Tupungatito: Schwarmbeben unter dem Vulkan in Chile

Erdbebenschwarm am Tupungatito: Vulkanologen verstärken Überwachung

Der Vulkan Tupungatito wurde am Sonntagabend, 1. Februar 2026, von einem starken Erdbebenschwarm erschüttert, der den Feuerberg in den Fokus der chilenischen und argentinischen Vulkanologen rückte. Nach Angaben des chilenischen Geologie- und Bergbaudienstes SERNAGEOMIN registrierte das seismische Netzwerk mehr als 200 vulkanotektonische Erschütterungen, die in kurzer Folge zwischen 21:48 Uhr und 23 Uhr auftraten. Das stärkste Ereignis erreichte eine Magnitude von 3,3 bei einer Tiefe von 8 Kilometern und trat gegen 22:02 Uhr Ortszeit auf.




Die seismischen Signale werden als Folge von Gesteinsbrüchen durch Fluidaufstieg im Untergrund interpretiert, aber nicht als Signal eines unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruchs. Entsprechend blieb die technische Alarmstufe auf Grün, der niedrigsten Kategorie im chilenischen Warnsystem. SERNAGEOMIN und der Zivilschutzdienst SENAPRED betonten, dass weder Oberflächenveränderungen noch auffällige Gasemissionen oder Bodendeformationen beobachtet wurden, weshalb die Ausbruchsgefahr aktuell als gering eingestuft wird. Sollten die Prozesse, die zu den Erdbeben führten, über einen längeren Zeitraum andauern, steigt das Eruptionsrisiko.

Trotz der erhöhten Aktivität sehen die Behörden derzeit keine Gefahr für die Bevölkerung. Der Vulkan liegt in einer dünn besiedelten Hochgebirgsregion der Anden, und auch aus der nahegelegenen Gemeinde San José de Maipo wurden keine spürbaren Auswirkungen gemeldet. Die Überwachung werde jedoch weiter intensiv fortgeführt, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen, so ein Sprecher von SERRNAGEOMIN gegenüber lokalen Medien.

Der Tupungatito ist ein aktiver Stratovulkan in den südlichen Anden an der Grenze zwischen Chile und Argentinien. Er liegt etwa 70 Kilometer östlich der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile. Größere Ascheausbrüche könnten sich durchaus auf diese auswirken und insbesondere für Störungen am internationalen Flughafen sorgen. Mit einer Höhe von rund 5.600 Metern zählt er zu den markanten Gipfeln der Region. Der Vulkan ist Teil eines komplexen Systems. Seine Eruptionen sind oft kurzlebig, aber potenziell explosiv.

Der letzte größere Ausbruch ereignete sich zwischen 1958 und 1961, als Lavaströme mehrere Kilometer weit flossen und Asche bis nach Argentinien verfrachtet wurde. Eine schwache Ascheemission wurde zuletzt 1986 registriert. Seither zeigt der Tupungatito immer wieder Phasen erhöhter Seismizität, die als Ausdruck seiner anhaltenden Aktivität gelten.

Vogtland: Ursache der Schwarmbeben im Eger-Becken identifiziert

Neue GFZ-Studie lüftet das Rätsel um die Schwarmbeben im deutsch-tschechischen Vogtland

Forschende des GFZ Potsdam lösten das jahrzehntealte Rätsel um die Schwarmbeben im deutsch-tschechischen Grenzgebiet des Vogtlands, wo es im Eger-Becken (Cheb-Becken) immer wieder zu starken Erdbebenschwärmen kommt, so wie es zuletzt im Dezember 2025 der Fall war. Dabei fand die von mir priorisierte Theorie Bestätigung, dass die Beben eine Folge des Aufstiegs magmatischer Fluide sind.

Im Frühjahr 2024 wurde die Region Klingenthal–Kraslice im deutsch-tschechischen Grenzgebiet von einem außergewöhnlich starken Erdbebenschwarm erfasst – dem ersten dieser Größenordnung seit mehr als 125 Jahren. Über 8000 einzelne Beben registrierten Forschende im Vogtland und in Nordwestböhmen, einer Region, die weltweit als Hotspot für Schwarmbeben gilt. Eine jetzt veröffentlichte Studie unter Leitung von Dr. Pinar Büyükakpinar vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung liefert neue, detaillierte Einblicke in die Ursachen und die Dynamik dieses Ereignisses.

