Vulkanausbruch am Mayon: Zwei größere pyroklastische Ströme

Zwei größere pyroklastische Ströme am Mayon: Anhaltender Vulkanausbruch erreicht neue Intensität

Am Nachmittag des 2. Mai hat der philippinische Vulkan Mayon seine Gefährlichkeit unter Beweis gestellt. Innerhalb weniger Minuten gingen gleich zwei pyroklastische Dichteströme ab, die die Südwestflanke hinabstürzten, diese hinter sich ließen und in Richtung besiedelter Gebiete glitten, allerdings ohne diese zu erreichen. Die Abgänge ereigneten sich um 17:38 Uhr und 17:41 Uhr Ortszeit und wurden u.a. von einem Einsatzteam des Philippine Institute of Volcanology and Seismology dokumentiert.

Die pyroklastischen Ströme entstanden durch den Kollaps eines aktiven Lavastroms in der Mi-isi-Rinne und bewegten sich als extrem heiße Gemische aus Gas, Asche und Gestein mit hoher Geschwindigkeit talwärts. Laut PHIVOLCS erreichten die Ströme eine Distanz von bis zu vier Kilometern, während Aschewolken in west-südwestliche Richtung abdrifteten. Augenzeugen berichteten zudem von massiven, aufsteigenden Aschewolken über dem Vulkan.

Die Aschewolken wurden vom VAAC Tokio registriert und lösten 2 VONA-Warnungen aus, nach denen sich die Eruptionswolken in etwa 3.000 Meter Höhe (Flughöhe 100) nach West-Südwesten ausbreiteten. Satellitendaten bestätigten eine entsprechende Aschewolke über der Region.

Bilder zeigen, dass es zu starkem Ascheniederschlag in mehreren Ortschaften gekommen war. Besonders betroffen sind die Orte Liago City und Guinobatan westlich des Vulkans. Aber auch Legazpi im Süden blieb nicht verschont. Die Asche bedeckt Gebäude, Straßen und Fahrzeuge gleichermaßen und die Menschen versuchen, sich mit Staubschutzmasken zu schützen.

Im Gegensatz zu Lavaströmen bewegen sich pyroklastische Ströme schnell und eine Flucht vor ihnen gelingt nur selten. Das Gefährliche an ihnen ist, dass die Wolken nicht nur aus Vulkanasche bestehen, sondern auf ein glühend heißes Gaskissen zu Tale rasen, was sie nicht nur schnell, sondern auch nahezu geräuschlos macht. Wer in einen pyroklastischen Strom gerät, erleidet schwerste Verbrennungen, die in der Regel zum Tode führen.

Die Abgänge kamen nicht völlig überraschend: Seismische Daten zeigen, dass sich besonders die Steinschlagaktivität in den Stunden zuvor deutlich gesteigert hatte, was auf erhöhten  Magmanachschub und eine sich vergrößernde Instabilität am Dom und entlang der Lavaströme hinwies. Innerhalb von 24 Stunden wurden 376 Steinschlagereignisse registriert. Am Vortag waren es 221. Auch die Anzahl der vulkanisch bedingten Erdbeben war mit 39 Ereignissen höher als am Vortag. Unter diesen Erdbeben befanden sich 21 Tremor-Phasen mit einer Dauer von bis zu 44 Minuten, die registriert wurden. Der Schwefeldioxid-Ausstoß lag am Vortag bei rund 2.147 Tonnen pro Tag.

Die Messungen bestätigen eine kontinuierliche Lavaförderung, die zu aktiven Strömen in mehreren Rinnen führt: bis zu 3,8 Kilometer im Basud-Kanal, 3,2 Kilometer im Bonga-Kanal und 1,6 Kilometer im Mi-isi-Kanal. Zusätzlich wurden episodische strombolianische Explosionen und kurzzeitige Lavafontänen registriert.

Der Vulkan bleibt weiterhin auf Alarmstufe 3, was auf eine verstärkte magmatische Aktivität hinweist. PHILVOLCS warnt vor anhaltender Gefahrenlage und appelliert, das Sperrgebiet mit einem 6-Kilometer-Radius um den Krater nicht zu betreten.