Aktuelle Nachrichten und Analysen zu Vulkanausbrüchen, Erdbeben und Naturkatastrophen
Yellowstone
Der Yellowstone-Vulkan ist eine große Caldera im Nordwesten der USA. Der Vulkan hat den Ruf, ein Supervulkan zu sein, der Eruptionen mit einem VEI 8 erzeugt. Diese ereignen sich allerdings in sehr großen Zeitabständen. Der Yellowstone-Nationalpark ist für seine zahlreichen Geysire und heißen Quellen berühmt.
Mann von Bison im Yellowstone attackiert und in die Luft geschleudert – Video geht viral
Der Yellowstone-Nationalpark ist am 10. Juli Schauplatz eines schweren Wildtierunfalls geworden. Ein 65-jähriger Besucher wurde auf dem Campingplatz Bridge Bay von einem Bison angegriffen und schwer verletzt. Augenzeugen zufolge jagte das Tier den Mann mehrmals um eine Baumgruppe herum, bevor es ihn mit Stirn und Hörnern erfasste und mehrere Meter durch die Luft schleuderte. Rettungskräfte des Parks versorgten den Verletzten noch am Unfallort und brachten ihn anschließend in ein nahegelegenes Krankenhaus. Berichten zufolge erlitt er mehrere Knochenbrüche, befand sich aber nicht in Lebensgefahr.
Der Vorfall verdeutlicht die Gefahren, die von Bisons ausgehen können. Die mächtigen Huftiere erreichen ein Gewicht von weit über 900 Kilogramm und können trotz ihres massigen Körperbaus Geschwindigkeiten von mehr als 50 Kilometern pro Stunde erzielen. Fühlen sie sich bedrängt, überrascht oder sehen sie ihren Nachwuchs bedroht, reagieren sie mitunter äußerst aggressiv. Ihre Hörner und ihre enorme Körperkraft machen sie neben Bären zu den gefährlichsten Großsäugern des Parks; tatsächlich verletzen Bisons in Yellowstone mehr Menschen als jedes andere Wildtier.
Dass es immer wieder zu Zwischenfällen kommt, liegt nicht allein am Verhalten der Tiere. Yellowstone zieht jedes Jahr Millionen Besucher an, die den Tieren oft näherkommen, als es die Sicherheitsregeln erlauben. Hinzu kommt, dass sich Wildtiere nicht an Wege oder Campingplätze halten und sich die Grenzen zwischen menschlichen Aufenthaltsbereichen und ihrem natürlichen Lebensraum überschneiden. Viele Besucher unterschätzen zudem die Geschwindigkeit und Unberechenbarkeit der Tiere oder versuchen, Fotos aus zu geringer Distanz aufzunehmen.
Augenzeugen filmten den Vorfall und das Video geht in den sozialen Medien viral. Ein Fehlverhalten des Attackierten kann ich nicht erkennen. Der Bisonbulle war aber äußerst aggressiv und ließ einen Teil seiner Wut vor der Attacke an einem jungen Baum aus. Der Fotograf Mike MacLeod berichtete, dass das Tier sehr aggressiv wirkte und zunächst andere Besucher attackierte, bevor es den 65-jährigen Mann verfolgte.
Die Parkverwaltung mahnt, mindestens 23 Meter Abstand zu Bisons einzuhalten und sich sofort zurückzuziehen, wenn ein Tier Anzeichen von Unruhe zeigt. Der jüngste Angriff erinnert daran, dass Yellowstone zwar ein einzigartiges Naturerlebnis bietet, seine Bewohner jedoch wilde Tiere bleiben, deren Verhalten sich nicht vollständig vorhersagen lässt. Respekt vor den Tieren und die Einhaltung der Sicherheitsregeln sind daher die wirksamsten Mittel, um weitere Unfälle zu verhindern.
Die Yellowstone-Caldera bleibt nicht nur in Hinsicht auf Wildtiere ein Hotspot: im Juni registrierte das seismische Netzwerk 118 schwache Erdbeben. Das stärkste hatte eine Magnitude von 2,4. Im Vormonat wurden nur 45 Erschütterungen registriert. Am 13. Juni manifestierte sich im Biscuit Basin nördlich des Black Diamond Pool eine kleine hydrothermale Explosion. Dabei wurden Gesteinsbrocken einige Meter weit ausgeworfen und heißes, sedimentreiches Wasser in den Firehole River gespült. Insgesamt gibt es laut USGS keine Hinweise auf ungewöhnliche magmatische Unruhe oder einen bevorstehenden Vulkanausbruch.
