Island: Erdbebenschwarm im Hengill System

Erdbebenschwarm bei Lambafell erschüttert Region westlich von Þrengslin auf Island-  stärkstes Beben M 3,0

Das Erdbeben der Magnitude 3,0, welches heute Nacht um 02:01 Uhr die Region bei Lambafell im Hengill-System auf Reykjanes getroffen hat, war der bislang stärkste Stoß eines anhaltenden Erdbebenschwarms. Der Erdstoß war stark genug, um von Anwohnern am Rand der nahen Hauptstadtregion verspürt zu werden. Seit Beginn der Aktivität gegen 16:30 Uhr am 27. Januar wurden inzwischen mehr als 200 Erschütterungen registriert – Tendenz anhaltend.

Erdbebenschwarm Island

Erdbebenschwärme sind in diesem Gebiet kein ungewöhnliches Phänomen. Die betroffene Region liegt auf der Reykjanes-Halbinsel, einem der geologisch aktivsten Gebiete Islands. Hier verläuft ein Teil des Mittelatlantischen Rückens, an dem die Nordamerikanische und Eurasische Platte auseinanderdriften. Diese kontinuierliche Dehnung der Erdkruste führt regelmäßig zu Spannungsaufbau und -abbau in Form von Erdbeben entlang von Störungszonen.

Die Ursache hinter dem aktuellen Erdbebenschwarm ist nicht zur Gänze geklärt. Es könnte sich um rein tektonisch bedingte Erdbeben handeln und mit dem oben beschriebenen Spannungsabbau im Zusammenhang stehen. Darüber hinaus beherbergt die Reykjanes-Halbinsel mehrere aktive Vulkansysteme, und in den vergangenen Jahren kam es hier wiederholt zu magmatischen Intrusionen und Eruptionen. In Vulkanregionen stehen Schwarmbeben entlang von Störungen oft von magmatischen Fluiden ausgelöst. Es kann sich aber auch genauso gut um vulkanotektonische Beben handeln, die direkt von Fluidbewegungen ausgelöst werden, ohne dass Störungszonen involviert werden. Als Drittes ist auch die Einflussnahme des nahen Geothermalkraftwerks Hellisheiði eine mögliche Ursache, indem man mit hohem Druck Wasser in Bohrungen verpresst.

Nach aktuellem Stand besteht an dieser Stelle keine akute Gefahr und ein sich anbahnender Vulkanausbruch gilt als unwahrscheinliches Szenario. Anders sieht es an einem anderen Geothermalkraftwerk auf Reykjanes aus: Unter Svartsengi gibt es eine große Magmaansammlung bei anhaltendem Druckaufbau. Entsprechend groß ist das Eruptionsrisiko. Allerdings flachte die Kurve der Bodenhebungsgeschwindigkeit in den letzten Tagen merklich ab und es sieht beinahe so aus, als würde die Inflation stoppen, wodurch das Ausbruchsrisiko abnimmt. Der vermeintliche Rückgang der Hebegeschwindigkeit könnte aber auch auf Messungenauigkeiten zurückzuführen sein. Die nächsten Tage werden zeigen, ob sich der Trend bestätigt.

Island: Erdbeben bei Snaefellsnes und Vatnajökull

Erdbeben am Rand der Snæfellsnes-Halbinsel-Halbinsel und unter dem Vantajökull auf Island

Am Wochenende gab es wieder eine erhöhte Erdbebenaktivität an 2 Lokationen auf Island: Während es im Bereich von Svartsengi und der Reykjanes-Halbinsel relativ ruhig blieb, bebte es verstärkt am Grjótavatn am Rand der Snæfellsnes-Halbinsel und unter dem Gletscher Vatnajökull Dort gab es Freitagabend unter dem Bardarbunga auch den stärksten Erdstoß mit einer Magnitude von 3,0. Weitere Beben wurden am Grimsvötn registriert. Insgesamt manifestierten sich an diesen beiden subglazialen Vulkanen 37 Erschütterungen. Im Bereich von Snæfellsnes kamen 23 Beben zusammen.

