Island wird von vielen Erdbeben erschüttert

Erhöhte Seismizität unter Island – zwei Gebiete stechen hervor

Island wird seit einigen Tagen von ungewöhnlich vielen Erdbeben heimgesucht, die für sich genommen zu schwach sind, um eine Gefahr für die Bevölkerung darzustellen, in ihrer Summe aber durchaus auf langfristig entstehende Georisiken hinweisen können. Während die Prozesse hinter den Beben in bekannten Risikogebieten wie den subglazialen Vulkanen Bardarbunga und Katla oder auf der Reykjanes-Halbinsel bereits ausführlich diskutiert wurden, stechen heute zwei Areale hervor, die bislang seltener in Erscheinung traten, obwohl sie uns nicht unbekannt sind.



Ein Bebenschwerpunkt liegt derzeit am Grjótarvatn nördlich von Borgarnes, wo es seit 2022 immer wieder zu Häufungen von Schwarmbeben kommt. In den letzten 24 Stunden wurden dort 15 schwache Erdbeben registriert, die überwiegend Magnituden im Bereich der Mikroseismizität erreichten. Im Gegensatz zu früheren Erschütterungen an dieser Lokation lagen die Hypozentren diesmal in geringen Tiefen nahe der Oberfläche; typisch sind hier eigentlich Tiefen um 15 Kilometer. Die Beben könnten durch Fluidbewegungen entlang oberflächennaher Störungszonen verursacht werden. Dass es sich um Fehlmessungen handelt, gilt als unwahrscheinlich, da die Signalqualität der meisten Erschütterungen sehr gut war.

Bei der zweiten Lokation handelt es sich um das Gebiet südöstlich des Langjökull, wo seit Tagen ein Erdbebenschwarm beim Thórisjökull anhält. In den vergangenen zwei Tagen wurden dort 17 Erschütterungen registriert, die stärkste mit einer Magnitude von 1,6. Auch diese Beben ereignen sich überwiegend in geringer Tiefe. Interessant ist zudem, dass es ebenfalls zu Erdbeben am Hofsjökull kommt, der sich nur selten seismisch bemerkbar macht.

Im Bereich der Reykjanes-Halbinsel treten weiterhin die meisten Erdbeben vor der Küste bei Eldey sowie im Krýsuvík-System auf. Auffällig sind zudem fünf Erschütterungen unter dem Vulkan Fagradalsfjall. Im Svartsengi-Gebiet wurde eine einzelne Erschütterung nördlich von Grindavík registriert. Dennoch hält die Bodenhebung dort unverändert an, sodass jederzeit eine neue Eruption beginnen könnte.

Auf Gesamtisland verteilten sich in den letzten 2 Tagen übrigens mehr als 200 Erschütterungen.

Island: Weitere Erdbeben am Langjökull Mitte Mai

Anhaltender Erdbebenschwarm südwestlich des Langjökull – Rand des Vulkansystem betroffen

Seit einigen Tagen bebt es südwestlich des Langjökull, einem der größeren Gletscher Islands im Hochland. In den vergangenen 48 Stunden registrierte das IMO 25 Erdbeben mit variierenden Herdtiefen. Die Magnituden lagen überwiegend zwischen 1 und 2. Auf Wochensicht wurden deutlich mehr als 50 Beben festgestellt. Das stärkste Ereignis vom 11. Mai (Vnet berichtete) erreichte eine Magnitude von 3,0. Bei genauer Betrachtung manifestiert sich der Schwarm westlich des kleinen Seitengletschers Geitlandsjökull, der zum Langjökull-System gehört. Unter ihm verbirgt sich ein Tafelvulkan sowie der nördlich davon gelegene Zentralvulkan Prestahnúkur.

Langjökull. © IMO

Betrachtet man die Morphologie der Landschaft auf hochauflösenden Satellitenbildern, erkennt man geradlinig verlaufende Geländestrukturen, die dem Westarm der isländischen Hauptriftzone folgen. Wahrscheinlich handelt es sich um tektonische Beben infolge der Divergenz. Möglich ist jedoch auch, dass magmatische Fluide entlang der Störungszonen aufsteigen und die Erdbeben triggern. Eine Bodendeformation wird derzeit nicht angezeigt.

