
Vulkanausbruch am Ätna erzeugt spektakulären Lavafall in den Nordostkrater – seltenes Phänomen dokumentiert
Der aktuelle Vulkanausbruch am Ätna hat ein Phänomen hervorgebracht, das selbst an dem sizilianischen Vulkan mit seinen vier Hauptkratern nur äußerst selten zu beobachten ist: Ein Lavastrom fließt in den Nordostkrater hinein, anstatt aus ihm herauszufließen. Dabei stürzt die Lava in einer spektakulären Kaskade vom höher gelegenen Voragine-Kraterkegel herab. Auf dessen Nordflanke hat sich eine Eruptionsspalte gebildet, die bis in den oberen Bereich des Nordostkraters hineinreicht.
Lavaströme, die von einem Krater in einen anderen fließen, kommen zwar selten vor, wurden aber insbesondere vom Voragine-Kraterkegel bereits mindestens zweimal erzeugt. Dieser ist in den vergangenen Jahren stark angewachsen und hat den Südostkrater als höchsten Punkt des Ätna abgelöst. Damals floss die Lava allerdings in den Krater Bocca Nuova und nicht in den Nordostkrater. Aktuell ergießt sich die Lava direkt in seinen Zentralschlot – mit bislang unabsehbaren Folgen. Erstarrt der Lavastrom, dürfte die Schlotfüllung deutlich härter ausfallen als die normalerweise in einem Explosionsschlot erstarrenden Schlacken. Dies könnte künftig die Entgasung erschweren und den Schlot gewissermaßen wie mit einen Korken versiegeln. In der Folge könnte sich im Fördersystem des Nordostkraters ein hoher Druck aufbauen, der zu besonders starken Explosionen oder einem veränderten Ausbruchsverhalten führen könnte.
Die hier gezeigten Aufnahmen stammen von erfahrenen Vulkanführern. Touristen ist eine Besteigung der Ätna-Gipfelregion derzeit untersagt. Tatsächlich ist es auch gefährlich, sich den Kratern zu nähern, da nach wie vor die Möglichkeit besteht, dass sich noch ein Paroxysmus entwickelt. Auch Kollapsereignisse nebst der Entwicklung von pyroklastischen Strömen sind infolge von Rissbildungen und Instabilitäten am Voragine-Kegel möglich.
Seit dem Mittag fällt der Tremor, womit die Plateauphase der Ascheeruption beendet wurde. Dies spiegelt sich inzwischen auch im Ascheausstoß wider, der deutlich nachgelassen hat. Ein solcher Rückgang ist typisch, wenn sich die effusive Tätigkeit verstärkt. Nur während eines Paroxysmus kommt es in den Intensitätsspitzen zu einem dreifachen Höhepunkt, bei dem gleichzeitig kräftige Lavafontänen, mächtige Aschewolken und ausgedehnte Lavaströme auftreten. Der aktuelle Ausbruch wirkt zwar spektakulär, blieb in seiner Intensität jedoch deutlich hinter einem Paroxysmus zurück. Dafür hält er wesentlich länger an, sodass insgesamt eine ähnliche Lavamenge gefördert worden sein könnte.
Wie sich die Eruption weiterentwickeln wird, lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Der Ausbruch könnte in den nächsten Stunden enden, sich aber ebenso gut wieder intensivieren. Ebenso ist denkbar, dass sich an der Außenflanke des Subterminalbereichs erneut ein Lavastrom bildet. Gerade diese Unvorhersehbarkeit macht den Ätna zu einem der spannendsten und faszinierendsten Vulkane der Welt.