Bohrlochmesssystem

Möglich wurde die Analyse durch eine außergewöhnlich dichtes seismisches Netzwerk. Neben den fest installierten Stationen der Erdbebendienste in Sachsen und Tschechien kamen Bohrlochmessungen des internationalen ICDP-Projekts „Drilling the Eger Rift“ sowie temporäre Messnetze mit mehreren Hundert Sensoren zum Einsatz, die im Rahmen des Eger Large Seismic Experiment (ELISE) installiert worden waren. Dadurch konnten selbst kleinste Erschütterungen bis zu einer Magnitude von –0,5 präzise lokalisiert werden und das mit einer räumlichen Genauigkeit von unter 100 Metern.

Die Auswertung der Daten zeigt, dass sich der Erdbebenschwarm in zwei klar voneinander unterscheidbare Phasen gliederte. Zunächst breitete sich die seismische Aktivität über wenige Tage schnell und stark gerichtet entlang einer nordwest-südostlich orientierten Zone aus. In einer zweiten Phase folgte über mehrere Wochen hinweg eine langsamere, radiale Ausdehnung innerhalb einer bestehenden Verwerfungsstruktur in rund zehn Kilometern Tiefe.

Als treibende Kraft identifizieren die Forschenden aufsteigende Fluide magmatischen Ursprungs, die in diese Verwerfungszone eindrangen. Dabei handelt es sich jedoch nicht direkt um aufsteigendes Magma. Vielmehr stammen die Fluide aus tiefer liegenden magmatischen Prozessen, bei denen Magma im unteren Krustenbereich oder im oberen Erdmantel entgast.

Vogtland

Besonders in der ersten Phase des Schwarmbebens spielte ein leichtes, CO₂- und wasserreiches Fluid eine zentrale Rolle, das unter hohem Überdruck das Gestein hydraulisch aufbrach. In der zweiten Phase folgte der Zustrom deutlich größerer Mengen dichterer, vermutlich karbonat- oder salzhaltiger Fluide, die Scherbewegungen entlang der Verwerfung begünstigten und so spürbare Erdbeben auslösten.

Mehrere unabhängige Befunde sprechen für einen magmatischen Ursprung dieser Fluide: Dazu zählen mantelspezifische CO₂- und Helium-Isotopensignaturen, die langanhaltende Gasfreisetzung in Form von Mofetten und Mineralquellen sowie die physikalischen Eigenschaften der modellierten Fluide. Einen klar abgrenzbaren Magmenkörper konnten die Forschenden jedoch nicht nachweisen. Stattdessen deuten die Ergebnisse auf ein tiefes, diffuses magmatisches System hin, das über lange Zeiträume hinweg Fluide freisetzt, ohne dass Magma selbst in die obere Erdkruste aufsteigt.

Der Schwarm von 2024 gilt damit als eindrucksvoller „Naturversuch“, der zeigt, wie stark aufsteigende magmatische Fluide die Spannungsverhältnisse in der Erdkruste beeinflussen können. Zugleich unterstreicht er die Bedeutung einer grenzüberschreitenden, hochauflösenden Überwachung, um die komplexen Prozesse im Untergrund des Vogtlands künftig noch besser zu verstehen.

Quellen: Büyükakpınar, P., Dahm, T., Hainzl, S., Isken, M., Ohrnberger, M., Doubravová, J., Wendt, S. & Funke, S. (2025). Modelling of earthquake swarms suggests magmatic fluids in the upper crust beneath the Eger Rift. Communications Earth & Environment, 7, 6. https://doi.org/10.1038/s43247-025-03019-0; Pressemeldung GFZ. Lizenz der CC

Ätna: Bodenverformung bei Pedara

Nach Schwarmbeben unter der Ätna-Südflanke: Bodenverformung von 15 mm bei Pedara

Die Auswirkungen des kleinen Erdbebenschwarms, der sich am 17. November unter der Südflanke des Ätnas südlich des Ortes Pedara ereignete, sind offenbar noch größer als zunächst gedacht und es entstanden Risse im Asphalt von Straßen vor einer Schule bei Tremestieri. Nun bestätigte der Direktor des Ätna-Observatoriums, dass es zu Bodenverformungen von ca. 15 mm kam, von denen der Bereich zwischen der Schule „Madre Teresa di Calcutta“ und der Provinzstraße Tremestieri–Mascalucia am meisten betroffen ist.