Anhaltende Erdbeben gibt es auch am Grjótárvatn an der Basis der Snæfellsnes-Halbinsel. Hier wurden auf Wochensicht mehr als 30 schwache Erschütterungen in Tiefen zwischen 15 und 17 Kilometern registriert, die auf Fluide hindeuten, welche im unteren Bereich der Erdkruste intrudieren. Auffällig ist, dass sich in den vergangenen Wochen vermehrt Erdbeben im Westen Islands ereignen.

Dennoch steht auch der Südwesten weiterhin im Fokus des Interesses. Dort konzentriert sich die seismische Aktivität auf den Offshore-Bereich zwischen Reykjanestá und Eldey, aber auch auf das Krýsuvík-System.

Situation bei Svartsengi und Grindavik

Svartsengi. © IMO

Besonders zwischen dem 11. und 14. Mai wurden mehrere schwache Erdbeben zwischen Grindavik und Thorbjörn registriert. Insgesamt waren es 13 Ereignisse in den vergangenen sieben Tagen. Zudem wird dort eine relativ starke Bodenhebung detektiert: Seit November ist die Messstation GRIV nördlich von Grindavik wieder online und zeichnete eine Hebung von 15 Zentimetern auf. Doppelt so viel wurde an der Messstation SENG gemessen, wo sich der Boden seit August 2025 um 37 Zentimeter anhob. Nachdem die Hebegeschwindigkeit im Dezember deutlich zurückgegangen war, beobachten wir seit April wieder eine leichte Beschleunigung. Ein Vulkanausbruch in dem bekannten Gebiet bleibt weiterhin jederzeit möglich, wobei nicht ausgeschlossen werden kann, dass Grindavik erneut in Mitleidenschaft gezogen wird.

Island: Erdbeben Mb 3,6 bei Mosfellsheiði

Erdbeben Mb 3,6 erschüttert Nordende des Hengill-Systems – Magmaakkumulation bei Svartsengi hält an

Am frühen Morgen des 13. Mai wurde um 00:31 Uhr auf der Mosfellsheiði nordöstlich von Reykjavík in Island ein Erdbeben der Magnitude 3,6 registriert. Das Hypozentrum lag nur 800 Meter unter dem Meeresspiegel. Um 07:30 Uhr wurden zwei weitere Beben mit den Magnituden 2,3 und 1,6 detektiert. Die Erdstöße sind Teil eines seit mehreren Tagen andauernden Schwarmbebens am Nordende des Hengill-Spaltensystems. Innerhalb von 48 Stunden wurden insgesamt 20 Erschütterungen registriert.



Mosfellsheiði. © Quake.run

Nach Angaben des Isländischen Wetterdienstes (IMO), der für Naturgefahren zuständig ist, wurde das Hauptbeben in weiten Teilen der Hauptstadtregion wahrgenommen, unter anderem in Mosfellsbær und im östlichen Reykjavík. Es handelt sich um das stärkste Ereignis in diesem Gebiet seit April 2021, als sich dort ein gleich starkes Erdbeben ereignete.

Die Lage des Epizentrums sowie die außergewöhnlich geringe Tiefe von nur 800 Metern werfen Fragen nach der genauen Ursache auf. Die Mosfellsheiði liegt am nordwestlichen Rand des Hengill-Vulkansystems, einer der aktivsten geothermisch-tektonischen Zonen Islands, in der sich die Reykjanes-Riftzone mit der Südisländischen Transformzone überschneidet. In unmittelbarer Nähe befindet sich zudem das Geothermiekraftwerk Nesjavellir, das seit Jahren heißes Wasser und Strom für die Hauptstadtregion liefert.

Die geringe Herdtiefe nährt die Diskussion, ob das Ereignis zumindest teilweise durch induzierte Seismizität im Zusammenhang mit der Geothermienutzung ausgelöst worden sein könnte. Die Injektion von Wasser in tiefere Reservoirs kann lokal den Porendruck erhöhen und bestehende Störungszonen aktivieren. Zwar sind solche Prozesse im Hengill-System dokumentiert, doch bleibt im aktuellen Fall unklar, ob die Energieentladung tatsächlich direkt durch menschliche Aktivitäten verursacht wurde oder ob sich natürlich aufgebaute tektonische Spannungen entladen haben.