Neue hydrothermale Eruption im Yellowstone – Weitere Öffnungen entstanden nahe des Black-Diamond-Pools
Knapp zwei Jahre nach der spektakulären hydrothermalen Explosion am Black-Diamond-Pool im Biscuit Basin hat sich das Gebiet im Yellowstone-Nationalpark ein weiteres Mal verändert. Wie erst jetzt vom USGS bekannt gegeben wurde, registrierten am frühen Morgen des 13. Juni 2026 Messstationen ungewöhnliche seismische Signale und Infraschallwellen. Auf Livecam-Aufnahmen wurde eine kleine hydrothermale Explosion gesichtet. Sie schuf mehrere neue Öffnungen und Risse im Boden nördlich des Pools und spülte große Mengen sedimentreichen Wassers in den Firehole River, der sich daraufhin eintrübte.
Neue Vents
Die Aktivität begann um 5:09 Uhr Ortszeit. Zunächst vermuteten Wissenschaftler, dass der Black-Diamond-Pool selbst erneut ausgebrochen sein könnte. Temperaturdaten widersprachen jedoch dieser Annahme. Stattdessen zeichnete eine Überwachungskamera eine dunkle Dampffontäne auf, die einige Dutzend Meter nördlich des Pools aus dem Boden schoss.
Bei Untersuchungen vor Ort entdeckten Geologen drei neu entstandene Ventgruppen. Sie markieren Stellen, an denen nahezu kochendes Wasser aus dem Untergrund plötzlich einen Weg an die Oberfläche fand. Der abrupte Druckabfall ließ das Wasser schlagartig zu Dampf expandieren und löste die Explosion aus.
Die stärkste Veränderung zeigte sich an der nördlichen Ventgruppe. Dort entstand eine rund 18,5 Meter lange und bis zu 1,5 Meter breite Spalte, die mit etwa 90 Grad Celsius heißem Wasser gefüllt war. Überall lagen ausgeworfene Gesteinsbrocken, die jedoch nur wenige Meter weit geschleudert wurden – ein Hinweis auf die vergleichsweise geringe Explosionskraft. Die Eruption vom Juli 2024 war deutlich heftiger.
Noch bemerkenswerter war die Entwicklung in den Tagen danach. Zwischen dem 14. und 16. Juni kollabierte der Untergrund nahe der mittleren Ventgruppe und bildete einen neuen, etwa 6,5 mal 5,3 Meter großen Pool mit grauem, stark siedendem Wasser. Das Becken entstand an einer Stelle, die Geologen kurz zuvor noch zu Fuß betreten hatten. Das verdeutlicht, wie instabil der Untergrund in den Thermalgebieten des Yellowstones sein kann.
Am 18. Juni beobachteten Kameras bereits erste Ausbruchsphasen. Dabei schoss Wasser zeitweise sechs bis neun Meter hoch in die Luft. Außerhalb dieser Episoden brodelte der Pool intensiv weiter.
Die neue Eruption verdeutlicht einmal mehr die Dynamik der hydrothermalen Systeme Yellowstones. Obwohl kein Zusammenhang mit aufsteigendem Magma besteht, bleibt das Gebiet rund um den Black-Diamond-Pool eine der aktivsten und unberechenbarsten Thermalzonen des Nationalparks.
Im Mai wurden 3 weitere hydrothermale Explosionen am Black-Diamond-Pool registriert – Seismik und Bodenhebung unauffällig
Das Monatsbulletin für den Monat Mai enthüllt, dass es nach den beiden stärkeren und mehreren schwachen hydrothermalen Eruptionen des Black-Diamond-Pools im Biscuit-Geyser-Basin im April drei weitere Eruptionen im Mai gab. Bilder der Ereignisse wurden nicht veröffentlicht, was daran liegen könnte, dass sie sich nachts ereigneten oder dass das Wetter schlecht war. Auch an anderer Stelle zeigte der Calderavulkan nicht alltägliche Aktivität, als es im Norris-Geyser-Basin zu 2 Sprüngen des Echnius-Geysirs kam. Bodendeformationen wurden nicht festgestellt.
