Vulkanausbruch am Ätna: Verstärkte Explosivität der Eruption

Vulkanausbruch am Ätna dauert seit über einer Woche an – Verstärkung der Explosivität, Lava vom Weltall aus sichtbar

Am Ätna auf Sizilien hält die seit mehr als einer Woche andauernde Eruption weiter an. Nach offiziellen Angaben des INGV setzte sich am 13. August die effusive Aktivität an den Eruptionsöffnungen auf etwa 2750 und 1900 Metern Höhe fort. Der zuvor noch aktive Lavastrom an der Öffnung auf 2090 Metern ist dagegen inzwischen erloschen. Am späten Nachmittag steigerte sich die Explosivität der Eruption deutlich.

Wärmebild. © INGV

Besonders weit vorgedrungen ist die Lava aus der Öffnung auf 1900 Metern Höhe. Bei einer Kontrolle am Donnerstagvormittag lag die Lavafront auf etwa 1340 Metern Höhe und hatte damit die markante Rocca Capra im Valle del Bove bereits knapp überschritten. Am Vortag hatte die Front noch eine Höhe von 1365 Metern erreicht. Die Lava bewegt sich damit langsam weiter talwärts durch das Valle del Bove, wobei ihre Geschwindigkeit und Reichweite stark vom Gelände und der Versorgung mit Magma abhängen. Letztere hatte gestern nachgelassen, sich in der Nacht zum Freitag wieder deutlich intensiviert, wie man mal auf Bildern der Wärmebildkamera EMCT erkennen kann.

Das Copernicus-Sentinel-2L-Foto (oben) vom 11. August ist eine Kombination aus 2 Fotos: Zugrunde liegt ein Satellitenbild im sichtbaren Lichtspektrum, in das ich die Wärmesignatur eines SWIR-Bildes hineingerendert habe, das die Lavaströme visualisiert. Auf dem Foto erkennt man neben der beeindruckenden Aschewolke sehr schön die Lage des Lavafelds am Nordrand des Valle del Bove und wie weit fortgeschritten die Lavafronten sind. Die Lavaströme lassen sich von der Serra delle Concazze aus gut beobachten.

Während die Speisung der Lavaströme gestern Nachmittag nachließ, verstärkte sich die explosive Aktivität am Gipfelkrater Voragine deutlich. Ab 16:55 UTC registrierten die Überwachungssysteme eine Zunahme der Explosionen und Ascheemissionen. Die Asche wurde in südliche Richtungen verfrachtet. Außerdem gab es vereinzelt starke Explosionen aus dem Nordostkrater.

Auch die seismischen und infrasonischen Signale zeigten am 13. August eine deutliche Aktivierung. Die durchschnittliche Tremoramplitude nahm ab etwa 10:00 UTC markant zu und erreichte zwischen 12:00 und 15:00 UTC ihren bisherigen Höchstwert. Anschließend blieb das Tremorniveau hoch. Die Quellen des Tremors lagen weiterhin im Bereich der Voragine und nördlich der Bocca Nuova in rund 3000 Metern Höhe. Aktuell nimmt der Tremor wieder etwas ab und damit auch die Stärke der Explosionen, obgleich diese weiter anhalten.

Die hohe Explosivität ging mit einer Verstärkung der Infraschallsignale einher. Sie konzentrierten sich vor allem auf die Voragine und erreichten dort hohe Amplituden. Auch am Nordostkrater wurden starke infrasonische Ereignisse registriert.

Weitere signifikante Veränderungen an den Messstationen zur Bodenverformung blieben hingegen aus.

Die erhöhte explosive Aktivität ging mit verstärktem Ascheausstoß einher, der den Flugverkehr weiter beeinträchtigt. Das VAAC Toulouse gab am Donnerstagabend weiterhin den Aviation Colour Code RED aus. Eine Aschewolke wurde bis Flugfläche 150, also etwa 4500 Meter, beobachtet und bewegte sich mit 9 km/h nach Südwesten. Die schwachen Winde sind mit dafür verantwortlich, dass sich die Asche lange in der Luft hält und sich um den Ätna konzentriert.

Am Flughafen Catania wurde deshalb die Sperrung der Sektoren C1 und B3 verlängert. Nach dem Stand vom Donnerstagabend bleiben Ankünfte und Abflüge bis 2:00 Uhr am 15. August ausgesetzt. Reisende werden aufgefordert, den Status ihrer Flüge direkt bei der jeweiligen Fluggesellschaft zu überprüfen.

Trotz der Sperrung des Flughafens sind zahlreiche Touristen auf Sizilien unterwegs, die den Ätna stürmen, um einen Blick auf die Lava zu riskieren. Anders als im Januar gibt es bisher keine mir bekannten offiziellen Verbote, sich der Lava zu nähern, und vom Rand des Valle del Bove auf der Citelli-Seite kann man das Naturschauspiel relativ gefahrlos beobachten, eine Gelegenheit, die auch von Tausenden wahrgenommen wird.

Das aktuelle Geschehen mit sich abwechselnden Intensitäten des explosiven und effusiven Anteils der Eruption verdeutlicht die außerordentliche Dynamik des Geschehens. Wie lange die Eruption anhalten wird, lässt sich anhand verfügbarer Messdaten nicht abschätzen. Bisher wurde vom INGV nicht kommuniziert, wie viel Magma sich vor der Eruption unter dem Vulkan akkumulierte und wie groß die Förderrate ist. Was wir wissen, ist, dass die vor der Eruption festgestellte Bodenverformung entlang der Prernicana-Störung ein Anzeichen für die sich anbahnende Lateraleruption war und auf den Durchgang unüblich großer Magmamengen geschuldet war. Die Deformationen blieben aber deutlich unter jenen vor den großen Flankeneruptionen 2001 und 2002. Dementsprechend könnte sich der Ausbruch auf aktuellem Niveau stabilisieren, ohne sich zu einer katastrophalen Eruption auszuweiten. Wobei Ätna immer für eine Überraschung gut ist.