Island: Eruption ist am 23. Juni vorbei

Keine Aktivität mehr am Sundhnukur-Krater – Tremor gefallen

Während die folgende Nachricht für alle Vulkanspotter eine herbe Enttäuschung sein dürfte, ist mit einer gegenteiligen Reaktion bei den Betroffenen bei Grindavik und Svartsengi zu rechnen: Alle Anzeichen sprechen dafür, dass die Eruption an der Sundhnukur-Spalte vorbei ist. Der Ausbruch begann am 29. Mai und dauerte 24 Tage.

Wie IMO berichtet, wurde zuletzt am 21. Juni glühende Schmelze im Krater ausgemacht. Als eine Drohne den Schauplatz gestern überflog, zeigte sich die Lava erstarrt und kühlte weiter ab. Rotglut wurde auch im Umfeld des Kraters nicht mehr gesichtet. Der Lavastrom, dessen Front zuletzt die Befestigungsdeiche bei Svartsengi überwand, begann ebenfalls zu stagnieren und kühlte heute weiter ab. Vereinzelt gibt es noch glühende Stellen, aber viel Bewegung zeigt sich auf dem Lavafeld nicht mehr. Trotzdem kühlt man noch die Lavafront am Damm bei Svartsengi. Der Tremor ist signifikant abgefallen und hat ein normales Niveau erreicht.

Die Bodenhebung bei Svartsengi geht indes weiter. Sie hat sich mit dem Ende der Eruption aber nicht wesentlich beschleunigt und der isländische Vulkanologe Þorvaldur Þórðarson gab in einem MBL-Interview an, dass ca. 3 Kubikmeter Schmelze pro Sekunde in das flach liegende Reservoir unter Svartsengi aufsteigen. Die Rate betrug im November noch ungefähr das Dreifache und wurde von Eruption zu Eruption geringer. Daher stellt sich nun die Frage, ob es an dieser Stelle noch einen weiteren Ausbruch geben wird oder ob die Bodenhebung in den nächsten Wochen einschläft, ohne dass es eine weitere Eruption geben wird. Falls Letzteres eintreten sollte, müssen wir mit einer mehrere Monate andauernden Eruptionspause auf Island rechnen. Dass die Aktivitäten auf der Reykjaneshalbinsel schon ganz vorbei sind, gilt eher als unwahrscheinlich. Die meisten Wissenschaftler rechnen damit, dass sich die Ausbrüche in ein anderes Spaltensystem verlagern werden. Ein guter Kandidat ist das Eldvörp-System westlich von Grindavik.

Was sich im tiefer gelegenen und deutlich größeren Speicherreservoir, dessen Zentrum unter dem Fagradalsfjall vermutet wird, passiert, ist unklar. Bis jetzt gibt es keine Hinweise darauf, dass die Magmenakkumulation gestoppt hätte.



Stromboli: Starkes Lavaspattering speist Lavastrom

Lavaspattering und Lavastrom am Stromboli – Tremor schoss in die Höhe

Der liparische Inselvulkan Stromboli steigerte seine Aktivität weiter, produziert einen Lavastrom, der von starkem Lavaspattering aus dem nördlichsten Förderschlot gespeist wird.

Der Lavastrom besteht aus mehreren Armen, die auf der Außenflanke des Kegels unterwegs sind und in Richtung Sciara del Fuoco fließen. Es gehen Schuttlawinen ab, die über die Feuerrutsche bis ins Meer poltern.

Das INGV brachte eine Notiz heraus, die auf den Lavaüberlauf verweiset. Weitere Informationen stehen aus, wurden aber angekündigt.

Aus den Livedaten wird ersichtlich, dass die Tremoramplitude in die Höhe schoss und weit in den roten Bereich hineinragt. Aktuell fällt sie aber wieder ab. Parallel zur Aktivität steigt auch der Schwefeldioxid-Ausstoß und erreicht kurzzeitig einen Wert von 250 Tonnen am Tag. Die Kohlendioxid-Emissionen lagen laut LGS gestern bei 789 Tonnen am Tag, was als moderat bezeichnet wurde.

