Die Campi Flegrei (Phlegräischen Felder) liegen am Stadtrand der italienischen Metropole Neapel. Der große Calderavulkan hat das Potenzial katastrophale Supervulkan-Eruptionen zu erzeugen.
Campi Flegrei von 2 spürbaren Erdbeben erschüttert – Doppelschlag mit wenigen Sekunden Abstand
Gestern berichtete ich über die nachlassende Hebegeschwindigkeit des Bodens. Dennoch gab es heute wieder 2 spürbare Erdbeben mit den Magnituden 2,5 und 2,2, die sich kurz nach 9 Uhr Ortszeit mit nur wenigen Sekunden Abstand zueinander ereigneten. Sie manifestierten sich nordwestlich der Solfatara in der Nähe der Tangentiale und hatten Herdtiefen von 2500 und 2000 Metern. Anwohner berichten, dass sie die Beben deutlich gespürt und gehört haben. Größere Unruhen bei der Bevölkerung entstanden aber nicht.
Die Beben kamen nicht alleine, sondern waren Teil eines Schwarmbebens. Seit Mitternacht haben sich 11 Beben ereignet. Damit ist die Aktivität höher als in den vergangenen Tagen, aber weit von den Maxima entfernt, die wir in 2024 und 2025 sahen. Trotz der leichten Entspannung der Situation in den letzten Wochen kann keine Entwarnung gegeben werden: In der seit 21 Jahren anhaltenden Bodenhebungsphase wechselten sich häufig ruhigere mit intensiveren Phasen ab, wobei der Trend zu beobachten ist, dass die Phasen erhöhter Aktivität immer stärker werden. Es könnte ein großer Fehler sein, jetzt nachlässig zu werden und gerade angelaufene Maßnahmen zur Stärkung der Infrastruktur wieder zurückzuschrauben.
Eine jüngst veröffentlichte Studie eines internationalen Forscherteams unter Leitung des INGV kommt zu dem Schluss, dass das aktuelle Magmavolumen eines Reservoirs in ca. 4 km Tiefe nicht ausreicht, um eine Eruption auszulösen. Bemerkenswert ist, dass die Forscher davon ausgehen, dass der Vulkan in einigen Jahrzehnten durchaus in der Lage sein wird, eine mittelstarke Eruption hervorzubringen, wie sie zuletzt 1538 am Monte Nuovo stattfand. Auch ohne Worst-Case-Szenario eine sehr starke Eruption, die klimatische Auswirkungen auf weite Teile Europas hätte, eine unschöne Prognose für die Bewohner des Calderavulkans. Sie bestätigt, dass langfristige Maßnahmen erforderlich sind und man um Umsiedlungsmaßnahmen kaum herumkommen wird.
Besonders interessant ist, dass man in der Studie davon ausgeht, dass es Magma in 4 km Tiefe gibt. Die Wissenschaftler sind sich hierüber nicht einig und der Punkt wird kontrovers diskutiert. Ich gehe später genauer auf die Studie ein.
Hebegeschwindigkeit des Bodens der Campi Flegrei reduzierte sich – Fumarolentemperaturen weiterhin hoch
Für die Bewohner von Pozzuoli und den angrenzenden Orten im Calderavulkan Campi Flegrei dürfte das erst einmal eine gute Nachricht sein: In den letzten zwei Wochen reduzierte sich die Hebegeschwindigkeit des Bodens an der Messstation Rione Terra von 25 mm auf 15 mm und liegt damit auf dem Niveau, wie es während der Hälfte des letzten Jahres der Fall gewesen war. Die Erdbebenaktivität der Campi Flegrei bewegte sich in der letzten Woche auf moderatem Niveau: Es wurden 76 Erschütterungen registriert. Dennoch kann keine Entwarnung gegeben werden, denn die Gastemperatur der BG-Fumarole in der Solfatara bewegt sich weiterhin nahe der Höchstwerte, und auch bei Pisciarelli stieg die Gastemperatur wieder leicht an.
Im INGV-Wochenbericht für den Beobachtungszeitraum 5.–11. Januar 2026 heißt es, dass die durchschnittliche Temperatur der Gase des Thermalbeckens von Pisciarelli bei 95 Grad lag. Zuvor waren es 94 Grad. Dennoch sehen die Forscher hier eine leichte Abnahme der Aktivität. Dafür steigerte sie sich im benachbarten Solfatara-Krater, wo die Durchschnittstemperatur der Bocca-Grande-Fumarole bei 173 Grad lag. Was jetzt als „durchschnittlich“ bezeichnet wird, war noch vor wenigen Wochen die Maximaltemperatur.
