Island: 115 Erdbeben innerhalb von 2 Tagen

Zahlreiche Beben auf Island und speziell Reykjanes registriert – stärkstes Beben Mb 3,0

Auf Island hat es innerhalb von 48 Stunden 115 Erschütterungen gegeben. Die meisten davon auf der Reykjaneshalbinsel, wo 72 Erschütterungen registriert wurden – nur 2 der Beben trafen das Svartsengigebiet, wo die Bodenhebung mit ca. 1 mm pro Tag weitergeht und nach wie vor ein Vulkanausbruch jederzeit einsetzen könnte. Das stärkste Beben mit einer Magnitude von 3,0 (EMSC) manifestierte sich vor der Südwestspitze von Reykjanes, nahe der kleinen Insel Eldey.

Island. © EMSC/Leaflet

Viele der Erdbeben gab es bei Krysuvik und anderen Spaltensystemen auf Reykjanes. In den letzten Tagen wurde auch vermehrt die Gegend um Selfoss im Süden der Hauptinsel erschüttert. Obwohl die Hekla nicht fern ist, werden diese Beben tektonischen Ursprungs gewesen sein, denn in der Region gibt es markante Störungszonen.

Einige Erschütterungen wurden im Bereich der Askja detektiert, wo die Bodenhebung wahrscheinlich ebenfalls anhält, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als zu Beginn der Hebungsphase in 2021. Auch hier könnte es ohne langes Vorspiel zu einer Eruption kommen.

Ein wenig aus dem Fokus geraten ist die Seismizität im Bereich des Grjotarvatn bei Borganes am Rand der Snæfellsnes-Halbinsel Hier ereigneten sich binnen 2 Tagen 13 Erschütterungen. Seit einiger Zeit vermuten Geoforscher, dass hier das Ljósufjöll-Vulkansystem zu neuem Leben erwachen könnte, da hier neben den Erdbeben auch eine leichte Bodenhebung festgestellt wurde.

Weitere Kandidaten potenzieller Eruptionen auf Island sind Grimsvötn und Bardarbunga – beide liegen unter dem Vatnajökull – sowie Katla unter dem Myrdalsjökull und die westlich davon gelegene Hekla. Doch bei keinem der genannten Vulkane sind die Anzeichen eines bevorstehenden Ausbruchs so ausgeprägt wie bei Svartsengi und der Sundhnukur-Kraterreihe, wo man das 10. Ereignis seit 2023 erwartet. Bis zum Herbst war ich mir sicher, dass zeitnah ein Ausbruch erfolgen wird, doch mit der Abnahme der Bodenhebegeschwindigkeit ist diesbezüglich eine gewisse Unsicherheit eingekehrt. Wenn der Druck im Speichersystem zu langsam ansteigt, besteht die Möglichkeit, dass die nötige Schwelle zum Einsetzen einer Eruption nicht erreicht wird.

Island: Erdbeben und Bodenhebung am 03.01.2026

Erdbeben Mb 4,2 unter Bardarbunga auf Island – Bodenhebung bei Svartsengi hält an

Die Erdbebenaktivität auf Island ist in den letzten Tagen wieder deutlich höher als in den Wochen zuvor. Am Neujahrstag ereignete sich unter dem subglazialen Vulkan Bardarbunnga ein Erdbeben der Magnitude 4,2. Es hatte eine Herdtiefe von etwa 10 Kilometern und lag westlich der Caldera. Es war der stärkste Erdstoß in diesem Bereich seit Oktober vergangenen Jahres. Das Beben wurde deutlich wahrgenommen und löste mehrere schwächere Nachbeben aus.

Erdbeben. © IMO

Auch heute kam es zu weiteren Erdstößen im Bereich des mächtigen Zentralvulkans, der sich direkt über dem Zentrum des Island-Mantelplumes befindet. Der etwas weiter südlich gelegene Grímsvötn wurde ebenfalls von schwachen Erdbeben erschüttert. Hier zeigt die GNSS-Messstation in der zweiten Dezemberhälfte einen scharfen Anstieg, dem ein ebenso schneller Rückgang folgte, sodass unterm Strich kaum eine dauerhafte Bodenverformung verblieb. Dennoch stehen beide Vulkane ganz weit oben auf der Liste potenziell eruptiver Vulkane, die in den kommenden Jahren auf Island aktiv werden könnten.

