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Yellowstone
Der Yellowstone-Vulkan ist eine große Caldera im Nordwesten der USA. Der Vulkan hat den Ruf, ein Supervulkan zu sein, der Eruptionen mit einem VEI 8 erzeugt. Diese ereignen sich allerdings in sehr großen Zeitabständen. Der Yellowstone-Nationalpark ist für seine zahlreichen Geysire und heißen Quellen berühmt.
Zweite hydrothermale Eruption im Black-Diamond-Pool des Biscuit-Geyser-Basins im Yellowstone – stärker als die vorherige
Mit einem Abstand von gut 27 Stunden zur ersten hydrothermalen Explosion im Black-Diamond-Pool des Biscuit-Geyser-Basins folgte eine zweite. Diese ereignete sich am 29. April um 12:27 Uhr (Ortszeit) und war noch stärker als die erste Explosion. Die kürzlich vom USGS veröffentlichten Aufnahmen dokumentieren die Eruption, die streng genommen aus zwei kurz aufeinanderfolgenden Explosionen bestand. Dabei verstärkte die erste die zweite, sodass Schlamm, Gesteinsbrocken und Dampf deutlich höher und weiter ausgeworfen wurden als am Vortag. Im Video sind zudem deutlich faustgroße Gesteinsbrocken zu erkennen, die meterhoch in die Luft geschleudert wurden.
Der Black-Diamond-Pool misst entlang seiner Längsterstreckung geschätzte 15 bis 20 Meter. Die fast bis zum Beckenrand ausgeworfenen Gesteinsbrocken verdeutlichen, wie gefährlich plötzlich auftretende hydrothermale Explosionen sein können – insbesondere, wenn sie sich spontan in öffentlich zugänglichen Thermalgebieten ereignen. Entsprechendes geschah ohne Vorwarnung im Juli 2024, als es zur ersten Explosion im Black-Diamond-Pool kam. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Becken relativ unauffällig, obgleich es Berichte von kleineren Explosionen aus den Jahren 2006 und 2016 gibt. Wie Dutzende, ja sogar Hunderte vergleichbare Becken war der Black-Diamond-Pool zwar thermisch aktiv und zeigte Entgasungen, die das Wasser zum Blubbern brachten, jedoch ohne regelmäßige geysirartige Fontänen zu erzeugen.
Möglicherweise verstopfen Silikatablagerungen unterirdische Poren und Fumarolen, sodass Gase nicht mehr entweichen können, sondern sich im Untergrund ansammeln. Wird der Druck zu groß, sprengen sich die Gase schließlich ihren Weg frei. Dieses Modell erklärt zwar die erste Eruption, doch die folgenden Ereignisse deuten auf eine Veränderung im hydrothermalen System des Biscuit-Geyser-Basins hin.
Der unterirdische Gas- und Wärmefluss ist innerhalb der Caldera nicht gleichmäßig verteilt, sondern unterliegt einer dynamischen Entwicklung, bei der es zu unvorhersehbaren Umlagerungen kommen kann. Letztlich ist auch nicht auszuschließen, dass sich in wenigen Kilometern Tiefe unter dem Biscuit-Geyser-Basin eine Magmatasche gebildet hat, die die geothermale Aktivität zusätzlich befeuert. Geophysikalische Hinweise auf so einen Prozesse -wie etwa erhöhte Seismizität oder Bodenhebung- gab es aber nicht.
Black-Diamond-Pool im Yellowstone erzeugte am 28. April eine weitere hydrothermale Explosion
Die jüngste Eruption des Black-Diamond-Pools im Biscuit-Basin der Yellowstone-Caldera in den USA belegt die Instabilität des hydrothermalen Systems der Region. In einem aktuellen Video des USGS ist zu sehen, wie eine kräftige Explosion eine Mischung aus Wasser, Schlamm und Gesteinsfragmenten gut 10 Meter hoch in die Luft schleudert. Nach Einschätzung des Autors handelt es sich um die stärkste hydrothermale Eruption der letzten Monate an diesem Ort. Solche, auch als „dirty eruptions“ bezeichneten Explosionen sind typisch für Systeme, in denen sich Druck unter einer versiegelten Oberfläche aufbaut und sich dann abrupt entlädt.
