Island: Neue Schutzwälle für Grindavik

Neue Deichanlagen um Grindavik – Bodenhebung auf Höchststand

Der Kampf um Grindavik geht nicht nur weiter, sondern wird intensiviert. Gestern wurde mit dem Bau weiterer Befestigungsanlagen begonnen und bereits existierende Wälle, die die Stadt gegen Lavaströme schützen sollen, werden verstärkt und erhöht. Die Wälle sind bis zu 4 Meter hoch und eine Anlage im Nordosten der Stadt hat ihren Nutzen bereits unter Beweis gestellt, als sie bei der Eruption vom 14. Januar einen Lavastrom umgelenkt hat. Aktuell arbeiten bis zu 50 Personen an dem Ausbau der Lavaschutzdämme und es wird schweres Gerät eingesetzt, um die enormen Landmassen zu bewegen. Natürlich sollte man auch nicht vergessen, dass man hier massiv gegen den Naturschutz arbeitet, denn es wird großflächig Material bewegt und keine Rücksicht auf etwaige Vegetation genommen, die auf den weiten Lavaflächen sehr lange braucht, um Fuß zu fassen. Außerdem ist es mehr als fraglich, ob Grindavik gerettet werden kann, denn es könnten sich auch Spalten innerhalb der Befestigungsanlage öffnen. Falls Straßen unterbrochen werden, haben die Deiche dann den Effekt, dass sie evtl. Fluchtwege über flaches Land blockieren. Aber klar: Aufgeben liegt nicht in der Natur der Isländer.

Einige Anwohner von Grindavik, die trotz anders lautender Empfehlungen in ihre Häuser zurückgekehrt sind, beschweren sich öffentlich über Touristen, die nun durch Grindavik fahren dürfen, wenn sie ein Ticket für die Blaue Lagune haben. Sie würden schamlos zerstörte Häuser fotografieren und auf der frischen Lava rumklettern. Ja, alles hat seine Schattenseiten: Island profitiert vom Tourismus, und wenn man das auch im Katastrophenfall tut, dann muss man halt auch ihre Neugierde aushalten.




Derweilen gab es gestern einen Erdbebenschwarm entlang des Rifts vom 10. November. Die Beben konzentrierten sich auf einen Bereich vor der nördlichen Stadtgrenze von Grindavik. Täglich fließen bis zu 0,4 Millionen Kubikmeter Magma in das Speichersystem unter Svartsengi und man rechnet praktisch ständig mit dem Start eines neuen Vulkanausbruchs. Wann er letztendlich losgeht, weiß niemand. Gewiss ist nur, dass die Bodenhebung an der Messstation SKSH einen neuen Rekordwert eingenommen hat. Seit der letzten Eruption am 8. Februar hob sich der Boden um 120 mm.

Unterschied zwischen den beiden Eruptionsgebieten auf Island

Eruptionen an zwei nahe beieinander liegenden Eruptionsgebieten unterscheiden sich in Förderraten und Aufstiegswege

In den letzten Monaten und Jahren sahen wir an zwei unterschiedlichen Lokationen auf der isländischen Reykjaneshalbinsel insgesamt 7 Eruptionen. Die Vulkanausbrüche kamen nicht völlig überraschend, denn erstens waren Ausbrüche auf Reykjanes statistisch gesehen fällig, und zweitens gab es seit 2019 einen signifikanten Anstieg der Erdbebentätigkeit, die mit Bodendeformationen einherging. Nach einer Phase der Unsicherheit war klar, dass sich im Untergrund Magma ansammelte. Bald kam es zu vier Intrusionen Magmatischer Gänge, die sich im Bereich des Fagradalsfjall-Vulkans manifestierten. Am 19. März 2021 ereignete sich dann der erste Vulkanausbruch, der gut ein halbes Jahr andauerte. Es folgten zwei weitere Eruptionen im Bereich des Fagradalsfjalls, die sich im August 2022 und Juli 2023 ereigneten. Im Spätsommer 2023 setzte wieder Bodenhebung ein und man rechnete mit einer Eruption im gleichen Areal, doch kurz darauf verlagerte sich die Aktivität einige Kilometer weiter westwärts und im Bereich des Geothermalkraftwerks Svartsengi begann sich der Boden zu heben. Bereits im Januar 2020 hatte es hier eine erste Magmenintrusion gegeben. Jetzt folgten drei weitere. Die stärkste manifestierte sich am 10. November 2023 und ging einher mit der Bildung eines Grabens, der sich bis nach Grindavik hineinzog. Seitdem riss der Magmenzustrom aus der Tiefe nicht mehr ab und es ereigneten 3 kurzlebige Spalteneruptionen im Svartsengi-Vulkansystem nahe dem Sundhnúkur-Kraterfeld. Die jüngste Eruption am 8. Februar förderte überraschend viel Lava und es entstanden Schäden an der Infrastruktur.

