Ätna: Vulkan am 1. August weiterhin effusiv aktiv

Lavastrom am Ätna weiter in Bewegung – Tremor im mittleren Bereich

Die Aktivität am Ätna auf Sizilien hat sich nach der jüngsten Eruptionsphase deutlich abgeschwächt, doch nach Berichten des INGV ist der Lavastrom, der am Abend des 30. Juli zu fließen begann, weiterhin in Bewegung. Allerdings wird er inzwischen nur noch schwach gespeist. Der Lavastrom entspringt einer kurzen Eruptionsspalte, die sich im oberen Bereich des Valle del Leone auf einer Höhe von etwa 2700 Metern über dem Meeresspiegel entwickelt hatte. In der Nacht zum 31. Juli erreichte die Lava eine geschätzte Höhe von 1700 bis 1750 Metern, oberhalb des Bereichs Rocca Capra. Die Lava war sehr dünnflüssig und entsprechend schnell unterwegs, so dass sie für die 1000 m Höhenunterschied nur wenige Stunden brauchte.

Ätna

Aktuelle Auswertungen der Bilder des Überwachungskameranetzes zeigen die am weitesten vorgedrungenen Bereiche des Lavafeldes sowie die vorderen Loben der Lavafront oberhalb der Rocca Capra. Dort ist keine Aktivität mehr sichtbar und die Ströme beginnen abzukühlen. Lediglich weiter oben wird der Lavastrom noch gespeist. Aktuell laufen Geländeuntersuchungen, um die genaue Ausdehnung und Beschaffenheit des Stroms zu bestimmen. An den Gipfelkratern des Ätna wird weiterhin eine ausgeprägte Entgasung beobachtet.

Die effusive Aktivität war von einer intensiven strombolianischen Phase am Krater Voragine begleitet worden. Dabei wurde eine Aschewolke erzeugt, die eine Höhe von rund 7000 Metern über dem Meeresspiegel erreichte und in Richtung Südwesten driftete. Gegen Mitternacht zum 31. Juli kam die explosive Aktivität abrupt zum Erliegen.

Der vulkanische Tremor zeigte zunächst hohe Werte. Nach dem Ende der strombolianischen Aktivität fiel die Tremoramplitude bis in den grünen Bereich ab, bewegt sich inzwischen aber mit starken Schwankungen wieder im mittleren Bereich.

Gestern Nachmittag kam es erneut zu einer Erhöhung der Infraschallaktivität, die auf explosive Prozesse an der Oberfläche hinweist. Bei den Messstationen zur Überwachung der Bodenverformung wurden zuletzt keine signifikanten Veränderungen registriert.

Der INGV-Vulkanologe Boris Behncke ordnet die Aktivität der letzten Tage als Paroxysmus der Voragine ein. Dementsprechend kann es sein, dass innerhalb weniger Tage oder Wochen vergleichbare Eruptionsphasen folgen. Dafür spricht das gestern beschriebene Tremormuster, das sich auch jüngst wieder im Tremorgrafen fand.