Welcher Art die Bodenverformungen genau sind, wurde nicht zur Gänze erklärt. Es ist von einer Verschiebung die Rede und ich gehe davon aus, dass sich der Boden entlang der Tremestieri-Verwerfung hangabwärts bewegte. Die Tremestieri-Verwerfung gilt quasi als Stopper größerer Störungszonen, entlang derer sich die Ostflanke des Ätnas Richtung Meer verschiebt. Die drei stärksten Beben hatten laut INGV-Angaben die Magnituden 2,6, 2,4 und 2,3 und lagen in geringen Tiefen. Eigentlich ist es verwunderlich, dass die Bodenbewegungen nicht stärkere Erschütterungen hervorbrachten. Dabei ist das Phänomen nicht einzigartig: Bereits am 20. April 2008 kam es in der gleichen Region zu einem vergleichbaren Ereignis, bei dem das stärkste Beben Mb 3,2, sogar leichte Gebäudeschäden verursachte.

Interessant ist, dass nur wenige Tage später, am 13. Mai 2008, eine intensive Eruption begann, die mit einem Paroxysmus begann und zur Bildung einer Fraktur am Rand des Valle del Bove führte, aus der mehrere Monate lang ein Lavastrom floss.

Studien zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem langsamen Abgleiten der Ätna-Ostflanke und stärkeren Eruptionen gibt: Beide Phänomene stehen in einer komplexen Wechselwirkung und können sich gegenseitig verstärken, aber auch dämpfen. Es gibt auch Studien, die belegen, dass Magmenaufstieg die Störungszonen aktivieren kann, und so kommt es im Vorfeld stärkerer Eruptionsereignisse nicht selten zu ungewöhnlichen Erdbeben, die im größeren Zeitrahmen betrachtet dann wieder weniger gewöhnlich erscheinen.

Der INGV-Direktor Dr. Stefano Branca meinte jedenfalls, dass sich der Ätna derzeit in einer normalen Phase der Magmazufuhr aus größerer Tiefe befindet. Seiner Meinung nach ist die jüngste seismische Aktivität weder außergewöhnlich noch besorgniserregend und es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickelt.

Laacher-See-Vulkan: Erdbebenschwarm am Westufer

Erdbeben manifestierten sich unter dem Wall am linken Bildrand. © Marc Szeglat

Schwarmbeben am Westrand des Laacher-See-Vulkans – einzigartiges Ereignis

Datum: 10.10.2025 | Zeit: 03:43:50 UTC | Koordinaten:  50.407 ; 7.249 | Tiefe: 7 km | Mb 0,9

Unter dem Westrand des Laacher-See-Vulkans manifestiert sich ein ungewöhnlicher Erdbebenschwarm, der heute Nacht gegen 00:05:19 UTC (02:05:19 UHR MESZ) begann. Das stärkste Erdbeben der Sequenz ereignete sich in den frühen Morgenstunden und hatte eine Magnitude von 0,9 und einen Erdbebenherd in 7 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum wurde 11 km west-südwestlich von Andernach und wenige Meter nordwestlich der Abtei Maria Laach verortet. 

Laacher-See-Vulkan. © EMSC

Obwohl die Magnituden der Erschütterungen sehr schwach sind und im Bereich der Mikroseismizität liegen, ist es ein bis jetzt einzigartiges Ereignis, über das ich in den 25 Jahren meiner Berichterstattung für Vnet noch nicht schreiben durfte.

Das EMSC listet bis jetzt 5 dieser Mikrobeben mit Magnituden im positiven Bereich, die von den Seismometern des rheinland-pfälzischen Erdbebennetzwerks registriert wurden. Laut der Website Erdbebennews soll es aber 87 weitere extrem schwache Vibrationen mit negativen Magnituden gegeben haben, an deren Verifizierung der Erdbebendienst noch arbeitet. Bis die Beben bestätigt sind, sollte man diese Information mit einem „Grain of Salt“ betrachten.

Von den Anwohnern der Region konnten die Erdbeben nicht gespürt werden und eine Gefährdungslage bestand nicht.

In den letzten Tagen sind in der Eifel ungewöhnlich häufig Erdbeben aufgetreten, die ich der Randzone des Eifelmantelplumes zurechnete. So gab es am 8. Oktober ein Erdbeben mit Mb 0,8 in 32 Kilometern Tiefe, dessen Epizentrum zwischen Mendig und Kruft lag. Hierbei handelte es sich um ein sogenanntes Deep-Low-Frequency-Erdbeben. Diese Erdbebenart wurde am Laacher-See-Vulkan zum ersten Mal im Jahr 2013 registriert, kam in der letzten Zeit aber nur selten vor. Diese spezielle Erdbebenart steht nach Meinung von Geowissenschaftlern mit der Bewegung magmatischer Fluide im Grenzgebiet Erdmantel zur Erdkruste in Verbindung.

