Santorin: Erdbeben Mb 3,5 unmittelbar vor der Ostküste

Spürbares Erdbeben Mb 3,5 erschütterte griechische Vulkaninsel Santorin – Erinnerungen an letztes Jahr werden wach

Datum: 11.01.2026 | Zeit: 07:09:30 UTC | Koordinaten  35.321 ; 133.124 | Tiefe: 12 km | Mb 3,5

Gestern Morgen erschütterte ein deutlich wahrnehmbares Erdbeben die griechische Vulkaninsel Santorin in der Ägäis. Das Beben der Magnitude 3,5 hatte eine Herdtiefe von ca. 13 Kilometern und ein Epizentrum, das unmittelbar vor der Ostküste auf Höhe des Flughafens lag. Das EMSC verortete es 13 km östlich von Oía. Das Beben manifestierte sich um 09:09:30 Uhr Lokalzeit und wurde von den Anwohnern der Insel deutlich verspürt.




Santorin. © EMSC

Dem EMSC liegen Wahrnehmungsmeldungen vor, nach denen das Beben einen kurzen, aber heftigen Ruck erzeugte. Den Anwohnern dürften wohl Erinnerungen an die intensive Bebentätigkeit durch den Kopf geschossen sein, die vor ca. einem Jahr mit ähnlichen Ereignissen im Bereich von Santorin begann und sich dann weiter ostwärts verlagerten. Die teils massiven Erdbebenschwärme wurden von magmatischen Intrusionen verursacht, bei denen Magma zunächst von Santorin in Richtung des Unterseevulkans Kolumbos migrierte und dann vom Kolumbos in Richtung der kleinen Insel Anydros. Die Intrusionen gingen mit Bodendeformationen einher und vermutlich stand ein unterseeischer Vulkanausbruch kurz bevor.

Ob der aktuelle Erdstoß ähnliche Ursachen hat wie damals, ist ungeklärt. Solange es bei diesem einzelnen Erdbeben bleibt, könnte es auch ein rein tektonisches Ereignis gewesen sein. Es ist aber auch nicht völlig auszuschließen, dass sich erneute Magmabewegungen anbahnen.

Aktuelle Messungen zur Bodendeformation liegen mir nicht vor. Auf der Bodendeformationskarte des EGMS ist aber zu erkennen, dass es bereits bis Ende 2023 im Zentrum der Caldera von Santorin zu Bodensenkungen im Bereich von Nea Kameni gekommen war. Entlang der Ostküste von Santorin, also auch im Bereich des Erdbebens, kam es hingegen zu einer leichten Hebung. Eigentlich sollten die Daten bereits im IV. Quartal 2025 aktualisiert worden sein, doch das Update steht noch aus. Doch vielleicht kommt es in den nächsten Tagen, dann auch mit Informationen zur Bodendeformation auf Island und in der Eifel. Stay tuned!

Semeru: Lahar trifft pyrokalstischen Strom

Pyroklastischer Strom am Mount Semeru – bestätigter Lahar entlang des Besuk Kobokan

Gestern ging es am Mount Semeru geschäftig her, als es zu mehreren interessanten Ereignissen vulkanischen Ursprungs gekommen ist. Am Sonntagnachmittag bildete sich infolge starker Regenfälle ein Lahar, der durch den Fluss Besuk Kobokan floss. Wenige Stunden später ging dann ein pyroklastischer Strom ab, der über die Südostflanke bis zur Basis des Vulkans glitt.




Der pyroklastische Strom bildete sich nach einer explosiven Eruption am Krater, bei der ein Teil des Lavadomes abbrach. Der pyroklastische Strom legte eine Gleitstrecke von etwa fünf Kilometern zurück und erzeugte ein seismisches Signal von 696 Sekunden Dauer, wie die Vulkanüberwachung bestätigte.

Der explosive Ausbruch ereignete sich gegen 22:25 Uhr Ortszeit. Dabei entstand auch eine bis zu 2000 m hohe Aschewolke Sie driftete in östliche bis südöstliche Richtung.

Am Nachmittag hatte bereits der Lahar für Alarmstimmung gesorgt. Die Seismographen fingen ein entsprechendes seismisches Signal mit einer Amplitude von 35 Millimetern und einer außergewöhnlich langen Dauer von 6.120 Sekunden auf. Dieses Signal wird offiziell als Lahar-Ereignis interpretiert und steht im Zusammenhang mit einer Überschwemmung entlang des Besuk Kobokan. Lahare entstehen, wenn starke Niederschläge lockeres vulkanisches Material mobilisieren und als Schlamm- und Geröllströme die Flusstäler hinabfließen. Auf den Livecams waren wieder sekundäre Explosionen zu sehen gewesen, da die Schlammmassen den gleichen Weg wählten wie die pyroklastischen Ströme im November. Das belegt, wie lange die Ignimbrit-Ablagerungen unter der Oberfläche glühend heiß bleiben.

Der Mount Semeru befindet sich weiterhin auf Alarmstufe III (Siaga). Das Zentrum für Vulkanologie und geologische Gefahrenabwehr (PVMBG) hat die Bevölkerung erneut eindringlich gewarnt:

Im südöstlichen Sektor entlang des Besuk Kobokan sind alle Aktivitäten innerhalb eines Radius von 13 Kilometern vom Gipfel untersagt. Darüber hinaus gilt ein Aufenthaltsverbot im Umkreis von 500 Metern entlang der Flussufer, da sich pyroklastische Ströme und Lahare bis zu 17 Kilometer vom Gipfel ausbreiten können.

Zusätzlich dürfen sich Menschen nicht innerhalb von fünf Kilometern um den Krater- und Gipfelbereich aufhalten, da jederzeit glühendes Gestein ausgeworfen werden kann.