Der Black-Diamond-Pool steht seit der großen hydrothermalen Explosion im Juli 2024 unter besonderer Beobachtung. Damals wurde ein Boardwalk zerstört, auf dem sich mehrere Besucher des Nationalparks aufhielten. Die Menschen flüchteten in Panik vor einem Bombardement aus herausgeschleuderten Gesteinsbrocken und heißem Schlamm, wobei wie durch ein Wunder niemand schwer verletzt wurde. Seitdem ist das Thermalgebiet des Biscuit Basin gesperrt, und die Überwachung des Black-Diamond-Pools wurde ausgebaut. Die im letzten Jahr installierte Überwachungskamera zeichnete mehrere hydrothermale Explosionen auf. Die aktuelle Eruption sticht hervor, da sie energiereicher erscheint als viele der zuvor registrierten Ereignisse, auch wenn sie nicht die stärkste Eruption des letzten Jahres war.
Ein Blick in den Monatsbericht des Yellowstone-Volcano-Observatory für März 2026 zeigt, dass die Aktivität insgesamt auf Hintergrundniveau bleibt. Dennoch wurden 61 Erdbeben registriert, das stärkste mit einer Magnitude von 1,9. Auch die Bodenhebung am Nordrand der Caldera, die seit Juli 2025 beobachtet wurde, hat sich bis Mitte Januar 2026 abgeschwächt. Am 9. März wurde um 1:27 Uhr nachts eine Eruption am Black-Diamond-Pool durch akustische, seismische und Temperaturmessungen eindeutig nachgewiesen. Dieses Ereignis blieb visuell unbeobachtet, verdeutlicht jedoch, dass solche Ausbrüche häufig auch ohne direkte Sichtbeobachtung stattfinden.
Im Norris Geyser Basin sprang der Echinus-Geysir nur einmal; im Februar wurden noch 40 Ausbrüche des erst kürzlich wieder aktiv gewordenen Geysirs verzeichnet.
Neben der Beobachtung der Aktivität der Yellowstone-Caldera führten die Geoforscher auch neue Studien durch und lieferten wichtige Einblicke in die langfristige Gefährdung durch hydrothermale Explosionen. Mithilfe moderner Lumineszenzdatierung lassen sich ausgeworfene Sedimente heute deutlich genauer datieren als früher. Mineralkörner speichern natürliche Strahlung und „resetten“ diese beim explosiven Austritt aus dem heißen System. Dadurch kann bestimmt werden, wann eine Explosion stattgefunden hat. Diese Methode erlaubt es erstmals, die Häufigkeit solcher Ereignisse systematisch zu rekonstruieren und Gefahren besser einzuschätzen.
Neue Studie liefert Hinweise auf stärkeren tektonischen Einfluss bei der Magmaentstehung unter Yellowstone und relativiert die reine Mantelplume-Theorie
Über Jahrzehnte hinweg wurde angenommen, dass die Yellowstone-Caldera von einem Mantelplume gespeist wird, der die magmatischen Prozesse und Eruptionen steuert. In den letzten Jahren mehren sich jedoch die Hinweise, dass ein Mantelplume allein die komplexen vulkanischen Vorgänge unter Yellowstone nicht ausreichend erklären kann und ein weiterer Steuerungsmechanismus berücksichtigt werden muss.
Eine im April 2026 veröffentlichte Studie hat das magmatische System unter dem Yellowstone-Vulkan detailliert untersucht und das bisherige Verständnis der vulkanischen Architektur im tieferen Untergrund deutlich erweitert.
Zentrale Probleme der klassischen Mantelplume-Theorie bestehen darin, dass sie weder das überwiegend geförderte rhyolithische Magma noch die Struktur der unter dem Vulkan nachgewiesenen Magmazonen schlüssig erklärt. Auch die gekrümmte Spur der Vorläufercalderen und der großflächige Vulkanismus der Snake-River-Plain stehen im Widerspruch zu einem einfachen, senkrecht aufsteigenden Mantelplume.
Frühere Arbeiten gingen davon aus, dass subduzierte Krustensegmente der alten Farallon-Platte den Mantelplume beeinflussen, indem sie den Magmenaufstieg umlenken und auffächern. Neuere Studien zeigen jedoch, dass auch dieses Modell die beobachteten Phänomene nicht vollständig erklären kann.
Die neue Untersuchung wurde von einem internationalen Forschungsteam unter der Leitung von Zebin Cao durchgeführt. Dabei wurden verschiedene geophysikalische Methoden kombiniert und hochauflösende Datensätze aus seismischen Netzwerken sowie geodynamischen Simulationen gemeinsam ausgewertet.
