Ätna: Satellitenfoto verdeutlicht Lage des letzten Lavastroms

Nachlese zum letzten Ätna-Paroxysmus – Satellitenbild verdeutlicht die ungewöhnliche Lage des Förderschlots

Der Ätna zeigt sich derzeit von seiner ruhigen Seite: Der Tremor bewegt sich auf moderatem Niveau, und im Gipfelbereich werden keine thermischen Anomalien registriert. Noch in der vergangenen Woche präsentierte der Vulkan jedoch sein anderes Gesicht, als er in einem Paroxysmus aus dem Voragine-Krater eruptierte. Bei solchen Eruptionen ist es am Ätna üblich, dass neben den Lavafontänen auch ein Lavastrom gefördert wird, der gewöhnlich in unmittelbarer Nähe des aktiven Gipfelkraters austritt. Diesmal verlief die Eruption jedoch anders: Die Lava suchte sich einen eigenen Förderweg abseits des aktiven Kraters und schuf sich einen Ausbruchspunkt ungewöhnlich weit im Norden des Valle del Leone. Der Förderschlot öffnete sich deutlich unterhalb des Gipfelkraterkomplexes in der Nähe des Pizzo Deneri, der auf dem Rand einer großen Einsturz- beziehungsweise Abscherungsstruktur liegt, die vor Jahrtausenden durch das Abrutschen der östlichen Vulkanflanke entstand.



Ätna

Der Förderschlot ist als thermsiche Anomalie auf einem Sattelittenbild aus der Endphase der Eruption zu sehen. Bei vorherigen Aufnahmen verhinderten Wolken auf das Geschehen. Auch bei dieser Aufnahme hüllt sich der Kraterbereich in den Wolken unten links der Mitte.

Im gestern veröffentlichten INGV-Wochenbericht für den Zeitraum vom 27. Juli bis 2. August 2026 werden neben dem eigentlichen Eruptionsverlauf vor allem die während des Paroxysmus gemessenen geophysikalischen und geochemischen Parameter beschrieben. Bemerkenswert ist, dass es während des Ausbruchs zu einer signifikanten Bodenneigung im Gipfelbereich kam. Die Neigungsmesser registrierten eine Veränderung von bis zu 2,5 µrad, während das GNSS-Netzwerk keine messbaren Verschiebungen erfasste. Nahezu zeitgleich wurde in einem Bohrloch-Dilatometer eine Kompression von 200 Nanostrain gemessen. Sie entstand dadurch, dass das aufsteigende Magma Druck auf das umgebende Gestein ausübte, in dem sich das Messinstrument befand.

Tremorquellen. © INGV

Für mich besonders interessant ist die Tremorquellenanalyse. Sie ermöglicht eine ungefähre Rekonstruktion des Aufstiegswegs des Magmas und zeigt, wie sich dieses im Untergrund ausbreitete. Auffällig ist, dass sich das Magma in diesem Fall offenbar deutlich weiter in Richtung Südosten als nach Norden ausbreitete. Möglicherweise stand der Südostkrater kurz davor, ebenfalls in die Eruption einzusteigen.

Interessant sind auch die Dimensionen des neu entstandenen Lavastroms: Vom Förderschlot auf rund 2700 Metern Höhe – also etwa 200 bis 300 Meter unterhalb der Basis des Gipfelkraterkomplexes – erreichte der Strom eine maximale Länge von 2,9 Kilometern. Sein Volumen wird auf rund 500.000 Kubikmeter Lava geschätzt, wobei die Berechnung mit einer vergleichsweise großen Unsicherheit behaftet ist. Bemerkenswert ist außerdem, dass sich in der Frühphase des Paroxysmus ein kurzer, etwa 100 Meter langer pyroklastischer Dichtestrom bildete, der in Richtung Valle del Bove floss.

Die aktuellen Messdaten liefern keine Hinweise darauf, ob in naher Zukunft ein weiterer Paroxysmus bevorsteht oder ob die eruptive Phase zunächst beendet ist. Der Ätna bleibt eben immer für eine Überraschung gut.