Im Gegensatz zu Nesjavellir löst die weiterhin intensive geothermische Aktivität bei Svartsengi derzeit keine nennenswerten Erdbeben aus – weder induzierte noch vulkanotektonische. Dennoch hält die Bodenhebung weiter an. Laut einem gestern veröffentlichten IMO-Update nähert sich die Magmaakkumulation seit dem Ende der letzten Eruption Anfang August 2025 der Marke von 26 Millionen Kubikmetern.

Die Wissenschaftler bestätigten eine Bodenhebungsrate von 20 Millimetern pro Monat, was einem wert von gut 0,7 Millimetern pro Tag nahekommt.

Die seismische Aktivität bleibt vergleichsweise gering. Lediglich vereinzelt auftretende schwache Erdbeben mit Magnituden bis 2,0 wurden entlang der Kraterreihe Sundhnúkur registriert. Dennoch deuten Modellrechnungen klar auf eine fortgesetzte Magmaakkumulation unter dem System hin.

Die Behörden halten weiterhin die Bildung eines magmatischen Gangs sowie einen möglichen erneuten Ausbruch entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe für das wahrscheinlichste Szenario. Die aktuelle Gefährdungsbeurteilung bleibt unverändert und mindestens bis zum 30. Juni in Kraft, während das Überwachungsteam des IMO die Entwicklung rund um die Uhr beobachtet.

Erdbeben auf Island: Langjökulll und Bardarbunga im Fokus

Erhöhte Seismizität auf Island: Schwarmbeben an den Vulkansystemen Langjökull und Bárðarbunga

In den letzten Tagen ist die Erdbebenaktivität auf Island wieder erhöht. In den vergangenen 48 Stunden wurden 157 Erdbeben registriert. Nicht alle wurden bisher manuell überprüft, dennoch kristallisiert sich bereits ein Muster heraus: Im Fokus der Bebenserie stehen zwei vulkanisch interessante Gebiete, von denen eines häufig, das andere dagegen nur selten in den Schlagzeilen auftaucht.

Bei dem selten erwähnten Gebiet handelt es sich um den Langjökull. Dieser Gletscher im Zentrum Islands bedeckt einen Zentralvulkan. Etwas südwestlich der gletscherbedeckten Caldera manifestierten sich zwischen dem 10. und 12. Mai 2026 mehrere Dutzend Erschütterungen, überwiegend mit Magnituden zwischen M 0,3 und M 1,9. Das stärkste Ereignis war ein Erdbeben der Magnitude M 3,0, das sich am 11. Mai um 14:24 UTC in nur 2,2 Kilometern Tiefe ereignete.

Der Erdbebenschwarm liegt im Übergangsbereich zwischen dem westisländischen Rift und den vulkanotektonischen Strukturen südwestlich des Gletschers Langjökull. Im Umfeld des Langjökull existieren mehrere ruhende bis schwach aktive Vulkansysteme, darunter das Gebiet von Prestahnúkur sowie die Riftstrukturen in Richtung Skjaldbreiður.

Auffällig ist die enge Bündelung der Epizentren, kombiniert mit einer ungewöhnlich breiten Tiefenverteilung. Es gab sowohl oberflächennahe Beben in 0 bis 5 Kilometern Tiefe als auch Erschütterungen in Tiefen von 16 bis 18 Kilometern. Mehrere Ereignisse traten zudem in kurzen zeitlichen Abständen auf, was typisch für Schwarmseismizität ist. Solche Muster werden in Island gewöhnlich dann beobachtet, wenn tektonische Spannungen entlang bestehender Störungen freigesetzt werden – möglicherweise begleitet von Fluidbewegungen oder tiefer liegenden magmatischen Druckänderungen.