Im Zentrum der Methodik steht die seismische Tomographie, die sich in den letzten Jahren als eine der wichtigsten Methoden zur Untersuchung des tiefen Untergrunds etabliert hat. Mithilfe von Erdbebenwellen werden Unterschiede in Temperatur und Dichte im Erdinneren sichtbar gemacht, wodurch sich u.a. Magmareservoire identifizieren lassen.
Diese Daten wurden mit geodynamischen 3D-Simulationen kombiniert, die Mantelströmungen, Schmelzbildung und die mechanische Reaktion der Lithosphäre modellieren. Ergänzend wurden Daten zur Krustenverformung sowie magnetotellurische Messungen einbezogen, die Hinweise auf geschmolzene oder teilweise geschmolzene Zonen liefern. Durch die Kombination dieser Ansätze konnte erstmals ein räumlich zusammenhängendes Modell des Magmasystems unter Yellowstone erstellt werden.
Magmatisches System unter Yellowstone
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Rekonstruktion eines schräg verlaufenden, translithosphärischen Magmafördersystems, das sich über mehr als 150 Kilometer durch die Erdkruste und den oberen Mantel erstreckt. Im Gegensatz zum klassischen Modell eines vertikal aufsteigenden Mantelplumes zeigt sich ein System, dessen Aufstieg stark durch die Deformation der Nordamerikanischen Platte beeinflusst wird und das in Tiefen von etwa 80 bis 100 Kilometern mit Magma gespeist wird.
Das Magma entsteht dabei überwiegend durch partielles Schmelzen von Gestein in der Asthenosphäre. Der Mantelplume fungiert in diesem Modell vor allem als Wärmequelle und besteht nicht aus Schmelze, sondern aus plastischem Gestein, das den Wärmetransport aus dem tieferen Erdmantel ermöglicht.
Unterhalb der Erdkruste bildet sich eine ausgedehnte Schmelzzone, deren Ausrichtung vermutlich auch durch die Dynamik der bereits vor Millionen Jahren subduzierten Farallon-Platte beeinflusst wird, die vor den Rocky Mountains im Erdmantel verschwindet. Da sich die Yellowstone-Caldera am Rand der Basin-and-Range-Provinz befindet, kommt es dort trotz der Orogenese der Rocky Mountains zu einer Dehnung der Erdkruste. In der Folge entstehen Brüche und Scherzonen, die als Aufstiegswege für das Magma dienen.
Was ist die Farallon-Platte?
Die Farallon-Platte war eine große ozeanische Platte im Pazifik, die seit dem Jura (vor über 150 Millionen Jahren) unter die Nordamerikanische Platte subduzierte. Über lange Zeit erzeugte diese Subduktion einen ausgedehnten Vulkangürtel entlang der Westküste Nordamerikas.
Im späten Mesozoikum und frühen Känozoikum änderte sich der Subduktionswinkel: Die Platte tauchte teilweise sehr flach ab. Dadurch verlagerte sich die tektonische Aktivität weit ins Landesinnere, während der Vulkanismus an der Küste zeitweise nachließ. Gleichzeitig wurde die Erdkruste im Westen der USA stark verformt.
Ab etwa 30 Millionen Jahren vor heute begann die Farallon-Platte zu zerbrechen und wurde nach und nach vollständig vom Erdmantel „verschluckt“. Übrig blieben kleinere Platten wie die Juan-de-Fuca-Platte.
Durch das Zerreißen der Farallon-Platte im Erdinneren entstanden Lücken („Slab Windows“), durch die heißes Mantelmaterial leichter aufsteigen konnte, während sich die Kruste im Westen zunehmend dehnte.
Diese tiefgreifenden Veränderungen im Untergrund beeinflussten die Tektonik und begünstigten den Magmatismus im Inneren des Kontinents – darunter die Orogenese der Rocky Montanis und den Yellowstone-Hotspot, der sich vor etwa 16 Millionen Jahren entwickelte.
Unter der Caldera identifiziert die Studie zwei miteinander verbundene Magmareservoire: ein tieferes, basaltisches, überwiegend kristallines „Mush“-Reservoir sowie ein flacheres, stärker schmelzreiches rhyolithisches System, das die hydrothermalen Prozesse des Yellowstones maßgeblich steuert.
Diese Ergebnisse verändern die Interpretation der vulkanischen Dynamik des Systems, ohne die Existenz tiefer Mantelprozesse grundsätzlich infrage zu stellen. Der klassische Mantelplume wird in seiner Rolle relativiert, während die Plattentektonik als aktiver Steuerungsmechanismus stärker in den Vordergrund rückt. Sie beeinflusst maßgeblich die Verteilung und den Transport der Schmelzen.