Mammoth Hot Springs
Darüber hinaus wurden im gesamten Monat 45 lokalisierbare Erdbeben registriert. Das stärkste Ereignis mit einer Magnitude von 2,0 manifestierte sich süd-südöstlich von Mammoth Hot Springs, wo sich vor einigen Wochen -wie berichtet- eine neue Thermalquelle gebildet hatte. Schwarmbeben traten nicht auf, und die seismische Aktivität entspricht dem langjährigen Hintergrundniveau der Region.
Die Bodenverformung blieb ebenfalls stabil: GPS-Messungen zeigen seit Januar 2026 weder Hebung noch Senkung der Caldera, was insofern ungewöhnlich ist, als dass es in den letzten Jahren zyklische Bodendeformationen gegeben hatte, die zumindest teilweise mit der Hydrologie des Nationalparks zusammenhingen Warum dieser Prozess nun gestoppt hat, ist unklar. Spekulativ ist, dass sich die saisonale Senkung mit einer fluidbedingten Hebung gegenseitig kompensieren. Die zuvor im Juli 2025 begonnene Hebung am Nordrand der Caldera kam im Januar 2026 vollständig zum Stillstand.
Während Bodendeformation und Seismizität unauffällig waren, zeigte sich die hydrothermale Aktivität lokal erhöht. Im Norris-Geysir-Becken kam es zu zwei Ausbrüchen des Echinus-Geysirs. Im Biscuit Basin wurden zudem drei Eruptionen des Black-Diamond-Pools registriert. Diese Ereignisse wurden durch seismische, akustische und Temperaturmessungen bestätigt. Im Sommer 2024 war es hier zu einer ungewöhnlich starken hydrothermalen Explosion gekommen. Seitdem steht das Areal im Fokus der Beobachter.
Bei einem Treffen der Forscher des Yellowstone-Volcano-Observatory in Mammoth Hot Springs standen die Aktualisierung geologischer Karten und die Früherkennung hydrothermaler Gefahren im Fokus. Zusätzlich wurden saisonale GPS-Stationen installiert, um die Überwachung im Sommer zu verdichten.
Zweite hydrothermale Eruption im Black-Diamond-Pool des Biscuit-Geyser-Basins im Yellowstone – stärker als die vorherige
Mit einem Abstand von gut 27 Stunden zur ersten hydrothermalen Explosion im Black-Diamond-Pool des Biscuit-Geyser-Basins folgte eine zweite. Diese ereignete sich am 29. April um 12:27 Uhr (Ortszeit) und war noch stärker als die erste Explosion. Die kürzlich vom USGS veröffentlichten Aufnahmen dokumentieren die Eruption, die streng genommen aus zwei kurz aufeinanderfolgenden Explosionen bestand. Dabei verstärkte die erste die zweite, sodass Schlamm, Gesteinsbrocken und Dampf deutlich höher und weiter ausgeworfen wurden als am Vortag. Im Video sind zudem deutlich faustgroße Gesteinsbrocken zu erkennen, die meterhoch in die Luft geschleudert wurden.
Der Black-Diamond-Pool misst entlang seiner Längsterstreckung geschätzte 15 bis 20 Meter. Die fast bis zum Beckenrand ausgeworfenen Gesteinsbrocken verdeutlichen, wie gefährlich plötzlich auftretende hydrothermale Explosionen sein können – insbesondere, wenn sie sich spontan in öffentlich zugänglichen Thermalgebieten ereignen. Entsprechendes geschah ohne Vorwarnung im Juli 2024, als es zur ersten Explosion im Black-Diamond-Pool kam. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Becken relativ unauffällig, obgleich es Berichte von kleineren Explosionen aus den Jahren 2006 und 2016 gibt. Wie Dutzende, ja sogar Hunderte vergleichbare Becken war der Black-Diamond-Pool zwar thermisch aktiv und zeigte Entgasungen, die das Wasser zum Blubbern brachten, jedoch ohne regelmäßige geysirartige Fontänen zu erzeugen.
Möglicherweise verstopfen Silikatablagerungen unterirdische Poren und Fumarolen, sodass Gase nicht mehr entweichen können, sondern sich im Untergrund ansammeln. Wird der Druck zu groß, sprengen sich die Gase schließlich ihren Weg frei. Dieses Modell erklärt zwar die erste Eruption, doch die folgenden Ereignisse deuten auf eine Veränderung im hydrothermalen System des Biscuit-Geyser-Basins hin.
