Rincón de la Vieja bleibt aktiv: Mehr als 200 phreatische Eruptionen seit Juli
Am costa-ricanischen Vulkan Rincón de la Vieja gehen die phreatischen Eruptionen weiter. Die jüngste Dampfexplosion ereignete sich am 14. September um 11:56 Uhr Ortszeit und wurde von den OVISCOR-Vulkanologen als mittelstark eingestuft. Die Explosion wurde anhand von seismischen und Infraschallmessungen registriert. Die Höhe der Eruptionswolke konnte aufgrund von Bewölkung nicht bestimmt werden. Berichte über Ascheniederschlag oder Lahare liegen nicht vor.
Damit setzt der Rincon de la Vieja seine außerordentlich hohe phreatische Aktivität fort: Seit dem 2. Juli wurden insgesamt mehr als 200 phreatische Eruptionen registriert. Genau summiert sich die Zahl inzwischen auf 212 Ereignisse. Die meisten Explosionen sind von geringer Stärke, doch acht Eruptionen lösten Lahare aus, die über Flüsse an der Nordflanke des Vulkans abgingen. Der stärkste dieser Schlammströme wurde am 31. August beobachtet.
Auch in der vergangenen Woche blieb der Vulkan ausgesprochen aktiv. OVSICORI registrierte 57 Eruptionen, darunter drei mit moderater akustischer Energie. Die meisten Ereignisse waren allerdings schwach. Am 6. September verursachte eine stärkere Eruption einen sogenannten syn-eruptiven Lahar. Weitere, sekundäre Lahare gingen am 5. und 6. September nach starken Regenfällen ab.
Interessant ist die Entwicklung der seismischen Aktivität, die darauf hindeutet, dass sich magmatische Fluide unter dem Vulkan bewegen. Der niederfrequente Hintergrundtremor nimmt insgesamt ab, während gleichzeitig mehr Erdbeben mit langen Perioden registriert werden. Am 11. September wurden 16 dieser Ereignisse aufgezeichnet.
Die Gasemissionen bleiben ebenfalls erhöht. Der durchschnittliche Schwefeldioxid-Ausstoß lag zuletzt bei 293 Tonnen pro Tag, mit einem Spitzenwert von 3586 Tonnen. So hohe Werte kommen an Vulkanen für gewöhnlich nur vor, wenn Magma hoch in einem offenen Fördersystem steht. Die Werte liegen weiterhin deutlich über der seit Mitte Juni erhöhten Basislinie.
Dem scheint zu widersprechen, dass geodätische Messungen eine Kontraktion des Gipfelbereichs zeigen und auf längerer Zeitskala eine Absenkung des Vulkangebäudes. Doch nach den jüngsten Studien muss eine Subsidenz nicht gleichbedeutend mit einer Deflation des Magmasystems sein.
OVSICORI schließt weitere moderate Eruptionen nicht aus. Die wichtige Frage, ob hiermit phreatische Eruptionen gemeint sind oder ob die Vulkanologen Hinweise auf aufsteigendes Magma sehen, das eine magmatische Eruption auslösen könnte, bleibt unklar.
Aufgrund der anhaltenden Eruptionen und der erhöhten Gasemissionen hält OVSICORI die Alarmstufe 3 (Vorsicht) aufrecht. Weitere, auch stärkere phreatische Eruptionen können nicht ausgeschlossen werden.