Das Yellowstone-System erscheint damit weniger als punktueller Hotspot, sondern eher als großräumig deformiertes Schmelz- und Transportsystem.
Für die Bewertung zukünftiger Eruptionen ergeben sich daraus keine Hinweise auf eine kurzfristig erhöhte Gefährdung. Zwar bestätigen die Daten das Vorhandensein großer Mengen teilweise geschmolzenen Materials, dieses liegt jedoch überwiegend in einem kristallreichen und hochviskosen Zustand vor, was meiner Meinung nach allerdings auch die Explosivität erhöht.
Solche „Mush“-Systeme erschweren die schnelle Akkumulation großer, eruptiv verfügbarer Magmamengen. Zudem deutet die komplexe, verzweigte Struktur darauf hin, dass sich Druck im System eher verteilt als lokal konzentriert aufbaut. Es gibt daher weiterhin keine Anzeichen für eine bevorstehende Supereruption.
Quelle der Studie: Cao, Z., et al. (2026).
Tectonic origin of Yellowstone’s translithospheric magma plumbing system.
Science. https://doi.org/10.1126/science.ady2027
Neue heiße Quelle bei Mammoth: Yellowstone Caldera bleibt dynamisch
Die Yellowstone-Caldera ist um eine heiße Quelle reicher geworden. Dies geht aus einer Meldung der Guides des Yellowstone-Nationalparks hervor, die vor einigen Tagen im Bereich der Mammoth Hot Springs eine entsprechende Entdeckung machten. Nahe der Mound- bzw. Orange-Mound-Region dokumentiert ein aktuelles Foto erstmals die neue Austrittsstelle, um die sich bereits erster Kalksinter ablagerte. Die neue Hotspring ist ein weiteres Beispiel für die bemerkenswerte Dynamik dieses einzigartigen Naturraums.
Die Mammoth Hot Springs unterscheiden sich geologisch deutlich von anderen Thermalgebieten im Park. Während vielerorts silikatische Gesteine dominieren, tritt hier heißes Wasser durch Kalkstein an die Oberfläche. Dabei löst es Calciumcarbonat im Untergrund und lagert es beim Abkühlen als Travertin ab. So entstehen die charakteristischen Terrassen der Thermalregion im Norden des Parks, die sich fortlaufend verändern. Neue Quellen können sich bilden, während andere versiegen, und das oft innerhalb kurzer Zeiträume. Dass das Thermalwasser hier nicht durch Vulkangestein aufsteigt, liegt daran, dass Mammoth außerhalb der jüngsten Caldera liegt und eher ein vulkanisches Randphänomen darstellt.
Die jetzt beobachtete Quelle dürfte durch eine Umlenkung unterirdischer Wasserwege entstanden sein. Kleine Druckänderungen im hydrothermalen System reichen aus, um bestehende Kanäle zu verschließen und neue Öffnungen zu schaffen. Besonders die porösen Travertinablagerungen rund um Orange Mound begünstigen solche Prozesse. Bison im Firehole-River
Die Neubildung steht im Kontext mehrerer ähnlicher Ereignisse der vergangenen Monate. Bereits 2024 wurde ebenfalls nahe Mammoth eine neue Austrittsstelle entdeckt. Im Norris Geyser Basin entstand zudem ein neuer Thermalpool, während es andernorts zu kleineren hydrothermalen Explosionen kam. Geoforscher werten diese Entwicklungen jedoch nicht als Anzeichen erhöhter vulkanischer Aktivität.
Im Yellowstone gibt es mehr als 10.000 hydrothermale Erscheinungen, die Abschnitte der 7 größeren Flüsse aufheizen, die im Yellowstone entspringen und den Westen der USA mit Wasser versorgen. Besonders während der strengen Winter der Rocky Mountains stellen die warmen Flüsse einen einzigartigen Lebensraum für die Tierwelt dar. Außerdem liegt hier die kontinentale Wasserscheide.
