrere Rekorde brach, gab es 2025 bislang nur zwei größere Eruptionen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Phase gesteigerter Aktivität vorerst vorbei ist.

Bodenverformungen: Kaum Bewegung in der Caldera

Die GPS-Stationen in der Yellowstone-Caldera zeigen derzeit keine signifikanten Bodenverformungen. Ob die sommerliche Absenkung endet oder bereits in eine leichte Hebung übergeht, ist derzeit offen – ein übliches saisonales Muster. Auch im Norris-Geysirbecken blieb die Erdoberfläche stabil.

Trotz der ständigen Beobachtung bleibt die Botschaft der Forschenden eindeutig: Yellowstone zeigt Aktivität – aber keine, die auf eine bevorstehende größere Eruption hindeutet. Das Gebiet bleibt ein faszinierendes, jedoch weitgehend stabiles Naturwunder.

Yellowstone-Caldera: Erdbeben Mb 3,7 bei Mammoth

Erdbeben Mb 3,7 südlich von Mammoth-Hot-Springs im Yellowstone – weitere Erdbeben folgten

Datum: 28.10.2025 | Zeit: 13:22:29 UTC | Koordinaten 44.799 ; -110.852 | Tiefe: 9 km | Mb 3,7

Bereits am Nachmittag des 28. Oktober ereignete sich im Norden des Yellowstone-Nationalparks ein Erdbeben der Magnitude 3,1. Die Herdtiefe wurde mit rund neun Kilometern angegeben, das Epizentrum lag etwa 25 Kilometer nordöstlich von West Yellowstone. Damit befand es sich in relativer Nähe zu den bekannten Kalksinterterrassen von Mammoth Hot Springs, die rund 22 Kilometer nördlich des Epizentrums liegen. Dem Hauptbeben folgten fünf schwächere Erschütterungen mit Magnituden im Zweierbereich; das bislang jüngste wurde am heutigen Tag registriert.

Yellowstone. © EMSC/Leaflet

Seismische Stationen in Norris und Mammoth zeichneten klare Signale auf. Nach Angaben des U.S. Geological Survey (USGS) deutet die Sequenz auf eine vorübergehende Druckverschiebung in der oberen Erdkruste hin – ein bekanntes Muster in dieser geologisch hochaktiven Region. Wahrscheinlich migrierten hydrothermale Fluide entlang einer Störungszone und erzeugten Spannungen, die die Erdbeben auslösten.

Mammoth Hot Springs markiert den nördlichen Rand des Yellowstone-Vulkansystems und liegt bereits außerhalb der eigentlichen Caldera. Das Gebiet ist geprägt von heißen Quellen, Kalkterrassen und Dampfquellen, die von Fluiden gespeist werden, die durch ein Netzwerk aus Brüchen und Spalten aufsteigen. In Tiefen von mehreren Kilometern wird das Wasser durch vulkanische Wärme aufgeheizt und lagert beim Aufstieg Minerale an der Oberfläche ab. Die Kalksinterterrassen verändern sich ständig – wer alle paar Jahre wiederkommt, erkennt den Wandel deutlich.

Die Yellowstone-Caldera selbst entstand vor etwa 640 000 Jahren durch einen gewaltigen Ausbruch. Seither zeigen sich immer wieder kleinere vulkanische Aktivitäten wie Magmaintrusionen, hydrothermale Explosionen und Erdbebenschwärme. Im Durchschnitt registrieren die Messnetze des USGS jährlich 1 500 bis 2 000 Beben in der Region – die aktuelle Aktivität liegt somit im normalen Bereich.

USA 2025: Roadtrip zum Yellowstone Nationalpark

Reisebericht zu unserem Roadtrip 2025 – Family-Shooting im Yellowstone-Nationalpark

Nachdem ich bereits über 2 Etappen unseres diesjährigen USA-Roadtrips berichtet habe, folgt nun die letzte Etappe, die Ullah, Leroy und Marc von Reno zum Yellowstone-Nationalpark führte, dem Hauptziel und Wendepunkt der Reise. Zuvor waren wir von San Francisco ausgehend durch den Yosemite-Nationalpark zum Mono Lake gereist und hatten auch dem Lake Tahoe einen Besuch abgestattet.

Reno in Nevada ist die kleinere Schwester von Las Vegas und ebenfalls als Spielerparadies bekannt, ohne allerdings mit dem Prunk und Glamour des deutlich größeren Las Vegas konkurrieren zu können. Dennoch bezogen wir hier ein recht preiswertes, aber komfortables Hotel im Casino „J“, dem auch ein gutes Restaurant angeschlossen war. Generell sind die Zimmer und Suiten in den Spielerstädten Nevadas vergleichsweise günstig, denn Ziel ist es, Spieler in die Casinos zu locken und dort kräftig abzuzocken. Besonders seitdem die einarmigen Banditen der Spielautomaten über Kreditkarte zu füttern sind, haben die Casinos jeglichen Reiz für mich verloren. Früher konnte man von den Böden noch massig verlorengegangene Quarters aufsammeln, was lukrativer war, als die Spielautomaten damit zu füttern.