Leider kann man die Werte von Pisciarelli und der Solfatara nicht 1:1 vergleichen, da nicht nur unterschiedliche Sensoren verwendet werden, sondern die Messungen bei Pisciarelli in 5 m Entfernung von der Hauptquelle der Emissionen erfolgen. Die tatsächlichen Temperaturen der Gase dürften deutlich höher sein.
Die Kohlendioxid-Emissionen sind immer noch hoch, liegen aber unterhalb der Maximalwerte vom letzten Mai, als die Situation eskalierte und es häufige Erdbeben mit Magnituden im 4er-Bereich gegeben hatte. Ich gehe davon aus, dass die Krise damals von einem Magmenkörper verursacht wurde, der in 4–5 Kilometern Tiefe aufgestiegen ist, ähnlich wie es auch bei Vulcano vorkam. Solche Magmenkörper oder magmatischen Gänge erreichen nur selten die Erdoberfläche, selbst an Vulkanen wie dem Piton de la Fournaise, wo wir im Dezember mehrere Intrusionen sahen, ohne dass es zu einem Ausbruch kam. Sollte es jedoch in relativ kurzer Zeit mehrere solcher Intrusionen geben, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Eruption.
Campi Flegrei mit weiter steigendem CO₂-zu-H₂O Verhältnis – wahrscheinliche Magma-Akkumulation in der Tiefe
Der Calderavulkan Campi Flegrei südwestlich von Neapel zeigt weiterhin deutliche Anzeichen anhaltender Unruhe. Das jüngst veröffentlichte INGV-Monatsbulletin für Dezember beschreibt eine Situation erhöhter, aber stabiler Aktivität, wie sie das Gebiet seit mehreren Jahren prägt. Die meisten Werte sind stabil, bis auf ein auffallend hohes CO₂-zu-H₂O-Verhältnis.
Im Dezember wurden 348 Erdbeben lokalisiert, überwiegend mit geringer Magnitude. Die Beben konzentrieren sich auf den zentralen Teil der Caldera und stehen im Zusammenhang mit dem anhaltenden Bradyseismus – der langsamen Hebung des Bodens. Geodätische Messungen bestätigen, dass sich der Untergrund weiter hebt, wenn auch ohne abrupte Beschleunigung. Die Hebegeschwindigkeit lag weiterhin bei 25 mm pro Monat. Diese Hebung gilt als Ausdruck eines unterirdischen Druckaufbaus, verursacht durch Fluide und Gase im flachen Untergrund. Seit Beginn der Krise im Jahr 2005 hob sich der Boden um 160 Zentimeter.
Besondere Aufmerksamkeit widmet das Bulletin der Geochemie der Fumarolen, insbesondere im Gebiet Solfatara–Pisciarelli. Hier werden hohe Gasemissionen gemessen, vor allem von Kohlendioxid (CO₂) und Wasserdampf (H₂O). Ein zentraler Parameter ist das Verhältnis von CO₂ zu H₂O. Dieses Verhältnis ist deutlich erhöht und nahm im Dezember weiter zu.
Das CO₂/H₂O-Verhältnis liefert Hinweise auf Prozesse in der Tiefe. Kohlendioxid entgast bereits bei hohem Druck und großer Tiefe, während Wasserdampf erst näher an der Oberfläche freigesetzt wird. Ein vergleichsweise hoher CO₂-Anteil kann daher auf einen stärkeren magmatischen Einfluss oder auf einen Zustrom tiefer Fluide hindeuten. Das Bulletin betont jedoch, dass diese Interpretation nicht eindeutig ist: Auch hydrothermale Prozesse, etwa die Kondensation von Wasserdampf im Untergrund, können das Verhältnis erhöhen, ohne dass frisches Magma aufsteigt.