Zu diesen Feuerbergen zählt auch die Askja. Zwar liefern die GNSS-Stationen aufgrund der Schneebedeckung aktuell keine Daten, doch auf Jahressicht hob sich der Boden hier um etwa 90 Millimeter. Damit hat sich die Bodenhebung im Vergleich zu den Vorjahren weiter verlangsamt, doch seit Beginn der Hebungsphase im Herbst 2012 stieg das Gelände insgesamt um fast 900 Millimeter an. Im Untergrund hat sich mehr als genug Magma angesammelt, um eine kräftige Eruption zu ermöglichen.

Ähnlich stellt sich die Situation im Svartsengi-Gebiet auf der Reykjanes-Halbinsel dar. Auch hier ist ausreichend Schmelze im Untergrund vorhanden, um jederzeit eine Eruption auszulösen. Die Vorwarnzeit könnte dabei nur wenige Minuten betragen, weshalb in diesem Areal höchste Wachsamkeit geboten ist. Unmittelbar vor einer Eruption würde vom Zentrum der sich öffnenden Spalte aus Dampf aufsteigen. Es gilt jedoch keinesfalls als sicher, dass es erneut bei Sundhnúkur zu einer Eruption kommen wird, da sich die eruptive Aktivität auch verlagern könnte. Der Anstieg der Bodenhebung bei Svartsengi – wo sich der flache Magmenkörper befindet, der die Eruptionen entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe speiste – hat sich weiter abgeschwächt, und es werden kaum Erdbeben in diesem Gebiet registriert. Dafür nahm in den vergangenen 48 Stunden die Erdbebenaktivität bei Fagradalsfjall und Krýsuvík zu. Signifikante Bodendeformationen sind dort derzeit jedoch nicht zu beobachten.

Island: Erdbeben am Kleifarvatn

Erdbeben Mb 3,3 beim Kleifarvatn – erhöhte Aufmerksamkeit an der Sundhnúkur-Kraterreihe

Ein Erdbeben der Magnitude 3,3 hat in der Nacht zum Samstag die Region um den Kleifarvatn des Kysuvik-Spaltensystems im Südwesten Islands erschüttert. Das Beben ereignete sich kurz vor 2 Uhr Ortszeit und war in mehreren Ortschaften deutlich zu spüren, darunter in Hafnarfjörður und Akranes. Das Epizentrum lag in einem bekannterweise tektonisch aktivem Gebiet, in dem es regelmäßig zu Erdbeben kommt.

Erdbeben

Nach Angaben des Isländischen Wetterdienstes (IMO) folgte dem Hauptbeben ein Nachbebenschwarm. Bekanntermaßen kommt es hier zu Bodendeformationen, die mit unterirdischen Fluidbewegungen im Zusammenhang stehen könnten.

Geowissenschaftler betonen, dass das Ereignis für diese Region nicht außergewöhnlich ist und nicht direkt mit vulkanischer Aktivität in Verbindung steht. Gerade weil sich das Erdbeben in relativer Nähe zu besiedelten Gebieten ereignete, wurde es von vielen Menschen wahrgenommen und sorgte für Aufmerksamkeit.

Während das Beben bei Kleifarvatn als normales Ereignis eingestuft wird, richtet sich der Blick der Forscher weiterhin auf die Lage an der Sundhnúkur-Kraterreihe nahe Svartsengi. Dort hält die langsame, aber stetige Ansammlung von Magma an. Der Prozess der Magmenakkumulation lässt die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Vulkanausbruchs weiter ansteigen.

Nach Einschätzung des IMO verläuft die Magmaansammlung derzeit ruhig und ohne deutliche Beschleunigung. Gerade diese langsame Entwicklung erschwert jedoch genaue Prognosen: Je gleichmäßiger sich Magma ansammelt, desto größer ist die Unsicherheit über den Zeitpunkt einer möglichen Magmaintrusion oder eines Ausbruchs. Diese Unsicherheit kann sich über mehrere Monate erstrecken.