Isländische Geoforscher haben nun die Dykeintrusionen und Eruptionen genauer untersucht und stießen dabei auf unterschiedliche Arten der Magmenspeicherung und des Aufstiegs der Schmelze, die für die Eruptionen der beiden Lokalitäten verantwortlich sind. Maßgeblich unterschieden sich die Ausbrüche in Dauer und Förderraten: Während die Vulkanausbrüche am Fagradalsfjall mindestens mehrere Wochen anhielten und überschaubare Mengen Lava förderten, hielten die eruptiven Hauptphasen der Eruptionen bei Svartsengi nur wenige Stunden an, kamen aber auf erheblich höhere Förderraten pro Sekunde.

Die Unterschiede zwischen den magmatischen Systemen unter Fagradalsfjall und dem Sundhnúkur-Kraterfeld zeigen sich in der Art und Weise, wie das Magma vor Ereignissen akkumuliert und sich innerhalb der Erdkruste bewegt. In Fagradalsfjall steigt das Magma aus Tiefen von 10-15 km auf und speist seitliche Dykeintrusionen in der oberen Erdkruste. Sie lagen in tiefen zwischen 1 und 6 km. Im Gegensatz dazu befindet sich das Magma in Svartsengi auf einem viel flacheren Niveau, und sammelt sich vor den Intrusionen in etwa 4-5 km Tiefe in einem größeren Magmenkörper, von dem man anfänglich annahm, es sei ein Sill. Woher das Magma genau stammt, ist noch spekulativ. Vom Chemismus her handelt es sich um einen MORB, wie er für Reykjanes typisch ist, und zumindest die Schmelze, die am Fagradalsfjall gefördert wurde, scheint ein Basalt zu sein, der entlang der divergenten Störungszone des Mittelatlantischen Rückens aufstieg. Doch die enormen Schmelzströme, die sich unter Svartsengi zusammenbrauten, könnten ihren Ursprung im isländischen Mantelplume haben.




Wie dem auch sei: Heute gab es wieder eine rege Bebentätigkeit auf Reykjanes und insbesondere im südlichen Endbereich der Risse des Sundhnúkur-Kraterfelds, die an Grindavik heranreichen. Innerhalb der nächsten Tage wird ein weiterer Vulkanausbruch erwartet.

Prognosen zum erwarteten Vulkanausbruch auf Island gestellt

IMO-Wissenschaftler veröffentlichen Prognosemodell zum erwarteten Vulkanausbruch – Hoher Lavaausstoß vorhergesagt

Etwas, das in den letzten Wochen selten geworden ist, wurde nun von den IMO-Wissenschaftlern veröffentlicht: Die Rede ist von einer recht detaillierten Prognose zum erwarteten Vulkanausbruch im Svartsengi-System, der praktisch zu jeder Zeit beginnen kann. Die Forscher weisen darauf hin, dass es u. U. nur eine sehr kurze Vorwarnzeit von 30 Minuten geben könnte, die durch eine seismische Krise gekennzeichnet ist. Diese Information ist vor allem für Besucher der Blauen Lagune von Bedeutung, und auch die Bewohner von Grindavik, die in ihre Häuser zurückgekehrt sind, könnten von einem Vulkanausbruch heimgesucht werden, der ihnen schneller näher kommen könnte, als ihnen lieb sein dürfte. Zwar gilt es als relativ unwahrscheinlich, dass sich direkt im Gebiet der Blauen Lagune eine Eruptionsspalte öffnen wird, doch ausschließen lässt sich so ein Szenario nicht. Nach wie vor scheint es am Wahrscheinlichsten, dass sich eine neue Eruptionsspalte im Gebiet der Sundhnúks-Kraterreihe öffnen wird, wobei es auch möglich ist, dass sich eine Spalte innerhalb der Befestigungsanlege auftun wird, die Grindavik eigentlich vor Lava schützen soll.