Die Geoforscher des INGV ziehen daher keine alarmistische Schlussfolgerung. Das erhöhte CO₂/H₂O-Verhältnis wird als Teil eines komplexen, langfristigen Trends verstanden, der mit der allgemeinen Aufheizung und Druckbeaufschlagung des hydrothermalen Systems zusammenhängt. Entscheidend sei die gemeinsame Betrachtung aller Überwachungsdaten – Seismik, Deformation, Gaschemie und Temperatur. Die meisten Parameter haben sich im Dezember nicht mehr erhöht und zeigten teils eine leicht rückläufige Tendenz, was aber auch jahreszeitlich bedingt sein kann, da der Eintrag von viel Regenwasser ins Hydrothermalsystem dieses beeinflussen kann. Die Parameter sind in der Regel weit jenseits der Norm und meiner Meinung nach deutet das seit Monaten steigende CO₂/H₂O-Verhältnis auf eine beschleunigte Magmenakkumulation in Tiefen von mehr als 5 km hin.
Zusammengefasst bleibt die Lage an den Campi Flegrei angespannt. Die Messwerte bestätigen eine anhaltende Unruhe des Systems, liefern jedoch keinen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption.
Zunahme der Seismizität in der Solfatara der Campi Flegrei – stärkste Erschütterung Md 3,1
Nach einer aus seismischer Sicht vergleichsweise ruhigen Vorwoche startet die Erdbebentätigkeit in den Campi Flegrei diese Woche wieder erhöht durch. Seit gestern ist es zu drei deutlich spürbaren Erdbeben im Bereich des Solfatara-Kraters gekommen. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 3,1 und eine Herdtiefe von 2400 m. Die beiden anderen Erschütterungen brachten es auf Md 2,9 und lagen 400 bis 500 m tiefer. Damit ereigneten sie sich im unteren Bereich des Hydrothermalsystems und gingen mit Gesteinsbruch infolge von Fluidaufstieg einher. Außerdem gehörten zum aktuellen Schwarmbeben 17 weitere Erschütterungen. Auf Jahressicht wurden 59 Beben lokalisiert. Im letzten Jahr gab es übrigens 6807 lokalisierte Erschütterungen. In 2024 waren es 4899 Beben, also eine signifikante Steigerung der Seismizität.
Aus dem aktuellen INGV-Bulletin für den Beobachtungszeitraum 29.12.2025 bis 04.01.2026 ist zu entnehmen, dass es in dieser Woche „nur“ 26 Erdbeben gab. Das stärkste hatte eine Magnitude von 2,1. Wie immer, wenn es mal etwas ruhiger zugeht, feierten in den sozialen Medien einige Optimisten bereits das mögliche Ende der Krise, die aber nach wie vor mit einer Bodenhebung von 25 mm pro Monat einhergeht und daher alles andere als beendet ist. Die Erdbeben sind zwar die am deutlichsten wahrnehmbaren Manifestationen der Prozesse im Untergrund, aber im Endeffekt nur Symptome der Bodendeformationen und des zugrunde liegenden, magmatisch bedingten Aufheizungsprozesses des gewaltigen Calderavulkans. Meiner Meinung nach kann es zwar zu Fluktuationen in der Intensität der Prozesse kommen, doch dauerhaft stoppen werden sie vor einer Eruption wohl nicht mehr.
Die Vulkanologen vom INGV geben zwar keine Prognosen ab (nicht zuletzt, weil natürlich immer das Risiko besteht, mit seinen Einschätzungen falsch zu liegen und damit an Reputation zu verlieren), bestätigen in ihrem Bulletin aber den langjährigen Trend zur Druckbeaufschlagung des hydrothermalen Systems und damit auch des zugrunde liegenden magmatischen Systems. Der Gasausstoß und die Fumarolentemperaturen lagen im Bereich der Werte der letzten Wochen: Bei Pisciarelli wurden Durchschnittstemperaturen von 94 Grad gemessen, in der Solfatara bei 170 Grad mit Maximalwerten von 173 Grad.
Solfatra in den Campi Flegrei, Jenny Morelia, KI-bearbeitet
Anhaltende Unruhe infolge des Druckanstiegs im Hydrothermalsystem der Campi Flegrei
Die süditaienische Caldera Campi Flegrei westlich von Neapel bleibt auch zum Jahresende 2025 unter intensiver Beobachtung. Wie aus dem aktuellen Wochenbericht des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) hervorgeht, zeigen die Messdaten weiterhin eine erhöhte, jedoch stabile Aktivität. Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eskalation gibt es derzeit nicht, doch der langjährige Trend zur Druckbeaufschlagung hält an. Auffällig ist eine Verlagerung der Entgasungsaktivität von Pisciarelli in den Solfatara-Krater, wo die Fumarolentemperaturen besonders hoch sind. Heute gab es auch wieder ein Erdbeben Md 2,0.