Auch wenn die aktuelle Seismizität noch keinen Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch liefert, zeigt sie, dass die Region um den Laacher-See-Vulkan magmatisch aktiver ist, als man früher angenommen hat. Langfristig betrachtet könnte sich hier wieder ein Vulkanausbruch ereignen.

Update: Die Erdbeben wurden teilweise durch manuelle Überprüfung neu bewertet. Jetzt hatten zwei Erdbeben eine Magnitude von 0,9. Dieses Beben hatte sich schon gestern um 22:01:02 UTC ereignet. Ein weiterer Erdstoß M 0,7 wurde unter dem Kloster detektiert. Insgesamt sind nun offiziell 7 Beben mit positiven Magnituden bestätigt. Sollten die Mönche eine wildes Sause gefeiert haben?

Update 10.10.25: Das LGB-Rheinland-Pfalz hat inzwischen 11 Erschütterungen mit Magnituden zwischen 0,3 und 0,9 in seine Erdbebenlisten aufgenommen und damit bestätigt.

Yellowstone: KI spürt Zehntausende unentdeckte Mikrobeben auf

Künstliche Intelligenz liefert neue Einblicke in eines der mächtigsten Vulkansysteme der Erde – Magmenkörper unter Yellowstone in nur 4 km Tiefe

Yellowstone ist Caldera und Nationalpark zugleich und weltberühmt für seine Geysire, heißen Quellen und weitläufigen Landschaften und geologisch betrachtet von höchster Bedeutung. Unter dem ältesten Nationalpark der USA verbirgt sich eine riesige Caldera, die von einem Supervulkanausbruch zeugt, der sich vor mehr als 640.000 Jahren ereignete. Doch der jüngste dieser Ausbrüche war nicht der erste und wahrscheinlich auch nicht der letzte: Statistisch gesehen ist eine weitere Supereruption überfällig, was zahlreiche Menschen besorgt und immer wieder Anlass zu Spekulationen bis hin zu sensationsheischenden Fakenews gibt. Neue Forschungsergebnisse zeigen nun, dass die Aktivität unter Yellowstone viel komplexer ist als bisher angenommen – und dass moderne Methoden wie maschinelles Lernen helfen, diese Prozesse besser zu verstehen.

Neue Studie mit Hilfe von KI generiert seismisches 3-D Modell und spürte Zehntausende übersehen Erdbeben auf

Ein Forschungsteam unter der Leitung des Ingenieurprofessors Bing Li analysierte in Zusammenarbeit mit dem United States Geological Survey und der Universidad Industrial de Santander in Kolumbien alte seismische Daten aus Yellowstone neu. Mithilfe von Deep-Learning-Algorithmen und einem dreidimensionalen Modell zur Ausbreitungsgeschwindigkeit von Erdbebenwellen entstand ein hochauflösender Erdbebenkatalog, der über 86.000 Ereignisse zwischen 2008 und 2022 dokumentiert – etwa zehnmal mehr als in bisherigen Auswertungen der Datensätze aufgefallen waren.

Mehr als die Hälfte dieser Erdbeben trat in sogenannten Schwärmen auf: Gruppen schwacher Beben, die sich in einem begrenzten Gebiet über Wochen oder Monate häufen, ohne dass ein dominierendes Hauptbeben erkennbar ist. Besonders auffällig: Diese Schwärme erscheinen oft nahe beieinander, sind aber durch längere Ruhephasen getrennt – ein bislang wenig verstandenes Muster.

Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass ein Zusammenspiel aus langsam wandernden hydrothermalen Fluiden und plötzlichen Flüssigkeitseinspritzungen die Ursache für viele dieser Schwärme sein könnte. Solche Einspritzungen entstehen vermutlich, wenn durch Druckaufbau in der Tiefe sogenannte Permeabilitätssiegel brechen und so den Weg für aufsteigende Fluide freigeben. Diese Vorgänge können entlang komplexer, unreifer Störungszonen stattfinden, die besonders tief unterhalb der Caldera auffällig häufig auftreten.

