Livecam filmt pyroklastischen Dichtestrom am Santiaguito – Vulkanasche in 4300 m Höhe detektiert
Trotz der Regenzeit in Guatemala war das Wetter am Sonntag in Teilen des Landes freundlich. So konnte eine Livecam in den frühen Morgenstunden den Abgang eines pyroklastischen Dichtestroms am Lavadom des Santiaguito aufzeichnen. Zudem kam es zu mehreren Explosionen, die Vulkanasche bis auf eine Höhe von 4300 Metern über dem Meeresspiegel förderten. Die Aschewolken wurden vom Wind nach Westen verfrachtet und verursachten in mehreren Ortschaften leichten Ascheniederschlag.
Der pyroklastische Dichtestrom ging um 06:06 Uhr Ortszeit ab und wurde durch eine explosive Eruption ausgelöst, die am Kraterrand einen kleineren Kollaps verursachte. Dabei brach ein heißes Lavapaket ab und wurde durch die explosionsartige Freisetzung der im Inneren eingeschlossenen Gase fragmentiert. Dadurch entstand die Glutwolke aus heißen Gasen, Asche und gröberen Lavafragmenten. Auf den Videoaufnahmen ist gut zu erkennen, wie der Dichtestrom einer Erosionsrinne folgt, entlang derer bei starken Regenfällen Wasser abfließt. Erst in der Nähe der Dombasis trat der Strom über die Begrenzung der Rinne hinaus, stellte jedoch keine Gefahr für die Bewohner der Plantagen am Fuß des Vulkans dar.
Dem aktuellen Bulletin des INSIVUMEH zufolge werden am Lavadom weiterhin kontinuierliche Entgasungen beobachtet. Die Gasfahne steigt bis auf etwa 400 Meter über den Dom auf. Zusätzlich wurden schwache bis mäßige Explosionen registriert, die Gas- und Aschewolken erzeugten, welche bis zu 800 Meter über den Dom aufstiegen.
Während der Nacht und in den frühen Morgenstunden ist im Gipfelbereich des Doms sowie entlang seiner westlichen und südwestlichen Flanken ein deutliches Glühen sichtbar. Dieses steht im Zusammenhang mit wiederkehrenden glühenden Block- und Schuttlawinen, die an diesen Hängen niedergehen.
Aufgrund der anhaltenden Aktivität kann die Bildung weiterer pyroklastischer Dichteströme jederzeit nicht ausgeschlossen werden. Die Bevölkerung und Besucher werden daher aufgefordert, das Gebiet um den Vulkan zu meiden und die bereits kommunizierten Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten.
Darüber hinaus besteht bei stärkeren Niederschlägen im Bereich des Vulkans die Gefahr der Entstehung von Laharen. Besonders gefährdet sind die Abflussrinnen an der Südflanke des Vulkans, darunter die Bachläufe Nimá I, Tambor und Cabello de Ángel. Eine Besteigung des Lavadoms ist ebenso untersagt wie ein Aufenthalt im Tal zwischen dem Santa-María-Vulkan und dem Santiaguito-Domkomplex.