Die Lavastrommodelle sagen für den nächsten Ausbruch einen konstanten Lavafluss von 600 Kubikmeter pro Sekunde voraus, die aus einem 800 Meter langen Spalt fließen sollen. Dieses Modell wurde gestern Abend von der Geoforscherin Kristín Jónsdóttir vorgestellt. Aktuell haben sich gut 7,6 Millionen Kubikmeter Magma im Untergrund von Svartsengi angesammelt. Sollte sich eine Eruptionsspalte im gebiet Gebiet zwischen Stóra-Scógfell und Hagafell öffnen, dann würde die Lava wieder den Weg Richtung Südwesten einschlagen, den es bei der letzten Eruption nahm. Dann könnte Lava dann Grindavíkurvegu in weniger als vier Stunden erreichen.

Man hält auch eine Spaltenöffnung südlich der Erhebung von Hagafell für möglich. In diesem Fall würde die Lava nach Süden fließen, wo sich Grindavik befindet. Der Lavaström könnte den Schutzwall um den Ort binnen einer Stunde erreichen. Eine Eruption hier würde in Grindavik wieder für große Erdverschiebungen sorgen.

Im Prinzip zeigen uns die Vorhersagemodelle nichts anderes als das an, was bei den letzten Eruptionen in diesem Gebiet bereits geschah, und zeigen wenig Überraschendes.

Was mich dann doch überraschte, war, dass heute eine detaillierte Analyse zu den unterschiedlichen Magmen-Akkumulierungsprozessen veröffentlicht wurde, die zu den beiden Eruptionsserien auf Reykjanes führte, die wir seit 2021 am Fagradalsfjall und Svartsengi sahen und sehen. Darüber schreibe ich mehr in meinem nächsten Blogbeitrag über Island.

Erdbeben auf Reykjanes

Übrigens, gestern kam es am Kleifarvatn im Krysuviksystem zu einem Erdbeben Mb 3,4. Außerdem gab es ein Schwarmbeben am Brennisteinsfjöll nahe Reykjavik. Vulkanologe Þorvaldur Þórðarson meinte, dass hier entweder Spannungen durch die Bodenhebung bei Svartsengi abgebaut wurden oder dass es eine Magmaakkumulation an diesem Vulkansystem geben könnte.

Droht Island eine Eruptionsserie?

Isländischer Geoforscher befürchtet Ausbruchserie auf Island – Vulkane außerhalb der Reykjaneshalbinsel könnten aktiv werden

Während die Erdbebentätigkeit auf der isländischen Reykajneshalbinsel gestern hoch war und der Boden bei Svartsengi weiterhin ansteigt, gab der bekannte isländische Vulkanologe Thorvaldur Þórðarson ein neues Interview gegenüber isländischen Medien. Der Vulkanologe fordert, dass man sich auf der Reykjaneshalbinsel auf alle möglichen Arten von Vulkanausbrüchen vorbereiten sollte und sieht auch die Gefahr, dass andere Vulkansysteme jenseits von Reykjanes bald aktiv werden könnten. Als Grund nennt er, dass InSAR-Aufnahmen multiple Bodenhebungen auf ganz Island anzeigen würden, wobei eine der signifikantesten Hebungen im Bereich des Vatnajökulls auszumachen sei. Besonders dort könnte es aber noch einen anderen Grund für die Bodenhebung geben: Aufgrund des Masseverlustes des Gletschers, bedingt durch die Eisschmelze des Klimawandels, könnte der Boden aufsteigen. Dieser Effekt ist in weiten Teilen Skandinaviens zu beobachten und wird noch durch das Verschwinden der Gletscher der letzten Eiszeit hervorgerufen.