Yellowstone zeigt sich von seiner dynamischsten Seite: Rückkehr eines alten Geysirs
Die Aktivität der Yellowstone-Caldera ist auch ohne Vulkanausbruch äußerst dynamisch und sorgt immer wieder für Überraschungen. So meldete das Yellowstone Volcano Observatory (YVO) gestern Abend, dass ein seit Jahren ruhender Geysir im Norris Geyser Basin bereits Anfang Februar unerwartet ausgebrochen ist und seitdem regelmäßig aktiv ist: die Rede ist vom Echinus-Geysir, dem größten „sauren“ Geysir der Welt. Sein Wasser weist einen so niedrigen pH-Wert auf, dass Vulkanologen ihn mit Orangensaft oder verdünntem Essig vergleichen.
Die Acidität des Wassers, das sich im Becken des Echinus-Geysirs sammelt, schwankt zwischen pH 3,3 und 3,6. Trotz dieser Werte besitzt das Wasser lediglich die Eigenschaften einer schwach bis mäßig sauren Lösung – es verätzt die Haut also nicht sofort bei Kontakt. Dennoch gelten „saure“ Geysire als instabiler als ihre alkalischen Pendants. Grund dafür sind im Wasser gelöste Gase wie Schwefeldioxid und Kohlendioxid, die kalkhaltige Gesteine wie Sinter angreifen und erodieren. Da die meisten Geysirbecken aus Kalksinter bestehen, reagieren sie besonders empfindlich auf saure Bedingungen. Dieses Phänomen spiegelt sich sogar im Namen des Geysirs wider: Sein Entdecker fühlte sich beim Anblick des stark erodierten Beckens an einen Seeigel erinnert und benannte ihn nach der Gattung „Echinus“.
Umso bemerkenswerter ist es, dass sich unter diesen Bedingungen dennoch eine stabile Geysirstruktur ausbilden konnte, die ausreichend Druck aufbaut, um Wasserfontänen von bis zu 23 Metern Höhe zu erzeugen. Derzeit erreicht Echinus allerdings geringere Höhen: Laut Bericht steigen die Fontänen aktuell auf etwa 6 bis 10 Meter. Ein erster Ausbruch wurde am 7. Februar beobachtet, bis zum 15. Februar folgten drei weitere. Seit dem 16. Februar treten die Eruptionen in Intervallen von zwei bis fünf Stunden auf. Im Februar wurden mehr als 40 Sprünge des Geysirs detektiert.
Die Wiederbelebung des Echinus-Geysirs fällt in eine Phase verstärkter geothermischer Aktivität im Norris Geyser Basin, die von einer leichten Bodenhebung geprägt ist, welche im vergangenen Sommer begann. Bereits im letzten Winter häuften sich Berichte über neu entstandene Heißwasserquellen. Besonders im Fokus stand dabei die Bildung eines neuen Wasserbeckens im Porcelain Basin. Noch spektakulärer war jedoch die Reaktivierung des Valentine-Geysirs, der im Herbst erstmals seit mehr als 20 Jahren wieder ausbrach. Hinzu kommt, dass am 27. Februar Steamboat Geyser sprang. Es war der erste Sprung des weltgrößten Geysirs in diesem Jahr. Im letzten Jahr gab es insgesamt nur 3 Sprünge, den letzten am 31. Dezember. Somit betrug die Pause 57 Tage.
Bei der aktuellen Bodenhebung -die im Februar allerdings pausierte- handelt es sich um eine Reaktivierung der sogenannten Norris-Uplift-Anomalie, die bereits Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre beobachtet wurde. Zuletzt sorgte sie zwischen 2013 und 2018 in einer zweiphasigen Hebungsperiode für mediale Aufmerksamkeit. Zwar ist die derzeitige Hebung vergleichsweise gering und für ein dynamisches Vulkansystem nicht ungewöhnlich, doch weist sie auf Veränderungen in der Verteilung von Fluiden und Druckverhältnissen im Untergrund hin, die indirekt Einfluss auf die hydrothermale Aktivität haben könnten.
Reaktivierung des Valentine-Geysirs im hochdynamischen Norris-Geysir-Basin der Yellowstone-Caldera
Das Norris-Geysir-Basin im Yellowstone-Nationalpark gilt als eines der dynamischsten Hydrothermalgebiete der Erde. Es liegt am nordwestlichen Rand der Yellowstone-Caldera, wo sich zahlreiche Verwerfungen kreuzen und heißes Wasser durch eine komplexe unterirdische Struktur zirkuliert. In diesem Umfeld entstehen ständig neue heiße Quellen, Dampfaustritte und manchmal auch neue Geysire, während andere inaktiv werden oder lange Zeit ruhen – ein Spiegelbild des sich ständig ändernden thermischen Systems unter der Erdoberfläche.