Von Reno aus starteten wir am frühen Morgen in Richtung Salt Lake City (SLC), das wir bis zum Abend zu erreichen hofften. Die Fahrt führt stundenlang über die Interstate 15, vorbei an ausgeprägten alten Lavaströmen verschiedener Vulkanprovinzen, die hier und dort reiche Lagerstätten an Erzen und Seltenen Erden hinterlassen hatten. Zudem gibt es dort einige heiße Quellen, die zu besuchen aber keine Zeit blieb. Am Spätnachmittag hatten wir SLC erreicht und verließen den Interstate, um eine Stadtrundfahrt zu unternehmen. Der Mormonentempel wurde gerade renoviert und so beschlossen wir, noch ein Stündchen weiterzufahren, um uns bei Brigham in einem Best Western einzumieten.

Vom Westen her in den Yellowstone Nationalpark

Auch den nächsten Vormittag verbrachten wir zum großen Teil auf der I 15, bevor wir Idaho Falls verließen und Richtung West-Yellowstone weiterfuhren. Immer wieder kamen wir an ausgedehnten Lavafeldern vorbei und folgten der Spur des Yellowstone-Hotspots, der bereits vor Jahrmillionen mehrere Calderen erzeugte, bevor er seinen Platz im Gebiet der heute bekannten Caldera eingenommen hat. Diese erreichten wir am frühen Nachmittag. West Yellowstone hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer ausgewachsenen Touristenstadt entwickelt, in der man alles bekommt, was das Herz begehrt, einschließlich der besten Burger, die ich auf dieser Reise gegessen habe. Aus Bisonfleisch versteht sich.

Nach dem Passieren des Parkeingangs folgten wir der Hauptroute 191 in Richtung Old Faithful und wollten bei dem schönen Wetter gleich ein paar Stopps an einigen der bekannten Geyser-Basins entlang der „Firehole River Basin Zone“ einlegen. Der namensgebende Fluss mäandert durch das Tal und in den Flussauen tummelten sich bei meinen früheren Besuchen des Parks Bisonherden, aber nicht dieses Mal. Erst dachte ich, ob vielleicht doch etwas an den viral gegangenen Videos sein könnte, die im Juni/Juli behaupteten, die Tiere würden massenhaft den Nationalpark verlassen, doch späteren Recherchen zufolge verließen im harten Winter 2022/23 tausende Tiere den Park, um in tieferen Regionen Futter zu suchen. Mehr als 1000 Bisons fanden dabei den Tod, zum Teil auch infolge von Jagden. Zudem wurden die Bisons auch im Nationalpark gezielt dezimiert, aus Sorge, sie könnten die Krankheit Brucellose auf Rinder außerhalb des Parks übertragen. Was für eine herbe Enttäuschung, denn Bisons zu filmen stand ziemlich weit oben auf Leroys Bucket-List. Aber immerhin sahen wir einige Rehe.

Als erstes Thermalgebiet besuchten wir das Lower Geyser Basin mit dem Fountain Paint Pot und dem Great Fountain Geyser. Am Midway-Geyser-Basin, wo sich die beliebte Grand-Prismatic-Spring befindet, standen wir unvermittelt im Stau, was mich doch ziemlich verwunderte, denn so ein Verkehrsaufkommen kannte ich von früher nicht. Der Stau bildete sich, weil alle Parkplätze am Midway Geyser Basin belegt waren, also vertagten wir eine Besichtigung des größten Thermalpools auf den nächsten Tag und passierten das gesperrte Biscuit Basin, wo sich im Vorjahr die große hydrothermale Explosion ereignet hatte. Bevor es zum Old Faithful ging, stoppten wir noch am Black Sand Basin mit dem ständig sprudelnden Cliff-Geysir und dem Emerald Pool.

Die Willkür der Natur – unbrauchbare Prognosen

Am Upper Geyser Basin mit dem berühmten Old Faithful traf mich dann der Schlag, wegen der Dimensionen, auf denen Parkplatz und Tourismuszentrum hier angewachsen waren. Aber klar, fast eine Million Besucher pro Monat wollen irgendwo parken und untergebracht sein. Als ich 1991 zum ersten Mal hier war, zählte man eine Million Besucher pro Jahr und war noch stolz darauf! Inzwischen ist der Massentourismus eher zu einem Problem geworden. Mit dem Besucheransturm bei gleichzeitigem Trumpschen Personalabbau in den Nationalparks und an anderen Stellen des öffentlichen Dienstes seines gehassten Deep States haben leider auch Sauberkeit und Qualität des Angebotes nachgelassen. Zwar gab es am Upper Geyser Basin keinen Parkplatzmangel, dafür war die berühmte Yellowstone-Lodge arg runtergekommen und dreckig, das Essen von zweifelhafter Qualität und selbst ein Snack völlig überteuert. Neben der Lodge gibt es hier noch das Visitor-Center, wo die Prognosen zu den Sprungzeiten der bekanntesten Geysire angezeigt werden, und das Old Faithful Inn, wo man teurer, aber besser essen gehen kann als in der Lodge. Wer länger im Park unterwegs ist, kommt kaum an den Lodges in den verschiedenen Parkbereichen vorbei, denn die Wege im Park sind lang.

