Ätna: 25-jähriges Jubiläum der Flankeneruption 2001

Heute vor 25 Jahren: Als der Ätna seine Südflanke öffnete

17. Juli 2001 – ein Datum, das in die jüngere Geschichte des Ätna einging. Vor 25 Jahren erlebte der sizilianische Vulkan eine der bedeutendsten Flankeneruptionen seiner jüngeren Geschichte, die zugleich eines meiner größten Vulkanabenteuer darstellt, das bis jetzt in puncto der Intensität des beobachteten Ausbruchs nicht getoppt wurde. Innerhalb weniger Stunden öffneten sich sieben Eruptionsspalten an der Süd- und Ost-Nordostflanke des Ätna. Die Spalten begannen kurz unterhalb der Gipfelkrater auf etwa 3100 m und reichten bis auf 2100 m Höhe hinab. Die 24 Tage dauernde Eruption veränderte nicht nur die Landschaft des Vulkans, sondern markierte auch einen Wendepunkt in der Aktivitätsgeschichte des Ätna.

Bereits in den Tagen vor dem Ausbruch deuteten zahlreiche Anzeichen auf eine bevorstehende Eruption hin. Zwischen dem 14. und 16. Juli registrierten die Messstationen des Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV) eine deutliche Zunahme des vulkanischen Tremors sowie zahlreiche Erdbeben unter der Südflanke. Gleichzeitig begann sich der Vulkan sichtbar zu verformen. Die Messdaten ließen darauf schließen, dass Magma in das Innere des Berges eindrang und sich einen Weg in Richtung Oberfläche bahnte.

In der Nacht zum 17. Juli kam es schließlich zum Durchbruch. Zwischen 1 und 2 Uhr öffnete sich zunächst eine Spalte im Gipfelbereich südlich des Südostkraters. Wenige Stunden später verlagerte sich die Aktivität hangabwärts. Entlang mehrerer neuer Spalten entstanden zusätzliche Förderschlote, aus denen Lavafontänen, explosive Ausbrüche und mächtige Lavaströme austraten.

Besonders eindrucksvoll und zugleich ungewöhnlich war die explosive Komponente der Eruption. Der Ätna ist zwar für seine Lavafontänen bekannt, doch 2001 zeigte er eine für den Vulkan vergleichsweise starke Ascheproduktion. Mehrfach stiegen Aschewolken mehrere Kilometer hoch in die Atmosphäre auf. Die ausgestoßene Vulkanasche führte mehrfach zu Einschränkungen des Flugverkehrs und zeitweise zur Schließung des Flughafens von Catania. Daher entschlossen meine damalige Partnerin und ich uns dazu, mit dem Auto bis nach Sizilien zu fahren.

Die größte Gefahr für die Infrastruktur ging nicht von den Aschewolken, sondern von den Lavaströmen aus. Sie bewegten sich auf der Südflanke in Richtung der touristisch wichtigen Region um das Rifugio Sapienza. Die Lavaströme zerstörten Teile der Infrastruktur, darunter Anlagen der historischen Seilbahn Funivia dell’Etna sowie mehrere Skilifte und Gebäude. Trotz der Schäden konnten größere Katastrophen verhindert werden, da die Entwicklung der Eruption intensiv überwacht wurde und rechtzeitig Maßnahmen eingeleitet wurden. Zu diesen Maßnahmen zählte die Aufschüttung großer Dämme, mit deren Hilfe die Lavaströme umgeleitet und auf einen großen Parkplatz gelenkt wurden. Die meisten Gebäude der Seilbahn und Touristenstation konnten so gerettet werden.

Beeindruckend war die Entstehung der neuen Kraterkegel nördlich der oberen Seilbahnstation an der Montagnola. Die Geburt des Kegels Laghetto ging mit über 1000 m hohen Lavafontänen einher. Dieser markante Schlackenkegel gehört bis heute zu den sichtbaren Zeugnissen der Eruption von 2001. Die nahe Seilbahnstation überstand den Hagel aus Vulkanbomben und Blöcken leicht beschädigt. Am ersten Tag beobachteten wir das Naturspektakel von der astronomischen Beobachtungsstation unterhalb der Seilbahn aus. Als die Fontänenhöhe am Folgetag nachließ, wagten wir den nächtlichen Aufstieg und dokumentierten das Naturschauspiel aus nächster Nähe.

Anfang August schwächte sich der Ausbruch zunehmend ab. Die Lavaförderung ging zurück, einzelne strombolianische Explosionen hielten noch einige Tage an. Am 9. August 2001 erloschen schließlich die letzten aktiven Schlote.

Insgesamt wurden während der Eruption schätzungsweise 20 bis 30 Millionen Kubikmeter Lava sowie große Mengen pyroklastischen Materials gefördert. Die Ereignisse von 2001 gelten als besondere Wegmarke in der Entwicklung des Ätna: Die Eruption wird als „exzentrisch“ bezeichnet, da sie 2 Magmen förderte, das zum einen durch den Hauptschlot aufgestiegen war und sich zum anderen einen neuen Weg durch die Flanke suchte. Dieses Magma war sehr primitiv und gasreich und stieg aus einem tieferen Speicher auf. Während der Laghetto-Phase kreuzten sich die Bahnen der beiden Magmenarten und es kam zum Magmamixing, was die besonders hohen Lavafontänen erklärt. Es war das erste Mal, dass so eine Eruption mit modernen wissenschaftlichen Methoden beobachtet und untersucht wurde.

Obwohl die Ereignisse bereits 25 Jahre her sind, habe ich die Fotos bisher nicht in dieser Qualität im Internet veröffentlicht. Tatsächlich handelt es sich um digital bearbeitete Screenshots meiner Videoaufnahmen von damals. Insofern bieten die alten Erinnerungen etwas Neues.