Im Zeitraum vom 22. bis 28. Dezember registrierten die Geowissenschaftler insgesamt 48 Erdbeben mit geringen Magnituden. Die stärksten Erschütterungen erreichten eine Magnitude von 2,0 und lagen damit deutlich unterhalb der Schwelle, bei der Schäden zu erwarten wären. Die meisten Beben ereigneten sich in geringer Tiefe im Bereich von Pozzuoli und der Solfatara .
Besonders aufmerksam verfolgen die Wissenschaftler die anhaltende Bodenhebung, ein bekanntes Phänomen der Campi Flegrei. Seit Oktober 2025 hebt sich der Boden im Zentrum der Caldera mit einer Rate von 25 Millimetern pro Monat. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn bereits 22 Zentimeter Hebung gemessen. Ursache ist der zunehmende Druck im unterirdischen hydrothermalen System, indem sich heiße Gasen und Flüssigkeiten akkumulieren.
Auch die geochemischen Daten bestätigen die Druckzunahme: Die Temperaturen der Fumarolen, insbesondere der Hauptfumarole BG im Krater der Solfatara, sind weiter gestiegen und liegen aktuell bei durchschnittlich rund 170 Grad Celsius, mit Spitzenwerten von bis zu 173 Grad. Gleichzeitig bleiben die gemessenen Gasemissionen, etwa von Kohlendioxid, auf einem erhöhten, aber stabilen Niveau.
Trotz dieser Entwicklungen betont das INGV, dass es derzeit keine Anzeichen für eine kurzfristige, gefährliche Veränderung gibt. Die beobachteten Prozesse passen zu der seit Jahren andauernden Phase erhöhter Aktivität. Dennoch bleibt die Lage sensibel: Die Campi Flegrei zählen zu den am dichtesten besiedelten Vulkangebieten Europas. Auch wenn man derzeit nicht mit einem magmatisch bedingten Vulkanausbruch rechnet, könnten phreatische Explosionen auftreten.
In den vergangenen hatte unser Vereinsmitglied Jenny Morelia das Glück, bis auf den Rand Nordrand der Solfatara vorgelassen zu werden und konnte die Aufnahme oben machen, die ich mit KI-Hilfe aus 3 Screenshots ihres Videos zusammengesetzt habe.
Vulkanische Unruhe in den Campi Flegrei: Neue Studie entschlüsselt Zusammenhang von Bodenhebung und Erdbeben
Campi Flegrei ist eine der aktivsten und komplexesten Vulkanregionen Europas. Die Caldera liegt am Rand des Ballungsraums Neapel und ist selbst dicht besiedelt: In der „roten Zone“ der Campi Flegrei, dem von Italiens Zivilschutz als am höchsten gefährdet eingestuften Gebiet bei einem möglichen Vulkanausbruch, leben nach aktuellen Einschätzungen etwa 500 000 Menschen. Seit 20 Jahren hebt sich der Boden der Caldera – zunächst langsam, dann immer schneller. Die Bodenhebung wird von Tausenden Erdbeben jedes Jahr begleitet. Ein aktueller wissenschaftlicher Artikel, veröffentlicht im renommierten Fachjournal Scientific Reports (Nature), liefert nun wichtige neue Erkenntnisse über die Dynamik der vulkanischen Unruhe – insbesondere über den Zusammenhang zwischen der Bodenhebung und der Häufigkeit von Erdbeben.
Bei den Campi Flegrei handelt es sich um einen großen Calderavulkan, der sich durch eine beeindruckende geologische Geschichte auszeichnet. Seit den 1950er Jahren kommt es immer wieder zu Phasen von Bodenhebung, bei denen sich der Boden im Zentrum der Caldera um mehrere Meter hebt. Diese Bodenhebung wird von tausenden schwacher bis mäßig starker Erdbeben begleitet, die als Erdbebenschwärme auftreten. Solche Prozesse können Vorboten für größere Vulkanausbrüche sein und sind daher von großem Interesse für Wissenschaft und Bevölkerung.