Der unterirdische Gas- und Wärmefluss ist innerhalb der Caldera nicht gleichmäßig verteilt, sondern unterliegt einer dynamischen Entwicklung, bei der es zu unvorhersehbaren Umlagerungen kommen kann. Letztlich ist auch nicht auszuschließen, dass sich in wenigen Kilometern Tiefe unter dem Biscuit-Geyser-Basin eine Magmatasche gebildet hat, die die geothermale Aktivität zusätzlich befeuert. Geophysikalische Hinweise auf so einen Prozesse -wie etwa erhöhte Seismizität oder Bodenhebung- gab es aber nicht.
Black-Diamond-Pool im Yellowstone erzeugte am 28. April eine weitere hydrothermale Explosion
Die jüngste Eruption des Black-Diamond-Pools im Biscuit-Basin der Yellowstone-Caldera in den USA belegt die Instabilität des hydrothermalen Systems der Region. In einem aktuellen Video des USGS ist zu sehen, wie eine kräftige Explosion eine Mischung aus Wasser, Schlamm und Gesteinsfragmenten gut 10 Meter hoch in die Luft schleudert. Nach Einschätzung des Autors handelt es sich um die stärkste hydrothermale Eruption der letzten Monate an diesem Ort. Solche, auch als „dirty eruptions“ bezeichneten Explosionen sind typisch für Systeme, in denen sich Druck unter einer versiegelten Oberfläche aufbaut und sich dann abrupt entlädt.
Der Black-Diamond-Pool steht seit der großen hydrothermalen Explosion im Juli 2024 unter besonderer Beobachtung. Damals wurde ein Boardwalk zerstört, auf dem sich mehrere Besucher des Nationalparks aufhielten. Die Menschen flüchteten in Panik vor einem Bombardement aus herausgeschleuderten Gesteinsbrocken und heißem Schlamm, wobei wie durch ein Wunder niemand schwer verletzt wurde. Seitdem ist das Thermalgebiet des Biscuit Basin gesperrt, und die Überwachung des Black-Diamond-Pools wurde ausgebaut. Die im letzten Jahr installierte Überwachungskamera zeichnete mehrere hydrothermale Explosionen auf. Die aktuelle Eruption sticht hervor, da sie energiereicher erscheint als viele der zuvor registrierten Ereignisse, auch wenn sie nicht die stärkste Eruption des letzten Jahres war.
Ein Blick in den Monatsbericht des Yellowstone-Volcano-Observatory für März 2026 zeigt, dass die Aktivität insgesamt auf Hintergrundniveau bleibt. Dennoch wurden 61 Erdbeben registriert, das stärkste mit einer Magnitude von 1,9. Auch die Bodenhebung am Nordrand der Caldera, die seit Juli 2025 beobachtet wurde, hat sich bis Mitte Januar 2026 abgeschwächt. Am 9. März wurde um 1:27 Uhr nachts eine Eruption am Black-Diamond-Pool durch akustische, seismische und Temperaturmessungen eindeutig nachgewiesen. Dieses Ereignis blieb visuell unbeobachtet, verdeutlicht jedoch, dass solche Ausbrüche häufig auch ohne direkte Sichtbeobachtung stattfinden.
Im Norris Geyser Basin sprang der Echinus-Geysir nur einmal; im Februar wurden noch 40 Ausbrüche des erst kürzlich wieder aktiv gewordenen Geysirs verzeichnet.
Neben der Beobachtung der Aktivität der Yellowstone-Caldera führten die Geoforscher auch neue Studien durch und lieferten wichtige Einblicke in die langfristige Gefährdung durch hydrothermale Explosionen. Mithilfe moderner Lumineszenzdatierung lassen sich ausgeworfene Sedimente heute deutlich genauer datieren als früher. Mineralkörner speichern natürliche Strahlung und „resetten“ diese beim explosiven Austritt aus dem heißen System. Dadurch kann bestimmt werden, wann eine Explosion stattgefunden hat. Diese Methode erlaubt es erstmals, die Häufigkeit solcher Ereignisse systematisch zu rekonstruieren und Gefahren besser einzuschätzen.
Neue Studie liefert Hinweise auf stärkeren tektonischen Einfluss bei der Magmaentstehung unter Yellowstone und relativiert die reine Mantelplume-Theorie
Über Jahrzehnte hinweg wurde angenommen, dass die Yellowstone-Caldera von einem Mantelplume gespeist wird, der die magmatischen Prozesse und Eruptionen steuert. In den letzten Jahren mehren sich jedoch die Hinweise, dass ein Mantelplume allein die komplexen vulkanischen Vorgänge unter Yellowstone nicht ausreichend erklären kann und ein weiterer Steuerungsmechanismus berücksichtigt werden muss.
