Strombolianische Eruptionen am Ätna-Südostkrater während der Nacht – Infraschall und Wärmeanomalie detektiert
Nachdem es am Ätna in den letzten Wochen eruptionsmäßig eher still war, abgesehen von ein paar Ascheexhalationen vom Zentralkrater, wurden heute Livecamaufnahmen aus der Nacht veröffentlicht, die schwach strombolianische Eruptionen aus dem Südostkrater dokumentierten. Die hier gezeigte Aufnahme wurde von Galvagna Giuseppe 2023 gecaptured und via FB verbreitet.

Der Tremor blieb von den Eruptionen unbeeinflusst, dafür wurde Infraschalltätigkeit registriert, die von starken Entgasungen und gelegentlichen Explosionen zeugt. Zudem registrierte MIROVA eine schwache thermische Anomalie mit 6 MW Leistung.
Die Erdbebentätigkeit ist am Wochenende bis jetzt unauffällig geblieben. Die letzten Auffälligkeiten gab es Mitte der Woche, als es – wie berichtet – zu einem Schwarmbeben im Süden des Vulkans gekommen war. Die jüngsten Erdbebenschwärme und die Eruptionen letzte Nacht zeugen davon, dass der Druck im magmatischen System des Ätnas langsam wieder zunimmt, was mittelfristig betrachtet wieder in einer neuen Eruptionsphase gipfeln wird. Wie ich bereits bei früheren Gelegenheiten meinte, ist Ätna immer für eine Überraschung gut und eine neue Eruptionsphase könnte früher beginnen, als man jetzt anhand der Daten und Beobachtungen meinen mag.
Dieses Jahr erzeugte der Ätna zwei stärkere Eruptionsphasen: Sie manifestierten sich im Februar und August und brachten subterminale Lavaströme hervor, die das 1900-m-Höhenniveau erreichten und mehrere Wochen lang aktiv blieben. Zeitweise gab es auch rege Aktivität aus dem Südostkrater, allerdings ohne dass es zu Serien von Paroxysmen gekommen wäre, wie wir sie etwas während der Coronazeit erlebten. Damals kam es zwischen Ende 2020 und Mitte 2022 zu mehr als 60 Paroxysmen. In den letzten 20 Jahren gab es 16 Phasen mit mehreren Paroxysmen. Zwischen manchen Phasen lagen nur wenige Monate, bei einigen gab es Pausenintervalle von bis zu mehreren Jahren.
Typisch für das Entstehen von Paroxysmen ist, dass primitives Basaltmagma aus einem tiefer gelegenen Reservoir in ein flaches Reservoir unter dem Gipfel eindringt, in dem sich weiter entwickelte Schmelze befindet. Wie die Analysen der Tremorquellen des letzten INGV-Bulletins im Oktober zeigten, ist so ein flaches Magmenreservoir unter dem Gipfel noch vorhanden. Die jüngsten Schwarmbeben deuten darauf hin, dass sich primitives Magma auf den Weg gemacht haben könnte.