grjotarvatn
Erdbeben am Grjotarvatn

Die Beben der Snæfellsnes-Halbinsel hatten Epizentren, die 30 Kilometer nördlich von Borgarnes verortet wurden, und lagen nahe des Grjótavatn am Rand des Ljósufjöll-Vulkansystems. Dieses steht aufgrund erhöhter Seismizität seit fast 2 Jahren immer wieder in den Schlagzeilen. Die Beben ereignen sich überwiegend in Tiefen von mehr als 15 Kilometern und werden mit magmatischen Prozessen in Verbindung gebracht. Wahrscheinlich akkumuliert sich Magma, das dabei ist, in die Erdkruste einzudringen und aufzusteigen. Es wurden bereits leichte Bodenhebungen registriert. Der aktuelle Schwarm verlagerte sich gegenüber vergleichbaren Erdbeben letztes Jahr etwas weiter in den Norden der Region. Ein Vulkanausbruch lässt sich bis jetzt nicht vorhersagen, dennoch könnte es langfristig auf einen solchen hinauslaufen. Der bekannteste Vulkan der Halbinsel – der Snaefellsjökull – bleibt indes ruhig.

Ähnlich verhält es sich mit den beiden Schwarmbeben am Vatnajökull: Sie ereigneten sich unter den beiden bedeutenden subglazialen Vulkanen Bardarbunga und Grimsvötn und stehen ebenfalls mit magmatischen Prozessen in Verbindung, die früher oder später in neuen Eruptionen gipfeln werden. Dabei ist es am wahrscheinlichsten, dass der Grimsvötn als Erster ausbricht. Statistisch betrachtet ist hier eine Eruption überfällig. Im langjährigen Mittel der letzten 100 Jahre kam es alle 4–5 Jahre zu einer Eruption. Die letzte fand 2011 statt, also vor gut 15 Jahren! So langsam wird es Zeit …

Es scheint ein wenig paradox, dass ausgerechnet unter dem größten Gletscher Europas zwei der mächtigsten Vulkane liegen, die sich direkt über dem Island-Hot-Spot befinden. Der Hotspot ist maßgeblich für die Entstehung Islands mitverantwortlich, da er nicht nur Lava zur Erdoberfläche pumpt, sondern die Erdkruste aufwölbt und nach oben schiebt. So begegnen sich auf einem vulkanischen Plateau Feuer und Eis.

Island: Erdbeben M 4,1 erschüttert Bardarbunga

Mittelstarkes Erdbeben M 4,1 unter Gletschervulkan Bardarbunga – zahlreiche Nachbeben registriert

Der isländische Gletschervulkan Bardarbunga wurde gestern Vormittag zum wiederholten Male von einem Erdbeben im 4er-Bereich erschüttert. Der Erdstoß der Magnitude 4,1 ereignete sich um 10:28:22 Uhr (UTC) in einer Tiefe von 5,2 Kilometern. Das Epizentrum wurde 7 Kilometer östlich des Calderazentrums lokalisiert. Zuletzt hatte es am 1. Januar 2026 ein vergleichbares Erdbeben in dieser Region gegeben.

Bardarbunga
Bardarbunga. © EMSC/Leaflet

Die Magnitude des Erdstoßes als auch die Tiefe des Hypozentrums waren derart, dass man das Beben hätte spüren können, doch da es sich in einer unbesiedelten Region Islands manifestierte, stehen Wahrnehmungsmeldungen aus. Das Beben wird auch beim EMSC gelistet, wo es eine Magnitude von 4,5 hat. Solche Diskrepanzen können u. a. durch die Verwendung unterschiedlicher Magnitudenskalen zustande kommen.

Der Erdstoß löste eine Serie schwächerer Erdbeben aus: Insgesamt wurden 11 Erschütterungen in der Bardarbunga-Caldera registriert. Zwei weitere ereigneten sich beim Grimsvötn, dem Nachbarvulkan des Bardarbunga.