Die Ursache für die Bodenhebung liegt tief unter der Erdoberfläche verborgen: Magma und heiße Fluide sammeln sich in Reservoiren in der Erdkruste an. Diese Zunahme von Material und starke Entgasungen aus dem Magma üben Druck auf die darüber liegende Erdkruste aus, wodurch sich der Boden langsam hebt. Gleichzeitig verändern sich durch das Einpressen der Magmen oder Fluide die Spannungsverhältnisse im Gestein, was häufig Erdbeben auslöst.
Neue Erkenntnisse aus der Studie
Die nun veröffentlichte Studie analysiert Daten aus den letzten 20 Jahren und zeigt, dass der Zusammenhang zwischen Bodenhebung und Erdbeben nicht einfach linear verläuft. Stattdessen sind die Erdbeben Teil einer komplexen „epidemischen“ Kettenreaktion: Ein Erdbeben kann weitere auslösen, doch dieser Prozess wird durch die Bodenhebung und strukturelle Grenzen im Gestein begrenzt. Das Team konnte mathematisch beschreiben, wie die Häufigkeit der Erdbeben mit der Bodenhebung zusammenhängt – nämlich nicht unendlich steigend, sondern mit einem abnehmenden Effekt, je mehr sich der Boden hebt.
Die Analyse zeigte: Mit zunehmender Bodenhebung nimmt die Effizienz ab, mit der zusätzliche Deformationen neue Erdbeben auslösen können. Dies führt zu einem Sättigungseffekt – die Häufigkeit der Erdbeben steigt also nicht unendlich weiter, sondern flacht relativ zur Zunahme der Bodenhebung ab. Mathematisch bedeutet das, dass die Zunahme der Erdbebenrate eine doppelt exponentielle Funktion der Bodenhebung ist, aber mit einem negativen Parameter, der den abnehmenden Zuwachs beschreibt.
Bedeutet das weniger Erdbeben vor einem Ausbruch?
Das Modell heißt nicht, dass vor einem möglichen Ausbruch keine Zunahme von Erdbeben oder Bodenhebung stattfindet. Vielmehr zeigt es, dass die Beziehung komplex ist: Eine Beschleunigung der Bodenhebung kann weiterhin auftreten – das wurde an zwei Phasen unterschiedlicher Wachstumsraten beobachtet.
Die Erdbebenhäufigkeit steigt zwar zu Beginn der Bodenhebung an, aber der Effekt, dass ein Beben weitere Beben auslöst, wird durch zunehmende Verformung immer stärker begrenzt. Dies könnte durch Veränderungen im Gestein (z. B. plastische Deformation, Versiegelung von Bruchflächen) verursacht werden.
Es ist also möglich, dass sich vor einem größeren Ereignis oder Ausbruch die Bebenrate nicht mehr stark erhöht, obwohl sich der Boden weiter hebt – was eine einfache Interpretation der seismischen Aktivität erschwert und sich negativ auf das Frühwarnsystem vor einem möglicherweise bevorstehenden Vulkanausbruch auswirken könnte.
Kurz gesagt: Eine steigende Bodenhebung geht meist mit mehr Erdbeben einher, aber die Erdbebenhäufigkeit wächst nicht immer proportional oder exponentiell mit. Dieses Verhalten muss bei der Überwachung und Gefährdungsabschätzung berücksichtigt werden, um Fehleinschätzungen zu vermeiden.
Dieser Befund hat wichtige Konsequenzen für die Vulkanüberwachung: Erdbeben allein geben nicht immer eine lineare Vorhersage der Bodenhebung oder eines möglichen Ausbruchs. Vielmehr ist das Zusammenspiel beider Prozesse entscheidend.
Quelle: Godano, C., Convertito, V., Tramelli, A., et al. (2025). Interplay between ground deformation and seismicity during the 2005–2025 unrest at Campi Flegrei. Scientific Reports, 15, Article 43238. https://doi.org/10.1038/s41598-025-27259-4. Lizenz der CC
Leichte Erdbeben, steigende Temperaturen und hoher Gasausstoß: Keine Entwarnung in den Campi Flegrei
In den Campi Flegrei hat die Alarmstimmung in den letzten 3 Wochen etwas nachgelassen. Grund hierfür ist, dass es Tage mit nur wenigen Erdbeben gegeben hat. Optimisten sehen hierin eine Entspannung der Situation und geben ihnen Grund zur Hoffnung, die ich als optimistischer Pessimist nicht teile Grund hierfür ist die anhaltende Bodenhebung, deren Hebegeschwindigkeit weiterhin bei 25 mm im Monat liegt. Zudem zeigt eine neue Studie – über die ich ausführlicher in den nächsten Tagen berichten werde –, dass die Erdbebenhäufigkeit trotz anhaltender Bodenhebung abnehmen kann, weil Störungen immer schwerer anzuregen sind.