Magma in 3-4 Kilometern Tiefe

Innerhalb der Yellowstone-Caldera zeigten sich zudem vertikale Migrationsmuster: Erdbeben wanderten von der Tiefe in Richtung Oberfläche – ein typisches Zeichen fluidgetriebener Prozesse. Teilweise trat die Seismizität dabei in mehreren Tiefenabschnitten gleichzeitig auf, getrennt durch eine aseismische Zone. Diese Zone fällt mit einem vermuteten Magmareservoir in etwa 3–4 Kilometern Tiefe zusammen und deutet auf einen aktiven Austausch zwischen magmatischen und hydrothermalen Prozessen hin.

Die Region wird kontinuierlich überwacht, da sie eines der wenigen Gebiete ist, in denen sich magmatische, tektonische und hydrothermale Prozesse in engem Zusammenspiel beobachten lassen. Die aktuellen Studien zeigen, dass viele seismische Prozesse nicht eruptiven Ursprungs sind, sondern durch die Bewegung von Flüssigkeiten innerhalb des komplexen Störungssystems ausgelöst werden. Für die Vulkanforschung bedeutet das: Wer verstehen will, wie sich Vulkanausbrüche ankündigen oder wie Energie aus dem Erdinneren transportiert wird, muss tiefer graben – sowohl im Boden als auch in den Daten.

Fortschritt durch maschinelles Lernen

Bis vor wenigen Jahren wurden Erdbeben in Yellowstone manuell durch Expertenteams ausgewertet, was ein mühsamer und langwieriger Prozess war. Dank neuer Technologien wie maschinellem Lernen und neuronalen Netzwerken können nun große Mengen an seismischen Wellenformen schnell und präzise analysiert werden. Das ermöglicht nicht nur die Entdeckung bisher übersehener Ereignisse, deren Erdbebenwellen sich überlagert haben können, sondern auch ein besseres Verständnis für wiederkehrende Muster wie Erdbebenschwärme oder Flüssigkeitsbewegungen im Untergrund. (Quelle der Studie: https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adv6484)

Großangelegte seismische Messkampagne im Vogtland startet

Großangelegte seismische Messkampagne im Vogtland gestartet: 300 Sensoren sollen Erdbebenschwärme entschlüsseln

Heute wurde in einer Pressemeldung bekannt gegeben, dass das EGER LARGE SEISMIC EXPERIMENT (ELISE) an den Start geht. Dabei handelt es sich um eine der größten seismischen Messkampagnen, die jemals in der EU durchgeführt wurden: Mehr als 300 mobile seismische Messstationen werden auf einer Fläche von 10.000 Quadratkilometern installiert und mindestens ein Jahr lang betrieben. Falls die bis dahin gesammelten Daten nicht ausreichen sollten, ist auch eine Verlängerung möglich. Ziel der Messkampagne ist es, dem Rätsel der Schwarmbeben im Egerbecken auf die Spur zu kommen. Diese befindet sich in der deutsch-tschechischen Grenzregion, genauer im Vogtland und Nordwestböhmen.

Bei einem Schwarmbeben handelt es sich um eine spezielle Form seismischer Aktivität, bei der innerhalb weniger Wochen oder Monate tausende schwache Erdbeben auftreten, jedoch ohne dass sich ein dominierendes Hauptbeben manifestiert.

Die Schwarmbeben im Egerbecken waren schon oft Gegenstand meiner Berichterstattung – zuletzt im März und April 2025. Die Schwarmbeben treten seit mindestens 125 Jahren periodisch auf und nähren u.a. Befürchtungen, dass es langfristig betrachtet zu einem Vulkanausbruch kommen könnte, denn eine mögliche Ursache für die Beben sind Bewegungen magmatischer Fluide an der Grenze zwischen Erdkruste und Asthenosphäre. Ausdünstungen von Mofetten, die auf der tschechischen Seite des Areals auftreten, deuten auf Gase magmatischen Ursprungs hin.

Eine weitere Ursache der Erdbeben könnten auch Störungszonen sein, die in der Gegend verlaufen und wahrscheinlich mit Rifting-Prozessen zusammenhängen.

Im Endeffekt sind die genauen Ursachen dieser Schwarmbeben sind bis heute nicht vollständig verstanden. Ein internationales Forschungsteam will das nun ändern.