Die Region liegt im Einflussbereich des westlichen Vulkangürtels (Vestra gosbeltið), einer aktiven Riftzone Islands. Hier driften die tektonischen Platten entlang des Mittelatlantischen Rückens auseinander, während gleichzeitig der Island-Hotspot Magma in die Kruste einspeist. Dadurch entstehen Dehnung, Störungsbewegungen und periodisch magmatisch beeinflusste Spannungsumlagerungen.

Der zweite Schwarm am Bárðarbunga hält bereits seit Wochen an, zeigt jedoch unterschiedliche Intensitäten. In den vergangenen zwei Tagen wurden im Bereich des Vatnajökull 57 Erdbeben detektiert, die meisten davon unter dem genannten Zentralvulkan. Die meisten Beben hatten Magnituden kleiner als 1,0 und lagen in Tiefen von weniger als fünf Kilometern. Die stärkste Erschütterung heute Morgen erreichte eine Magnitude von 2,1 in 0 Kilometern Tiefe und lag damit auf Meeresspiegelniveau.

Bárðarbunga befindet sich in einem langjährigen Aufladungsprozess, und Schwarmbeben stehen hier vermutlich mit fluidbedingten Spannungsumlagerungen in Zusammenhang, die Störungszonen im Deckel der Caldera aktivieren.

Weitere Erdbeben gab es am Grjótárvatn bei Borgarnes sowie an verschiedenen Systemen der Reykjanes-Halbinsel. Im Bereich von Svartsengi wurden vereinzelt schwache Beben registriert. Die Bodenhebung setzt sich dort unverändert fort.

Island: Erdbebenschwarm bei Hrómundartindi im Hengill-System

Erdbebenschwarm im Hengill-System auf Island – leicht steigende Seismizität bei Svartsengi

Auf Island wurden in den letzten 48 Stunden 137 Erschütterungen registriert. Davon manifestierten sich 47 im Bereich des Vatnajökull an den Zentralvulkanen Bárðarbunga und Askja. Aber auch im Westen Islands gab es Beben, unter anderem am Grjótarvatn nördlich von Borgarnes. Auffällig ist zudem ein Erdbebenschwarm bei Hrómundartindur im Hengill-System unweit des Þingvallavatn, wo 26 Beben mit Magnituden unter Mb 1,5 registriert wurden. Hier läuft das noch zu Reykjanes gehörende Hengill-Spaltensystem aus. Weiter westlich bebt es bei Krýsuvík, Reykjanestá und sogar im Gebiet von Svartsengi/Fagradalsfjall und Grindavík.



Tatsächlich betrachtet gab es in der vergangenen Woche statistisch gesehen täglich ein Beben im Bereich zwischen der Blauen Lagune und Grindavík, also dort, wo die Bodenhebung weiterhin anhält. Die stärkste Bodenhebung wird an der Messstation HS02 registriert, wo sie inzwischen fast 40 cm beträgt. Die Station befindet sich südwestlich der Blauen Lagune. Eine genauere Analyse der Hebungsdaten zeigt zudem, dass sich der Boden in Grindavík seit November um 7 cm angehoben hat. Im Westen bei Eldvörp beträgt die Hebung seit August 25 cm, im Osten an der Basis des Fagradalsfjall hingegen nur 5 cm.

Damit deutet sich an, dass sich das Magma derzeit stärker nach Westen ausbreitet als nach Osten, wo es bislang entlang der Sundhnúkur-Spalte eruptierte. Das sagt einiges über die Schwächezonen in der Region aus, bedeutet aber gleichzeitig, dass ein Ausbruch in westlicher Richtung nicht abwegig erscheint, da sich im Untergrund offenbar Veränderungen vollziehen. Möglicherweise hat sich der Untergrund im Osten durch die Magmaintrusionen so stark verfestigt, dass sich das Magma künftig einen anderen Weg suchen muss. Die Vulkanologen des IMO halten einen Ausbruch entlang der Sundhnúkur-Spalte dennoch weiterhin für das wahrscheinlichste Szenario.

Die Erdbeben in den übrigen hier genannten Regionen gehen momentan ohne größere Bodendeformationen einher. Daher scheint das Risiko einer Eruption an einem der anderen isländischen Vulkane trotz der erhöhten Seismizität derzeit eher gering zu sein.