Thorvaldur Þórðarson glaubt allerdings nicht an dieses Szenario für die Landhebung, sondern geht davon aus, dass der isländische Mantelplume aktiver geworden ist und vermehrt Schmelze aufsteigen lässt. Man nimmt an, dass das Zentrum des Mantelplumes unter dem Grimsvötn liegt, der sich seinerseits unter dem Nordwesten des Vatnajökulls befindet. Allerdings zeigt die Bodenhebung am Grimsvötn aktuell wieder leicht abfallende Tendenzen an. An der benachbarten Askja wird hingegen ein positiver Bodenhebungstrend beobachtet. Der Mantelplume könnte auch wenigstens teilweise für die Eruptionen auf Reykjanes verantwortlich sein: neuen Modellen zufolge soll der Mantelplume, der direkt aus dem Erdmantel aufsteigt, weit verzweigt sein und seine Finger bis unter dem Südwesten Islands ausstrecken.

Die Hypothese wird durch die Analyse von Lavaproben gestützt, die von den jüngsten Eruptionen auf Reykjanes stammten. Diese Lava soll stark an Lavaströmen erinnern, die bei früheren Eruptionen an Askja und Grimsvötn austraten.

Der Vulkanologe sieht eine große Gefahr für weitere Eruptionen auf Reykjanes, insbesondere natürlich im Svartsengisystem, wo viele Forscher für diese Woche eine neue Eruption prognostizierten. Er hält es aber nach wie vor für möglich, dass auch andere Spaltensysteme der Halbinsel aktiv werden. Eine Gefahr sieht er auch darin, dass die Hauptverbindungsstraße zwischen dem Flughafen Keflavik und der Hauptstadt Reykjavik von einem Lavastrom unterbrochen werden könnte. Mit dieser Einschätzung steht er offenbar nicht alleine da, denn Bergþóra Þorkelsdóttir, Direktorin der isländischen Straßenverwaltung, sagte in einem anderen Interview, dass man derzeit die Möglichkeiten prüft, den Verkehr vom und zum Flughafen über andere Verkehrswege umzuleiten. Sollte die Reykjanesbraut -so der Name der Verbindungsstraße- von Lavaströme verschüttet werden.

Wie schnell die Isländer eine von Lava verschüttete Straße wiederherstellen können, zeigte das Beispiel des Grindavikvegurs, der bei der letzten Eruption verschüttet wurde und seit über einer Woche wieder befahrbar ist.

Starke Bebentätigkeit auf Reykjaneshalbinsel in Island

Erdbebentätigkeit entlang der Spaltensysteme hoch – Nächster Vulkanausbruch auf Island bereitet sich vor

Gestern Nachmittag begann sich die Bebentätigkeit unter der isländischen Reykjaneshalbinsel aufzubauen. IMO registrierte in den letzten 48 Stunden 181 Erschütterungen in dem Areal im Südwesten der Insel. Auf ganz Island waren es 222 Beben. Darunter befand sich ein weiterer moderater Erdstoß der Magnitude 3,2, der sich unter dem Calderavulkan Bardarbunga ereignete. Außerdem gab es ein Beben Mb 2,8 nahe der Askja.

Die Beben auf Reykjanes manifestieren sich praktisch an allen Spaltensystemen, wobei der Schwerpunkt bei Svartsengi liegt, wo weiterhin Magma aufsteigt und sich im Reservoire sammelt, das sich in 4 bis 5 Kilometer Tiefe unter dem Geothermalkraftwerk und der Blauen Lagune befindet. Dort wartet es auf seinen finalen Aufstieg, der entweder in der Intrusion eines magmatischen Gangs gipfeln wird oder sogar einen Vulkanausbruch verursacht. Die IMO-Forscher halten es für am wahrscheinlichsten, dass sich wieder eine Eruptionsspalte im Gebiet der Sundhnúkar-Kraterreihe bilden wird. Die Erdbeben reichen aber auch immer weiter an den guten alten Fagradalsfjall heran, so dass sich eines der nächsten Eruptionszentren Richtung westlicher Ebene vor dem Vulkan verlagern könnte.

Der isländische Geophysiker Benedikt Ófeigsson benannte in den Medien drei potentielle Ausbruchsorte: am Sýlingarfell, am Hagafell, oder innerhalb des Schutzwalls, der den Küstenort Grindavík umgibt. Der Geophysiker hält es für unwahrscheinlich, dass es in Svartsengi selbst zu einem Ausbruch kommt, ausschließen könne man dies jedoch nicht, sagte er in einem IR-Interview. Allerdings benötige die Magma dort vier bis sieben Stunden, bis sie die Erdoberfläche aus fünf Kilometern Tiefe erreicht habe.