Das Beben lag in einer Tiefe, in der sich ein wachsender Magmenkörper befindet, und könnte durch eine Druckzunahme im Speichersystem ausgelöst worden sein, wobei die Schmelze wahrscheinlich auf eine Störung im Randbereich des Magmenkörpers drückte. Der gewaltige Calderavulkan befindet sich also in einer Aufheizphase, doch es könnten Jahrzehnte vergehen, bis es wieder zu einer Eruption kommt.

Bardarbunga brach zuletzt im Jahr 2014 aus und flutete eine Ebene nördlich des Vatnajökulls mit Lava. Zuvor ruhte der Vulkan 114 Jahre lang, wobei es in dieser Zeit möglicherweise einige kleinere, unbestätigte Eruptionen gegeben haben könnte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Island noch dünner besiedelt als heute und das Hochland und der Gletscher standen nicht unter ständiger Beobachtung, weshalb kleine Eruptionen unbemerkt geblieben sein könnten bzw. nicht eindeutig bestimmten Vulkanen zugeordnet werden konnten: Schließlich liegen unter dem größten Gletscher Europas noch weitere Vulkansysteme verborgen, denen man frühere Eruptionen zugeordnet haben könnte. Geologische Hinweise auf die Eruptionen sind oft unter Eis verborgen, so dass es auch hier schwerfällt, kleineren Ereignissen auf die Spur zu kommen.

Island: Bodenhebung bei Svartsengi beträgt fast 30 Zentimeter

Geothermalkraftwerk Svartsengi

Bodenhebung bei Svartsengi auf Island hält an – Gefahrenanalyse unverändert

Seit Monaten richtet sich der Blick von Wissenschaftlern, Behörden, Anwohnern und Vulkanspottern auf die Reykjanes-Halbinsel im Südwesten Islands. Die Bodenhebung unter dem Gebiet des Geothermalkraftwerks Svartsengi, die im Herbst 2023 begann, hält weiter an und nähert sich langsam aber stetig der 1-Meter-Marke, wovon sich 30 Zentimeter seit dem letzten Ausbruch ansammelten – ein Hinweis auf fortgesetzte Magmenakkumulation in einer Tiefe von 4 bis 5 Kilometern unter dem Gebiet, in dem nicht nur das Geothermalkraftwerk liegt, sondern auch das Resort der Blauen Lagune. Nach aktuellen Modellrechnungen der IMO-Wissenschaftler haben sich seit dem letzten Ausbruch im Juli rund 20 Millionen Kubikmeter geschmolzenes Gestein im Untergrund angesammelt. Mit der zunehmenden Magmamenge steigt auch der Druck im vulkanischen System, wodurch sich die Ausbruchsgefahr erhöht.




Bodenhebung

Nach Einschätzung des Isländischen Meteorologischen Amtes gilt eine weitere Magmaintrusion aus dem Bereich Svartsengi und ein Ausbruch im benachbarten Sundhnúkur-Kraterfeld als wahrscheinlichstes Szenario. Sollte es dazu kommen, dürfte der Ausbruch den bisherigen Ereignissen entlang der Sundhnúkagígar-Kraterserie ähneln und effusiver Natur sein, bei dem kleine Lavafontänen und Lavaströme gefördert werden. Eine explosive Eruption gilt als unwahrscheinlich. Dennoch kann es bei Kontakt der Lava mit Grundwasser zu begrenzten Explosionen kommen.

Messbares Anzeichen der Magenakkumulation im Untergrund ist die Bodenhebung. Die Hebungsrate hat sich in den letzten Wochen auf ca. 1 mm pro Tag verlangsamt, hält aber weiter an, so dass sich der Boden seit dem Ende der letzten Eruption um fast 30 cm gehoben hat. Betrachtet man den Zeitraum seit Beginn der Magmaansammlung im Oktober 2023, hat sich der Boden um fast einen Meter angehoben. Die Hebungsrate war anfangs besonders hoch, hat jedoch mit jedem weiteren Ausbruch spürbar abgenommen. Messungen von GNSS-Stationen nordöstlich von Svartsengi dokumentieren diese Entwicklung detailliert.