Erdbebenaktivität auf Island weiterhin erhöht

Hohe Erdbebenaktivität auf Island – Katla im Fokus des Geschehens

Auf Island bleibt die Erdbebenaktivität erhöht. Insbesondere unter der Katla, wo es gut 20 Beben gab, aber auch unter Bárðarbunga, Krýsuvík und im Bereich von Eldey vor der Südwestspitze von Reykjanes, bebte die Erde oft. Das seismische Netzwerk des IMO registrierte innerhalb von 48 Stunden 141 Erschütterungen. Zwar ist das kein Spitzenwert, dennoch sind die Beben ein Anzeichen für den fortlaufenden Spannungsabbau in der dünnen Erdkruste Islands.

Die Spannungen entstehen einerseits infolge tektonischer Prozesse entlang der beiden isländischen Riftzonen, die divergenter Natur sind: Dadurch, dass sich die Kontinentalplatten Europas und Nordamerikas voneinander entfernen, wird die Erdkruste ausgedünnt und reißt quasi auf, was zu Erdbeben führt. Die gleichen Prozesse bewirken auch, dass Wege für aufsteigendes Magma freigemacht werden. Dieses steigt aus der Tiefe auf und versucht gewissermaßen, die Risse und die Krustenausdünnung auszugleichen. Der Magmenaufstieg sowie die Bewegung von Fluiden entlang von Störungszonen verursachen ihrerseits ebenfalls Erdbeben.

Insbesondere unter den großen Zentralvulkanen und im bekannten Bodenhebungsgebiet bei Svartsengi akkumuliert sich bereits Magma in der Erdkruste, und die Vulkane bereiten sich auf mögliche Ausbrüche vor. Wann es tatsächlich zu einem Ausbruch kommt, lässt sich derzeit jedoch nicht vorhersagen.

Am weitesten fortgeschritten ist der Prozess der Magmenakkumulation offenbar im Gebiet von Svartsengi. Dort bestätigen die GNSS-Messwerte ein anhaltendes Bodenheben – mit der Einschränkung, dass die letzten beiden Messwerte wieder aus dem Rahmen fallen und eine leichte Subsidenz anzeigen. Seit dem Ende der letzten Eruption Anfang August 2025 hob sich der Boden hier um gut 38 Zentimeter. Damit wurde ungefähr das Niveau erreicht, das bereits vor Beginn der letzten Eruption gemessen worden war.

Da sich das Magma nicht überall gleichmäßig ansammelt und die aktuelle Hebungszone ausgedehnter ist als vor dem letzten Ausbruch, dürfte sich inzwischen mehr Magma angesammelt haben als vor jedem anderen Ausbruch der Sundhnúkur-Serie. Eine weitere Eruption gilt daher weiterhin als wahrscheinlich und könnte jederzeit einsetzen. Es wird allerdings nur eine kurze Vorwarnzeit erwartet.

Island: Von Erdbeben und Bodenhebung

Erdbeben unter verschiedenen Vulkansystemen auf Island – Katla und Bárðarbunga im Fokus

Unter mehreren isländischen Vulkansystemen entlang der beiden Arme der Rift- und Vulkanzonen ist die Erdbebenaktivität erhöht. Besonders im Fokus stehen die Vulkane Katla und Bárðarbunga, wo es heute kleine Erdbebenschwärme gab. Im Bereich von Bárðarbunga und Askja wurden in den letzten 48 Stunden 30 Beben registriert. Unter Katla waren es 20 Erschütterungen. Im Gegensatz zu den Beben der letzten Woche war die Signalqualität diesmal hoch und lag bei 99 %, sodass davon ausgegangen werden kann, dass die Beben real waren und nicht durch Störungen verursacht wurden.