Für mich sieht es so aus, als hätte der Vulkan einen Anlauf zu einem Paroxysmus unternommen, der aber nicht einsetzte. Nach den Erdbeben der letzten Wochen hatte ich eine entsprechende Aktivitätssteigerung erwartet, die sich durch wiederkehrende Phasen mit Lavaspattering bereits in den letzten Tagen konkreter ankündigte, wobei das Spattering an sich ja bereits eine Aktivitätssteigerung darstellte.

Der Tremor scheint sich ein gutes Stück unterhalb seines Peaks aber immer noch im roten Bereich, zu stabilisieren und deutet eine Seitwärtsbewegung an. Es ist gut möglich, dass das Spattering mehrere Stunden anhalten wird und der Lavastrom an Länge zulegt. Bei früheren Ereignissen schafften es Lavaströme von solchen Überläufen aus dem Gipfelkrater gelegentlich, die Küste am Fuße der Sciara del Fuoco zu erreichen. Doch meistens wurde Lava solch langer Lavaströme aus Eruptionsspalten gefördert.

Sumatra: Schwarmbeben in der Toba-Caldera

Schwarmbeben erschüttert indonesischen Supervulkan Toba – 52 Erschütterungen innerhalb weniger Stunden

Datum: 22.06.2024 | Zeit: 19:33:44 UTC | Lokation: 2.590 ; 98.660 | Tiefe: 10 km | Mb 3,9

Heute Nacht ereignete sich auf der indonesischen Insel Sumatra ein Schwarmbeben, das sich aus 52 Einzelbeben zusammensetzte. Die stärkste Erschütterung brachte es auf eine Magnitude von 3,9 und hatte ein Hypozentrum in 10 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum wurde 23 km west-südwestlich von Tomok Bolon verortet. Der Ort liegt im Osten der Insel Samosir, die sich im Tobasee befindet, der wiederum den größten Teil der berüchtigten Toba-Caldera füllt. Die Erdbeben ereigneten sich westlich der Insel. Der indonesische Erdbebendienst BMKG und die Medien berichteten über das Schwarmbeben. Die stärkeren Beben konnten von den Anwohnern der Region deutlich wahrgenommen werden, Meldungen über Schäden liegen aber nicht vor.

Laut dem indonesischen Erdbebendienst sollen die Beben im Zusammenhang mit der großen Sumatra-Verwerfung stehen, die westlich der Toba-Caldera verläuft. Bereits im März hatte es im Osten der Caldera ebenfalls einen Erdbebenschwarm gegeben. Bei der Sumatra-Verwerfung handelt es sich um ein System mehrerer Störungen, das sich entlang einer großen Blattverschiebung bildete, die parallel zum Sundagraben verläuft und durch den Südwesten der großen Insel zieht. Die Caldera liegt zwischen zwei Störungen, wobei sich das Schwarmbeben bei genauerer Betrachtung nicht genau auf der Linie einer der Störungen manifestierte.

Bei der Toba-Caldera handelt es sich um den größten Calderavulkan der Welt. Sie misst 100 x 30 Kilometer. Ihre heutige Form erlangte die Caldera infolge eines gewaltigen Vulkanausbruchs, der vor ca. 76.000 Jahren die Menschheit an den Rand der Auslöschung brachte. Bei der stärksten Eruption der letzten 2 Millionen Jahre wurden 2.800 Kubikkilometer Tephra freigesetzt. Der Ausbruch löste die 1000 kältesten Jahre der Würm-Eiszeit aus und reduzierte die junge Menschheit auf wenige tausend Individuen, von denen wir alle abstammen. Ob der Toba-Vulkan noch einmal aktiv werden wird, ist ungewiss. Im Randbereich der Caldera gibt es mehrere normale Vulkane, die bis heute aktiv sind. Einer von ihnen ist der Sinabung, der vor 10 Jahren häufig in den Schlagzeilen stand.