Die seismische Aktivität im Bereich Sundhnúkur bleibt derweil gering. In den vergangenen Wochen wurden nur wenige, überwiegend schwache Erdbeben registriert. Die offizielle Gefahreneinschätzung wurde daher nicht geändert, und die bisherige gilt weiterhin.

Katla: Studie weist Eruption silikatreicher Lava nach

Neue Studie liefert Hinweise auf bislang unbekannte Ausbrüche der Katla – wichtige Erkenntnisse für die Gegenwart

Eine neue geowissenschaftliche Untersuchung zeigt, dass der isländische Vulkan Katla, der noch heute unter dem Gletscher Mýrdalsjökull verborgen liegt, am Ende der letzten Eiszeit deutlich aktiver war als bisher angenommen. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Reykjavik konnten an zwei Nunataks (Felseninseln im Eis) am Rand des Mýrdalsjökull erstmals silikatreiche vulkanische Ablagerungen in Form von Rhyolith nachweisen. Diese könnten die Quelle der berühmten Vedde-Ascheschicht sein, die in weiten Teilen Nordeuropas und des Nordatlantiks vorkommt und als wichtiges stratigraphisches Leithorizont gilt. Ein Zusammenhang mit Katla wurde lange vermutet, doch direkte Belege fehlten bislang.

Der Katla zählt zu den mächtigsten aktiven Zentralvulkanen Islands. Er besteht überwiegend aus Basalt, eruptierte aber oft explosiv und liegt nahezu vollständig unter dem Eis des Mýrdalsjökull. Gerade diese Kombination aus heißem Magma und massivem Gletscher macht ihn potenziell gefährlich: Schmelzwasser kann bei einem Ausbruch explosive Eruptionen verstärken und katastrophale Gletscherläufe (Jökulhlaups) auslösen, die große Teile der Südküste bedrohen. Historische Ausbrüche haben gezeigt, wie rasch solche Flutwellen ganze Landstriche verwüsten können.

Die neuen Erkenntnisse in Bezug auf die Eruption silikatreicher Laven sind aus mehreren Gründen bedeutsam: Zum einen belegen sie, dass die Magmenentwicklung der Katla komplexer als bisher angenommen ist und dass explosive Eruptionen nicht ausschließlich unter Einfluss von Schmelzwasser zustande kamen, sondern direkt durch zähflüssige rhyolithische Schmelze ausgelöst wurden. Zum anderen datiert die Studie diese Ablagerungen mit Hilfe der Argon-Argon-Methode auf etwa 12.000 Jahre. Damit fallen die Eruptionen genau in die Phase des raschen Gletscherschwunds am Ende der letzten Eiszeit. Das stützt die Hypothese, dass eine abnehmende Eismasse den Druck auf die Erdkruste reduziert und dadurch vulkanische Aktivität begünstigen kann.

Warum wurden diese wichtigen Proben erst jetzt entdeckt? Viele der Ablagerungen lagen jahrtausendelang unter hunderten Metern dickem Eis. Erst die aktuell beschleunigte Gletscherschmelze und der damit einhergehende Rückzug des Mýrdalsjökull haben die nun beprobten Aufschlüsse freigelegt. Zudem waren die exponierten Nunataks Enta und Klakksfjöl früher schwer zugänglich; erst heutige Logistik, präzise Kartierungstechnik und gezielte Forschungskampagnen ermöglichten systematische Untersuchungen.

Die Studie erweitert damit nicht nur das Bild der vulkanischen Vergangenheit Islands, sondern liefert auch Hinweise darauf, wie Klimaänderungen und Vulkanismus zusammenwirken – ein Thema, das für die Zukunft des Katla aktueller ist denn je.

Quelle: Cole, R. P., Gudmundsson, M. T., Jicha, B. R., Gallagher, C. R., Högnadóttir, Þ., Guðmundsdóttir, E. R., Óskarsson, B. V., White, J. D. L. & Larsen, G. (2025). Proximal products of ~12 ka silicic explosive–effusive eruptions at Katla volcano: implications for volcano–glacier interactions and paleoenvironment. Bulletin of Volcanology, 87, 117.
https://doi.org/10.1007/s00445-025-01912-2 – Lizenz: Open Access unter Creative Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0).

