Neuer Schlammvulkan an der Küste von Trinidad: Erdbeben in Venezuela verändern die Küstenregion der Karibik
Vor der Küste von Trinidad und Tobago hat sich nach den schweren Erdbeben im Nordosten Venezuelas ein ungewöhnliches geologisches Phänomen ereignet: Kurz vor der Küste bildete sich ein neuer Schlammvulkan und schuf eine kleine temporäre Sedimentinsel. Das Ereignis lenkt den Blick auf die außergewöhnlich aktive tektonische Zone im südlichen Karibikraum, wo Erdbeben, Schlammvulkane und aktive Vulkangebiete eng miteinander verbunden sind.

Trinidad und Tobago liegt am südöstlichen Rand der Karibik, unmittelbar vor der Küste Venezuelas. Die beiden Inseln befinden sich am Übergangsbereich zwischen der Karibischen Platte und der nach Osten beziehungsweise Süden driftenden Südamerikanischen Platte. Besonders der Bereich vor der venezolanischen Küste ist von komplexen Störungszonen geprägt, an denen sich seit Äonen Spannungen aufbauen und durch Erdbeben abbauen.
Am 24. Juni erschütterten zwei starke Erdbeben den Nordosten Venezuelas. Die Erdstöße wurden auch auf Trinidad deutlich wahrgenommen und könnten weitreichende Folgen für die instabilen Sedimentstrukturen vor der Küste gehabt haben. Wenige Tage später entdeckten Geologen und lokale Beobachter vor der Region Palo Seco und Galfa Point eine neue Schlammextrusion kurz vor dem Strand. Das austretende Material bestand überwiegend aus weichen Tonen, Wasser, Gasen und Sedimenten, die aus tieferen Schichten nach oben gepresst wurden. Das Phänomen bildete sich ca. 3 Kilometer von früheren Schlammvulkanbildungen entfernt.
Anders als ein klassischer Vulkan fördert ein Schlammvulkan kein Magma und keine Lava. Er entsteht, wenn unterirdischer Druck in Sedimentbecken zunimmt und Wasser, Gase und feinkörniges Material entlang von Schwächezonen aufsteigen. Starke Erdbeben können solche Systeme destabilisieren, indem sie den Porendruck im Untergrund verändern und bereits gespannte Strukturen aktivieren.
Die neu entstandene Schlamminsel erhebt sich mehrere Meter über den Meeresboden und gut 2 bis 3 Meter über dem Meeresspiegel. Die keine Insel ist aber dem Untergang geweiht, denn die Erosion der Wellen hat bereits gut ein Drittel des Eilandes abgetragen; ein äußerst vergängliches Naturphänomen.
Zeitgleich sorgten Berichte über mögliche Bodenhebungen an der Küste Trinidads für Aufmerksamkeit in der Fachwelt. Lokale Beobachter sprechen von deutlichen Veränderungen im Küstenbereich, teilweise wurden Höhenänderungen von bis zu 6 Metern genannt, die bis jetzt aber nicht von wissenschaftlichen Quellen belegt wurden. Wissenschaftlich erwiesen ist hingegen ein horizontaler Versatz der Gesteinsblöcke entlang der San-Sebastián-Blattverschiebung von 60 Zentimetern infolge der starken Erdbeben.
Der Süden der Karibik ist generell von intensiver geologischer Aktivität geprägt. Weiter nördlich erstreckt sich der Vulkanbogen der Kleinen Antillen, der durch die Subduktion des ozeanischen Teils der Platten von Nord- und Südamerika unter die Karibische Platte entsteht. Zu dieser Vulkankette gehören bekannte Feuerberge wie Soufrière Hills, La Soufrière und Mount Pelée. Diese Vulkane entstehen durch einen völlig anderen Prozess als die Schlammvulkane Trinidads, zeigen aber ebenfalls die außergewöhnliche Dynamik der Karibikregion.
Der neue Schlammvulkan vor Trinidad ist also kein klassischer Vulkanausbruch, sondern ein seltenes Beispiel dafür, wie Erdbeben die Landschaft auch weit entfernt vom eigentlichen Epizentrum kurzfristig verändern können.