Der Old Faithful ist der bekannteste und pünktlichste Geysir des Yellowstone-Nationalparks, obgleich seine Pünktlichkeit bzw. Vorhersagbarkeit in den letzten Jahren zu wünschen übrig gelassen hat. Sprang der Geysir im letzten Jahrhundert noch alle 60 bis 70 Minuten, hat sich das Pausenintervall auf 90 bis 110 Minuten gestreckt. Tatsächlich gibt es auch größere Abweichungen, die durchaus eine halbe Stunde betragen können. So einen Abweichler erwischten wir direkt an unserem ersten Abend, was recht unangenehm sein kann, wenn man mit dem Finger am Kameraauslöser lauert, weil man den Anfang der Eruption nicht verpassen will. Mit uns hatten sich ein paar Hundert andere Zuschauer auf der halbkreisförmigen Tribüne eingefunden, die auf den Sprung des Geysirs warteten. Leroy fluchte wie ein Rohrspatz ob der ungenauen Sprungprognose der Geoforscher und verglich die Pünktlichkeit des „Alten Getreuen“ mit der Deutschen Bundesbahn. Als der Sprung dann endlich nach einigen Fehlanläufen kam, baute sich die Wasserfontäne schnell auf und erreichte für einige Sekunden eine Höhe von gut 50 m. Anschließend schrumpfte die Fontäne auf vielleicht 30 m und nach gut zwei Minuten war das Schauspiel auch schon wieder vorbei. Doch diese Zeit reicht für gewöhnlich, um mehrere Zehntausend Liter kochendes Wasser auszustoßen, wobei der Siedepunkt hier auf gut 2240 m Höhe bei ca. 95 Grad liegt.

Wir warteten nochmal gut 1 Stunde auf einen zweiten Sprung und machten uns dann auf den Weg zu unserem reservierten Campingplatz im Grand Village am Yellowstone Lake, wo wir nach ca. 45 Minuten mit dem letzten Tageslicht ankamen. Beim Check-in wies man uns ausdrücklich auf die Bärengefahr hin und wir sollten tunlichst keine Lebensmittel draußen liegen lassen und natürlich auch nicht offen im Camper aufbewahren. Der Stellplatz erwies sich als recht geräumig, allerdings hatte praktisch immer irgendein Nachbar einen Stromgenerator am Knattern, was dann doch nervte. Hey Nachbar, noch nichts von Solarbatterien gehört?

Nach dem Stau in der Wildnis – Frühes Aufstehen angesagt

Aufgrund der Erfahrungen mit den überfüllten Parkplätzen an einigen der Hauptattraktionen des Parks waren wir bereits zum Sonnenaufgang wieder on the road und klapperten die Geyser-Basins ab. Einen ersten Stopp legten wir an der Grand Prismatic Spring ein, wo wir früh morgens zwar noch problemlos einen Parkplatz bekamen, aber vor lauter Dampf nichts sahen. Zu groß war der Temperaturunterschied zwischen dem heißen Wasser und der kalten Morgenluft. Also mussten wir hier noch ein anderes Mal wiederkommen und fuhren zum Norris-Geyser-Basin weiter. Norris ist meiner Meinung nach eines der spannendsten Thermalgebiete des Yellowstone, nicht zuletzt weil es hier während der letzten Krise, die vor 10 Jahren endete, die stärksten Bodenhebungen gegeben hatte: Innerhalb von 2 Jahren hatte sich der Boden um 50 mm gehoben und es waren mehrere neue Quellen und Fumarolen entstanden. Zudem stieg die Fluidtemperatur an. Manche unkten schon einen bevorstehenden Supervulkanausbruch herbei, doch auch jenseits solcher Superlative war es eine spannende Zeit. Zuletzt war es der Steamboat-Geysir, der für Aufsehen sorgte, indem er ungewöhnlich häufig sprang. Doch diese Phase scheint in diesem Frühjahr endgültig ausgelaufen zu sein und so sahen wir den weltgrößten Geysir nur dampfend rumsprotzen. Doch ein morgendlicher Spaziergang über die Holzstege war auch ohne großen Sprung ein Erlebnis. Besonders angetan hat mich das bunt schillernde und dampfende Porcelain Basin, wo ich ein Weilchen zum Fotografieren verweilte.

