Ätna: Verstärkung der Explosivität verursacht Flugumleitungen

Intensivierung der explosiven Aktivität am Voragine-Krater – Lavaströme am Ätna erreichen 1.500 Meter Höhe

Der Vulkanausbruch am Ätna hält weiter an und in der Nacht kam es zu einer Intensivierung der explosiven Aktivität am Voragine-Krater, wodurch aufgrund der Vulkanasche im Südwesten des Flughafens Catania Landungen bis mindestens 17.00 Uhr ausgesetzt wurden. Außerdem fließt im Valle del Bode weiterhin Lava, was zur Bildung eines komplexen Lavafelds führte. Noch sind Ortschaften nicht bedroht, doch die Frage stellt sich, ob dem so bleiben wird. 

Am Montagvormittag wurde die Aschewolke erneut in südwestliche Richtung verfrachtet und zog in einer Höhe von FL 170 (5200 m über dem Meeresspiegel) in den Luftraumsektor C1, weshalb ankommende Flugzeuge in Catania nicht mehr landen können. Wie es während der aktuellen Eruptionsphase bereits mehrfach vorkam, werden die Maschinen auf andere Flughäfen auf Sizilien umgeleitet. Startende Flugzeuge sind hiervon nicht betroffen, dennoch bringt die Umleitung der Flugzeuge für Tausende Reisende während der Urlaubssaison Unannehmlichkeiten mit sich. Da die Explosivität der Eruptionen und damit die Stärke des Ascheausstoßes phasenweise schwanken, sollten Reisende vor Flugantritt unbedingt die Website des Flughafens aufrufen, um sich über den aktuellen Stand informiert zu halten.

Parallel zur explosiven Tätigkeit speisen zwei aktive Förderschlote auf 2.750 und 2.360 Metern Höhe mehrere Lavaströme. Diese bilden komplexe, teilweise übereinanderliegende Lavafelder. Während die Lavafronten am Sonntag noch auf Höhen zwischen etwa 1.850 und 2.100 Metern beschränkt waren, hatten sie bis Montag deutlich an Höhe verloren bzw. an Länge dazugewonnen. Die am weitesten vorgedrungenen Fronten erreichten nun etwa 1.500 Meter Höhe am Fuß der Nordwand des Valle del Bove im Bereich des Monte Rinatu. Damit hat sich die Lava innerhalb eines Tages um mehrere hundert Höhenmeter talwärts bewegt. Die obersten Ortschaften an der Ätna-Ostflanke, Zafferana und Milo, liegen auf etwa 780 m Höhenniveau. Bereits oberhalb der Orte verflacht sich das Gelände und bildet einige Senken aus, so dass die Lavaströme langsamer werden sollten und die Orte aktuell nicht direkt gefährdet sind. Bei früheren langandauernden Lavaströmen kam es aber bereits vor, dass besonders Zafferana von Lavaströmen fast erreicht wurde.

Wärmestrahlung © MIROVA

Die Daten zur Wärmestrahlung zeigen, dass die aktuellen Lavaströme die heißesten im Jahresverlauf sind, was man sehr schön auf der bei MIROVA veröffentlichten Strahlungsbilanz ablesen kann. Der Spitzenwert lag gestern bei einer Leistung von 4374 MW. Am 8. August wurden sogar Werte von mehr als 6200 MW. gemessen.

Die seismischen Daten zeigen weiterhin eine erhöhte Aktivität. Die durchschnittliche Amplitude des vulkanischen Tremors liegt im unteren roten Bereich, stieg seit gestern Abend aber wieder leicht an. Das Zentrum der Tremorquellen verlagerte sich am Sonntagabend vorübergehend vom Voragine-Krater in den Bereich zwischen Voragine und Nordostkrater auf etwa 2.400 bis 2.700 Metern Höhe. Seit den frühen Morgenstunden des 10. August liegt es wieder unterhalb des Voragine-Kraters in rund 3.000 Metern Höhe.

Die an Neigungsmessung nahe des Gipfels registrierte Trendänderung setzt sich fort. Nach zunächst rund 6,6 Mikroradiant Neigungsänderung am Sonntag wurde inzwischen eine maximale Veränderung von etwa 8 Mikroradiant an der Station Cratere del Piano gemessen. Zuletzt zeigte sich dieser Trend jedoch leicht rückläufig. Das INGV schreibt nicht direkt, ob die Veränderung eine Versteilung oder Abflachung des Hangs widerspiegelt, also ob es sich um eine Inflation oder Deflation handelt, doch ich vermute, dass hier eine Deflation infolge des Lavaausstoßes gemeint ist. Da keine vorherigen Werte einer evtl. Inflationsphase bekannt sind, lassen sich aus diesen Werten keine Prognosen zur Dauer der Eruption ableiten.

Offensichtlich ist, dass es sich nicht um einen Paroxysmus handelt, sondern um eine länger andauernde Eruption mit Spaltenöffnungen auf der Vulkanflanke.

Weiterführender Link: Flughafen Catania