Island: Erdbeben Mb 3,3 bei Hrafntinnusker

Blick von Hrafntinnusker in Richtung Katla. © Marc Szeglat

Erdbeben Mb 3,3 erschüttert Islands Hochland bei Hrafntinnusker – geologisch sensible Region in der Torfajökull-Caldera

In der Nacht zum 20. Dezember registrierten seismische Messstationen im südlichen Hochland Islands ein Erdbeben der Magnitude 3,3 mit einer Herdtiefe von nur 100 Metern. Das Epizentrum lag bei Hrafntinnusker, etwa acht Kilometer südwestlich von Landmannalaugar, innerhalb der Torfajökull-Caldera. Nach Angaben der isländischen Meteorologiebehörde folgten mehrere kleinere Nachbeben. Meldungen über spürbare Erschütterungen in bewohnten Gebieten liegen nicht vor.

Erdbeben dieser Stärke kommen in der Region immer wieder vor, sind aber nicht an der Tagesordnung. Zuletzt ereignete sich dort im Juli 2023 ein vergleichbarer Erdstoß. Die Beben spiegeln die komplexe geologische Struktur der Gegend wider, die ich für eine der faszinierendsten Islands halte.

Die Torfajökull-Caldera unterscheidet sich deutlich von den meisten isländischen Vulkansystemen. Während Island überwiegend von basaltischem Vulkanismus geprägt ist, dominiert hier rhyolithisches, stark kieselsäurereiches Gestein. Diese Magmen sind zähflüssiger und potenziell explosiver. Gleichzeitig beherbergt die Caldera eines der aktivsten Hochtemperatur-Geothermiegebiete des Landes. Die Wechselwirkung von unterirdischen Magmaakkumulationen, zirkulierendem Grundwasser und stark zerklüftetem Gestein führt regelmäßig zu Spannungsumlagerungen, was ein häufiger Auslöser lokaler Erdbeben ist.

Tektonisch liegt das Gebiet entlang des Ostarms der isländischen Hauptstörungszone, die den Mittelatlantischen Rücken an Land fortsetzt. Hier driften die nordamerikanische und die eurasische Platte auseinander, begleitet von Dehnung, Bruchbildung und magmatischer Intrusion. Diese Struktur macht das südliche Hochland besonders anfällig für seismische Aktivität.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält das Beben durch die relative Nähe zum Katla-Vulkansystem, einem der aktivsten und potenziell gefährlichsten Vulkane Islands. Zwar besteht nach Einschätzung der Vulkanologen kein direkter Zusammenhang zwischen dem aktuellen Erdbeben und einer möglichen Aktivitätszunahme der Katla, doch verdeutlicht das Ereignis die enge Verzahnung tektonischer und vulkanischer Prozesse in dieser Region.

Das markanteste Merkmal von Hrafntinnusker ist der kleine Gletscher, der teilweise ein Geothermalfeld bedeckt. Das Zusammenspiel von Erdwärme und Eis hat faszinierende Eishöhlen geschaffen, aus denen dampfende Fumarolen austreten. Hrafntinnusker ist nur über einen ganztägigen Fußmarsch von Landmannalaugar aus erreichbar. Der Weg führt durch die bunte Rhyolith-Landschaft von Brennisteinsalda durch die Torfajökull-Caldera und eröffnet an klaren Tagen beeindruckende Blicke auf den Mýrdalsjökull mit der Katla.

Island: Erdbeben unter Vatnajökull nehmen zu

Erdbeben auf Island:  Mb 3,4 unter Bárðarbunga – Mb 3,0 am Hamarin

Nach einigen Tagen mit geringer Erdbebenaktivität unter Island nimmt diese seit dem Wochenende wieder zu. Der zuvor beobachtete Rückgang der Seismizität könnte allerdings auf schlechtes Wetter zurückzuführen sein, da unter solchen Bedingungen vor allem stärkere Erdbeben von den Seismometern registriert werden.