Am späten Vormittag ging es weiter in den Norden des Parks, wo wir nach ca. 45 Minuten ankamen und den Mammoth Hot Springs einen Besuch abstatteten. Ich wundere mich immer wieder über die Dynamik von Kalksinterterrassen: Dort, wo vor ein paar Jahren noch blau schimmernde Wasserbecken waren, herrschte jetzt Trockenheit vor, die vom grellen Weiß des Kalks dominiert wurde. Dafür waren andere Terrassen aktiver als früher. Nach einem schnellen Mittagessen ging es zurück, vorbei an Norris und Richtung Westen zum Grand Canyon of the Yellowstone und seinen beiden beeindruckenden Wasserfällen. Vorher meinte ich noch zu Leroy: „Wenn wir irgendwo Bisons sehen, dann im weiten, grasbestandenen Hayden-Valley, das kurz vor dem Canyon liegt.“ Und tatsächlich, hier grasten sie, die langersehnten Bisons. Leider hatte es gerade zu gewittern angefangen und das Fotolicht war mies. Zudem gerieten die Ranger in Panik, als ein paar Bisons die Straße überquerten, und vermiesten die Stimmung zusätzlich, aber immerhin hatten wir ein paar leckere Steaks identifiziert.

Aufgrund des schlechten Wetters legten wir nur einen kurzen Stopp am Lower Fall ein, konnte aber weder Ullah noch Leroy so richtig für die mächtige Rhyolith-Schicht des Yellowstone-Tuffs begeistern, der die Caldera und den Nationalpark ihren Namen verdankt, und so fuhren wir bald mit einem kleinen Stopp am Mud-Volcano zum Yellowstone-Lake und unserem Camp weiter. Es war dann auch schon Abend, als wir uns noch das Thumb-Geyser-Basin am Ufer des gigantischen Sees reinzogen, bevor wir dann endlich Duschen fahren konnten.
Am nächsten Morgen ließen wir es ruhig angehen und starteten erst bei Sonnenaufgang anstatt davor, fuhren durch den dichten Tannenwald zum Lower Geyser Basin und holten uns in der Lodge einen Café und pilgerten zum Visitor-Center, um uns mit den aktuellen Sprungzeiten der interessantesten Geysire zu versorgen. Grand Geyser sollte bald springen, allerdings war das Sprungintervall relativ weit gesteckt und betrug gut 2 Stunden. Also gut, dachte ich mir, nehmen wir auf dem Weg erstmal den Old Faithful mit. Tatsächlich sprang er dann auch nach 15 Minuten und wir pilgerten zum Grand Geyser, der ca. 15 Minuten Fußweg entfernt liegt. Doch kurz bevor wir ihn erreichten, ging er tatsächlich hoch. Wenn er erstmal an ist, schießt seine Wasserfontäne mehrere Minuten lang empor und wir sahen ihn noch in Action, was schön zum Fotografieren ist, doch auf Video möchte ich natürlich auch immer die Anfangsphase drauf haben. Von daher war es nichts. Da der Castle-Geysir in der Nacht einen kleinen Sprung hatte, war er jetzt nicht vorhersagbar und so latschten wir gut eine halbe Stunde bis an den Rand des großen Thermalfelds zum Morning-Glory-Pool. Noch in den 1970er Jahren war das klare Wasser des Pools von einem intensiven Blau, doch nach Jahren des Massentourismus verlor er diese Klarheit, weil die Besucher Münzen und Unrat in den tiefen Quelltrichter warfen. Dadurch verstopfte der Schlot und die Wassertemperatur sank von über 70 auf deutlich weniger als 70 Grad ab. Dadurch vermehrten sich Bakterien und Algen, die das Wasser verfärben, so dass der Morning-Glory-Pool wie ein gelb-grünes Auge ausschaut.

