Massive Überschwemmungen auf Hawaii – Tausende evakuiert, Hunderte aus Notlagen gerettet
Mehrere Hawaii-Inseln stehen derzeit unter Wasser: Starke Regenfälle haben zu den schwersten Überschwemmungen auf Oʻahu seit über 20 Jahren geführt. Besonders betroffen ist die Region um Honolulu, wo mehr als 230 Menschen aus Notlagen gerettet werden mussten. Sie waren auf Dächern geflüchtet oder in ihren Häusern und Autos von den schnell steigenden Fluten überrascht und eingeschlossen worden. Rund 5.500 Bewohner wurden vorsorglich evakuiert. Trotz der massiven Wassermassen wurden bislang keine Todesfälle gemeldet, mehrere Menschen mussten jedoch mit Unterkühlungen ins Krankenhaus gebracht werden.
Es gab enorme Schäden an der Infrastruktur. Straßen wurden überflutet und Autos weggespült, Hunderte Häuser beschädigt oder sogar ganz zerstört. Zudem droht ein Dammbruch, da der Wasserstand des 120 Jahre alten Wahiawa-Staudamms gefährlich anstieg, sodass Behörden vor einem möglichen Versagen der Konstruktion warnten. Erste Schätzungen gehen von Schäden in Höhe von über einer Milliarde US-Dollar aus. Rettungskräfte setzen Hubschrauber und Boote ein, um eingeschlossene Bewohner zu erreichen, während die Einsätze durch private Drohnen teilweise behindert wurden, obwohl in solchen Katastrophenszenarien immer ein generelles Drohnenflugverbot gilt. Wer mit seiner Drohne erwischt wird, riskiert empfindliche Strafen.
Die Ursache für die extremen Niederschläge liegt in einem sogenannten Kona-Low, einem ungewöhnlichen Tiefdrucksystem westlich der Inseln. Anders als die typischen Passatwinde zieht dieses System feuchte Luft aus den Tropen in Richtung Hawaii und verharrt lange über der Inselgruppe. Das Ergebnis sind mehrere Wellen intensiver Regenfälle: Die schlimmste Phase auf Oʻahu lag zwischen Freitagabend und Samstag, während der Höhepunkt der Niederschläge auf Big Island erst am Sonntag erwartet wird.
Durch die Kombination aus starkem Dauerregen und mit Wasser gesättigten Böden kam es zu plötzlichen Sturzfluten, die von der Morphologie der vulkanisch geprägten Inseln mit steilen Hängen und tiefen Schluchten verstärkt werden. Wasser, das auf die Hänge fällt, sammelt sich rasch in engen Tälern und Flussbetten und fließt mit enormer Geschwindigkeit in tiefer gelegene Regionen. Besonders die Ostküste um Hilo auf Big Island ist durch das enge Talnetzwerk und die kurze Entfernung vom Vulkangipfel zur Küste anfällig für Überschwemmungen. Erdrutsche an den Vulkanhängen können die Lage zusätzlich verschärfen und behindern und Rettungsmaßnahmen.
Bis jetzt gibt es keine besonderen Meldungen vom aktiven Vulkan Kilauea. Durch die jüngsten Eruptionen hat sich im Gipfelbereich viel Tephra abgelagert, meistens in Form von Lapilli, die vom Regen nicht so schnell wie feinere Vulkanasche mobilisiert werden Dennoch lässt sich nicht ausschließen, dass sich zum Höhepunkt der Niederschläge Schlammströme in Form von Laharen bilden könnten.
Behörden raten Bewohnern und Touristen, in tiefer gelegenen Gebieten besonders vorsichtig zu sein und Warnungen genau zu verfolgen.