Eine im April 2026 veröffentlichte Studie hat das magmatische System unter dem Yellowstone-Vulkan detailliert untersucht und das bisherige Verständnis der vulkanischen Architektur im tieferen Untergrund deutlich erweitert.
Zentrale Probleme der klassischen Mantelplume-Theorie bestehen darin, dass sie weder das überwiegend geförderte rhyolithische Magma noch die Struktur der unter dem Vulkan nachgewiesenen Magmazonen schlüssig erklärt. Auch die gekrümmte Spur der Vorläufercalderen und der großflächige Vulkanismus der Snake-River-Plain stehen im Widerspruch zu einem einfachen, senkrecht aufsteigenden Mantelplume.
Frühere Arbeiten gingen davon aus, dass subduzierte Krustensegmente der alten Farallon-Platte den Mantelplume beeinflussen, indem sie den Magmenaufstieg umlenken und auffächern. Neuere Studien zeigen jedoch, dass auch dieses Modell die beobachteten Phänomene nicht vollständig erklären kann.
Die neue Untersuchung wurde von einem internationalen Forschungsteam unter der Leitung von Zebin Cao durchgeführt. Dabei wurden verschiedene geophysikalische Methoden kombiniert und hochauflösende Datensätze aus seismischen Netzwerken sowie geodynamischen Simulationen gemeinsam ausgewertet.
Im Zentrum der Methodik steht die seismische Tomographie, die sich in den letzten Jahren als eine der wichtigsten Methoden zur Untersuchung des tiefen Untergrunds etabliert hat. Mithilfe von Erdbebenwellen werden Unterschiede in Temperatur und Dichte im Erdinneren sichtbar gemacht, wodurch sich u.a. Magmareservoire identifizieren lassen.
Diese Daten wurden mit geodynamischen 3D-Simulationen kombiniert, die Mantelströmungen, Schmelzbildung und die mechanische Reaktion der Lithosphäre modellieren. Ergänzend wurden Daten zur Krustenverformung sowie magnetotellurische Messungen einbezogen, die Hinweise auf geschmolzene oder teilweise geschmolzene Zonen liefern. Durch die Kombination dieser Ansätze konnte erstmals ein räumlich zusammenhängendes Modell des Magmasystems unter Yellowstone erstellt werden.
Magmatisches System unter Yellowstone
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Rekonstruktion eines schräg verlaufenden, translithosphärischen Magmafördersystems, das sich über mehr als 150 Kilometer durch die Erdkruste und den oberen Mantel erstreckt. Im Gegensatz zum klassischen Modell eines vertikal aufsteigenden Mantelplumes zeigt sich ein System, dessen Aufstieg stark durch die Deformation der Nordamerikanischen Platte beeinflusst wird und das in Tiefen von etwa 80 bis 100 Kilometern mit Magma gespeist wird.
Das Magma entsteht dabei überwiegend durch partielles Schmelzen von Gestein in der Asthenosphäre. Der Mantelplume fungiert in diesem Modell vor allem als Wärmequelle und besteht nicht aus Schmelze, sondern aus plastischem Gestein, das den Wärmetransport aus dem tieferen Erdmantel ermöglicht.
Unterhalb der Erdkruste bildet sich eine ausgedehnte Schmelzzone, deren Ausrichtung vermutlich auch durch die Dynamik der bereits vor Millionen Jahren subduzierten Farallon-Platte beeinflusst wird, die vor den Rocky Mountains im Erdmantel verschwindet. Da sich die Yellowstone-Caldera am Rand der Basin-and-Range-Provinz befindet, kommt es dort trotz der Orogenese der Rocky Mountains zu einer Dehnung der Erdkruste. In der Folge entstehen Brüche und Scherzonen, die als Aufstiegswege für das Magma dienen.
Was ist die Farallon-Platte?
Die Farallon-Platte war eine große ozeanische Platte im Pazifik, die seit dem Jura (vor über 150 Millionen Jahren) unter die Nordamerikanische Platte subduzierte. Über lange Zeit erzeugte diese Subduktion einen ausgedehnten Vulkangürtel entlang der Westküste Nordamerikas.