Trotz der Magmaansammlung bleibt die seismische Aktivität vergleichsweise ruhig. In den vergangenen Wochen wurden überwiegend schwache Erdbeben mit Magnituden unter 1,5 registriert, vor allem zwischen Sýlingarfell und Stóra-Skógfell südlich des Berges Þorbjörn sowie im Gebiet von Víkurnar. Die Beben werden als Folge von Spannungsänderungen im Untergrund interpretiert, während die Aktivität am Kleifarvatn weiter abnimmt.

Die aktuelle Gefahreneinschätzung des Meteorologischen Amtes bleibt bis zum 3. Februar gültig. Die Lage wird fortlaufend überwacht – denn auch bei geringer Erdbebentätigkeit kann sich ein Ausbruch auf Reykjanes innerhalb kurzer Zeit ankündigen.

Island: Schwarmbeben vor Reykjanes am 11. Januar

Schwarmbeben erschüttert Reykjanes-Ridge vor Südwestspitze von Island – stärkstes Beben Mb 3,7

In den frühen Morgenstunden des 11. Januars 2026 begann vor der Südwestspitze von Reykjanes auf Island ein Schwarmbeben. Erste schwache Erdstöße wurden um 05:06 UTC registriert. Die beiden stärksten Erschütterungen der Sequenz ereigneten sich gegen 06:23 UTC und erreichten die Magnituden 3,7 und 3,4. Die Hypozentren lagen in geringer Tiefe. Die Epizentren wurden etwa 65 Kilometer südwestlich der kleinen Insel Eldey lokalisiert, wo sie einen Cluster bilden. Die kleine Insel vulkanischen Ursprungs befindet sich auf dem Reykjanesrücken und liegt rund 15 Kilometer vom Leuchtturm bei Reykjanestá entfernt. Die Erdbeben beschränken sich jedoch nicht nur auf diesen Cluster, sondern erstrecken sich entlang der kontinentalen Naht des Rückens bis zur Spitze von Reykjanes. Insgesamt gab es bislang 75 Beben. Der Schwarm ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beendet.




Schwarmbeben. © IMO

Die Erdbeben können rein tektonischen Ursprungs sein, wobei nicht auszuschließen ist, dass magmatische Fluide oder die Bodenhebung bei Svartsengi Spannungen im Untergrund verursachen, die letztlich die Beben auslösen. Die Seismizität bei Svartsengi selbst ist weiterhin gering, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass das Magma seinen finalen Aufstieg begonnen hat. Allerdings wurden einige Tage vor den letzten Ausbrüchen ähnliche Schwarmbeben entlang des Reykjanesrückens beobachtet, sodass durchaus ein Zusammenhang zwischen den Beben und möglichen Eruptionen bestehen kann.

Die Bodenhebung bei Svartsengi setzt sich auf niedrigem Niveau fort, beschleunigte sich jedoch in der zweiten Dezemberhälfte leicht und liegt derzeit bei etwa 1 mm pro Tag. Vom tiefen Magmenspeicher aus dürften etwas mehr als 1 Kubikmeter Magma pro Sekunde in das flachere Reservoir unter Svartsengi aufsteigen und sich dort akkumulieren. Der Druckaufbau erfolgt langsam, was Prognosen zu einem möglichen Ausbruch erschwert.

Die Betreiber des Kraftwerks Svartsengi veröffentlichten gestern ihre Pläne, in der Nähe der Kraterreihe Eldvörp Bohrungen vorzunehmen, um dort Erdwärme zu erschließen. Die Bohrlöcher sollen über Leitungen mit dem Geothermalkraftwerk verbunden werden. Die neue Anlage soll 2029 in Betrieb gehen. Offenbar sieht man dort derzeit keine akute Ausbruchsgefahr mehr, obgleich es auch in diesem Gebiet westlich von Svartsengi Bodenhebungen gibt.

