Stromboli: Vulkan eruptiert seit dem 5. August neuen Lavastrom

Neuer Lavastrom fließt über die Sciara del Fuoco am Stromboli – explosive Aktivität bleibt hoch

Am Stromboli wird seit gestern Abend erneut eine Verstärkung der eruptiven Aktivität beobachtet. Seit gestern Abend ist auf Livecam-Aufnahmen ein kleiner Lavastrom zu sehen, der aus einem Schlot an der nördlichen Basis des Kraterkomplexes austritt. Entsprechende Aufnahmen wurden von Wolfgang K. in unserer FB-Gruppe „volcanoes and volcanism“ veröffentlicht. Laut einer INGV-Mitteilung begann der Lavaüberlauf erst gegen 05:00 UTC. Die Schmelze speist einen mäßigen Lavastrom, der sich auf den oberen Abschnitt der Sciara del Fuoco beschränkt.



Stromboli

Neben der Lavastromtätigkeit, die in den letzten Jahren am Stromboli immer wieder vorkommt, setzt sich die typische strombolianische Tätigkeit an beiden Kraterbereichen fort. Sowohl im Nordkrater als auch im Zentralbereich des Südkraters ereignen sich regelmäßig Explosionen. Besonders im Nordkrater werden unterschiedlich starke Lavaauswürfe beobachtet, die glühende Schlacken und Lavabomben über den Kraterrand hinausschleudern.

Die geophysikalischen Messdaten zeigen dabei weiterhin ein insgesamt stabiles Bild. Die Amplitude des vulkanischen Tremors bewegt sich im moderaten Bereich, während weder bei der Anzahl noch bei der Stärke der Explosionsbeben auffällige Veränderungen registriert wurden. Auch die Überwachung der Bodenverformung ergab keine signifikanten Änderungen, sodass derzeit keine Hinweise auf eine ungewöhnlich schnell ablaufende Magmenintrusion oder eine größere Destabilisierung des Vulkangebäudes vorliegen.

Die täglichen Messwerte des LGS attestieren dem Vulkan allerdings eine lebhafte Aktivität. Mit durchschnittlich 16 VLP-Erdbeben pro Stunde liegt die Rate deutlich über dem Normalbereich. Auch die Infraschallmessungen weisen auf kräftige Explosionen hin: Der maximale akustische Druck erreichte 2,9 bar und liegt damit deutlich über den üblichen Werten von weniger als 1 bar. Es gab zumindest vereinzelt deutlich stärkere Explosionen. Die Entgasung bleibt moderat. Der Schwefeldioxid-Ausstoß wurde mit 86 Tonnen pro Tag gemessen, der Kohlendioxid-Fluss mit rund 449 Tonnen pro Tag. Satellitendaten registrierten dagegen nur geringe thermische Anomalien von maximal 5 Megawatt. Auch die Steinschlagaktivität blieb vor Einsetzen der Lavastromtätigkeit gering, wobei zu erwarten ist, dass sie aktuell zunimmt, da von der Lavafront oft Blöcke abbrechen.

Das am 4. August vom INGV veröffentlichte Wochenbulletin für den Beobachtungszeitraum 27.07. – 02.08.2026 beschreibt insgesamt eine unveränderte Situation. Demnach dominierte in der letzten Woche weiterhin die gewöhnliche strombolianische Aktivität an beiden Kraterarealen, die zeitweise von Lavaspattering im Nordkrater begleitet wurde.  Die seismischen Parameter und Bodenverformungen blieben während der gesamten Berichtswoche stabil. Geochemisch wurden mittlere SO₂-Werte, erhöhte CO₂-Flüsse aus dem Untergrund sowie ein rückläufiges, aber weiterhin hohes Helium-Isotopenverhältnis registriert.

Die Vulkanologen weisen darauf hin, dass neben der anhaltenden strombolianischen Aktivität jederzeit größere Explosionen auftreten können. Zudem besteht die Möglichkeit von Lavaüberläufen, die im Extremfall das Meer erreichen, wodurch es zu hydromagmatischen Explosionen kommen könnte.