Feuer, Farben und Fontänen: Grand-Prismatic-Spring

Am Mittag machten wir uns dann wieder auf zur Grand-Prismatic-Spring, die wir diesmal vom höher gelegenen Overlook-Point aus bewundern wollten. Wir ergatterten einen Parkplatz am Fairy-Falls-Trailhead und folgten dem Touristenstrom entlang des Westufers des Fire-Hole-Rivers bis zu der Anhöhe gegenüber der größten Quelle des Parks, die wie ein blaues Auge schimmerte. Die Aussicht stach mich doch ziemlich an und ich überlegte, es vielleicht doch noch mit einem Hubschrauber zu versuchen, um Luftaufnahmen zu machen, denn an Drohne fliegen war hier nicht zu denken. Bereits zuhause war ich mit der einzigen Heli-Charter-Firma in Kontakt getreten, die am Flughafen in West-Yellowstone ansässig war. Obwohl Flüge über den Nationalpark eigentlich verboten sind, meinte der Besitzer, er könne das Arrangieren, und rief 1800 USD für den Flug auf, der ca. 45 Minuten dauern sollte. Eine stolze Summe, aber für 3 Personen bei offenen Türen vielleicht noch akzeptabel. Doch was mich abschreckte, war die Vorkasse bei einem etwas windigen Vorhaben. Da wir aber sowieso zum Essen und Surfen (ja, im gesamten Yellowstone gibt es kein mobiles Internet) den Park verlassen wollten, statteten wir auch dem Flughafen einen Besuch ab. Hier war es so still, dass ich mich an einen Geisterflughafen erinnert sah. Tatsächlich sahen wir einen etwas schäbig wirkenden Robin auf dem Flugfeld, doch ein Büro der Fluggesellschaft gab es hier nicht. Da es später Nachmittag war und wir gut 2 Stunden bis zu unserem Campingplatz fahren mussten, gab ich das angedachte Unterfangen ein wenig frustriert auf. Vielleicht beim nächsten Mal.

Am vorletzten Morgen das inzwischen gewohnte Ritual: der Gang zum Visitor-Center, um die Geysir-Sprungdaten abzurufen. Hier wäre das Internet mal nützlich, aber nein, statt einer digital abrufbaren Website via QR-Code gab es nur eine olle Anzeigetafel zum Abfotografieren. Als Erstes sollte der Castle-Geysir springen. Gut 60 Minuten dauerte das Zeitfenster, in dem der Sprung stattfinden sollte. Nach fast 2 Stunden Warten in praller Sonne gaben wir frustriert auf. Der wollte wohl nicht. Wir machten uns zum Brunchen auf den Weg zum Old Faithful Inn, als uns ein Bisonbulle über den Weg lief. Da das wandelnde Steak keinerlei Anzeichen von Aggressivität zeigte und für uns posierte, legten wir noch eine kleine Fotosession ein. Statt Brunch wurde es dann Mittagessen in Form von einem nicht ganz preiswerten Buffet, das sich wegen dem ausgezeichneten Entrecôte aber durchaus gelohnt hat. Mit vollem Magen dann wieder auf die Jagd nach dem besten Sprung am Grand Geyser, den wir dann auch noch nur 45 Minuten erwischten. Tatsächlich war noch Zeit für den Riverside-Geyser, der am Ufer des Fire-Hole-Rivers liegt. Was soll ich sagen, auch dieser Geysir erinnerte stark an die Deutsche Bundesbahn. Es war dann später Nachmittag, als ich von der Sonne gut durchgebraten war und wir den Rückweg antraten. Leroy und Ullah – denen die Sonne nichts ausmachte – amüsierten sich über das inzwischen rotgefärbte Bleichgesicht. Naja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Auf dem Rückweg schauten wir dann noch am Castle-Geyser vorbei, der tatsächlich anfing zu springen, als wir uns näherten. Ja, es ist nicht leicht, Geysire zu erwischen, die nur 1 oder 2 Mal am Tag springen, aber letztendlich haben wir alle gesehen, die wir uns vorgenommen hatten.

Ein letztes Family-Shooting im Yellowstone (we are still alive)

Am Samstag war unsere Zeit im Yellowstone dann auch schon wieder vorbei. Nach einer morgendlichen Runde durch das Upper Geyser Basin fuhren wir wieder nach West-Yellowstone und verließen den Nationalpark. Bevor wir Richtung Salt Lake City und San Francisco durchstarteten, machten wir nach den ganzen Fotosessions im Park ein Family-Shooting anderer Art, denn hier gibt es einen Schießstand, an dem man unter fachkundiger Anleitung legal mit halbautomatischen Maschinenpistolen und Sturmgewehren schießen darf. Für Leroy ein ziemliches Abenteuer, das er mit Bravour meisterte. Bei uns in Deutschland, wo man selbst, um angeln gehen zu können, einen mehrmonatigen Lehrgang nebst Prüfung absolvieren muss, etwas Unvorstellbares und für viele auch Ungeheuerliches. Im Land der (fast) unbegrenzten Möglichkeiten dafür gesellschaftlich akzeptiert und verfassungsrechtlich garantiert. Und in den USA geht wenigstens niemand mit einem Messer zu einer Schießerei.

Yellowstone Caldera: Neue Thermalquelle entdeckt

Neue Thermalquelle am Schlammgeysir in Yellowstone entdeckt – 87 Erdbeben im September

Am 24. September 2025 wurde im Thermalgebiet des Mud Volcano eine neue Dampfquelle beobachtet. Nach Angaben eines erfahrenen Beobachters der Yellowstone-Tour-Guide-Gruppe bei FB schoss aus der Öffnung zuerst braunes Schlammwasser bis zu 6 Meter empor. Einige Tage später zeigte sich an derselben Stelle eine anhaltende Nassdampfphase mit geringeren Wasseranteilen.

