Wie sich der tödliche Vulkanausbruch am Dukono auf den Vulkantourismus auswirkt und Abhängigkeiten bloßlegt
Am Morgen des 8. Mai kam es am Mount Dukono auf der indonesischen Insel Halmahera zu einer plötzlichen explosiven Eruption, die deutlich stärker verlief als die alltäglichen Ausbrüche, die fast täglich Touristen zum Krater locken. Zum Zeitpunkt der Explosion befanden sich mindestens 20 Wanderer im Kraterbereich des Vulkans und damit innerhalb der seit Jahren geltenden Sperrzone mit einem Radius von vier Kilometern. Innerhalb weniger Minuten schleuderte der Vulkan eine gewaltige Eruptionswolke in den Himmel, die von Satelliten noch in 15 Kilometern Höhe nachgewiesen wurde. Pyroklastische Dichteströme und herabfallende, teils glühende Lavabrocken trafen die Touristengruppen und ihre Führer in einem offiziell bereits als Gefahrenzone eingestuften Bereich. Drei Menschen kamen ums Leben, fünf weitere wurden schwer verletzt. Nach tagelanger Suche im Gefahrenbereich konnten Rettungstrupps von einem der Opfer nur noch Knochenfragmente bergen.

Die Naturkatastrophe hat den ohnehin auf wackligen Beinen stehenden Vulkantourismus der Region massiv erschüttert. Der Dukono ist seit Jahrzehnten dauerhaft aktiv und gleichzeitig ein Magnet für Abenteuerreisende aus aller Welt. Für große Teile der lokalen Bevölkerung bildet der Vulkantourismus die wirtschaftliche Lebensgrundlage: Touren, Transporte und Unterkünfte rund um den Vulkan zählen zu den wenigen lukrativen Einkommensquellen in Nordhalmahera. Zu den größten Profiteuren gehören jedoch häufig internationale Reiseagenturen, etwa aus Singapur, die die Touren an wohlhabenden Reisenden vermitteln.
Lokale Bergführer verdienen pro Tagestour meist zwischen zwanzig und vierzig Euro, abhängig von Gruppengröße und Dauer. Häufig werden auch mehrtägige Touren gebucht. Fahrer, die Gäste aus Tobelo oder den Küstendörfern zum Ausgangspunkt des Aufstiegs bringen, erzielen geringere Einnahmen und sind auf regelmäßige Buchungen angewiesen. Landwirtschaft und Fischerei bringen im Vergleich häufig deutlich niedrigere und unsicherere Verdienste, weshalb viele Familien direkt oder indirekt vom Tourismus rund um den Vulkan leben. Das Durchschnittseinkommen der Menschen, die nicht vom Tourismus profitieren, liegt zwischen 100 und 200 Euro im Monat, der durchschnittliche Stundenlohn bei 1,31 €. Jene, die vom Tourismus profitieren, verdienen oft ein Vielfaches davon, mehr noch, als die ebenfalls besser gestellten Arbeiter im Nickelbergwerk.
Trotz offizieller Sperrzonen und Warnungen bleibt die Nachfrage nach „aktiven Vulkan-Erlebnissen“ hoch. Internationale Reiseveranstalter profitieren dabei von drei Faktoren: erstens der globalen Nachfrage nach spektakulären Naturerlebnissen, zweitens der schwer kontrollierbaren lokalen Verwaltungsstruktur und drittens der Tatsache, dass Risiken selbst Teil des Marketings sind. Solange keine dauerhafte physische Sperre existiert, werden informelle Routen genutzt oder lokale Partner eingebunden, um Touren weiterhin anzubieten. In einem Interview mit der „The Straits Times“ bestätigten dies mehrere Reiseveranstalter aus der Metropole gegenüber Journalisten.
Das Video vom 20. April zeigt den „normalen“ Wahnsinn am Dukono
Für lokale Guides entsteht dadurch ein strukturelles Dilemma. Offizielle Verbote bedeuten Einkommensverluste, werden jedoch häufig von internationalen Agenturen ignoriert oder umgangen. Viele Guides verfügen weder über soziale Absicherung noch über alternative Beschäftigungsmöglichkeiten. Selbst wenn Sicherheitsbedenken bestehen, zwingt wirtschaftlicher Druck sie häufig dazu, Touren dennoch durchzuführen – oft in einer Grauzone zwischen Legalität und informeller Praxis. Am Dukono wurden inzwischen allerdings physische Sperren errichtet und die Wege zum Vulkan gesperrt. Wie lange diese Maßnahmen aufrechterhalten werden, ist unklar. Mehrere dem Autor bekannte Vulkanspotter haben ihre diesjährigen Pläne für eine Besteigung des Dukono vorerst auf Eis gelegt.
Die Eruption vom 8. Mai zeigt nicht nur die geologische Gefährlichkeit des Dukono, sondern auch ein ökonomisches System, das auf Risiko aufgebaut ist. Solange der Vulkan touristisch vermarktet wird und gleichzeitig wirtschaftliche Alternativen fehlen, bleibt die Region in einer gefährlichen Abhängigkeit gefangen. Ähnliche Zugangsbeschränkungen, wie sie jetzt für den Dukono gelten, wurden in den letzten Jahren auch über andere Vulkane wie Kawah Ijen auf Java und Gunung Agung auf Bali verhängt. Inzwischen wurden diese Restriktionen wieder aufgeweicht, allerdings gilt an beiden Vulkanen, dass man sie nur noch mit Vulkanführer und Genehmigung besteigen darf. Wer in den Krater des Kawah-Ijen absteigen will, um die blauen Flammen des Schwefelbrands zu sehen, benötigt neben Schutzausrüstung ein Gesundheitszeugnis. Hintergrund ist der Tod eines gesundheitlich angeschlagenen Touristen, der zum Krater abstieg.
Während es meiner Meinung nach vertretbar ist, aktuell Touren zu den Kratern von Agung und Kawah Ijen anzubieten, wobei ich den Abstieg in den Ijen-Krater aufgrund gesundheitlicher Risiken nicht jedem empfehlen würde, hielt der Autor die Aufstiege zum Kraterrand des Dukono mit Touristengruppen bereits vor der Katastrophe vom 8. Mai für nicht vertretbar. So etwas sollten nur erfahrene Vulkanspotter – die Aktivität und ihre Risiken selbst abschätzen können – auf eigene Verantwortung riskieren, wohlwissend, dass ihr Tun durchaus tödlich enden kann. Was ich von den Aufnahmen der sozialen Medien her kenne, sind Aufstiege ohne Sinn und Verstand, und die Guides führten ihre Gruppen oft einfach senkrecht den Kegel hoch, ohne gangbare Routen zu wählen und auf Windrichtungen zu achten. Das zeichnet Stümper und keine Profis aus!
Der Dukono selbst bleibt aktiv und erzeugte in den letzten Tagen vermehrt kräftige explosive Eruptionen, die Vulkanasche bis zu 5000 Meter über Kraterhöhe aufsteigen ließen – deutlich höher als bei den Ausbrüchen vor dem 8. Mai.