Darüber hinaus gab es wieder viele Erschütterungen im Bereich des Kleifarvatn im Krysuvik-System. Einem Areal, das bei einigen Forschern vor der Aktivitätsverlagerung in Richtung Svartsengi auch als möglicher Eruptionsspot angesehen wurde.

Einen Schwarm gab es auch im Bereich von Hellisheiðarvirkjun, der sehr wahrscheinlich mit dem dortigen Geothermalkraftwerk in Verbindung steht und durch die Verpressung von Wasser ausgelöst werden könnte.

Island Erdbeben bei Svartsengi, Fagradalsfjall und Bardarbunga

Bardarbunga mit Erdbeben Mb 3,1

Datum 23.02.2024 | Zeit: 18:57:46 UTC | Lokation: 64.623 ; -17.397 | Tiefe: 7,8 km | Mb 3,1

Seismisch gesehen ist auf Island heute wieder einiges los. Insgesamt registrierte IMO innerhalb von 48 Stunden 139 Erschütterungen auf der Insel im Nordatlantik. Das stärkste Einzelbeben brachte es auf eine Magnitude von 3,1 und manifestierte sich am Ostrand der Bardarbunga-Caldera. Das Hypozentrum befand sich in fast 8 Kilometern Tiefe. Ein größerer Erdbebenschwarm bliebt aus und auch der benachbarte Vulkan Grimsvötn zeigte sich vergleichsweise ruhig. Beide Vulkane liegen unter dem Gletscher Vatnajökull. Er bildet die größte zusammenhängende Eismasse Europas und ist doppelt von Eisschmelze bedroht: einmal sorgt die geothermale Energie des Eises für Eisschwund, zum anderen setzt der Klimawandel dem Eisbestand des Gletschers zu. So habe ich in den letzten Jahrzehnten selbst beobachten können, wie sich die Gletscherzungen immer weiter zurückziehen und wie es immer weniger Eisberge auf der Gletscherlagune Jökulsarlon gibt. Wo ich früher das Ballet der Eisberge filmen konnte, dümpeln heute nur noch ein paar Eisklötze wie in einem Longdrinkglas rum.

Erdbeben auf Reykjanes

Neben den Erdbeben unter dem Vatnajökull interessieren uns Vulkanspotter natürlich die Erschütterungen auf der Reykjaneshalbinsel, die als Indikatoren für Bodenhebung und Magmenaufstieg gelten. In den letzten Stunden gab es an verschiedenen Spaltensystemen der Halbinsel Erdbeben. Am prägnantesten waren sie im Svartsengi-Gebiet, südwestlich des Fagradalsfjalls und im Krysuvik-System. Hier wurden 110 Beben festgestellt, die in kleinen Schwärmen auftraten. während bei Svartsengi sicher ist, dass die Erdbeben im direkten Zusammenhang mit der Magmenintrusion stehen, bleibt die Ursache der Erschütterungen an den beiden anderen Lokationen unklar. Ich halte es für wahrscheinlich, dass die Erschütterungen am Fagradalsfjall und im Krysuvik-Spaltensystem wenigstens indirekt mit den Magmenbewegungen bei Svartsengi im Zusammenhang stehen, da die enormen Bodenbewegungen dort das Spannungsfeld in einem größeren Umkreis beeinflussen und Störungszonen aktivieren können. Besonders am Fagradalsfjall können Erdbeben aber auch direkt eine Folge von Magmenbewegungen bleiben, da es hier eine leichte Bodenhebung gibt. So könnte es sein, dass wir bald auch hier wieder einen Vulkanausbruch sehen werden.

Island: Neue Daten zur Magmenansammlung

Bodenhebung bei Svartsengi geht weiter – Neue Daten zur Magmenakkumulation

Im Bereich von Svartsengi gab es heute wieder mehrere Erdbeben. Sie gehen einher mit der Anhebung des Bodens, der mit einer täglichen Rate zwischen 5 und 10 mm ansteigt. Heute wurde wieder das gleiche Bodenhebungsniveau wie vor der letzten Eruption vor 2 Wochen erreicht, in dessen Folge der Boden um einige Zentimeter abgesackt war.

