Ätna: Häufig wechselnde VONA-Alarmstufe

Wechselspiel der VONA-Warnstufen am Ätna setzt sich fort – neben Aschewolken stromboliansiche Eruptionen beobachtet

Am Ätna auf Sizilien setzt sich das Wechselspiel der VONA-Warnstufen fort. Nachdem das Vulkanobservatorium des INGV am Mittwoch wegen einer anhaltenden Ascheemission den Flugfarbcode von Orange auf Rot erhöhte, wurde die Warnstufe am Donnerstagmorgen zunächst wieder auf Orange zurückgesetzt. Wenige Stunden später folgte wieder eine Hochstufung auf Rot, da es zu weiteren Ascheemissionen gekommen war. Zudem berichten Vulkanologen des INGV von schwachen strombolianischen Eruptionen aus der Bocca Nuova.

Am Mittwoch gegen 09:57 UTC meldete das Ätna-Observatorium eine anhaltende Ascheemission, die auch via Livecam gut zu beobachten war. Die Vulkanasche erreichte eine Höhe von etwa 5000 Metern und driftete in Richtung Ost-Südost. Das Phänomen war sowohl auf den visuellen als auch auf den Wärmebildkameras deutlich erkennbar. Damit wurde der Flugfarbcode von Orange auf Rot gesetzt.

Am Donnerstag um 05:36 UTC schätzte das Observatorium die Aktivität zunächst als schwächer ein. Eine weiterhin bestehende, aber schwache Ascheemission führte zur Rückstufung auf Orange. Die Asche driftete zu diesem Zeitpunkt nach Osten. Um 09:11 UTC wurde dann wieder der rote Code ausgegeben, da es zu weiteren Ascheemissionen gekommen war, deren Wolke eine Höhe von etwa 4000 Metern erreichte und nach Nordosten driftete. Die wechselnden Warnstufen zeigen, wie rasch sich die Aktivität am Ätna verändern kann.

Während die Asche-Emissionen gestern anhielten, befand sich ein Gipfelstürmer am Kraterrand des Nordostkraters und dokumentierte das Geschehen mit seinem Smartphone. Zu sehen sind durchaus kraftvolle Emissionen, die mittlerweile mehr grau als rotbraun gefärbt sind, was auf den Einfluss frisch fragmentierter Lava hindeutet.

Das jüngste Wochenbulletin des INGV für den Beobachtungszeitraum vom 31. August bis 6. September hatte eine ausgeprägte Aktivität an den Gipfelkratern bestätigt. Demnach kam es am Nordostkrater zu nahezu kontinuierlichen Ascheemissionen, die sich besonders am 1. und 2. September verstärkten. Pulsierende Aschewolken stiegen mehrere hundert Meter über den Krater auf. An der Bocca Nuova wurde zudem bei einer Begehung des Vulkans von Seiten der Vulkanologen schwache strombolianische Aktivität beobachtet, die am 4. September zunahm und sogar glühende Lavabrocken über den Kraterrand schleuderte. Ab dem 5. September wurden auch dort sporadische Ascheemissionen registriert.

Bemerkenswert waren auch einzelne kräftige Infraschallereignisse. Die Aktivität lag zwar meist auf niedrigem Niveau, erreichte bei episodischen Ausbrüchen jedoch sehr hohe Werte. Die Quellen lagen hauptsächlich am Nordostkrater und an der Bocca Nuova.

Obwohl sich der Tremor letzte Woche überwiegend im Bereich niedriger Amplituden bewegte, sprechen die Beobachtungen strombolianischer Explosionen für aktive Eruptionen anstatt passive Ascheemissionen infolge von Kollapsereignissen.

Die Tremorquellen lagen vor allem im Bereich des Nordostkraters und der Voragine, dehnten sich aber zeitweise praktisch über den gesamten Gipfelbereich aus; sogar unter dem Südostkrater wurde Tremor detektiert, was für die Ausbreitung magmatischer Fluide spricht.

Die Bodendeformation blieb dagegen stabil. Weder das GNSS-Netz noch die Neigungsmesser registrierten in der Berichtswoche signifikante Veränderungen. Auch die thermische Aktivität war überwiegend niedrig, mit einzelnen moderaten Anomalien. Das Maximum lag am 2. September bei rund 20 MW.

Das INGV hält dennoch eine rasche Steigerung der Aktivität für möglich. Als Szenario werden häufige explosive Ereignisse mit Aschewolken und groben pyroklastischen Auswürfen genannt; auch eine Entwicklung zu energiereicheren Eruptionen mit hohen Eruptionssäulen und pyroklastischen Strömen könne nicht ausgeschlossen werden.

(Quellen: VONA-Meldungen, Wochenbulletin INGV, Copernicus-Sentinel2L, eigene Beobachtungen)