Island: Beschleunigung der Bodendeformation Anfang Januar

Bodendeformation bei Svartsengi auf Island beschleunigte sich – weiterhin geringe Seismizität

Auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel hat sich die Bodenhebung bei Svartsengi in diesem Jahr wieder etwas beschleunigt. Ende Dezember zeigten die GNNS-Messwerte kurzzeitig eine Subsidenz an, wobei es sich wahrscheinlich ein weiteres Mal um Messungenauigkeiten gehandelt haben dürfte. Zeitgleich beschleunigte sich die Ostkomponente des horizontalen Versatzes, die auch jetzt noch erhöht ist. Das alles, bei weiterhin geringer Seismizität, was etwaige Prognosen zu einem möglicherweise bevorstehenden Vulkanausbruch erschwert.

Wir wissen, dass sich im flachen Untergrund weiterhin magmatische Fluide ansammeln, die den Druck im Speichersystem erhöhen, womit die Wahrscheinlichkeit für eine Eruption oder Gangintrusion ansteigt. Seit dem Ende der letzten Eruption im August haben sich fast 20 Millionen Kubikmeter neue Schmelze unter Svartsengi akkumuliert. Bei der Eruption entleerte sich aber nicht die gesamte Schmelze i flachen Speichersystem, so dass die tatsächlich vorhandene Magmamenge deutlich höher sein durfte und meinen Schätzungen nach bei 25 Millionen Kubikmetern liegen dürfte – eine der größten Magmaakkumulationen des Eruptionszyklus, der im November 2023 mit der Gangintrusion unter Grindavik begann.

Eigentlich sollte man erwarten, dass die Eruption bald beginnt, doch da bei den meisten vorangegangenen Ausbrüchen ein immer höherer Druck im Speichersystem vorhanden sein musste, als es zuvor der Fall war, damit eine Eruption startet und sich der Druckaufbau insgesamt verlangsamt zu habe scheint, lässt sich der Zeitraum des erwarteten Eruptionsbeginn nicht mehr eingrenzen.

Die IMO-Vulkanologen veröffentlichten am 6. Januar eine neue Gefahreneinschätzung, die sich gegenüber der vorherigen aber nicht geändert hat. Die größte Gefahr besteht entlang der Sundhnukur-Kraterreihe und es gilt die Empfehlung sich von diesem Gebiet Gebiet fern zu halten. Für das Kraftwerk Svartsengi, die Blaue Lagune und Grindavik gilt nur ein mittelstarkes Gefahrenpotenzial.

Erweitert man die Betrachtungen zu Svarstengi weiter aus und schaut auf die benachbarten Spaltensysteme, stellt man fest, dass es auch im Krysuvik-System eine deutliche Veränderung in der Ostkomponente der horizontalen Bodendeformation gibt. Während des Sommers war hier eine deutliche Subsidenz aufgetreten, die zu zahlreichen Erdbeben geführt hat. In der letzten Woche zeigen die Messwerte eine deutliche Inflation, wobei noch unklar ist, ob die Messungen korrekt sind.

Island: 115 Erdbeben innerhalb von 2 Tagen

Zahlreiche Beben auf Island und speziell Reykjanes registriert – stärkstes Beben Mb 3,0

Auf Island hat es innerhalb von 48 Stunden 115 Erschütterungen gegeben. Die meisten davon auf der Reykjaneshalbinsel, wo 72 Erschütterungen registriert wurden – nur 2 der Beben trafen das Svartsengigebiet, wo die Bodenhebung mit ca. 1 mm pro Tag weitergeht und nach wie vor ein Vulkanausbruch jederzeit einsetzen könnte. Das stärkste Beben mit einer Magnitude von 3,0 (EMSC) manifestierte sich vor der Südwestspitze von Reykjanes, nahe der kleinen Insel Eldey.