Modellrechnungen, die von Spezialisten der Isländischen Meteorologiebehörde durchgeführt wurden, zeigen, dass sich unter Svartsengi seit dem 9. Februar rund 5 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt haben. Die Geoforscher rechnen mit einer steigenden Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs, wenn das Volumen 8 bis 13 Millionen Kubikmeter erreicht. Nach den Ergebnissen der Modellrechnung wird diese Menge nächste Woche erreicht, vorausgesetzt, der Magmenaufstieg geht im gleichen Tempo weiter. Es besteht jedoch Unsicherheit, ob die Entwicklung sich wie bei vorherigen Ausbrüchen verhalten wird. Es besteht auch die Möglichkeit, dass das Magma zur Sundhnúks-Kraterreihe fließt, ohne dass es zu einem Ausbruch kommt.

Die Grafik vergleicht die Magmaansammlung unter Svartsengi und ihre Bewegung zur Sundhnúks-Kraterreihe. Die aktuelle Position des Magmas ist rot markiert, während die violette Linie die Menge vor der Entstehung des Magmatunnels am 10. November darstellt.

Die IMO-Wissenschaftler betonen, dass der wahrscheinlichste Ort für eine Eruption wieder im Bereich der Sundhnúk-Kraterreihe liegt. Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch wären intensive seismische Aktivitäten. Die Geschwindigkeit der Lavabewegung variiert je nach Ort. Ein Ausbruch könnte sehr kurzfristig beginnen, und u.U. bleiben weniger als 30 Minuten Vorwarnzeit. Diese Warnung ist nicht nur an die Bewohner von Grindavik gerichtet, die in ihre Häuser trotz der Gefahrenlage zurückkehrten, sondern auch an die Besucher der Blauen Lagune.

Wetterbedingungen können die Überwachung beeinträchtigen, insbesondere die Empfindlichkeit von Erdbeben- und GPS-Messungen. Die Risikobewertung berücksichtigt nicht alle Einflussfaktoren. Es ist wichtig, sich der potenziellen Gefahren bewusst zu sein, insbesondere in den Überwachungsgebieten.

Die Forscher veröffentlichten auch neue Daten zu den bisherigen Eruptionen. Während des Ausbruchs am 8. Februar wurden bis zu 400 Kubikmeter Lava pro Sekunde ausgestoßen, was in etwa ähnlich viel war, wie während der stärksten Eruptionsphase der Holuhraun-Eruption. Am Fagradalsfjall betrug der stärkste Lavaausstoß 50 Kubikmeter pro Sekunde.

Von Erdbeben, Bodenhebungen und Wasserleitungen bei Grindavik

Erdbebenaktivität auf Island bleibt hoch – Forscher rechnen mit baldigen Vulkanausbruch

Schaut man sich heute die Erdbebenkarte des Isländischen Wetteramtes an, erkennt man zahlreiche Erdbeben, die sich entlang der großen Störungssysteme auf Island verteilen, die häufig auch mit Zentralvulkanen gekoppelt sind. Besonders auffällig sind die Beben unter dem Vatnajökull, wo der Fokus auf Grimsvötn liegt. Hier ist die Seismizität seit Tagen leicht erhöht, doch seit Anfang Januar tritt die Bodenhebung auf der Stelle. Erdbeben gab es auch am Askja-System und unter der Katla, die mit dem Myrdalsjökull vergletschert ist. Während es hier keinen nennenswerten Bodendeformationen gibt, findet im Bereich der Askja noch eine moderate Inflation statt. Allerdings ist dieser Vulkan aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten, denn spätestens seit November sind alle Augen auf die Reykjaneshalbinsel gerichtet, die weiterhin moderat seismisch aktiv ist. In den letzten 48 Stunden wurden 60 Erschütterungen registriert. Das ist ein gutes Stück von den Werten entfernt, die wir noch zum Jahresanfang dort sahen, trotzdem hält die Bodenhebung im Gebiet von Svartsengi unvermindert an.