Schweiz: Überflutungen nach Unwettern

Starke Unwetter tobten über Teilen der Schweiz – Mehrere Personen vermisst

Am Freitag und Samstag tobten über Teilen der Schweiz heftige Unwetter mit Gewittern und Starkregen, die zahlreiche Flüsse und Bäche über die Ufer treten ließen. Es kam zu massiven Überflutungen, die starke Schäden verursachten. Mindestens drei Personen gelten als vermisst.

Laut den Wetterdiensten fielen innerhalb von 24 Stunden 125 Millimeter Regen, fast so viel wie sonst im gesamten Monat Juni. Dazu kamen mehr als 7000 Blitzeinschläge.

Besonders betroffen waren die Kantone Graubünden und Wallis, die im Süden der Schweiz liegen. Im Wallis war der beliebte Urlaubsort Zermatt von der Umwelt abgeschnitten, und die Situation wurde als kritisch beschrieben: Erdrutsche und Schuttlawinen blockierten eine wichtige Zufahrtsstraße und die Bahnstrecke, die in den Ort am Fuße des Matterhorns führen. Der Triftbach und die Vispa traten über die Ufer und verursachten Überschwemmungen. Das Ortszentrum war von der Katastrophe nicht betroffen und Touristen dort waren nicht in Gefahr. Allerdings wurden Wanderwege in der umliegenden Bergwelt geschlossen.

Auch anderswo gingen Geröllmassen ab, die Zufahrtswege blockierten und Häuser zerstörten. So wurden im Misoxtal vier Personen verschüttet. Es gab einen Erdrutsch, in dem sich auch metergroße Felsbrocken hangabwärts bewegten. Sie hinterließ eine Spur der Verwüstung und bis zu 4 Meter mächtige Hangrutschmassen. Vier Personen wurden verschüttet. Eine Frau konnte lebend geborgen werden. Drei weitere Opfer gelten als vermisst, wobei ihre Chancen, lebend geborgen zu werden, als gering gelten. Das Misoxtal liegt im Kanton Graubünden, nördlich des Comer Sees. Es wurden 230 Menschen in Sicherheit gebracht und nur Einsatzkräfte durften das Tal betreten. Die Bevölkerung wurde gewarnt, Keller und Tiefgaragen zu betreten, da Sturzflutgefahr herrschte. Es kollabierte auch ein 200 Meter langes Stück der Autobahn A 13.

Hochwasseralarm galt auch entlang der Rhone, die durch den Genfer See fließt. Die Unwetter machten natürlich nicht an der Schweizer Grenze halt und so waren auch italienische und französische Nachbarregionen betroffen.

Im Norden der Schweiz fielen die Niederschläge nicht ganz so heftig aus, dennoch galt hier aufgrund des Hochwasserrisikos die Warnstufe 4 auf einer 5-stufigen Skala. Betroffen war hier abermals die Bodenseeregion.

Nyiragongo mit Eruption im Krater

Thermische Anomalie und rot illuminierte Dampfwolken am Nyiragongo

Im Krater des kongolesischen Vulkans Nyiragongo scheint eine Eruption im Gang zu sein. Seit Tagen gibt es immer wieder thermische Anomalien, die von den Sentinel-Satelliten detektiert werden. Aktuell erreicht die Thermalstrahlung eine Leistung von 106 Megawatt, doch für gewöhnlich behindern dichte Dampfwolken die Ermittlung des exakten Strahlungswertes, der sehr wahrscheinlich deutlich höher ist. Auf einem Copernicus-Bild vom 15. Juni erkennt man eine ausgeprägte thermische Anomalie, die im Infrarotspektrum visualisiert wird. Sie geht nicht nur vom zentralen Kraterbereich aus, sondern auch von den Hängen des Kraters, so dass man vermuten kann, dass hier Lavaströme unterwegs sind. Vielleicht haben sich wieder Hornitos gebildet, so wie es vor dem Auslaufen des letzten Lavasees sporadisch vorkam. Im Schlotbereich scheint sich Lava zu akkumulieren. Ob es sich hier um einen neuen Lavasee handelt, ist ungewiss, aber nicht unwahrscheinlich. Neben den Daten der Fernerkundung wurden jüngst Fotos in den sozialen Medien geteilt, die die Silhouette des Vulkans zeigen und wahrscheinlich von umliegenden Dörfern oder sogar von Goma aus gemacht wurden. Sie zeigen eine rot illuminierte Dampfwolke aus dem Krater aufsteigen, die auf eine größere Menge Lava im Krater hindeutet.