Im späten Mesozoikum und frühen Känozoikum änderte sich der Subduktionswinkel: Die Platte tauchte teilweise sehr flach ab. Dadurch verlagerte sich die tektonische Aktivität weit ins Landesinnere, während der Vulkanismus an der Küste zeitweise nachließ. Gleichzeitig wurde die Erdkruste im Westen der USA stark verformt.
Ab etwa 30 Millionen Jahren vor heute begann die Farallon-Platte zu zerbrechen und wurde nach und nach vollständig vom Erdmantel „verschluckt“. Übrig blieben kleinere Platten wie die Juan-de-Fuca-Platte.
Durch das Zerreißen der Farallon-Platte im Erdinneren entstanden Lücken („Slab Windows“), durch die heißes Mantelmaterial leichter aufsteigen konnte, während sich die Kruste im Westen zunehmend dehnte.
Diese tiefgreifenden Veränderungen im Untergrund beeinflussten die Tektonik und begünstigten den Magmatismus im Inneren des Kontinents – darunter die Orogenese der Rocky Montanis und den Yellowstone-Hotspot, der sich vor etwa 16 Millionen Jahren entwickelte.
Unter der Caldera identifiziert die Studie zwei miteinander verbundene Magmareservoire: ein tieferes, basaltisches, überwiegend kristallines „Mush“-Reservoir sowie ein flacheres, stärker schmelzreiches rhyolithisches System, das die hydrothermalen Prozesse des Yellowstones maßgeblich steuert.
Diese Ergebnisse verändern die Interpretation der vulkanischen Dynamik des Systems, ohne die Existenz tiefer Mantelprozesse grundsätzlich infrage zu stellen. Der klassische Mantelplume wird in seiner Rolle relativiert, während die Plattentektonik als aktiver Steuerungsmechanismus stärker in den Vordergrund rückt. Sie beeinflusst maßgeblich die Verteilung und den Transport der Schmelzen.
Das Yellowstone-System erscheint damit weniger als punktueller Hotspot, sondern eher als großräumig deformiertes Schmelz- und Transportsystem.
Für die Bewertung zukünftiger Eruptionen ergeben sich daraus keine Hinweise auf eine kurzfristig erhöhte Gefährdung. Zwar bestätigen die Daten das Vorhandensein großer Mengen teilweise geschmolzenen Materials, dieses liegt jedoch überwiegend in einem kristallreichen und hochviskosen Zustand vor, was meiner Meinung nach allerdings auch die Explosivität erhöht.
Solche „Mush“-Systeme erschweren die schnelle Akkumulation großer, eruptiv verfügbarer Magmamengen. Zudem deutet die komplexe, verzweigte Struktur darauf hin, dass sich Druck im System eher verteilt als lokal konzentriert aufbaut. Es gibt daher weiterhin keine Anzeichen für eine bevorstehende Supereruption.
Quelle der Studie: Cao, Z., et al. (2026).
Tectonic origin of Yellowstone’s translithospheric magma plumbing system.
Science. https://doi.org/10.1126/science.ady2027
Neue heiße Quelle bei Mammoth: Yellowstone Caldera bleibt dynamisch
Die Yellowstone-Caldera ist um eine heiße Quelle reicher geworden. Dies geht aus einer Meldung der Guides des Yellowstone-Nationalparks hervor, die vor einigen Tagen im Bereich der Mammoth Hot Springs eine entsprechende Entdeckung machten. Nahe der Mound- bzw. Orange-Mound-Region dokumentiert ein aktuelles Foto erstmals die neue Austrittsstelle, um die sich bereits erster Kalksinter ablagerte. Die neue Hotspring ist ein weiteres Beispiel für die bemerkenswerte Dynamik dieses einzigartigen Naturraums.
Die Mammoth Hot Springs unterscheiden sich geologisch deutlich von anderen Thermalgebieten im Park. Während vielerorts silikatische Gesteine dominieren, tritt hier heißes Wasser durch Kalkstein an die Oberfläche. Dabei löst es Calciumcarbonat im Untergrund und lagert es beim Abkühlen als Travertin ab. So entstehen die charakteristischen Terrassen der Thermalregion im Norden des Parks, die sich fortlaufend verändern. Neue Quellen können sich bilden, während andere versiegen, und das oft innerhalb kurzer Zeiträume. Dass das Thermalwasser hier nicht durch Vulkangestein aufsteigt, liegt daran, dass Mammoth außerhalb der jüngsten Caldera liegt und eher ein vulkanisches Randphänomen darstellt.