Erdbeben der letzten sieben Tage auf Island. © IMO

Beide großen Zentralvulkane befinden sich in einem stetigen Stadium der Aufladung, die zumindest im Fall der Katla langsamer verläuft, als man vor Jahren annahm. Statistisch gesehen ist dieser subglaziale Vulkan im Süden Islands, der unter dem Gletscher Mýrdalsjökull verborgen liegt, überfällig. Anders sieht es bei Bárðarbunga aus, der erst im Jahr 2014 eine große Eruption erzeugte. Damals ging man davon aus, dass der Wiederaufladungsprozess Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte dauern könnte. Inzwischen vermuten einige Forscher jedoch, dass die nächste Eruption nicht ganz so lange auf sich warten lassen könnte. Seit Jahresanfang wird hier eine erhöhte Seismizität festgestellt, die sich weniger in massiven Schwarmbeben äußert als in einer recht kontinuierlichen Aktivität mit bis zu zehn schwachen Beben pro Tag.

In Bezug auf die Bodenhebung sieht es an beiden Vulkanen eher ruhig aus. Anders verhält es sich bei Svartsengi auf Reykjanes, wo die Inflation anhält und der Boden mit einer Rate von etwa 0,7 mm pro Tag langsam, aber stetig ansteigt. Es haben sich bereits über 25 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt, und die IMO-Vulkanologen rechnen weiterhin mit einer Eruption entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe.

Die Seismizität in der Bodenhebungszone bleibt gering, und es zeichnet sich eine seismische Lücke ab, da sich in den Spaltensystemen westlich und östlich von Svartsengi durchaus Erdbeben ereignen. Die meisten werden derzeit im Krýsuvík-System und in den Brennisteinsfjöll registriert.

Abseits der beiden Riftarme Islands manifestieren sich an der Basis der Snæfellsnes-Halbinsel Erdbeben beim Grjótárvatn. Auch hier gibt es Hinweise auf Magmaakkumulation in der Tiefe, und langfristig könnte sich ein Vulkanausbruch anbahnen.

Island: Bodenhebung setzt sich Ende April fort

Anhaltende Bodenhebung bei Svartsengi: Magma sammelt sich weiter – Ausbruch bleibt wahrscheinlich

Unter dem Geothermiegebiet von Svartsengi auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel bleibt die Lage weiter angespannt. Neue Messdaten und ein Update von IMO bestätigen, dass sich die Magmaansammlung im Untergrund langsam aber stetig fortsetzt. Nach Einschätzung der Geoforscher und Gefahrenanalysten bleibt eine Magmaintrusion in Richtung der Sundhnúkur-Kraterreihe und ein daraus resultierender Vulkanausbruch das derzeit wahrscheinlichste Szenario.

Svartsengi. © IMO

Seit dem letzten Ausbruch im Juli/August 2025 haben sich modellrechnungen zufolge inzwischen fast 25 Millionen Kubikmeter Magma unter Svartsengi angesammelt. Die Erdoberfläche hebt sich dabei um etwa zwei Zentimeter pro Monat, was als ein deutliches Zeichen für zunehmenden Druck im magmatischen System interpretiert wird.

Eine neue satellitengestützte InSAR-Analyse bestätigt diese Entwicklung. Die jüngsten Auswertungen, die Veränderungen der Erdoberfläche durch den Vergleich mehrerer Aufnahmen sichtbar machen, zeigen eine anhaltende Hebung im Bereich Svartsengi. Andere Teile der Reykjanes-Halbinsel weisen hingegen keine vergleichbaren Deformationen auf. Ein InSAR-Satellitenbild, das die Veränderungen der Bodenhebung zwischen Mitte März und Mitte April dokumentiert, zeigt die fortschreitende Hebung in Form von Farbringen. Diese sind aber bei weitem nicht so prägnant, wie es auf früheren Bildern der Fall war, als Dutzende eng beieinander liegende Farbringe auftraten.

Trotz der wachsenden Magmamengen im Untergrund bleibt die seismische Aktivität weiter auf niedrigem Niveau. Die meisten registrierten Erdbeben haben Magnituden im Bereich der Mikroseismizität, wenngleich in den vergangenen zwei Wochen ein leichter Anstieg der Seismik beobachtet wurde. Die geringe Seismizität muss in diesem Stadium der Bodenhebung aber nicht im Widerspruch zu einem erwarteten Ausbruch stehen, sondern spiegelt wieder, dass der Boden mehrfach gespannt und entspannt wurde und nun nicht mehr empfänglich für Spannungsaufbau und Erdbeben ist, ähnlich wie ein ausgeleiertes Gummiband im Hosenbund.