Erdbeben Island. © IMO

Seit Sonntag traten unter dem Vatnajökull zwei Erdbeben mit Magnituden im Dreierbereich auf. Am Sonntagabend ereignete sich ein Erdstoß der Magnitude Mb 3,0 am Hamarin, der sich nahe dem Westrand des Gletschers befindet. Das Beben war Teil eines Schwarmbebens mit insgesamt zwölf Erschütterungen, das bis heute anhält. Das stärkere Ereignis erhielt keinen grünen Stern. Hamarin wird dem Bárðarbunga-System zugeordnet, liegt jedoch außerhalb der Caldera. Zwischen Juni und November wurde dort eine Bodenhebung von etwa fünf Zentimetern gemessen, die inzwischen stagniert.

Gestern Mittag kam es direkt unter der Bárðarbunga-Caldera zu einem weiteren Erdstoß der Magnitude Mb 3,4 mit einer sehr geringen Herdtiefe von nur rund 100 Metern. Eine öffentlich zugängliche GNSS-Messstation direkt an der Bárðarbunga existiert nicht, doch die Stationen am Rand des Gletschers zeigen leichte Bodendeformationen. Den dort gemessenen Werten ist jedoch stets mit einer gewissen Skepsis zu begegnen. Laut den Vulkanologen des IMO wird allerdings bereits seit längerer Zeit eine Bodenhebung detektiert, was darauf hindeutet, dass sich der Vulkan weiterhin auf seine nächste Eruption vorbereitet.

Insgesamt wurden unter dem Vatnajökull innerhalb von 48 Stunden 34 Erdbeben registriert.

Auf dem Reykjanes Ridge vor der gleichnamigen Halbinsel im Südwesten Islands ereignete sich gestern ein Erdbeben der Magnitude 3,2. Das Hypozentrum lag in etwa zehn Kilometern Tiefe, das Epizentrum rund elf Kilometer südwestlich von Eldeyjarboði. Auf der Halbinsel selbst wurden nur wenige Erschütterungen registriert, obwohl die Wetterbedingungen am Morgen nicht optimal vorhergesagt waren.

Die jüngsten GNSS-Messungen bei Svartsengi deuten auf eine leichte Subsidenz hin, die jedoch möglicherweise erneut auf Messunsicherheiten zurückzuführen ist. Insgesamt hat sich die Geschwindigkeit der Bodenhebung, insbesondere in den Randbereichen der Hebungszone, deutlich verlangsamt. Es scheint derzeit weniger Magma aus dem tiefen Speichersystem in flachere Bereiche aufzusteigen als noch im Sommer. Zunehmend stellt sich daher die Frage, ob der Druck im Magmaspeicher diesmal noch ausreichen wird, um eine neue Eruption auszulösen.

Island: Neubewertung der Gefahrenlage am 10. Dezember

Gefahrenlage bei Svartsengi auf Island wurde neu bewertet – längste Eruptionspause seit Beginn der Serie

Auf der isländischen Halbinsel Reykjanes ist es aus seismischer Sicht in den letzten Tagen recht ruhig gewesen, was daran liegen kann, dass aufgrund von Schneefällen Erdbeben mit geringen Magnituden von den Seismometern nicht registriert werden konnten. Die Bodenhebung im Svartsengi-Gebiet setzt sich seit einer Verringerung der Hebegeschwindigkeit Anfang November vergleichsweise konstant fort und ist auf einem Niveau angelangt, an dem jederzeit mit einer Eruption zu rechnen ist. Turnusgemäß veröffentlichte IMO gestern einen neuen Bericht zur Gefahreneinschätzung. Die Details lest Ihr unten, wenn ihr wollt. Im Großen und Ganzen hat sich gegenüber der letzten Einschätzung vom 25. November nichts geändert.

Bodenhebung

Die jüngste Gefahreneinschätzung des Isländischen Meteorologischen Amtes (IMO) bestätigt, dass die vulkanische Situation auf der Reykjanes-Halbinselangespannt bleibt auch wenn akute Anzeichen eines unmittelbar bevorstehenden Ausbruchs derzeit fehlen. Grund für die Anspannung ist die weiterhin anhaltende, wenn auch langsame Magmaakkumulation unter dem Vulkansystem Svartsengi. Dieser Prozess hält die Wahrscheinlichkeit weiterer Ereignisse wie Intrusionen oder Eruptionen aufrecht.