Intracaldera-Eruption am Nyamuragira

Der Nyiragongo ist kein solitärer Vulkan, der einsam in der Landschaft rumsteht, sondern gehört zu den Virunga Vulkanen, die aus sieben Feuerbergen bestehen. Sein direkter Nachbar ist der Nyamuragira, der ebenfalls in Eruption begriffen ist. Sein Krater zeigt sich auf dem jüngsten Copernicus-Foto vom 20. Juni, und man sieht hier ebenfalls eine thermische Anomalie (der Krater des Nyiragongos war zu dieser Zeit leider in Wolken gehüllt), die erahnen lässt, dass es hier in den letzten Tagen einen größeren Lavastrom gegeben hat, der in der Caldera unterwegs gewesen ist. Aktuell ist nur noch ein Hotspot im Schlotbereich zu sehen.

Griechenland: Erdbeben M 4,8 vor Kreta

Moderates Erdbeben der Magnitude 4,8 unter dem Meer südwestlich vor Kreta

Datum: 21.06.2024 | Zeit: 06:09:22 UTC | Lokation: 34.940 ; 23.500 | Tiefe: 38 km | Mb 4,8

Vor der griechischen Insel Kreta manifestierte sich gestern ein Erdbeben der Magnitude 4,8. Das Epizentrum wurde 36 km südsüdwestlich von Palaióchora verortet. Hierbei handelt es sich um einen Ort an der Südwestküste der griechischen Insel. Das Hypozentrum befand sich in 38 Kilometern Tiefe, was der Grund dafür sein dürfte, dass dem EMSC keine Wahrnehmungsmeldungen vorliegen, obwohl der Erdstoß deutlich oberhalb der Wahrnehmungsschwelle von M 3,0 lag. Es folgten 7 schwächere Erdbeben.

Tektonisch betrachtet stand der Erdstoß mit der Subduktion Afrikas unter Europa in Verbindung und manifestierte sich an einem Stück subduzierter Erdkruste, die entlang des Hellenischen Grabens in den Erdmantel abtaucht. Durch diesen Prozess entstehen Spannungen, die sich in Erdbeben entladen.

Erdbeben nördlich von Kreta

Doch nicht nur vor der Südküste von Kreta bebte es, sondern auch vor der Nordküste. Hier gab es mehrere schwache bis moderate Erschütterungen, von denen die Stärkste eine Magnitude von 3,8 aufwies und ein Erdbebenherd in 15 Kilometern Tiefe hatte. Das Epizentrum befand sich 59 km nord-nordöstlich von Heraklion. Bis zur Vulkaninsel Santorini sind es etwa 80 Kilometer. In dieser Region der Ägäis gab es in den letzten Wochen öfter Erdbeben. Zuletzt hatte ich Ende April davon berichtet. Die Erdbeben scheinen sich nicht weiter zur Erdoberfläche zu bewegen, so dass die Vermutung naheliegt, dass es sich um rein tektonisch bedingte Erdbeben handelt, die nicht im Zusammenhang mit magmatischen Fluiden stehen. Am wahrscheinlichsten ist die Aktivierung einer lokalen Störungszone.

Auf der Vulkaninsel Santorin ist es bislang zu keiner erkennbaren Aktivitätssteigerung gekommen, obgleich die Bebentätigkeit im gesamten Mittelmeerraum hoch ist, wie man an der Shakemap erkennt, die die Bebentätigkeit der letzten 2 Wochen visualisiert. Offenbar bauen zahlreiche schwache bis moderate Beben die Spannungen ab, die durch die Plattenkollision entstehen, so dass stärkere Erdbeben ausblieben.