Bei einer genaueren Untersuchung am 3. Oktober bestätigte sich, dass es sich um eine neue Öffnung rund zwei Meter südlich der bestehenden Schlammgeysir-Quellen handelt. Der rund 1,5 Meter große Einsturzkrater hat eine dünne Kieselsäureschicht auf umliegenden Bäumen hinterlassen, die bis zu 40 Meter weit getragen wurde. Der Bereich um den Krater ist stark durchnässt.

Die neue Quelle, vorläufig „Mud-Volcano South“ genannt, zeigt bislang keine kräftigen Wasserausbrüche mehr. Solche Veränderungen seien laut Beobachtern regelmäßig im Yellowstone zu sehen und Teil der natürlichen Dynamik des Thermalgebiets.

Das war aber noch nicht alles, was im Yellowstone im September geschah. Aus dem monatlichen Bulletin des YVO geht hervor, dass es im Monatsverlauf 87 Erdbeben gab. Das stärkste hatte eine Magnitude von 3,3 und ein Hypozentrum in 8 km Tiefe. Das Epizentrum wurde ca. 25 Kilometer süd-südwestlich der Mammoth Hot Springs lokalisiert. Das Beben war Teil eines stärkeren Schwarms im Nordwesten der Caldera und wurde u.a. von einem Erdstoß Mb 3,1 begleitet.

Wie es in den Sommermonaten typisch ist, wurde eine leichte Bodenhebung der Caldera beobachtet, die allerdings damit zusammenhängen soll, dass es durch Schneeschmelze in den umliegenden Bergen zu starkem Wasserzufluss im Hydrothermalsystem kommt. So wird in den Sommermonaten der seit 2016 anhaltende Trend der Bodenabsenkung überlagert.

Der Steamboat-Geysir verursachte mehrere kleinere Sprünge, allerdings ohne richtig durchzustarten. In diesem Jahr gab es bislang nur 2 große Sprünge und die YVO-Forscher gehen davon aus, dass die Phase erhöhter Aktivität des weltgrößten Geysirs vorbei ist.

Yellowstone: Kleine phreatische Eruption am Black-Diamond-Pool

Kleine hydrothermale Eruption am Black Diamond Pool des Yellowstone – Fast hundert Erdbeben im August

Im Biscuit-Basin der Yellowstone-Caldera ereignete sich eine kleine hydrothermale Eruption des Black-Diamond-Pools. Das Ereignis manifestierte sich bereits am Abend des 12. August, wurde aber erst heute im Rahmen des Monatsberichts für den August bekannt gegeben. Die Eruption war ziemlich klein und schleuderte eine Fontäne schlammigen Wassers gerade mal einen Meter hoch. Wie es der Zufall will, hielt ich mich zu dieser Zeit im Yellowstone-Nationalpark auf und fuhr sogar kurz vor der Eruption an dem gesperrten Geyser-Basin vorbei.

Am Vortag der Eruption hielt ich am Biscuit-Basin an und sah die neuen Instrumente nebst Webcam, die man nach der großen hydrothermalen Eruption am 23. Juli 2024 dort installiert hatte. Da man fürchtet, es könnte sich ein ähnliches Ereignis wiederholen, ist das gesamte Areal für Besucher gesperrt worden. Doch wahrscheinlich bleibt es vorerst bei den kleinen Eruptionen, wie jener am 12. August.

Ähnlich verhält es sich mit dem Steamboat-Geyser, der bei meinem Besuch am Kochen und Spritzen war, aber keinen Sprung erzeugte. Die Vulkanologen vom YVO schreiben diesbezüglich, dass es mehrere kleinere Eruptionen des Steamboat gab, weshalb sie nicht mit einer großen rechnen. In diesem Jahr gab es bislang nur 2 große Sprünge. Wahrscheinlich ist die Phase regelmäßiger Aktivität, die im Jahr 2018 begann, vorbei.

Im August 2025 registrierten die Seismographenstationen der University of Utah, die für den Betrieb und die Analyse des Yellowstone-Seismiknetzwerks zuständig sind, 94 Erdbeben im Yellowstone-Nationalpark. Das stärkste Erdbeben des Monats war ein leichtes Erdbeben der Magnitude 3,7 etwa 24 Kilometer nordöstlich von West Yellowstone. Es manifestierte sich am 19. August um 11:14 Uhr MDT. Das Beben war Teil eines Schwarmbebens, das aus 36 Einzelbeben bestand. Das YVO unterscheidet hier in Vor- und Nachbeben, die sich um das stärkere Hauptbeben gruppierten.

Zudem gab es Ende des Monats einen kleinen Erdbebenschwarm, der sich etwa 14 Kilometer nordnordöstlich von Old Faithful ereignete. Das stärkste Erdbeben der Serie hatte eine Magnitude von 2,0 und ereignete sich am 30. August um 10:39 Uhr MDT. Die Seismizität wird von den Seismologen des YVO als normal eingestuft.

