Erhöhte Seismizität unter Island – zwei Gebiete stechen hervor
Island wird seit einigen Tagen von ungewöhnlich vielen Erdbeben heimgesucht, die für sich genommen zu schwach sind, um eine Gefahr für die Bevölkerung darzustellen, in ihrer Summe aber durchaus auf langfristig entstehende Georisiken hinweisen können. Während die Prozesse hinter den Beben in bekannten Risikogebieten wie den subglazialen Vulkanen Bardarbunga und Katla oder auf der Reykjanes-Halbinsel bereits ausführlich diskutiert wurden, stechen heute zwei Areale hervor, die bislang seltener in Erscheinung traten, obwohl sie uns nicht unbekannt sind.
Ein Bebenschwerpunkt liegt derzeit am Grjótarvatn nördlich von Borgarnes, wo es seit 2022 immer wieder zu Häufungen von Schwarmbeben kommt. In den letzten 24 Stunden wurden dort 15 schwache Erdbeben registriert, die überwiegend Magnituden im Bereich der Mikroseismizität erreichten. Im Gegensatz zu früheren Erschütterungen an dieser Lokation lagen die Hypozentren diesmal in geringen Tiefen nahe der Oberfläche; typisch sind hier eigentlich Tiefen um 15 Kilometer. Die Beben könnten durch Fluidbewegungen entlang oberflächennaher Störungszonen verursacht werden. Dass es sich um Fehlmessungen handelt, gilt als unwahrscheinlich, da die Signalqualität der meisten Erschütterungen sehr gut war.
Bei der zweiten Lokation handelt es sich um das Gebiet südöstlich des Langjökull, wo seit Tagen ein Erdbebenschwarm beim Thórisjökull anhält. In den vergangenen zwei Tagen wurden dort 17 Erschütterungen registriert, die stärkste mit einer Magnitude von 1,6. Auch diese Beben ereignen sich überwiegend in geringer Tiefe. Interessant ist zudem, dass es ebenfalls zu Erdbeben am Hofsjökull kommt, der sich nur selten seismisch bemerkbar macht.
Im Bereich der Reykjanes-Halbinsel treten weiterhin die meisten Erdbeben vor der Küste bei Eldey sowie im Krýsuvík-System auf. Auffällig sind zudem fünf Erschütterungen unter dem Vulkan Fagradalsfjall. Im Svartsengi-Gebiet wurde eine einzelne Erschütterung nördlich von Grindavík registriert. Dennoch hält die Bodenhebung dort unverändert an, sodass jederzeit eine neue Eruption beginnen könnte.
Auf Gesamtisland verteilten sich in den letzten 2 Tagen übrigens mehr als 200 Erschütterungen.