Stromboli: Hoher Aktivitätsindex nach Erdbeben

Stromboli zeigt nach Erdbeben gesteigerte Aktivität – Hoher Explosionsdruck registriert

Dass es am Stromboli ein schwaches Erdbeben der Magnitude 1,5 gegeben hat, das sich gestern Morgen in 2 Kilometern Tiefe unter der Gipfelregion manifestierte, hatte ich bereits kurz erwähnt. Noch nicht beschrieben hatte ich die Aktivitätssteigerung, die mit der Erschütterung einher ging: Bereits in den Stunden vor dem Erdbeben kam es zu einem kurzweiligen Lavaüberlauf aus dem Krater. Sowie zu einer Steigerung des akustischen Explosionsdrucks, der bis auf 2,9 Bar anstieg. Aus einem LGS-Bulletin vom 21. Juni geht hervor, dass es in den 24 Stunden zuvor zu 455 thermischen Durchgängen gekommen war, die nicht nur auf zahlreiche Explosionen hindeuteten, sondern auch auf Lavaspattering. Intensives Lavaspattering aus dem nördlichsten Schlot des Kraters deutete schon früher auf eine allgemeine Aktivitätssteigerung des Strombolis hin, die nicht selten in Phasen gipfelte, in denen man häufig Lavaströme auf der Sciara del Fuoco sehen konnte. Manchmal kam es bei solchen Gelegenheiten auch zu pyroklastischen Strömen und Paroxysmen. Doch das Lavaspattering kann auch für sich auftreten, ohne dass es zu einer weiteren Aktivitätssteigerung kommen muss.

Nicht nur die sichtbare Aktivität hat sich erhöht, sondern auch Seismizität und Tremor. Es gibt bis zu 20 VLP-Erdbeben pro Stunde und der Tremor bewegt sich im oberen orangenen Bereich mit Peaks ins Rote. Der Schwefeldioxidausstoß wird als moderat beschrieben und lag zuletzt bei 102 Tonnen am Tag. Die Werte zum Kohlendioxid-Ausstoß konnten nicht erfasst werden. Es gab thermische Anomalien von bis zu 31 MW Leistung. Die Steinschlagaktivität soll gering gewesen sein, wobei ich manchmal so meine Zweifel habe, ob die erfassten Werte der Realität entsprechen, denn via Livecam kann man an manchen Tagen mehr Steinschläge und Schuttlawinenabgänge beobachten, als angegeben wird. Das LGS (Laboratorio Geofisica Sperimentale mit Sitz in Florenz) attestiert dem Stromboli eine hohe Aktivität.

Island: Kampf gegen Lava bis in die Nacht

Keine Lava mehr am Krater sichtbar – Einsatzkräfte kämpften gegen Lavastrom

Die Situation im isländischen Eruptionsgebiet auf Reykjanes ist aufgrund des schlechten Wetters heute Morgen unklar. Bevor das Wetter umschlug, konnte man bis ca. 21:30 Uhr (Ortszeit) via Livecam verfolgen, wie die Einsatzkräfte in der Nähe des Geothermalkraftwerks Svartsengi weiterhin gegen die Lava kämpften. An zwei Stellen drang der Lavastrom über den Schutzdeich am Fuß der vulkanischen Erhebung Sylignafell. Die Lava trat nahe am Grindavíkurvegur über den Deich und man versuchte mit allen Mitteln zu verhindern, dass sie die Straße überquerte. Auf der anderen Straßenseite liegen Dampfleitungen und ein Bohrloch des Kraftwerks, das sich nur wenige hundert Meter entfernt befindet. Sollte das Kraftwerk beschädigt oder sogar zerstört werden, wäre das für Grindavík und andere Orte der Halbinsel fatal, denn sie erhalten Strom und Fernwärme von dort. Entsprechend groß ist der Einsatz, den die Isländer im Kampf gegen die Lava leisten.

