Nyamuragira mit intensiver Lavastromtätigkeit

Nyamuragira mit verzweigtem Lavastrom – Thermische Anomalie am Nyiragongo

Die beiden Virunga-Vulkane Nyamuragira und Nyiragongo in der Demokratischen Republik Kongo standen in den letzten Monaten nicht unbedingt im Brennpunkt der Berichterstattung. Das liegt jedoch nicht an mangelnder Aktivität, sondern daran, dass es kaum Beschreibungen der Vorgänge, geschweige denn Bilder gibt. Vulkanologen und Berichterstatter sind daher weiterhin auf Daten der Satellitenfernerkundung angewiesen. Diese zeigen aktuell an beiden Vulkanen thermische Anomalien.

Virunga-Vulkane. © Copernicus

Am ausgeprägtesten ist diese am Nyamuragira, der mit Unterbrechungen bereits seit gut drei Jahren in einer effusiven Tätigkeitsphase steckt. Dabei speist ein in der Gipfelcaldera brodelnder Lavasee Lavaströme, die im Osten und Norden über den Calderarand fließen und sich mehrere Kilometer den Hang hinab bewegen. MIROVA zeigt thermische Strahlungen mit Leistungen um 1700 MW an. Allerdings ist es zumindest häufig teilbewölkt, sodass die tatsächliche Wärmestrahlung der Lavaströme deutlich größer sein dürfte. Auf den Sentinel-Thermalbildern ist zu erkennen, dass die Wärmestrahlung momentan vor allem von den Fronten verzweigter Lavaströme auf dem nördlichen Lavafeld ausgeht. Die eigentlichen Lavaströme fließen überwiegend durch Lavatunnel („Tubes“), so wie wir es bis vor Kurzem auch am Piton de la Fournaise beobachten konnten.

Die Caldera ist überwiegend vom eigenen Dampf und von meteorologischen Wolken verdeckt. An deren Rändern wird das Rot ausgeprägter thermischer Anomalien sichtbar. Die Wolken verhindern jedoch einen klaren Blick, sodass das genaue Geschehen verborgen bleibt. Auf einem Bild von Mitte März ist ein Teil der Caldera wolkenfrei; dort erkennt man einen mindestens 150 m langen, tropfenförmigen Lavasee sowie einen mit Lava überfluteten Calderaboden.

Erstaunlicherweise ist auf einem Satellitenbild vom 14. März eine vergleichsweise deutliche thermische Anomalie im Krater des Nyiragongo zu erkennen. Dies deutet darauf hin, dass sich dort wieder zumindest temporär ein Lavasee gebildet haben könnte. Zuletzt war es um den Nyiragongo relativ ruhig bestellt.

Die politische und wirtschaftliche Situation in der Region bleibt prekär: Seit Januar 2025 wird die Region um Goma von der Rebellengruppe M23 kontrolliert, die vom Nachbarstaat Ruanda unterstützt wird. Touristen, Vulkanologen und Journalisten wagen sich derzeit praktisch nicht mehr in die Gegend.