Die GPS-Stationen in der Yellowstone-Caldera zeichnen weiterhin die jährliche sommerliche Pause der Absenkung bzw. den Übergang zu einer leichten Hebung auf, die durch saisonale Veränderungen im Zusammenhang mit Schneeschmelze und Grundwasserbedingungen verursacht wird. Seit Ende Mai hat sich die Caldera um etwa 1 cm angehoben, was den seit 2015/16 anhaltenden allgemeinen Absenkungstrend überlagert. Die Verformung im Bereich des Norris-Geysir-Beckens zeichnete ebenfalls die saisonale Hebung auf, zeigte jedoch in den letzten Jahren keine allgemeinen Veränderungen. Betrachtet man die Graphen der Bodendeformation im Verlauf mehrerer Jahre, erkennt man, dass sich der Trend der Subsidenz abschwächt und meiner Meinung nach dabei ist, wieder in einen Hebungstrend umzuschwingen.

Yellowstone: Vulkan bleibt unter Beobachtung

Ruhe im Kessel: Yellowstone bleibt ruhig, aber unter Beobachtung

Meine aktuelle Reise durch den Yellowstone Nationalpark nehme ich als Anlass, um auf Basis des letzten YVO-Updates über seine geothermische Aktivität zu berichten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich der Calderavulkan die für ihn typische geothermale und seismische Aktivität zeigt, die sich sehr gut aus der Nähe erkunden lässt. Trotz der Präsenz eines aktiven Vulkansystems und häufiger schwachen Erdbeben zeigt sich der Supervulkan derzeit eher von seiner ruhigeren Seite. Anzeichen für eine bevorstehende größere Eruption wurden nicht festgestellt.

Grand Prismatic Spring im Yellowstone Nationalpark

Laut dem Yellowstone Volcano Observatory (YVO) registrierten Seismographen im vergangenen Monat 52 kleinere Erdbeben innerhalb des Nationalparks. Das stärkste davon erreichte eine Magnitude von 2,8 und ereignete sich am 30. Juli rund 16 Kilometer nordöstlich von West Yellowstone. Den größten Erdbebenschwarm gab es im Südwesten der Caldera.

Auch die Bodendeformationen geben keinen Anlass zur Sorge. GPS-Messstationen verzeichneten seit Ende Mai eine leichte Hebung der Caldera um etwa einen Zentimeter. Dieser Effekt ist typisch für die Sommermonate und steht im Zusammenhang mit der Schneeschmelze und veränderten Grundwasserbedingungen. Der seit 2016 anhaltende Trend einer langsamen Absenkung der Caldera, wird dadurch nur kurzfristig unterbrochen.

Für Aufmerksamkeit sorgte im Juli der Black Diamond Pool im Biscuit Basin. Eine neue Webcam, die seit Mai in Betrieb ist, dokumentierte zwei kleine Eruptionen des Pools – am 3. und am 14. Juli. Beide Ausbrüche schleuderten schlammiges Wasser bis zu neun Meter hoch und dauerten nur wenige Sekunden. Solche Ereignisse sind in Yellowstone keine Seltenheit, werden jedoch seit einer hydrothermalen Explosion im Juli 2024 in diesem Bereich besonders genau überwacht.

Auch der berühmte Steamboat-Geysir im Norris-Geysir-Becken bleibt bislang zurückhaltend. Zwar kommt es weiterhin zu kleineren Ausbrüchen, doch diese deuten bislang nicht auf einen bevorstehenden größeren Wasserausstoß hin. Seit Jahresbeginn wurden nur zwei große Eruptionen registriert – ein markanter Rückgang im Vergleich zu den Jahren nach 2018, als der Geysir eine außergewöhnlich aktive Phase durchlief.

Die aktuellen Messdaten zeigen: Der Yellowstone-Vulkan schläft – zumindest derzeit. Während kleinere Beben, Hebungen oder hydrothermale Ausbrüche zum natürlichen Verhalten des Systems gehören, gibt es keine Hinweise auf eine ungewöhnliche Entwicklung oder ein gesteigertes Risiko für eine größere Eruption. Die Region bleibt jedoch unter enger wissenschaftlicher Beobachtung – denn bei einem Supervulkan wie Yellowstone ist selbst Ruhe von großem Interesse.

Ich selbst hatte jetzt die Gelegenheit 4 Tage im Yellowstone-Nationalpark zu verbringen und kann Euch bald mit neuen Bildern zu diesem faszinierenden Vulkan versorgen.