Die jetzt beobachtete Quelle dürfte durch eine Umlenkung unterirdischer Wasserwege entstanden sein. Kleine Druckänderungen im hydrothermalen System reichen aus, um bestehende Kanäle zu verschließen und neue Öffnungen zu schaffen. Besonders die porösen Travertinablagerungen rund um Orange Mound begünstigen solche Prozesse. Bison im Firehole-River
Die Neubildung steht im Kontext mehrerer ähnlicher Ereignisse der vergangenen Monate. Bereits 2024 wurde ebenfalls nahe Mammoth eine neue Austrittsstelle entdeckt. Im Norris Geyser Basin entstand zudem ein neuer Thermalpool, während es andernorts zu kleineren hydrothermalen Explosionen kam. Geoforscher werten diese Entwicklungen jedoch nicht als Anzeichen erhöhter vulkanischer Aktivität.
Im Yellowstone gibt es mehr als 10.000 hydrothermale Erscheinungen, die Abschnitte der 7 größeren Flüsse aufheizen, die im Yellowstone entspringen und den Westen der USA mit Wasser versorgen. Besonders während der strengen Winter der Rocky Mountains stellen die warmen Flüsse einen einzigartigen Lebensraum für die Tierwelt dar. Außerdem liegt hier die kontinentale Wasserscheide.
Yellowstone zeigt sich von seiner dynamischsten Seite: Rückkehr eines alten Geysirs
Die Aktivität der Yellowstone-Caldera ist auch ohne Vulkanausbruch äußerst dynamisch und sorgt immer wieder für Überraschungen. So meldete das Yellowstone Volcano Observatory (YVO) gestern Abend, dass ein seit Jahren ruhender Geysir im Norris Geyser Basin bereits Anfang Februar unerwartet ausgebrochen ist und seitdem regelmäßig aktiv ist: die Rede ist vom Echinus-Geysir, dem größten „sauren“ Geysir der Welt. Sein Wasser weist einen so niedrigen pH-Wert auf, dass Vulkanologen ihn mit Orangensaft oder verdünntem Essig vergleichen.
Die Acidität des Wassers, das sich im Becken des Echinus-Geysirs sammelt, schwankt zwischen pH 3,3 und 3,6. Trotz dieser Werte besitzt das Wasser lediglich die Eigenschaften einer schwach bis mäßig sauren Lösung – es verätzt die Haut also nicht sofort bei Kontakt. Dennoch gelten „saure“ Geysire als instabiler als ihre alkalischen Pendants. Grund dafür sind im Wasser gelöste Gase wie Schwefeldioxid und Kohlendioxid, die kalkhaltige Gesteine wie Sinter angreifen und erodieren. Da die meisten Geysirbecken aus Kalksinter bestehen, reagieren sie besonders empfindlich auf saure Bedingungen. Dieses Phänomen spiegelt sich sogar im Namen des Geysirs wider: Sein Entdecker fühlte sich beim Anblick des stark erodierten Beckens an einen Seeigel erinnert und benannte ihn nach der Gattung „Echinus“.
Umso bemerkenswerter ist es, dass sich unter diesen Bedingungen dennoch eine stabile Geysirstruktur ausbilden konnte, die ausreichend Druck aufbaut, um Wasserfontänen von bis zu 23 Metern Höhe zu erzeugen. Derzeit erreicht Echinus allerdings geringere Höhen: Laut Bericht steigen die Fontänen aktuell auf etwa 6 bis 10 Meter. Ein erster Ausbruch wurde am 7. Februar beobachtet, bis zum 15. Februar folgten drei weitere. Seit dem 16. Februar treten die Eruptionen in Intervallen von zwei bis fünf Stunden auf. Im Februar wurden mehr als 40 Sprünge des Geysirs detektiert.
Die Wiederbelebung des Echinus-Geysirs fällt in eine Phase verstärkter geothermischer Aktivität im Norris Geyser Basin, die von einer leichten Bodenhebung geprägt ist, welche im vergangenen Sommer begann. Bereits im letzten Winter häuften sich Berichte über neu entstandene Heißwasserquellen. Besonders im Fokus stand dabei die Bildung eines neuen Wasserbeckens im Porcelain Basin. Noch spektakulärer war jedoch die Reaktivierung des Valentine-Geysirs, der im Herbst erstmals seit mehr als 20 Jahren wieder ausbrach. Hinzu kommt, dass am 27. Februar Steamboat Geyser sprang. Es war der erste Sprung des weltgrößten Geysirs in diesem Jahr. Im letzten Jahr gab es insgesamt nur 3 Sprünge, den letzten am 31. Dezember. Somit betrug die Pause 57 Tage.
