Bodenhebung bei Svartsengi auf Island hält an – Gefahrenanalyse unverändert
Seit Monaten richtet sich der Blick von Wissenschaftlern, Behörden, Anwohnern und Vulkanspottern auf die Reykjanes-Halbinsel im Südwesten Islands. Die Bodenhebung unter dem Gebiet des Geothermalkraftwerks Svartsengi, die im Herbst 2023 begann, hält weiter an und nähert sich langsam aber stetig der 1-Meter-Marke, wovon sich 30 Zentimeter seit dem letzten Ausbruch ansammelten – ein Hinweis auf fortgesetzte Magmenakkumulation in einer Tiefe von 4 bis 5 Kilometern unter dem Gebiet, in dem nicht nur das Geothermalkraftwerk liegt, sondern auch das Resort der Blauen Lagune. Nach aktuellen Modellrechnungen der IMO-Wissenschaftler haben sich seit dem letzten Ausbruch im Juli rund 20 Millionen Kubikmeter geschmolzenes Gestein im Untergrund angesammelt. Mit der zunehmenden Magmamenge steigt auch der Druck im vulkanischen System, wodurch sich die Ausbruchsgefahr erhöht.

Nach Einschätzung des Isländischen Meteorologischen Amtes gilt eine weitere Magmaintrusion aus dem Bereich Svartsengi und ein Ausbruch im benachbarten Sundhnúkur-Kraterfeld als wahrscheinlichstes Szenario. Sollte es dazu kommen, dürfte der Ausbruch den bisherigen Ereignissen entlang der Sundhnúkagígar-Kraterserie ähneln und effusiver Natur sein, bei dem kleine Lavafontänen und Lavaströme gefördert werden. Eine explosive Eruption gilt als unwahrscheinlich. Dennoch kann es bei Kontakt der Lava mit Grundwasser zu begrenzten Explosionen kommen.
Messbares Anzeichen der Magenakkumulation im Untergrund ist die Bodenhebung. Die Hebungsrate hat sich in den letzten Wochen auf ca. 1 mm pro Tag verlangsamt, hält aber weiter an, so dass sich der Boden seit dem Ende der letzten Eruption um fast 30 cm gehoben hat. Betrachtet man den Zeitraum seit Beginn der Magmaansammlung im Oktober 2023, hat sich der Boden um fast einen Meter angehoben. Die Hebungsrate war anfangs besonders hoch, hat jedoch mit jedem weiteren Ausbruch spürbar abgenommen. Messungen von GNSS-Stationen nordöstlich von Svartsengi dokumentieren diese Entwicklung detailliert.
Trotz der Magmaansammlung bleibt die seismische Aktivität vergleichsweise ruhig. In den vergangenen Wochen wurden überwiegend schwache Erdbeben mit Magnituden unter 1,5 registriert, vor allem zwischen Sýlingarfell und Stóra-Skógfell südlich des Berges Þorbjörn sowie im Gebiet von Víkurnar. Die Beben werden als Folge von Spannungsänderungen im Untergrund interpretiert, während die Aktivität am Kleifarvatn weiter abnimmt.
Die aktuelle Gefahreneinschätzung des Meteorologischen Amtes bleibt bis zum 3. Februar gültig. Die Lage wird fortlaufend überwacht – denn auch bei geringer Erdbebentätigkeit kann sich ein Ausbruch auf Reykjanes innerhalb kurzer Zeit ankündigen.









