Nevados de Chillán: Thermische Anomalie südlich des Kraters

Verstärkte Ascheemissionen und ungewöhnliche thermische Anomalie neben dem Krater des Nevados de Chillán- Wachstum eines Lavadoms möglich

Am chilenischen Vulkankomplex Nevados de Chillán haben sich die Anzeichen für eine oberflächennahe magmatische Aktivität deutlich verstärkt. SERNAGEOMIN berichtet in einem am 1. Oktober veröffentlichten Sonderbericht über eine neue thermische Anomalie, Veränderungen der Kratermorphologie und zunehmende explosive Aktivität.

Thermische Anomalie

Auf einem Sentinel-2-Satellitenbild vom 29. September wurde südlich des Kraters Nicanor eine deutliche thermische Anomalie festgestellt. In den vergangenen Tagen registrierten zudem die VIIRS-Sensoren der Plattform Mirova Wärmestrahlung mit einer maximalen Leistung von 5,7 MW. Die Daten sprechen für eine erhöhte Oberflächentemperatur im Bereich des aktiven Kraters, in dem bei früheren Eruptionsphasen ein kleiner Lavadom wuchs.

Neben der Wärmestrahlung dokumentieren Live-Cams des Überwachungsnetzes seit dem 29. September Veränderungen des topografischen Profils. Aus südwestlicher Richtung ist eine neue Morphologie im Bereich der aktiven Krater erkennbar. Nach Einschätzung der Vulkanologen deutet dies auf die Bildung eines oberflächennahen effusiven Körpers hin – möglicherweise einen wachsenden Lavadom.

Parallel intensivierte sich die Aktivität. In der Nacht zum 1. Oktober wurden anhaltendes Glühen und zahlreiche explosive Episoden beobachtet. Dabei wurde glühendes Material bis zu 100 Meter hoch ausgeworfen. Am Morgen entstanden Aschesäulen mit pyroklastischem Material, die bis zu 500 Meter über dem Krater aufstiegen, ohne das eine Flugverkehrswarnung beim VAAC Buenos Aires ausgelöst worden wäre. Die Asche driftete zunächst nach Nordosten und anschließend nach Südosten.

Neben der Wärmestrahlung wurde auch eine erhöhte Seismizität detektiert: Seit dem 22. September werden häufiger Long-Period-Beben (LP) und Tremorphasen registriert. Ein LP-Ereignis erreichte am 24. September einen ungewöhnlich hohen Reduced Displacement (reduzierte Verschiebung) von 517 cm².  Dieser Wert zeigt dem Vulkanologen, dass sich die Dynamik des Vulkansystems verstärkt hat. Seit dem 27. September nahm zudem die Energie der Seismizität weiter zu.

Bereits am 28. September hatte der VAAC Buenos Aires eine Ascheemission gemeldet, die allerdings auf Satellitenbildern nicht eindeutig erkennbar war. Die aktuelle Entwicklung bestätigt nun die zunehmende oberflächennahe Aktivität. SERNAGEOMIN schließt weitere Eruptionsepisoden mit ähnlicher oder größerer Energie ausdrücklich nicht aus.

Über den Vulkan Nevados de Chillán

Der Nevados de Chillán ist ein ausgedehnter Vulkankomplex in den chilenischen Anden der Region Ñuble. Er besteht aus mehreren Vulkankegeln und Kratern, wobei der Vulkan Nevados de Chillán mit dem aktivsten Bereich um den Krater Nicanor besonders hervortritt. Der Komplex erreicht Höhen von mehr als 3.200 Metern und liegt in einer eindrucksvollen Hochgebirgslandschaft.

An den Hängen des Vulkans befindet sich das bekannte Skigebiet Nevados de Chillán, das zu den wichtigsten Wintersportzentren Chiles zählt. Neben Skipisten sind die Region und das angrenzende Schutzgebiet auch für Thermalquellen und Wanderungen bekannt. Die touristische Infrastruktur liegt allerdings in relativer Nähe zum aktiven Vulkangebiet, weshalb die wiederkehrenden Eruptionen und Ascheemissionen für Besucher eine potenzielle Gefahrenquelle darstellen.