Island. © EMSC/Leaflet

Viele der Erdbeben gab es bei Krysuvik und anderen Spaltensystemen auf Reykjanes. In den letzten Tagen wurde auch vermehrt die Gegend um Selfoss im Süden der Hauptinsel erschüttert. Obwohl die Hekla nicht fern ist, werden diese Beben tektonischen Ursprungs gewesen sein, denn in der Region gibt es markante Störungszonen.

Einige Erschütterungen wurden im Bereich der Askja detektiert, wo die Bodenhebung wahrscheinlich ebenfalls anhält, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als zu Beginn der Hebungsphase in 2021. Auch hier könnte es ohne langes Vorspiel zu einer Eruption kommen.

Ein wenig aus dem Fokus geraten ist die Seismizität im Bereich des Grjotarvatn bei Borganes am Rand der Snæfellsnes-Halbinsel Hier ereigneten sich binnen 2 Tagen 13 Erschütterungen. Seit einiger Zeit vermuten Geoforscher, dass hier das Ljósufjöll-Vulkansystem zu neuem Leben erwachen könnte, da hier neben den Erdbeben auch eine leichte Bodenhebung festgestellt wurde.

Weitere Kandidaten potenzieller Eruptionen auf Island sind Grimsvötn und Bardarbunga – beide liegen unter dem Vatnajökull – sowie Katla unter dem Myrdalsjökull und die westlich davon gelegene Hekla. Doch bei keinem der genannten Vulkane sind die Anzeichen eines bevorstehenden Ausbruchs so ausgeprägt wie bei Svartsengi und der Sundhnukur-Kraterreihe, wo man das 10. Ereignis seit 2023 erwartet. Bis zum Herbst war ich mir sicher, dass zeitnah ein Ausbruch erfolgen wird, doch mit der Abnahme der Bodenhebegeschwindigkeit ist diesbezüglich eine gewisse Unsicherheit eingekehrt. Wenn der Druck im Speichersystem zu langsam ansteigt, besteht die Möglichkeit, dass die nötige Schwelle zum Einsetzen einer Eruption nicht erreicht wird.

Island: Erdbeben und Bodenhebung am 03.01.2026

Erdbeben Mb 4,2 unter Bardarbunga auf Island – Bodenhebung bei Svartsengi hält an

Die Erdbebenaktivität auf Island ist in den letzten Tagen wieder deutlich höher als in den Wochen zuvor. Am Neujahrstag ereignete sich unter dem subglazialen Vulkan Bardarbunnga ein Erdbeben der Magnitude 4,2. Es hatte eine Herdtiefe von etwa 10 Kilometern und lag westlich der Caldera. Es war der stärkste Erdstoß in diesem Bereich seit Oktober vergangenen Jahres. Das Beben wurde deutlich wahrgenommen und löste mehrere schwächere Nachbeben aus.

Erdbeben. © IMO

Auch heute kam es zu weiteren Erdstößen im Bereich des mächtigen Zentralvulkans, der sich direkt über dem Zentrum des Island-Mantelplumes befindet. Der etwas weiter südlich gelegene Grímsvötn wurde ebenfalls von schwachen Erdbeben erschüttert. Hier zeigt die GNSS-Messstation in der zweiten Dezemberhälfte einen scharfen Anstieg, dem ein ebenso schneller Rückgang folgte, sodass unterm Strich kaum eine dauerhafte Bodenverformung verblieb. Dennoch stehen beide Vulkane ganz weit oben auf der Liste potenziell eruptiver Vulkane, die in den kommenden Jahren auf Island aktiv werden könnten.

Zu diesen Feuerbergen zählt auch die Askja. Zwar liefern die GNSS-Stationen aufgrund der Schneebedeckung aktuell keine Daten, doch auf Jahressicht hob sich der Boden hier um etwa 90 Millimeter. Damit hat sich die Bodenhebung im Vergleich zu den Vorjahren weiter verlangsamt, doch seit Beginn der Hebungsphase im Herbst 2012 stieg das Gelände insgesamt um fast 900 Millimeter an. Im Untergrund hat sich mehr als genug Magma angesammelt, um eine kräftige Eruption zu ermöglichen.