Seismisches Array

Das seismische Array soll den Untergrund der Region in bislang unerreichter Detailtiefe durchleuchten. Auch wenn bis jetzt keine genauen Einzelheiten zu den geplanten Untersuchungen bekannt wurden, will man das Verfahren der seismischen Tomografie anwenden, mit dessen modernen bildgebenden Verfahren ein dreidimensionales Modell der Strukturen des tieferen Untergrundes erstellt werden kann. Zudem könnten moderne, KI-unterstützte Systeme eingesetzt werden, um sehr schwache Erdbeben zu lokalisieren, die bislang unentdeckt bleiben.
Die neuen Daten sollen helfen, die seismische Aktivität des Vogtlands besser zu verstehen – und möglicherweise neue Erkenntnisse über tiefe magmatische Prozesse liefern.

Beteiligt sind das Deutsche GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam sowie Universitäten aus Potsdam, Leipzig, Freiberg, Jena, München, Erlangen und Münster. Auch der Sächsische Geologische Dienst und die Akademie der Wissenschaften in Prag sind Teil des Projekts.

Hier ein Video von mir, dass ich vor fast zwei Jahrzehnten im Egerbecken, dass auch Cheb-Becken genannt wird, gedreht habe. Das Video ist kommentiert, also Ton anschalten und die kleine Glocke betätigen, wenn es euch gefällt!

Vogtland: Erdbeben M 2,2 am 12.04.25

Datum: 12.04.2025 | Zeit: 20:06:32 UTC | Koordinaten: 50.278 ; 12.423 | Tiefe: 1 km | Mb 2,2

Weiteres Schwarmbeben im Vogtland – Stärkste Erschütterung M 2,2

Das Grenzgebiet des Vogtlands zwischen Deutschland und Tschechien ist erneut Schauplatz eines Erdbebenschwarms, in dessen Rahmen in den letzten Tagen mehrere Erdbeben mit Magnituden über 1 auftraten. Das stärkste Erdbeben ereignete sich am Abend des 12. April um 20:06:32 UTC. Das Hypozentrum wurde in nur 1000 m Tiefe lokalisiert. Das Epizentrum lag laut EMSC 10 km südlich von Klingenthal, einem Ort auf der deutschen Seite der Grenze, weswegen der Erdstoß Deutschland zugerechnet wird. Tatsächlich befindet sich das Epizentrum jedoch bereits auf tschechischem Boden.

Das Geophysikalische Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften verortete den Erdstoß westlich des Ortes Luby, mitten in einem Erdbebenhaufen, der sich bereits in der letzten Märzwoche gebildet hatte. Dieser Cluster ist Zeugnis eines sehr intensiven Schwarmbebens, das sich aus mehr als 1200 Erdstößen zusammensetzt. Die aktuellen Beben von gestern mitgerechnet kommt man auf 1218 Erschütterungen. Ich würde die aktuellen Beben ebenfalls diesem Schwarm zurechnen, denn der Untergrund hat sich seit dem starken Ereignis nicht wieder beruhigt.

Die Angaben zum oben erwähnten stärksten Erdstoß der Sequenz weichen bei den Tschechen etwas von jenen des EMSC/GFZ ab: Hier wird eine Magnitude von 2,8 angegeben und ein Hypozentrum in knapp 10 km Tiefe.

Der Erdstoß wurde von Anwohnern des Vogtlandes wahrgenommen. So liegen dem EMSC mehrere Wahrnehmungsmeldungen vor. Ein Bebenzeuge in fast 40 km Entfernung beschreibt seine Wahrnehmung so: „Ein längeres Grollen war zu vernehmen. Keine Erschütterungen gespürt.“ Menschen näher am Epizentrum hörten das Beben nicht nur, sondern spürten auch den Erdstoß. Das beschriebene Grollen kenne ich von meinen bisherigen Erdbebenwahrnehmungen ebenfalls gut: Es ist sehr niederfrequent und trifft meistens vor den Erschütterungen ein, sodass einem einige Sekunden Zeit bleiben, um in Deckung zu gehen – vorausgesetzt, man ordnet das Geräusch einem nahenden Erdbeben zu.

Die Schwarmbeben im Vogtland sind ein seit Jahrhunderten bekanntes Phänomen, das immer phasenweise auftritt. Forschungen der letzten Jahre legen nahe, dass Fluidaufstieg aus der Tiefe Spannungen im Untergrund erzeugt, die dann lokale Störungszonen aktivieren, welche die Spannungen in Form von Erdbeben abbauen. Das stärkste gemessene Erdbeben ereignete sich Mitte der 1980er-Jahre und hatte eine Magnitude von 4,6.