Trotz des vermeintlichen Rückgangs der Seismizität registrierten Vulkanologen des INGV in der Woche vom 15. bis 21. Dezember 2025 insgesamt 76 Erdbeben. Die stärksten dieser Erschütterungen erreichten eine Magnitude von bis zu 2,0. Besonders auffällig waren zwei kleine Erdbebenschwärme am 15. und 19. Dezember. Trotz dieser seismischen Aktivität sehen Wissenschaftler derzeit keine Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende größere Eruption.
Parallel zu den Erdbeben beobachten die Forscher eine konstant anhaltende Bodenhebung. Seit Anfang Oktober steigt die Erdoberfläche im Zentrum der Campi Flegrei mit einer Geschwindigkeit von etwa 2,5 Zentimetern pro Monat an. Insgesamt hat sich der Boden an einer Messstation nahe Pozzuoli seit Jahresbeginn um mehr als 21 Zentimeter angehoben. Diese Verformungen werden sorgfältig überwacht, da sie Hinweise auf Veränderungen im unterirdischen Magmasystem liefern können.
Auch die Gasemissionen des Vulkans zeigen interessante Entwicklungen. Im Bereich Pisciarelli, einer bekannten Zone mit hoher vulkanischer Gasfreisetzung, blieb der CO₂-Fluss in der letzten Woche stabil, ohne plötzliche Anstiege. Die Temperatur der Fumarolen dort lag bei etwa 94 Grad Celsius. Im Kontrast dazu erhitzt sich die Hauptfumarole BG im Krater der Solfatara in den letzten Wochen weiter: Ihre Temperatur stieg auf durchschnittlich 173 Grad Celsius – ein Zeichen für zunehmende Wärme und Aktivität im hydrothermalen System.
Die langjährige Beobachtung zeigt, dass der Vulkan weiterhin magmatisch aktiv ist, sich aber in einem stabilen Zustand befindet. Die Vulkanologen betonen, dass Änderungen in den Messdaten umgehend kommuniziert werden würden, um die Bevölkerung bestmöglich zu informieren und vorzubereiten.
Anhaltende Hebung und zunehmende Erwärmung des hydrothermalen Systems der Campi Flegrei
In der süditalienischen Caldera Campi Flegrei setzt sich die langjährige Phase erhöhter seismo-vulkanischer Unruhe fort. Die Erdbebenaktivität hat in den vergangenen Tagen nach einer ruhigeren Phase weiter zugenommen: Seit gestern registrierte das seismische Netzwerk des INGV 31 schwache Erschütterungen – fast so viele wie in der ganzen Woche zuvor. Zudem zeigen die gestern veröffentlichten Daten für den Beobachtungszeitraum vom 8. bis 14. Dezember 2025 zwar keine dramatische Eskalation, bestätigen aber den Trend zur Temperaturerhöhung der Fumarolengase in der Solfatara.
Im Berichtszeitraum registrierten die Messstationen insgesamt 34 lokalisierbare Erdbeben mit Magnituden ab Md 0,0. Das stärkste Ereignis erreichte eine Magnitude von Md 2,0. Die Anzahl und Stärke der Beben bewegen sich damit im Rahmen der zuletzt beobachteten Schwankungen und spiegeln die anhaltenden Spannungen im Untergrund wider, die typisch für das Gebiet sind.
Deutlicher fällt die Entwicklung bei den Bodendeformationen aus. Seit dem 10. Oktober 2025 wird in der Zone maximaler Deformation eine durchschnittliche Hebung von etwa 25 ± 3 Millimetern pro Monat gemessen. Diese anhaltende Aufwärtsbewegung gilt als Ausdruck des zunehmenden Drucks im flachen Untergrund und steht im Zusammenhang mit Veränderungen im hydrothermalen System, das von einem aktiven Magmenkörper im Untergrund angeheizt wird.