Weiterhin gilt, dass die Vorwarnzeit einer Eruption sehr kurz ausfallen könnte. Sollte sich eine Intrusion in Richtung der Kraterreihe bewegen, könnte ein Ausbruch mit nur kurzer Vorlaufzeit einsetzen. Prognosen gehen derzeit von einem Zeitfenster von weniger als einer Stunde aus – eine Herausforderung für den Katastrophenschutz.

Island: Erhöhte Seismizität am Wochenende

Erdbebenaktivität in Island: Aktuelle Schwarmbeben vor Reykjanes und am Vatnajökull

Island zählt zu den seismisch aktivsten Regionen Europas. Die Lage auf dem Mittelatlantischen Rücken, wo die Nordamerikanische und Eurasische Platte auseinanderdriften, führt zu häufigen Erdbeben und intensiver vulkanischer Aktivität. Aktuelle Daten vom Wochenende zeigen eine ausgeprägte Phase seismischer Unruhe, insbesondere vor der Spitze der Reykjanes-Halbinsel, wo es bei Reykjanestá fast 100 Erschütterungen gab, und im Bereich des Vatnajökull-Gletschers mit dem Bárðarbunga, wo mehr als 60 Beben registriert wurden.

Island

Auf der IMO-Shakemap für Gesamtisland sind aktuell 248 Beben eingetragen, die sich in mehreren Regionen Islands entlang der Haupt-Divergenz-Zonen manifestierten. Einschränkend sei erwähnt, dass viele der Beben nur eine Signalqualität von 50 % hatten und noch nicht von einem Seismologen bestätigt wurden.

Der Fokus der Aktivität lag wenige Kilometer nordwestlich von Reykjanestá, wo am 25. April um 19:00 Uhr ein Erdbebenschwarm begann. Innerhalb kurzer Zeit wurden dort insgesamt gut 90 Beben registriert. Die meisten Ereignisse lagen unter Magnitude 2, doch es traten auch stärkere Beben auf: Ein Ereignis erreichte Magnitude 3,0, ein weiteres 2,5. Das stärkste Beben des genannten Zeitraums wurde am 26. April um 00:19 Uhr mit Magnitude 2,5 gemessen, mit einem Epizentrum, das 4,5 km westlich von Reykjanestá in geringer Tiefe von ca. 6 km lag.

Bodenhebung

Solche Schwärme sind typisch für die Region und stehen oft im Zusammenhang mit Spannungsabbau in der Erdkruste oder magmatischen Bewegungen. Erdbeben hier könnten auch mit den magmatisch bedingten Bodenhebungen bei Svartsenig in Verbindung stehen. Die neusten GNSS-Messungen zeigen, dass sich die Bodenhebung im April beschleunigt zu haben scheint. Schätzungen nach erhöhte sich die Magma-Aufstiegsrate in dem flachen Speichersystem auf über 1 Kubikmeter pro Sekunde.

Auch der Nordosten Islands zeigte erhöhte Aktivität im Bereich des Vatnajökull-Gletschers und des Bárðarbunga-Vulkansystems. Dort wurden 62 Beben registriert. Die meisten waren sehr schwach, wobei das stärkste Beben vom 25. April eine Magnitude von 3,2 erreichte. Das letzte Ereignis über Mb 3,0 manifestierte sich in diesem Gebiet Ende März (M3,8).

Die Tiefenverteilung reicht von oberflächennahen Ereignissen bis etwa 20 km, was auf komplexe Prozesse hinweist. Bárðarbunga ist bekannt für wiederkehrende seismische Aktivität, die häufig mit Druckveränderungen im magmatischen System des Zentralvulkans in Verbindung steht.

Interessant sind auch zwei Beben Mb 4,4 und 4,2, die sich am Sonntagnachmittag auf dem Reykjanes-Ridge ereignet haben. Ihre Epizentren lagen gut 200 Kilometer vor der Küste von Reykjanes. Die Herdtiefen wurden mit 10 km angegeben.