Campi Flegrei: Beben intensivierten sich nach Abschwächung

Campi Flegrei (Solfatara) aus der Vogelperspektive. © Marc Szeglat

Erdbebenaktivität der Campi Flegrei nach kurzer Abschwächung wieder hoch – Weitere spürbare Beben

Datum 19.02.25 | Zeit: 14:55:11 UTC | Koordinaten: 40.8282 ; 14.1420 | Tiefe: 2,4 km | Mb 3,1

Die Nerven in Pozzuoli liegen zusehends blank und die Leute werden von Tag zu Tag nervöser. Das liegt nicht nur an den Beben selbst, sondern auch an der offensichtlichen Ratlosigkeit von Behörden und Forschern, die nicht wissen, was sie tun sollen. Hohe Regierungsbeamte, darunter Vertreter des Zivilschutzes und sogar der zuständige Minister Nello Musumeci, reden in Zeitungs- und Fernsehinterviews um den heißen Brei herum und sprechen von einem „außerordentlich komplexen Phänomen“, allerdings ohne Führungsqualitäten zu beweisen. So bleibt die Bevölkerung ratlos zurück und fragt sich, was sie machen soll: Viele Anwohner der erdbebengeplagten Region haben ihre Heimat aber inzwischen verlassen, aus Angst vor einem starken Erdbeben oder sogar Vulkanausbruch.

Heute Nacht und am Nachmittag gab es weitere Erdbeben mit Magnituden im Dreierbereich, die im Umfeld der Caldera deutlich wahrnehmbar waren. Vor den Dreierbeben ging die Aktivität etwas zurück, nur um sich danach mit großer Intensität fortzusetzen. Tatsächlich dürfte es sich mittlerweile um das stärkste Schwarmbeben der Hebungsphase handeln, zumindest was die reine Anzahl der Beben anbelangt.

Gestern Abend gab es eine Bürgerversammlung, bei der sich Vertreter des Zivilschutzes den Fragen besorgter Bürger stellten. Die Luft vibrierte wohl nicht nur infolge der Erschütterungen, sondern auch vor Spannung zwischen Bürgern und Beamten. Auf die Frage, was bei einem Beben der Magnitude 5 passieren werde, erklärte Fabio Ciciliano, Leiter des Zivilschutzes, dass ein Erdbeben der Stärke 5 zum Einsturz von Gebäuden und zu Todesopfern führen könne. Dennoch betonte er, dass es derzeit keinen Grund gebe, die Alarmstufe von Gelb auf Orange zu erhöhen. Die Erdbeben seien Teil der geologischen Natur der Region, mit der man in den Campi Flegrei seit Jahrtausenden leben müsse. Er fügte hinzu, dass diejenigen, die Erdbeben nicht spüren wollen, das Gebiet verlassen sollten.

Mich persönlich flasht diese Antwort ziemlich und zeigt, dass man in hoher Position nicht willens und fähig ist, Verantwortung zu übernehmen und die Prozesse hinter den Erdbeben nicht verstanden hat. Offenbar hofft man darauf, dass nichts Schlimmeres passiert als das, was wir bereits kennen, was natürlich gut sein kann. Doch ein Minister des Zivilschutzes, der auf das Prinzip Hoffnung setzt und handlungsunfähig ist, ist meiner Meinung nach völlig fehl am Platz!

Die Frage stellt sich nun, welche Vorzeichen einer sich möglicherweise anbahnenden Katastrophe man noch braucht, bevor wenigstens erste Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung eingeleitet werden. Zwischen jetzt und einem 5er-Erdbeben oder einer phreatischen Eruption wird es nicht unbedingt eine weitere Aktivitätssteigerung geben. Also entweder reagiert man -auch auf die Gefahr eines Fehlalarms hin-, oder man kann diesen ganzen Katastrophenschutzzauber ad acta legen und sich die Gelder sparen.