Die geochemischen Messungen bestätigen den bereits bekannten langfristigen Trend: Das hydrothermale System erwärmt sich weiter, begleitet von erhöhten Gasemissionen. Besonders deutlich zeigt sich dies an der BG-Fumarole im Solfatara-Krater, deren Temperatur weiter ansteigt. In der Referenzwoche lag der Mittelwert bei rund 173 Grad Celsius. Die Station FLXOV5 registrierte Durchschnittstemperaturen von etwa 167 Grad Celsius, mit Spitzenwerten um 169 Grad. Um kurzfristige Schwankungen besser erfassen zu können, wurde zusätzlich die neue Station V11 installiert. Der dort seit Oktober aktive Sensor misst im Mittel 173 Grad Celsius – Werte, die mit den Ergebnissen der monatlichen Probenahmen übereinstimmen.
Am Standort Pisciarelli hingegen zeichnen die Daten ein differenzierteres Bild. Hier lagen die Durchschnittstemperaturen bei 94 Grad. Im Sommer wurden noch 96 Grad gemessen. Hier scheinen sich Gasfluss und Temperatur leicht zu verringern.
Nach Angaben des INGV korreliert der Temperaturanstieg mit zunehmenden diffusen Gasflüssen und höheren berechneten Gleichgewichtstemperaturen des hydrothermalen Systems.
Gestern Vormittag ereignete sich um 10:35 UTC am Vesuv ein weiterer Erdstoß mit einer Magnitude im Zweierbereich. Konkret hatte das Beben eine Magnitude von 2,1 und einen Erdbebenherd in nur rund 200 Metern Tiefe. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich Tiefenangaben üblicherweise auf den Meeresspiegel beziehen und nicht auf die jeweilige Landoberfläche. Das Epizentrum lag am westlichen Kraterrand des Gran Cono.
Bereits am Freitag hatte es unter der Westflanke des Gran Cono ein vergleichbares Beben gegeben. Theoretisch hätten diese Erschütterungen aufgrund ihrer geringen Herdtiefe gespürt werden können, entsprechende Wahrnehmungsmeldungen liegen jedoch nicht vor.
Während Mikrobeben am Vesuv zur Tagesordnung gehören, sind Erdbeben mit Magnituden ab 2 relativ selten, insbesondere in einem so kurzen zeitlichen Abstand. Die aktuellen Erschütterungen könnten daher Hinweise darauf liefern, dass sich Prozesse im Vulkansystem verändern. Tatsächlich kam vor gut einem Jahr die langjährige Deflation im Küstenbereich des Vulkans zum Stillstand, während sie im Gipfelbereich weiterhin anhält. Sollten sich langfristige Trends, die bislang auf ein fortschreitendes Abkühlen des Vulkansystems hindeuten, allmählich umkehren, stünde dieser Prozess jedoch noch ganz am Anfang. Kurz- und mittelfristig ist die Wahrscheinlichkeit eines Vulkanausbruchs im Großraum Neapel weiterhin sehr gering; es besteht kein Anlass zur Beunruhigung.
Situation in der Campi-Flegrei-Caldera unweit des Vesuvs
Besorgniserregender ist die Situation hingegen in den benachbarten Campi Flegrei. Dort wurden in der vergangenen Woche vergleichsweise wenige Erdbeben registriert, was bereits Hoffnungen auf ein Abklingen der seismischen Krise nährte – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Solange jedoch die Bodenhebung anhält, ist ein Ende der Krise nicht in Sicht. Seit dem Wochenende zieht die Erdbebenaktivität erneut an: Seit gestern wurden wieder 23 schwache Erschütterungen registriert. Die meisten davon waren Mikrobeben. Die stärkste Erschütterung ereignete sich heute Morgen mit einer Magnitude von 1,9. Das Hypozentrum lag in 2,8 Kilometern Tiefe im nördlichen Bereich des Hebungszentrums. Die Bodenhebung setzt sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 25 Millimetern pro Monat fort. Auch Gasemissionen und Temperaturen bleiben auf hohem Niveau.
Anders als am Vesuv könnten sich in den Campi Flegrei – und hier am wahrscheinlichsten im Bereich der Solfatara – phreatische Eruptionen ereignen. Mittelfristig ist auch ein magmatisch bedingter Vulkanausbruch nicht auszuschließen.