Ein Beispiel für die Dynamik des Norris-Geyser-Beckens (NGB) ist der Valentine-Geysir: Wie das YVO jüngst berichtete, brach der Geysir nach 20 Jahren der Ruhe am 7. August 2025 wieder aus. Seitdem springt er etwa alle 4–6 Tage. Solche Phasenwechsel zwischen langen Ruhephasen und plötzlicher Aktivität, sind typisch für Geysire wie Valentine und auch für andere Ausbruchsquellen in Norris.
Ein besonders berühmter Vertreter der Norris-Features ist der Steamboat-Geysir – der größte aktive Geysir der Welt. Im Gegensatz zu Valentine, der eher moderat hohe Wasserfontänen entwickelt, kann Steamboat bei seinen großen Eruptionen Wasser über 90 Meter in die Luft schleudern, gefolgt von einer massiven Dampfausstoßphase, die Stunden bis Tage dauern kann.
In den letzten Jahren bis etwa 2022/2023 war Steamboat außergewöhnlich aktiv: Von 2018 bis 2020 wurden über 40 große Eruptionen pro Jahr registriert, ein deutlich höheres Niveau als in früheren Jahrzehnten. Danach nahm die Häufigkeit allmählich ab, und 2025 wurden nur noch wenige größere Ausbrüche dokumentiert, bevor der Geysir erneut in eine ruhigere Phase eintrat.
Könnte Valentine das „Geschäft übernommen“ haben? Wissenschaftlich lässt sich das nicht so einfach sagen: Geysire teilen sich zwar oft dasselbe hydrothermale Reservoir oder angrenzende Leitungen, doch direkte Konkurrenz im Sinne einer Verdrängung eines anderen Geysirs ist nicht nachgewiesen. Vielmehr zeigt das gleichzeitige Aufleben verschiedener Geysire – wie Valentine und zuvor Steamboat – die starke Variabilität und Sensitivität des hydrothermalen Systems im Norris-Becken. Beobachtungen und Messdaten aus diesen aktiven Perioden können helfen, besser zu verstehen, wie solche Phasenwechsel entstehen und welche geologischen Prozesse sie antreiben.
Auch wenn es von offiziellen Stellen gerne dementiert wird, ist naheliegend, dass die hohe Dynamik des NGB mit Magmenmigration im Untergrund im Zusammenhang stehen könnte. Zwar wies eine Studie im letzten Jahr nach, dass sich Magma vor allem im Nordosten der Caldera ansammelt, das schließt meiner Meinung nach aber nicht aus, dass unter dem NGB selbst Magma aufsteigen könnte. Hierfür spricht, dass sich seit letztem Sommer der Boden im Norris-Geyser-Basin um ca. 20 mm angehoben hat. Der Effekt könnte aber auch durch Druckänderungen im Hydrothermalsystem zustande kommen.
Bodenhebung im Norris-Geyser-Basin festgestellt – Anomalie kehrt nach längerer Pause zurück
Die Yellowstone-Caldera ist eines der dynamischsten Vulkansysteme der Erde und für ihre mannigfaltigen Erscheinungen des Postvulkanismus bekannt. Nirgendwo sonst auf unserem Planeten gibt es so viele Geysire, heiße Quellen, Schlammbecken und Fumarolen wie hier. Diese Phänomene sind Ausdruck eines großen Hydrothermalsystems, das durch Magma in größerer Tiefe befeuert wird. Magma und die Fluide des Hydrothermalsystems bewirken Spannungen im Untergrund, die sich in Bodendeformationen und Erdbeben manifestieren. Dabei kam es in den letzten Monaten zu einigen auffälligen Veränderungen im Verhalten des Systems: Sie äußerten sich in hydrothermalen Explosionen im Geothermalfeld des Biscuit Basin – wo es im Januar auch wieder kleinere Eruptionen im Diamond-Pool gab – und neuen Heißwasserphänomenen, die sich vor allem im Norris Geyser Basin fanden. Nun wurde bekannt, dass sich hier der Boden wieder hebt.