Santorin: Schwarmbeben verursacht Fluchtbewegung

Schwarmbeben bei Santorin im vollen Gang – Panik löst Flucht aus

Datum 03.02.25 | Zeit: 12:17:42 UTC | Koordinaten: 36.648 ; 25.654 | Tiefe: 13 km | Mb 5,1

Das Schwarmbeben nordöstlich von Santorin geht unvermindert weiter. Es wurden inzwischen Hunderte Erdbeben mit Magnituden zwischen 2 und 5,1 registriert, wobei das letztgenannte Beben erst vor wenigen Minuten registriert wurde. Die Beben konzentrieren sich vor der Küste der Vulkaninsel und unweit des submarinen Vulkans Kolumbos. Die Hypozentren liegen in Tiefen zwischen 5 und 17 Kilometern. Der Ursprung der Beben ist weiterhin ungeklärt. Sie können infolge einer magmatischen Gangintrusion entstehen, die vom Kolumbos ausgeht, oder durch Magmenaufstieg verursacht werden. Da der Vulkan am Südwestende eines Rifts mit mehreren signifikanten Störungen liegt, sind auch tektonisch bedingte Erdbeben denkbar. Die Beben liegen allerdings nicht genau auf einer Störungszone (schwarze Linien in der Shakemap), sondern dazwischen. Es lässt sich auch nicht ausschließen, dass unterirdische Magmabewegungen die Störungen aktivieren oder dass es vergleichbar mit Awash und Island ein verstärktes Rifting gibt, bei dem eine Magmenintrusion eine Rolle spielt.




Zusammenfassend lassen sich nach aktuellem Kenntnisstand 4 Szenarien aufstellen:

  • Die Beben sind magmatischen Ursprungs und stehen mit Magmenaufstieg und/oder Gangintrusion in Verbindung
  • Aufsteigendes Magma (magmatische Fluide) löst tektonische Erdbeben aus, indem es Spannungen erzeugt und Störungszonen aktiviert
  • Die Seismizität ist rein tektonischen Ursprungs und spielt sich an Störungszonen ab ohne Einfluss von Fluiden
  • Es kommt zu einer Rifting-Episode mit Magmaeinfluss

Ich habe die Szenarien in der Reihenfolge -nach meiner Einschätzung- abnehmender Wahrscheinlichkeiten angeordnet. Bei den tektonisch geprägten Szenarien könnte ein Starkbeben die Folge sein. Sollte es einen größeren magmatischen Einfluss geben, könnte es zu einem submarinen Vulkanausbruch kommen. In der Folge beider Möglichkeiten ist die Entstehung eines Tsunamis nicht ausgeschlossen.

Für die Bewohner der Inselwelt um Santorin könnten schwerwiegende Konsequenzen entstehen. Entsprechend besorgt ist man dort. Besonders auf Santorin geraten viele Menschen in Panik. Viele übernachteten in ihren Autos oder im Freien, weil sie ein starkes Erdbeben fürchteten. In Medienberichten heißt es, dass viele Menschen die Insel verlassen möchten und sich vor den Ticketverkaufsstellen der Fährgesellschaften lange Schlangen bildeten. Auch die Flüge sind nahezu ausgebucht.

Die Wahrscheinlichkeit eines Starkbebens

Doch wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Starkbebens? Es ist zwar richtig, dass es Erdbebenschwärme vor einem Starkbeben geben kann, doch meistens treten sie nach einem Starkbeben in Form von Nachbeben auf. Ich halte die Wahrscheinlichkeit eines Starkbebens mit Magnituden größer 7 für vergleichsweise gering, obwohl es nicht ausgeschlossen ist, dass sich so ein Beben ereignen könnte.

Ein Vulkanausbruch, der sich an der Wasseroberfläche auswirkt, ist zwar möglich, aber nach aktuellem Stand der Dinge nicht sehr wahrscheinlich. Der Kraterboden von Kolumbos liegt in 500 m Tiefe, außerdem bebt es weniger im Kraterbereich des Vulkans, sondern an seiner nordöstlichen Basis, wo das Wasser noch deutlich tiefer ist. Sollte es hier zu einer Eruption kommen, ist zunächst mit Wasserverfärbungen und Entgasungen, schwimmende Bimssteine und toten Fischen zu rechnen. Damit surtseyanischen Eruptionen entstehen, müsste der Vulkan erst noch wachsen.

Dennoch sollte man auf Santorin und den umgebenden Inseln eine gewisse Vorsicht walten lassen und besonders gefährdete Gebiete meiden: In der Nähe von Klippen drohen Steinschläge und bereits mittelstarke Erdbeben könnten zu Gebäudeschäden führen. Den Anweisungen der örtlichen Behörden ist Folge zu leisten und man sollte sich vor Ort bei offiziellen Stellen informieren.

Weiterführender Link: Video Santorin: Impressionen der Insel