Ätna: Erdbeben deuten weiteren Magmenaufstieg an

Eruptionsstatus unklar – Weitere Erdbeben deuten Magmenaufstieg am Ätna an

Häufige Wolkenbedeckung verhinderte in den letzten Tagen visuelle Beobachtungen am sizilianischen Vulkan Ätna. Doch heute Morgen ist es klar und die Thermalcam zeigt im Valle del Bove einen erkalteten Lavastrom. Dennoch berichtet das INGV, dass es in den letzten Tagen gelegentlich zu Leuchterscheinungen im Bereich der neuen Schlote auf der Ostflanke und an der Basis der Voragine gekommen ist. Von daher deklariere ich den Aktivitätsstatus des Vulkans als unklar, obgleich ich davon ausgehe, dass die Episode erstmal vorüber ist.




Ätna. © INGV

Für diese Einschätzung spricht auch die vergleichsweise niedrige Tremoramplitude, die ich entlang der Grenze zwischen niedrigem und mittelstarkem Tremor beobachte Die Tremorquellen befinden sich in gut 2400 m Höhe im Vulkangebäude und konzentrieren sich auf ein Areal nordwestlich des Nordostkraters. Signifikante Bodenverformungen hat es in den letzten Tagen nicht gegeben.

Dass dieser Zustand der Ruhe lange anhält, glaube ich nicht, denn in den letzten Tagen gab es im Westen des Vulkans wieder Erdbeben – die eine Magnitude bis 3,3 erreichten – in Tiefen, die darauf hindeuten, dass neues Magma in die Erdkruste unter dem Ätna eindringt. Wie lange das Magma braucht, um in das flache Reservoir aufzusteigen, von wo aus es Eruptionen speist, ist ungewiss. Dennoch kann es durch das aufsteigende Magma zu einem Zahnpastatuben-Effekt kommen: Die aufsteigende Schmelze erhöht von unten her den Druck im Fördersystem, was nicht nur Erdbeben auslöst, sondern weiter oben befindliche Schmelze anschiebt, so dass insgesamt Bewegung ins System kommt und Eruptionen getriggert werden.

Erdbeben gab es aber nicht nur in größerer Tiefe, sondern auch nahe der Oberfläche. Hier sind vor allem die Beben im Gipfelbereich, aber auch unter der Ostflanke des Ätnas bemerkenswert. Die Beben deuten zwar noch keine unmittelbar bevorstehende Intensivierung der Ausbruchsaktivität an, zeigen aber, dass der aktivste Vulkan Europas bereits wieder auflädt.