Bei der aktuellen Bodenhebung -die im Februar allerdings pausierte- handelt es sich um eine Reaktivierung der sogenannten Norris-Uplift-Anomalie, die bereits Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre beobachtet wurde. Zuletzt sorgte sie zwischen 2013 und 2018 in einer zweiphasigen Hebungsperiode für mediale Aufmerksamkeit. Zwar ist die derzeitige Hebung vergleichsweise gering und für ein dynamisches Vulkansystem nicht ungewöhnlich, doch weist sie auf Veränderungen in der Verteilung von Fluiden und Druckverhältnissen im Untergrund hin, die indirekt Einfluss auf die hydrothermale Aktivität haben könnten.
Reaktivierung des Valentine-Geysirs im hochdynamischen Norris-Geysir-Basin der Yellowstone-Caldera
Das Norris-Geysir-Basin im Yellowstone-Nationalpark gilt als eines der dynamischsten Hydrothermalgebiete der Erde. Es liegt am nordwestlichen Rand der Yellowstone-Caldera, wo sich zahlreiche Verwerfungen kreuzen und heißes Wasser durch eine komplexe unterirdische Struktur zirkuliert. In diesem Umfeld entstehen ständig neue heiße Quellen, Dampfaustritte und manchmal auch neue Geysire, während andere inaktiv werden oder lange Zeit ruhen – ein Spiegelbild des sich ständig ändernden thermischen Systems unter der Erdoberfläche.
Ein Beispiel für die Dynamik des Norris-Geyser-Beckens (NGB) ist der Valentine-Geysir: Wie das YVO jüngst berichtete, brach der Geysir nach 20 Jahren der Ruhe am 7. August 2025 wieder aus. Seitdem springt er etwa alle 4–6 Tage. Solche Phasenwechsel zwischen langen Ruhephasen und plötzlicher Aktivität, sind typisch für Geysire wie Valentine und auch für andere Ausbruchsquellen in Norris.
Ein besonders berühmter Vertreter der Norris-Features ist der Steamboat-Geysir – der größte aktive Geysir der Welt. Im Gegensatz zu Valentine, der eher moderat hohe Wasserfontänen entwickelt, kann Steamboat bei seinen großen Eruptionen Wasser über 90 Meter in die Luft schleudern, gefolgt von einer massiven Dampfausstoßphase, die Stunden bis Tage dauern kann.
In den letzten Jahren bis etwa 2022/2023 war Steamboat außergewöhnlich aktiv: Von 2018 bis 2020 wurden über 40 große Eruptionen pro Jahr registriert, ein deutlich höheres Niveau als in früheren Jahrzehnten. Danach nahm die Häufigkeit allmählich ab, und 2025 wurden nur noch wenige größere Ausbrüche dokumentiert, bevor der Geysir erneut in eine ruhigere Phase eintrat.
Könnte Valentine das „Geschäft übernommen“ haben? Wissenschaftlich lässt sich das nicht so einfach sagen: Geysire teilen sich zwar oft dasselbe hydrothermale Reservoir oder angrenzende Leitungen, doch direkte Konkurrenz im Sinne einer Verdrängung eines anderen Geysirs ist nicht nachgewiesen. Vielmehr zeigt das gleichzeitige Aufleben verschiedener Geysire – wie Valentine und zuvor Steamboat – die starke Variabilität und Sensitivität des hydrothermalen Systems im Norris-Becken. Beobachtungen und Messdaten aus diesen aktiven Perioden können helfen, besser zu verstehen, wie solche Phasenwechsel entstehen und welche geologischen Prozesse sie antreiben.
Auch wenn es von offiziellen Stellen gerne dementiert wird, ist naheliegend, dass die hohe Dynamik des NGB mit Magmenmigration im Untergrund im Zusammenhang stehen könnte. Zwar wies eine Studie im letzten Jahr nach, dass sich Magma vor allem im Nordosten der Caldera ansammelt, das schließt meiner Meinung nach aber nicht aus, dass unter dem NGB selbst Magma aufsteigen könnte. Hierfür spricht, dass sich seit letztem Sommer der Boden im Norris-Geyser-Basin um ca. 20 mm angehoben hat. Der Effekt könnte aber auch durch Druckänderungen im Hydrothermalsystem zustande kommen.