Das Norris-Geyser-Basin zählt nicht nur zu den größten und farbenfrohesten Thermalgebieten der Yellowstone-Caldera, sondern auch zu den dynamischsten. Tatsächlich ist es einer meiner Lieblingsplätze im Yellowstone, nicht zuletzt, weil man hier die Veränderungen über die Jahre hinweg am besten beobachten kann. Auffällig ist z. B., dass zahlreiche Bäume in den letzten Jahrzehnten abstarben und mit einer Kalkkruste überzogen wurden. Zwischen 1996 und 2004 hob sich der Boden um 12 Zentimeter. Eine weitere Phase starker Bodenhebung ereignete sich zwischen 2013 und 2014, als sich der Boden um 15 Zentimeter pro Jahr aufblähte. Diese Bodenhebungen bedingten zahlreiche Spekulationen, dass der Vulkan kurz vor einem Ausbruch stehen würde. In den folgenden Jahren senkte sich der Boden aber wieder um 7 Zentimeter und der Alarmismus ebbte ab. Nun wurde bekannt, dass sich der Boden seit Juli 2025 wieder zu heben begonnen hat und das als Norris-Anomaly bekannte Phänomen wieder auftauchte. Bis Ende Januar hob sich der Boden um 2 Zentimeter. Damit einher geht eine Bodensenkung nordwestlich von Norris.
Grund für die Bodenhebung könnte Aufstieg von Magma im Nordwesten der Yellowstone-Caldera sein. Möglich sind aber auch rein hydrologische Effekte im oberflächennahen Thermalsystem. Die langjährige Subsidenz im Zentrum der Caldera, die eine jährliche Rate von 2,5 Zentimetern aufweist, hält weiter an.
Neben den Bodendeformationen gibt es weiterhin zahlreiche schwache Erdbeben, mit einer steigenden Tendenz im Bereich von Norris. Im Januar wurden 100 dieser Erdbeben festgestellt. Das stärkste hatte eine Magnitude von 2,6.
Die Vulkanwarnstufe steht weiterhin auf Normal, der Flug-Farbcode auf Grün. Nach Einschätzung der Vulkanologen vom YVO zeigt Yellowstone derzeit keine Anzeichen für eine unmittelbare vulkanische Gefährdung. Die Vulkanologen beschreiben das Phänomen der Bodenbewegungen als den „Atem des Vulkans“. Er ist Ausdruck der lebendigen Dynamik des Yellowstones, aber kein Anzeichen einer unmittelbar bevorstehenden Eruption.
Rätsel um das Fehlen von Schwefeldioxid-Emissionen in der Yellowstone-Caldera gelöst
Unter der idyllischen Landschaften des Yellowstone-Nationalparks mit ihren weiten Wäldern und Prärien verbirgt sich eines der gewaltigsten Vulkansysteme der Erde: die Yellowstone-Caldera. Sie entstand durch mehrere calderabildende Eruptionen, zuletzt vor etwa 640.000 Jahren, und misst rund 70 × 45 Kilometer. Heute ist sie kein Ort von Lavaströmen, sondern ein Gebiet intensiver hydrothermaler Aktivität, das Forschenden tiefe Einblicke in die Prozesse eines aktiven Supervulkans erlaubt.
Norris
Ein besonders spannender Aspekt ist das Verhalten vulkanischer Gase – allen voran das scheinbare Fehlen von Schwefeldioxid-Emissionen (SO₂). In vielen aktiven Vulkanregionen ist SO₂ ein zentrales Überwachungssignal. Vulkane wie der Kīlauea oder der Ätna stoßen täglich große Mengen dieses Gases aus. Die Gaswolken sind mithilfe von Satellitenmessungen oft über Hunderte Kilometer verfolgbar und haben direkte Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. Yellowstone dagegen zeigt ein anderes Bild: Trotz seines riesigen magmatischen Systems ist dort kaum messbares SO₂ in der Atmosphäre nachweisbar. Stattdessen riecht es aber an vielen Stellen der Thermalgebiete nach faulen Eiern. Dieser charakteristische Geruch wird von Schwefelwasserstoff (H₂S) verursacht.
Der Schlüssel zum Verständnis des im Yellowstone emittierten Gascocktails liegt im Aufbau des tief hinabreichenden Magmasystems: Unter Yellowstone befinden sich zwei Hauptreservoire: eine obere, rhyolithische Magmazone in 4 bis 17 Kilometern Tiefe und ein deutlich größeres, basaltisches Reservoir, das sich zwischen 20 und 50 Kilometern Tiefe erstreckt. Diese Tiefenlage ist entscheidend für den Verbleib des Schwefeldioxids. Während Kohlendioxid (CO₂) bereits in großer Tiefe aus dem Magma entweichen kann – weshalb Yellowstone zu den weltweit stärksten CO₂-Emittenten zählt –, wird SO₂ normalerweise erst sehr oberflächennah freigesetzt. In Yellowstone erreicht es diese flache Zone jedoch kaum, sodass nur vergleichsweise wenig SO₂ aus der Schmelze entweicht.