Die IMO-Wissenschaftler veröffentlichten gestern Abend eine Notiz, nach der sich das Magmenreservoire bei Svartsengi im Eiltempo füllt. Sie rechnen damit, dass Ende Februar/ Anfang März wieder 10 Millionen Kubikmeter Magma aufgestiegen sein werden, was in etwa der Menge entspricht, die beim letzten Ausbruch ausgestoßen wurde. Ab dann steigt das Ausbruchsrisiko wieder signifikant an. Das soll allerdings nicht heißen, dass es vorher nicht zu einer Eruption kommen könnte, oder dass es zwingend zu einer Eruption kommen muss.

Trinkwasserleitungen von Grindavik werden unter Druck gesetzt

Während sich die Natur also auf eine weitere Manifestation der Erdgewalten vorbereitet, versuchen die Menschen von Grindavik weiterhin die bereits entstandenen Schäden in ihrer Stadt zu reparieren. Seit Tagen arbeitete ein Team daran, die Trinkwasserversorgung in Grindavik wiederherzustellen. Die geborstene Leitung scheint nun repariert zu sein und man hat damit begonnen, langsam wieder Druck im Leitungssystem aufzubauen. Nach und nach wird die Wasserversorgung in den verschiedenen Stadtgebieten wiederhergestellt. Eine gute Nachricht für jene, die nicht aufgeben.

Neue Eruption am Fagradalsfjall auf Island möglich

Unter dem Svartsengi-Gebiet auf Island geht die Bodenhebung weiter. An der Messtation SKSH (Skipastigshranu) hat die Bodenhebung wieder das gleiche Niveau wie vor der letzten Eruption am 8 Februar erreicht. Bei den vorangegangenen Ereignissen wurde das vorherige Bodenhebungsniveau oft um gut 50 mm überschritten, als die nächste Eruption einsetzte. Bei der aktuellen Hebungsrate kann man dann in 7 bis 10 Tagen mit einer weiteren Eruption rechnen. An der Messtation Seng wird voraussichtlich in drei Tagen Parität zum vorherigen Hebungsniveau erreicht sein.

Bodenhebung und Erdbeben unter Fagradalsfjall – Weitere Eruption erscheint möglich

Die Erdbebentätigkeit ist bei Svartsengi relativ gering, was darauf hindeutet, dass die Magma-Aufstiegswege aus der Tiefe frei sind und nicht erst gegen Widerstand angearbeitet werden muss, damit sich das Magma einen Weg bahnen kann. Generell wurden heute nur wenige Erdbeben auf Reykjanes detektiert, was an starkem Wind liegen kann. In den letzten Tagen sah es anders aus und es gab an den meisten der Spaltensysteme auf der Reykjanes-Halbinsel Erschütterungen, was nicht nur Spekulationen über einen möglichen submarinen Ausbruch bei Eldey auslöste, sondern auch wieder das Geschehen am Fagradalsfjall in den Fokus rückte. Hier brachte MBL gestern Abend ein Interview mit Geophysiker Freysteinn Sigmundsson heraus. Er erklärte, dass die meisten isländischen Geophysiker davon ausgehen, dass sich auch der nächste Vulkanausbruch auf Reykjanes aller Wahrscheinlichkeit nach wieder entlang der Sundhnúka-Kraterreihe manifestieren wird. Freysteinn ist aber der Meinung, dass sich das eines Tages wieder ändern wird. Dann könnte sich die Aktivität wieder in Richtung Fagradalsfjall verlagern, wo wir die ersten drei Eruptionen der neuen Ausbruchsserie auf der Reykjaneshalbinsel sahen. Dafür sprechen nicht nur die Erdbeben, die dort immer wieder auftreten, sondern auch, dass es bis jetzt keine nennenswerte Deflation gab. Das vor Monaten intrudierte Magma befindet sich noch im Untergrund, und obwohl sich im Oktober die Aktivität nach Svartsengi verlagerte, gab es unter dem Fagradalsfjall noch eine leichte Bodenhebung von 30 mm.

Der Geophysiker gibt auch zu bedenken, dass es immer mehr danach aussieht, als wären die Vulkane Islands unterirdisch weiter vernetzt als man bisher annahm. Ein Umstand, auf den ich auch bereits hinwies. Es stellt sich die Frage, ob man auch die Spaltensysteme auf Reykjanes isoliert für sich betrachten sollte.