Nach Angaben des IMO verläuft die Magmaansammlung in den vergangenen Wochen stabil, wenn auch deutlich langsamer als noch im Sommer. Seit dem letzten Ausbruch im Juli wurden mehr als 17 Millionen Kubikmeter Magma registriert. Damit erreicht das aktuelle Volumen den fünftgrößten Wert seit Beginn der Messreihen im Dezember 2023. Frühere Modellierungen zeigen, dass seit März 2024 die für einen neuen Magmaaufstieg nötige Menge gestiegen ist und nun typischerweise zwischen 17 und 23 Millionen Kubikmetern liegt.

Diese Entwicklung steht im Einklang mit Einschätzungen von Benedikt Ófeigsson vom isländischen Wetterdienst, der bereits zuvor betonte, dass die Magmazufuhr zwar anhalte, die langsame Akkumulationsrate jedoch zu größerer zeitlicher Unsicherheit führe. Demnach kann ein neuer Ausbruch durchaus stattfinden, doch der Zeitpunkt bleibt schwer vorherzusagen – möglicherweise liegen noch Monate dazwischen.

Die seismische Aktivität bleibt dagegen schwach. In den vergangenen zwei Wochen wurden lediglich zwölf kleine Erdbeben zwischen Stóri Skógfell und Grindavík gemessen. Dieses geringe Bebenaufkommen deutet darauf hin, dass derzeit kein unmittelbarer Druckanstieg erfolgt, der auf einen baldigen Durchbruch des Magmas hinweisen würde.

Die Gefahreneinschätzung des IMO bleibt vorerst unverändert und gilt bis zum 6. Januar. Gleichzeitig weist die Behörde darauf hin, dass die Wetterbedingungen der kommenden Tage die Sensitivität von Messinstrumenten beeinflussen könnten. Regen und starke Winde könnten insbesondere die Genauigkeit von GPS-, Glasfaser- und seismischen Messungen beeinträchtigen. Das könnte eine extrem kurz Vorwarnzeit im Falle eines neuen Ausbruchs bedingen.

Island: Erdbeben Mb 5,0 am Reykjanes-Ridge

Mittelstarkes Erdbeben Mb 5,0 erschüttert Reykjanes-Ridge bei Island – bis jetzt keine Auswirkungen auf Svartsengi

Am Morgen des 9. Dezember 2025 ereignete sich in der Region südwestlich von Reykjavík ein Erdbeben der Magnitude 5,0. Der Erdstoß mit einer Tiefe von etwa 10 Kilometern wurde um 10:12 Uhr UTC registriert und lag rund 328 Kilometer süd-südwestlich der isländischen Hauptstadt sowie etwa 286 Kilometer südwestlich von Grindavík. Trotz der Stärke des Erdbebens gibt es bislang keine Wahrnehmungsmeldungen, da das Epizentrum offshore und weit entfernt von besiedelten Regionen liegt.

Erdbeben Reykjanes-Ridge. © EMSC

Das Erdbeben manifestierte sich an jenem Teil des Mittelatlantischen Rückens, der als Reykjanes-Ridge bekannt ist: hierbei handelt es sich um jenen Teil des submarinen Gebirges, der bei Island aus der Tiefe des Ozeans aufsteigt und die gleichnamige Halbinsel bildet, auf der wir seit 2021 die intensive vulkanische Aktivität sahen. Die Insel liegt genau auf dem divergenten Mittelatlantischen Rücken, jener kontinentalen Naht, an der die Eurasische und die Nordamerikanische tektonische Platte auseinanderdriften. Dieses Auseinanderbrechen der Erdkruste führt regelmäßig zu Erdbeben und vulkanischer Aktivität, da hier Magma aus dem Erdmantel an die Oberfläche steigt und neue Kruste bildet.

