Kolumbien: Sehr starkes Erdbeben fordert Menschenleben

Schweres Erdbeben der Magnitude 7,4 verursacht Schäden in Kolumbien – mindestens 20 Tote

Datum: 10.08.2026 | Zeit: 12:34:28 UTC | Koordinaten: 4.877 ; -76.21 | Tiefe: 110 km | Mw 7,4

Ein starkes Erdbeben hat am Montagmorgen weite Teile Kolumbiens erschüttert. Nach Angaben des EMSC erreichte das Beben eine Magnitude von 7,4. Es ereignete sich um 12:34:28,7 UTC, entsprechend 07:34 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum wurde 13 km nördlich von El Cairo im Westen des Landes verortet. Das Hypozentrum lag in 110 Kilometern Tiefe. Dieser Tiefe ist es zu verdanken, dass sich das Beben nicht noch stärker an der Oberfläche auswirkte. Dennoch richtete es Zerstörungen an und forderte mindestens 20 Menschenleben.

In der Nähe des Epizentrums und in den Städten des Eje Cafetero kam es zu Gebäudeschäden. Aus Pereira, Manizales und Quibdó wurden beschädigte oder teilweise eingestürzte Gebäude gemeldet, darunter auch eine Kathedrale, deren Glockenturm umkippte. Auch aus Cali liegen Berichte über Gebäudeschäden vor. In Pereira wurden zudem Schäden am Terminal des Flughafens Matecaña gemeldet. Ferner kam es zu Stromausfällen. Die Schadensbilanz ist noch vorläufig und dürfte sich im Laufe der Bergungs- und Inspektionsarbeiten weiter verändern. Auch die Zahl der Verletzten und Todesopfer ist noch nicht abschließend geklärt.

Auf Videos des Ereignisses ist zu erkennen, dass einige Gebäude komplett kollabierten oder regelrecht als Block umkippten. Davon waren offenbar auch moderne Gebäude betroffen. Großflächige Zerstörungen, wie sie zuletzt bei dem starken Megabeben in Venezuela auftraten, sind den ersten Eindrücken zufolge jedoch ausgeblieben.

Besonders deutlich waren die Erschütterungen in den Städten des kolumbianischen Kaffeeanbaugebiets zu spüren. Bewohner berichteten von heftigem und lang anhaltendem Schwanken von Gebäuden. Auch aus Cali und Bogotá gingen Meldungen über deutlich spürbare Erschütterungen ein. Das Beben wurde zudem in Teilen von Ecuador und Panama wahrgenommen.

Bemerkenswert ist die große Herdtiefe von rund 110 Kilometern. Das Beben ereignete sich damit nicht unmittelbar an der Erdoberfläche, sondern in der Asthenosphäre, beziehungsweise der abtauchenden Lithosphäre einer Subduktionszone. Westkolumbien liegt in einer tektonisch hochaktiven Region, in der die Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte abtaucht. Zusätzlich wird die Region durch komplexe Bewegungen verschiedener Platten- und Krustenblöcke geprägt. Die Subduktion erzeugt sowohl flache als auch sogenannte intermediäre Tiefenbeben wie das aktuelle Ereignis.

Kolumbien. © EMSC
Obwohl sich das Beben an einer Störungszone der Westlichen Kordillere ereignete und sich die meisten Vulkane Kolumbiens entlang der zentralen Andenkordillere aufreihen, liegt mit dem Nevado del Ruiz ein besonders bekannter Vulkan im Wirkungskreis des Bebens. Er befindet sich nur etwa 100 Kilometer vom Epizentrum entfernt und war in den vergangenen Wochen vergleichsweise ruhig. Sollte er seine Ascheemissionen wieder aufnehmen, könnte dies möglicherweise mit dem Erdbeben in Zusammenhang stehen.

Die große Tiefe dürfte dazu beigetragen haben, dass die Erschütterungen über ein weiträumiges Gebiet hinweg wahrgenommen wurden. Gleichzeitig kann ein solches Beben auch in größerer Entfernung noch starke Kräfte auf Gebäude ausüben. Das kolumbianische Kaffeeanbaugebiet gehört deshalb zu den seismisch besonders gefährdeten Regionen des Landes.

Die Region ist bereits mehrfach von schweren Erdbeben getroffen worden. Besonders verheerend war das Beben von 1999, das vor allem Armenia und Pereira schwer beschädigte und gut 1.900 Menschen das Leben kostete.