Ungewöhnlich starkes Erdbeben Mw 7,1 erschüttert Nordwestküste von Borneo – Hypozentrum in 620 Kilometern Tiefe
Datum: 22.02.2026 | Zeit: 16:57:46 UTC | Koordinaten: 6.829 ; 116.264 | Tiefe: 620 km | Mw 7,1
Am späten Nachmittag wurde die Nordwestküste der Insel Borneo von einem sehr starken Erdbeben Mw 7,1 erschüttert, dessen Hypozentrum in 620 Kilometern Tiefe festgestellt wurde, weshalb man genau genommen von einem Mantelbeben sprechen muss. Der Erdstoß ereignete sich um 16:57:46 UTC (23. Februar, 00:57:46 Uhr Lokalzeit) in der zu Malaysia gehörenden Region Sabah. Das Epizentrum lag bei 6,829° N und 116,264° E, gut 97 km nördlich von Kota Kinabalu sowie 62 km west-südwestlich von Kudat. Aufgrund der großen Herdtiefe wurde kein Tsunamialarm ausgelöst. Berichte über Schäden liegen ebenfalls nicht vor, dennoch gab es zahlreiche Wahrnehmungsmeldungen.

Die Bebenzeugen berichten beim EMSC von wackelnden Möbeln und schlagenden Fenstern und Türen. Manche Menschen erschreckten sich so sehr, dass sie Kopfschmerzen bekamen oder um ihr Leben fürchteten.
Neben den Wirkungen auf die Menschen ist der Erdstoß vor allem von wissenschaftlichem Interesse, da so starke Erdbeben im plastisch verformbaren Erdmantel sehr selten sind. 620 km Tiefe liegt weit unterhalb der spröden Erdkruste und sogar unterhalb des oberen Mantels im Übergangsbereich zum unteren Mantel. Solche Tiefbeben sind typischerweise mit Subduktionszonen assoziiert, die aufgrund der Tiefenlage des Erdbebenherds ein gutes Stück entfernt sein können. Vermutlich ereignete sich der Erdstoß an einem Stück subduzierter und tief abgetauchter Australischer Platte, die entlang des Sundabogens unter die Sundplatte gelangte. Nördlich der Region gibt es aber auch Subduktionszonen, die verantwortlich sein könnten.
Normalerweise verhindern die hohen Temperaturen in diesen Tiefen klassische spröde Brüche, wie wir sie von flachen Erdbeben kennen. Dennoch bleiben die abtauchenden Plattenbereiche (Slabs) vergleichsweise kalt und fest. Dadurch können auch in großer Tiefe noch Spannungen aufgebaut werden, die sich in Bruch der Plattensegmente entladen.
Die wichtigsten erdbebenauslösenden Mechanismen in der Tiefe sind:
- Phasenumwandlungen von Mineralen: Unter steigendem Druck wandelt sich beispielsweise Olivin in dichtere Hochdruckphasen (Wadsleyit, Ringwoodit) um. Diese Umwandlungen können instabil verlaufen und plötzlich Spannungen freisetzen.
- Dehydrationsreaktionen: In der subduzierten Platte gebundene Fluide werden unter Druck freigesetzt. Das kann die Gesteinsfestigkeit lokal verringern und Brüche begünstigen.
- Thermische Spannungen: Temperaturunterschiede zwischen der kalten Platte und dem heißen umgebenden Mantel erzeugen zusätzliche Spannungen.
Das Ergebnis ist ein tiefes, aber oft weitreichend spürbares Erdbeben. Aufgrund der großen Tiefe erreichen die seismischen Wellen große Entfernungen, während die Intensität an der Oberfläche meist geringer ist als bei einem gleich starken flachen Beben.
Mich würde es nicht wundern, wenn sich die Erdbebenwellen bis nach Deutschland und die Vulkaneifel ausbreiten und dort ebenfalls schwache, fluidgesteuerte Erdbeben auslösen würden.
(Quellen: EMSC, GFZ)