Island ist somit nicht nur ein Stück Land, sondern eine lebendige Schnittstelle zweier Kontinentalplatten. Die kontinuierliche Bewegung von etwa zwei Zentimetern pro Jahr verursacht Spannungen in der Erdkruste, die sich immer wieder in Form von Erdstößen entladen, wie es heute wieder passiert ist.

Der Erdstoß stand zwar in einem tektonischen Zusammenhang mit den Geschehnissen auf der Reykjanes-Halbinsel, zeigte bis jetzt aber keine Auswirkungen auf die im Untergrund brodelnde magmatische Aktivität. Unter dem Svartsengigebiet hebt sich der Boden langsam weiter, wobei die aktuellen GNSS-Messwerte eine weitere Verlangsamung der Heberate andeuten. Entweder verlangsamt sie sich, weil aus dem tiefen Reservoir weniger Schmelze aufsteigt, oder weil der flach liegende Magmenspeicher aufgrund des hohen Gegendrucks der bereits vorhandenen Schmelze nicht mehr neues Magma aufnehmen kann. Theroretisch müsste der Druck groß genug sein um eine neue Eruption zu triggern.

Aufgrund des schlechten Wetters auf Island – heute Morgen gab es um Reykjavik herum Schneechaos – können schwache Erdbeben nicht detektiert werden, so dass die IMO-Shakemap ungewöhnlich leer ist.

Island: Neuer Gletscherlauf der Skafta hat begonnen

Neuer Gletscherlauf in der Skaftá auf Island: Einblick in ein verborgenes System unter dem Vatnajökull

Auf Island hat ein erneuter Gletscherlauf in der Skaftá eingesetzt. Der Fluss entwässert den Westen des Vatnajökull-Gletschers, unter dem der subglaziale Vulkan Grimsvötn verborgen liegt. Bereits in der Nacht zum Sonntag begann der Wasserstand des Flusses, langsam zu steigen, und stabilisierte sich im Verlauf des Montags. Der Abfluss bleibt bislang moderat, dennoch zeigt das Ereignis einmal mehr die komplexen Prozesse unter dem Vatnajökull, wo sich Schmelzwasser in zwei subglazialen Kavernen sammelt und in unregelmäßigen Abständen schlagartig entleert.

Gletscherlauf 2021

Unter dem Eis des Vatnajökull existieren zwei bedeutende Wasseransammlungen, die als östliche und westliche Skaftárkessel bekannt sind. In diesen Hohlräumen sammelt sich Schmelzwasser, das durch die geothermisch bedingte Eisschmelze entsteht, sodass sich über Monate oder Jahre hinweg große Wassermengen ansammeln können. Sobald der Wasserdruck eine bestimmte Schwelle übersteigt, hebt er die darüberliegende Eiskappe an und schafft sich einen schmalen Abflussweg. Das Wasser strömt dann in kurzer Zeit in die umliegenden Flussläufe, was sich an rasant steigenden Pegeln bemerkbar macht. Welche der beiden Kavernen diesmal der Auslöser ist, lässt sich aufgrund der ähnlichen chemischen Signaturen des austretenden Wassers derzeit noch nicht sicher feststellen. Fest steht, dass das Wasser stark nach Schwefelwasserstoff riecht, ein Indiz dafür, dass es sich tatsächlich um Schmelzwasser handelt, das infolge der geothermischen Aktivität des Vulkans entstanden ist.

Der Gletscherlauf auf Island ist im Kontext von Vnet von gewisser Relevanz, da die Entleerung eines solchen Schmelzwasserbeckens in seltenen Fällen den Druck im Untergrund so verändert, dass vulkanische Aktivität begünstigt wird: Durch die Druckentlastung auf den Boden und dem darunter befindlichen Magma können in seltenen Fällen Eruptionen des Grimsvötn getriggert werden, doch die meisten Gletscherläufe verlaufen ohne anschließende Eruption.

Der aktuelle Gletscherlauf in der Skaftá gilt als vergleichsweise mild, die Infrastruktur ist vorerst nicht gefährdet. Dennoch erinnern diese Vorgänge daran, wie aktiv und empfindlich das Zusammenspiel von Eis, Wasser und Vulkanismus im Inneren des Vatnajökull geblieben ist.