Ähnlich stellt sich die Situation im Svartsengi-Gebiet auf der Reykjanes-Halbinsel dar. Auch hier ist ausreichend Schmelze im Untergrund vorhanden, um jederzeit eine Eruption auszulösen. Die Vorwarnzeit könnte dabei nur wenige Minuten betragen, weshalb in diesem Areal höchste Wachsamkeit geboten ist. Unmittelbar vor einer Eruption würde vom Zentrum der sich öffnenden Spalte aus Dampf aufsteigen. Es gilt jedoch keinesfalls als sicher, dass es erneut bei Sundhnúkur zu einer Eruption kommen wird, da sich die eruptive Aktivität auch verlagern könnte. Der Anstieg der Bodenhebung bei Svartsengi – wo sich der flache Magmenkörper befindet, der die Eruptionen entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe speiste – hat sich weiter abgeschwächt, und es werden kaum Erdbeben in diesem Gebiet registriert. Dafür nahm in den vergangenen 48 Stunden die Erdbebenaktivität bei Fagradalsfjall und Krýsuvík zu. Signifikante Bodendeformationen sind dort derzeit jedoch nicht zu beobachten.

Island: Erdbeben am Kleifarvatn

Erdbeben Mb 3,3 beim Kleifarvatn – erhöhte Aufmerksamkeit an der Sundhnúkur-Kraterreihe

Ein Erdbeben der Magnitude 3,3 hat in der Nacht zum Samstag die Region um den Kleifarvatn des Kysuvik-Spaltensystems im Südwesten Islands erschüttert. Das Beben ereignete sich kurz vor 2 Uhr Ortszeit und war in mehreren Ortschaften deutlich zu spüren, darunter in Hafnarfjörður und Akranes. Das Epizentrum lag in einem bekannterweise tektonisch aktivem Gebiet, in dem es regelmäßig zu Erdbeben kommt.

Erdbeben

Nach Angaben des Isländischen Wetterdienstes (IMO) folgte dem Hauptbeben ein Nachbebenschwarm. Bekanntermaßen kommt es hier zu Bodendeformationen, die mit unterirdischen Fluidbewegungen im Zusammenhang stehen könnten.

Geowissenschaftler betonen, dass das Ereignis für diese Region nicht außergewöhnlich ist und nicht direkt mit vulkanischer Aktivität in Verbindung steht. Gerade weil sich das Erdbeben in relativer Nähe zu besiedelten Gebieten ereignete, wurde es von vielen Menschen wahrgenommen und sorgte für Aufmerksamkeit.

Während das Beben bei Kleifarvatn als normales Ereignis eingestuft wird, richtet sich der Blick der Forscher weiterhin auf die Lage an der Sundhnúkur-Kraterreihe nahe Svartsengi. Dort hält die langsame, aber stetige Ansammlung von Magma an. Der Prozess der Magmenakkumulation lässt die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Vulkanausbruchs weiter ansteigen.

Nach Einschätzung des IMO verläuft die Magmaansammlung derzeit ruhig und ohne deutliche Beschleunigung. Gerade diese langsame Entwicklung erschwert jedoch genaue Prognosen: Je gleichmäßiger sich Magma ansammelt, desto größer ist die Unsicherheit über den Zeitpunkt einer möglichen Magmaintrusion oder eines Ausbruchs. Diese Unsicherheit kann sich über mehrere Monate erstrecken.

Die seismische Aktivität im Bereich Sundhnúkur bleibt derweil gering. In den vergangenen Wochen wurden nur wenige, überwiegend schwache Erdbeben registriert. Die offizielle Gefahreneinschätzung wurde daher nicht geändert, und die bisherige gilt weiterhin.