Neuer Erdbebenschwarm erschüttert Campi Flegre – vorläufige Schadensbilanz nach schwerem Beben vom 31. Juli
In der süditalienischen Caldera Campi Flegrei gab es nach einigen ruhigen Tagen mit wenigen Erdbeben heute Nacht erneut einen Erdbebenschwarm. Seit Beginn um 00:27 UTC (02:27 Uhr Ortszeit) wurden 18 Erschütterungen detektiert. Die stärkste hatte eine Magnitude Md 3,0 und wurde im gesamten Stadtgebiet von Pozzuoli gespürt. Das Hypozentrum lag in gut 3.600 Metern Tiefe bei Arco Felice zwischen Monte Nuovo und der Solfatara. Die Tiefe des Hypozentrums liegt unterhalb des eigentlichen Hydrothermalsystems und stand vermutlich mit Bruchmechanismen im Deckgestein der Caldera im Zusammenhang.

Der neue Schwarm ereignet sich nur wenige Tage nach dem schweren Md-4,7-Erdbeben vom 31. Juli. Das Beben war das stärkste in den Messaufzeichnungen der Campi Flegrei und verursachte insbesondere im Raum Pozzuoli vergleichsweise große Schäden. Nach einem am 6. August veröffentlichten Zwischenbericht konnten etwa 1.700 Menschen nicht in ihre Wohnungen zurückkehren. 691 Wohnhäuser waren als unbewohnbar eingestuft worden. In Pozzuoli waren 1.652 Menschen untergebracht worden, darunter 1.514 in Ferienunterkünften, 78 in Hotels und 60 im Palatrincone. Weitere Betroffene gab es in Bacoli und Monte di Procida. 37 Feuerwehrteams führten zu diesem Zeitpunkt noch Gebäudeüberprüfungen durch. Zudem waren vier Schulen in Pozzuoli schwer betroffen und insgesamt 17 Kirchen als unbewohnbar eingestuft worden. Zudem wurde ein Tunnel der Cumana-Eisenbahnlinie beschädigt. Ein zweiter Tunnel ist seit Wochen aufgrund extrem hoher Kohlendioxidwerte gesperrt. Die letzten Messungen bestätigten eine CO₂-Konzentration von 7 Vol. % in der Luft, was unter Umständen bereits tödlich wirken kann.
Der neue Schwarm sorgt auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil in den vergangenen Tagen intensiv darüber diskutiert wurde, ob das Md-4,7-Beben eine überraschende Entwicklung darstellte. Der Seismologe Aldo Zollo erklärte in einem aktuellen Interview, Erdbeben dieser Größenordnung seien wissenschaftlich bereits untersucht und als mögliche Entwicklung des Systems berücksichtigt worden. Gemeint ist damit allerdings keine konkrete Vorhersage des Bebens vom 31. Juli. Vielmehr hatten Untersuchungen gezeigt, dass mit zunehmender Bodenhebung und dem damit verbundenen Spannungsaufbau auch stärkere Erdbeben möglich werden. Studien zeigten, dass Beben mit Magnituden von etwa 5,2 erwartet werden müssen, sollte die aktuelle Hebungsphase anhalten.
Interessant ist die neuerliche historische Aufarbeitung des Geschehens. Entgegen der landläufigen Annahme, den Bradyseismus habe es in den letzten Jahrhunderten ständig in wechselnden Phasen gegeben, zeigen Studienarbeiten, unter anderem von De Natale, dass dem nicht so war. Vor der Eruption des Monte Nuovo hatte es eine mehrere Jahrzehnte dauernde Hebungsphase gegeben, die nach der Eruption von 1538 in eine etwa 400 Jahre dauernde Senkung überging. Ob es zwischendurch Phasen mit einer Trendumkehr gegeben hat, lässt sich heute nicht mehr sagen. Dennoch resultierten vor der Eruption eine Hebung und danach eine Senkung.
Einen Regimewechsel setzte etwa 1950 ein, als es zu ersten Bodenhebungen kam, die sich ab 1970 verstärkten und von ersten Erdbeben begleitet wurden. Seitdem gab es mehrere Hebungs- und Senkungsphasen. Dabei steht einer summierten Hebung von etwa 5,7 m eine Senkung von ca. 0,94 m gegenüber. Netto hob sich der Boden also seit 1950 um gut 4,8 m, wobei utnerschiedliche Zahlen im Umlauf sind, weswegen man die hier genannten Werte als Näherungen betrachten sollte. Kein Wunder also, dass Bausubstanz und Menschen unter der Dauerkrise leiden.