Yellowstone: KI spürt Zehntausende unentdeckte Mikrobeben auf

Künstliche Intelligenz liefert neue Einblicke in eines der mächtigsten Vulkansysteme der Erde – Magmenkörper unter Yellowstone in nur 4 km Tiefe

Yellowstone ist Caldera und Nationalpark zugleich und weltberühmt für seine Geysire, heißen Quellen und weitläufigen Landschaften und geologisch betrachtet von höchster Bedeutung. Unter dem ältesten Nationalpark der USA verbirgt sich eine riesige Caldera, die von einem Supervulkanausbruch zeugt, der sich vor mehr als 640.000 Jahren ereignete. Doch der jüngste dieser Ausbrüche war nicht der erste und wahrscheinlich auch nicht der letzte: Statistisch gesehen ist eine weitere Supereruption überfällig, was zahlreiche Menschen besorgt und immer wieder Anlass zu Spekulationen bis hin zu sensationsheischenden Fakenews gibt. Neue Forschungsergebnisse zeigen nun, dass die Aktivität unter Yellowstone viel komplexer ist als bisher angenommen – und dass moderne Methoden wie maschinelles Lernen helfen, diese Prozesse besser zu verstehen.

Neue Studie mit Hilfe von KI generiert seismisches 3-D Modell und spürte Zehntausende übersehen Erdbeben auf

Ein Forschungsteam unter der Leitung des Ingenieurprofessors Bing Li analysierte in Zusammenarbeit mit dem United States Geological Survey und der Universidad Industrial de Santander in Kolumbien alte seismische Daten aus Yellowstone neu. Mithilfe von Deep-Learning-Algorithmen und einem dreidimensionalen Modell zur Ausbreitungsgeschwindigkeit von Erdbebenwellen entstand ein hochauflösender Erdbebenkatalog, der über 86.000 Ereignisse zwischen 2008 und 2022 dokumentiert – etwa zehnmal mehr als in bisherigen Auswertungen der Datensätze aufgefallen waren.

Mehr als die Hälfte dieser Erdbeben trat in sogenannten Schwärmen auf: Gruppen schwacher Beben, die sich in einem begrenzten Gebiet über Wochen oder Monate häufen, ohne dass ein dominierendes Hauptbeben erkennbar ist. Besonders auffällig: Diese Schwärme erscheinen oft nahe beieinander, sind aber durch längere Ruhephasen getrennt – ein bislang wenig verstandenes Muster.

Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass ein Zusammenspiel aus langsam wandernden hydrothermalen Fluiden und plötzlichen Flüssigkeitseinspritzungen die Ursache für viele dieser Schwärme sein könnte. Solche Einspritzungen entstehen vermutlich, wenn durch Druckaufbau in der Tiefe sogenannte Permeabilitätssiegel brechen und so den Weg für aufsteigende Fluide freigeben. Diese Vorgänge können entlang komplexer, unreifer Störungszonen stattfinden, die besonders tief unterhalb der Caldera auffällig häufig auftreten.

Magma in 3-4 Kilometern Tiefe

Innerhalb der Yellowstone-Caldera zeigten sich zudem vertikale Migrationsmuster: Erdbeben wanderten von der Tiefe in Richtung Oberfläche – ein typisches Zeichen fluidgetriebener Prozesse. Teilweise trat die Seismizität dabei in mehreren Tiefenabschnitten gleichzeitig auf, getrennt durch eine aseismische Zone. Diese Zone fällt mit einem vermuteten Magmareservoir in etwa 3–4 Kilometern Tiefe zusammen und deutet auf einen aktiven Austausch zwischen magmatischen und hydrothermalen Prozessen hin.

Die Region wird kontinuierlich überwacht, da sie eines der wenigen Gebiete ist, in denen sich magmatische, tektonische und hydrothermale Prozesse in engem Zusammenspiel beobachten lassen. Die aktuellen Studien zeigen, dass viele seismische Prozesse nicht eruptiven Ursprungs sind, sondern durch die Bewegung von Flüssigkeiten innerhalb des komplexen Störungssystems ausgelöst werden. Für die Vulkanforschung bedeutet das: Wer verstehen will, wie sich Vulkanausbrüche ankündigen oder wie Energie aus dem Erdinneren transportiert wird, muss tiefer graben – sowohl im Boden als auch in den Daten.

Fortschritt durch maschinelles Lernen

Bis vor wenigen Jahren wurden Erdbeben in Yellowstone manuell durch Expertenteams ausgewertet, was ein mühsamer und langwieriger Prozess war. Dank neuer Technologien wie maschinellem Lernen und neuronalen Netzwerken können nun große Mengen an seismischen Wellenformen schnell und präzise analysiert werden. Das ermöglicht nicht nur die Entdeckung bisher übersehener Ereignisse, deren Erdbebenwellen sich überlagert haben können, sondern auch ein besseres Verständnis für wiederkehrende Muster wie Erdbebenschwärme oder Flüssigkeitsbewegungen im Untergrund. (Quelle der Studie: https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adv6484)