Das, was an Schwefeldioxid dem Magma entweicht und aufsteigt, trifft auf seinem Weg zur Oberfläche auf eines der größten hydrothermalen Systeme der Erde, das zehntausende heißen Quellen, Geysire und Fumarolen speist. Dort arbeitet eine Art natürliche Chemiefabrik: Das SO₂ löst sich im heißen Wasser und wird chemisch umgewandelt, vor allem in Schwefelwasserstoff (H₂S) und Sulfate. Der typische Geruch nach faulen Eiern in Gebieten wie dem Norris Geyser Basin ist somit kein Zeichen fehlender vulkanischer Aktivität, sondern das Endprodukt dieser Umwandlung und der Grund, warum in den emittierten Gasen kaum Schwefeldioxid nachweisbar ist.
Für die Vulkanüberwachung ist dieses Phänomen von großer Bedeutung. Würde plötzlich SO₂ an der Oberfläche gemessen, wäre das ein ernstes Warnsignal: Es würde auf aufsteigendes Magma und das Austrocknen des hydrothermalen Systems hindeuten. Solange jedoch vor allem CO₂ und H₂S dominieren, gilt Yellowstone trotz seiner Größe als geologisch aktiv, aber derzeit stabil.
Yellowstone zeigt damit eindrucksvoll, dass selbst ein Supervulkan nicht durch spektakuläre Ausbrüche auffallen muss – manchmal erzählen Gase, die man nicht misst, die spannendste Geschichte.
Weitere Hydrothermale Eruption erschüttert Black Diamond Pool im Biscuit Basin im Yellowstone
Gestern Morgen ereignete sich in der Yellowstone-Caldera um 09:22:51 Uhr (MST) eine weitere hydrothermale Explosion. Ort des Geschehens war wieder der Black-Diamond-Pool im Biscuit Basin, wo es seit Juli 2024 mehrere dampfgetriebene Eruptionen gegeben hat. Das Ereignis dauerte rund fünf Sekunden und wurde unter klaren Winterbedingungen von einer Webcam des Yellowstone Volcano Observatory (YVO) aufgezeichnet. Eine dunkle Schlamm- und Wasserfontäne schoss mehrere Meter hoch aus dem Pool empor, begleitet von Dampf und akustisch deutlich wahrnehmbaren Geräuschen.
Der Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Ereignisse ein, die seit der großen hydrothermalen Explosion vom 23. Juli 2024 auftreten. Damals wurde ein Boardwalk zerstört, Gesteinsbrocken und Schlamm wurden mehrere hundert Meter weit ausgeworfen. Seit diesem Ereignis zeigt der Black-Diamond-Pool ein instabiles Verhalten mit sporadischen, schmutzigen Schlammeruptionen, die Höhen von etwa 9 bis 12 Metern erreichen können.
In den Wochen vor dem Ereignis gestern registrierten Messinstrumente wiederholt nächtliche oder witterungsbedingt verdeckt ablaufende Ereignisse, die akustisch erfasst, jedoch visuell nicht dokumentiert werden konnten. Erst im Frühsommer 2025 installierten Wissenschaftler des Geologieprogramms des Nationalparks die Kamera und zusätzliche Sensoren, wie Geophone, Temperaturfühler und Mikrofone. Diese technische Aufrüstung ermöglicht eine deutlich präzisere Erfassung solcher kurzfristigen, explosiven Prozesse.
Das Biscuit Basin bleibt aufgrund der anhaltenden Gefährdung weiterhin für Besucher gesperrt. Die Sperrung gilt seit der Explosion 2024 und soll Besucher vor unvorhersehbaren Druckentladungen im hydrothermalen System schützen.
Geografisch gehört das Biscuit Basin zum Upper Geyser Basin, in dem auch der berühmte Old-Faithful-Geyser liegt, und ist Teil eines dichten Netzwerks bedeutender Thermalgebiete. In unmittelbarer Nähe befinden sich auch das Midway-Geyser-Basin mit dem Grand-Prismatic-Spring sowie das Lower-Geyser-Basin mit ausgedehnten Fumarolen- und Sinterflächen. Die jüngsten Ereignisse verdeutlichen einmal mehr, wie dynamisch und unberechenbar die hydrothermalen Systeme des Yellowstone sind – selbst in Bereichen, die über Jahrzehnte als vergleichsweise ruhig galten.