Ganz so schlecht stehen die Chancen nicht, dass sie den Kampf vorerst gewinnen werden, denn es sieht so aus, als hätte der Lavanachschub, der vom Krater auf der Sundhnúkur-Spalte ausging, gestoppt. Während gestern noch Bilder vom Vortag auftauchten, die Lava am Boden des Kraters und des Beckens an seiner Basis dokumentierten, belegen aktuellere Aufnahmen, dass dort gestern Nachmittag keine Schmelze mehr zu sehen war. Allerdings ist ein Vulkanausbruch ein dynamischer Prozess und heute Nacht konnte man via Livecam durch den Nebel hindurch etwas Lava sehen, die am Kraterrand austrat.

Der Tremor befindet sich im wichtigen Frequenzband 2-4 Hz auf Talfahrt, und es sieht tatsächlich so aus, als hätte sich die Lavapumpe abgeschaltet. Dennoch scheint es noch unterirdische Vibrationen zu geben, die in tieferen Frequenzen schwingen. Daher lässt sich noch nicht sagen, ob die Eruption vorbei ist oder nur pausiert. Doch bei keiner der Eruptionen an der Sundhnúkur-Spalte setzte eine pulsierende Tätigkeit ein, wie wir sie während der ersten Fagradalsfjall-Eruption erlebt haben. Nichtsdestotrotz kann der Lavastrom bei Svartsengi noch eine Weile weiter fließen, denn er wird wahrscheinlich von sekundären Magmenakkumulationen bei Sylignafell gespeist.

Ätna: Erdbebenaktivität nimmt im Juni zu

Strombolianische Eruptionen aus der Voragine gehen weiter – Erdbebenaktivität nimmt leicht zu

Der Ätna auf Sizilien erzeugt weiterhin milde strombolianische Eruptionen aus einem neuen Schlot, der sich vor einer Woche auf der Innenseite des Kraterhangs gebildet hatte. Der Schlot zeigte in den letzten Tagen eine interessante Evolution: Er begann zunächst als beindickes Rohr, erweiterte sich dann zu einem kleinen Riss mit 4 Öffnungen, die sich nun zu einem richtigen Schlot erweitert haben. Aus ihm werden glückende Lapilli und größere Brocken gefördert, die mehrere zehner Meter über den Kraterrand hinaus ausgeworfen werden. Dieser ist noch zugänglich und die Bergführer steigen mit ihren Touristengruppen hoch, um sich das Naturschauspiel aus nächster Nähe anzugucken.

Paradoxerweise hat die Tremoramplitude in den letzten Tagen wieder abgenommen und ist bis in den oberen grünen Bereich zurückgegangen. Eher ungewöhnlich für Phasen mit strombolianischer Tätigkeit. Leicht zugenommen hat hingegen die Seismizität und in den letzten Tagen gab es wieder mehrere schwache Erdbeben. Zu diesen Erdbeben gehört ein kleiner Erdbebenschwarm, der sich im Bereich der Ostflanke manifestierte. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 1,2 und lag in der Nähe vom Monte Centenari im Valle del Bove. Tatsächlich gab es im unteren Randbereich des Tals einen kleinen Erdrutsch am Monte Zoccolaro und der beliebte Wanderweg zum Aussichtspunkt am Rand des Valle del Bove mit Blick auf den Ätnagipfel musste gesperrt werden. Die Hitzewelle, die Sizilien fest im Griff hat, soll für den Erdrutsch zumindest mitverantwortlich sein.

Erdbeben gibt es aktuell auch an den beiden anderen sizilianischen Vulkanen Vulcano und Stromboli, die als aktiv eingestuft werden. Im Bereich von Vulcano wurden innerhalb von 10 Tagen 7 Erschütterungen detektiert. Neu hinzugekommen ist auch ein Beben unter dem Gipfelbereich von Stromboli. Dieses Beben hatte eine Magnitude von 1,5 und manifestierte sich in 2 Kilometern Tiefe. Gestern kam es zu einem kleineren Lavaüberlauf aus dem Nordteil des Kraters und die Tremoramplitude stieg bis in den roten Beriech. Mit einer weiteren Aktivitätszunahme ist zu rechnen.