Intensiver Erdbebenschwarm bei Reykjanestá auf Island- stärkstes Beben Mb 3,5
Am Samstagabend setzte kurz nach 21 Uhr Ortszeit ein starker Erdbebenschwarm ein, der sich gut 10 Kilometer westlich von Reykjanestá auf dem Reykjanesrücken abspielt. Bislang wurden insgesamt 158 Erschütterungen registriert, wobei einschränkend gilt, dass die Signalqualität der Beben überwiegend bei 50 % liegt. Das bedeutet, dass es bei diesen Beben eine gewisse Unschärfe in der Lokalisierung geben kann. Bei sehr schwachen Erdbeben kann es sein, dass hier Störsignale fehlinterpretiert wurden und die Beben tatsächlich Phantome sind bzw. nicht existieren. Das gilt nicht für die stärksten Erschütterungen der Sequenz: Das stärkste Einzelbeben hatte eine Magnitude von 3,5, gefolgt von einem Beben M 2,8. Insgesamt gab es acht Beben mit Magnituden ab 2,0.

Der Schwarm ereignet sich in einer tektonisch hochaktiven Zone: Reykjanestá ist nicht nur für seinen markanten Leuchtturm bekannt, sondern markiert den westlichsten Abschnitt der Reykjanes-Halbinsel, wo der Mittelatlantische Rücken aus dem Ozean auftaucht und sich in den Spaltensystemen der Halbinsel fortsetzt. Hier driften die nordamerikanische und die eurasische Platte auseinander, wodurch regelmäßig Spannungen entlang der Störungszonen entstehen, die in Form von Erdbeben freigesetzt werden. Solche Schwarmbeben gelten in der Region als typisch und stehen oft mit Dehnungsprozessen in der Erdkruste im Zusammenhang. Sie können aber auch durch magmatische Bewegungen ausgelöst werden. Eine Fernwirkung der Bodenhebung bei Svartsengi als Auslöser des Schwarmbebens ist ebenfalls denkbar.
Die Bodenhebung hält an, mit der Einschränkung, dass es in den letzten Tagen wahrscheinlich wieder zu einer Reihe von Fehlmessungen infolge schlechter Korrekturwerte der Satellitenbahnen gekommen ist, so wie wir es in den letzten Monaten immer wieder sahen. Nicht ganz auszuschließen ist, dass die Daten der letzten Tage eine tatsächlich Stagnation der Hebung anzeigen.
Bereits im Februar und April dieses Jahres wurden in demselben Gebiet ähnliche seismische Episoden registriert. Der aktuelle Schwarm reiht sich damit in die anhaltende tektonovulkanische Unruhe entlang der Reykjaneszone ein, die seit mehreren Jahren verstärkte Aktivität zeigt.








