Pompeji, im Schatten des Vesuvs |
| Kaum eine Stadt beflügelt mehr die Phantasie, als die Ruinen von
Pompeji. Einst blühende Römerstadt, wurde sie im Jahre 79 n. Chr. vom
Vesuv zerstört und erst in der Neuzeit wiederentdeckt und ausgegraben.
Dabei kam der Untergang der Stadt keineswegs überraschend. |
Geschichtliches Die Gründung Pompejis geht auf die Griechen zurück, die im 6. vorchristlichen Jahrhundert einen dorischen Tempel an der Stelle des Forum Triangulare errichteten. Zuvor befand sich hier schon eine kleine, oskische Siedlung, die nun erweitert wurde. Ihre Lage, auf einem Lavastrom des Ur-Vesuvs, spielte eine große Rolle. Er bildet ein Plateau, 30 m über dem Meer, das, als einzige Erhöhung im Gelände, Schutz vor den feindlichen Etruskern bot. Im Schutz der Stadt schlossen sich die umliegenden Dörfer zusammen. Innerhalb von nur einer Generation wuchs eine wohlhabende Stadt heran. Der fruchtbare vulkanische Boden sorgte für reiche Ernten und es entstand ein lebhafter Handel mit Olivenöl und Wein, der an den hängen des Vesuvs prächtig gedieh. Der Hafen an der Mündung des Sarno entwickelte sich zum Warenumschlagplatz des Hinterlandes. Fischer ernteten die Früchte des Meeres und Pompeji wurde zum Hauptexporteur von Garum, einer würzigen Paste aus vergorenem Fisch, die bei den Menschen sehr beliebt war. Doch der Wohlstand zog die Römer an. 290 v.Chr. geriet Pompeji unter römische Herrschaft. Durch ihre finanzielle Unabhängigkeit konnte sich die Stadt auch eine gewisse politische Unabhängigkeit erhalten. Bis zum Jahr 62 n. Chr., als ein schweres Erdbeben viele Gebäude Pompejis und der umliegenden Siedlungen zerstörte. Die Hauptrichtung des Erdbebens verlief von Osten nach Westen. Dieses Beben war ein unmißverständliches Zeichen dafür, daß der schlafende Vesuv erwachte. Die Warnung blieb ungehört. Um finanzielle Hilfe für den Wiederaufbau zu bekommen wandte man sich an Rom, doch die Gelder flossen nur zögerlich bis überhaupt nicht. Darum wurde der Aufbau schließlich aus privaten Mitteln finanziert. Nur langsam kam man voran. Viele öffentliche Gebäude lagen noch in Trümmern und die Stadt glich einer riesigen Baustelle, als im Jahre 79 n. Chr. ihr Untergang endgültig besiegelt wurde. Der Vesuv wurde zum Schicksalsberg der Stadt.
Der Untergang einer Stadt Noch am Morgen des 24. August war die Welt in Pompeji in Ordnung gewesen. Keiner ahnte etwas von der bevorstehenden Tragödie, obwohl es schon Tage zuvor einige kleinere Erdbeben gegeben hatte. Doch für die Pompejianer war der Vesuv ein ganz normaler Berg. Die Stadtbewohner ahnten nichts von dem vernichtenden Potential des ruhenden Vulkans. Also ging man an jenem lauen Sommermorgen wie gewöhnlich seinem Handwerk nach und in den Küchen wurde gerade das Essen vorbereitet, als um 10.00 Uhr der Knall einer gewaltigen Explosion die Bewohner zusammenfahren ließ. Viele stürzten auf die Straßen, um zu sehen, was passiert war und denjenigen, die zum 10 Kilometer entfernten Vesuv aufsahen, bot sich ein schrecklicher Anblick. Der Vulkan hatte einen neuen Krater freigesprengt, der Gipfel des Berges war verschwunden. An dessen Stelle schossen riesige Lavafontänen in den Himmel. Felsbrocken rollten die Flanken des Berges hinunter. Nur kurze Zeit später wurde aus dem feurigen Rot eine riesige, schwarze, pinienförmige Wolke, die drohend den Himmel verdunkelte. In der Stadt wurde der Tag zur Nacht. Kurz darauf setzte ein leichter Regen aus Lapilli und Aschen ein, der sich schnell zu einem infernalischen Chaos steigerte. Die Menschen suchten Schutz in ihren Häusern, oder versuchten mit ihren wertvollsten Besitzen zu flüchten. Weißer Bims prasselte mit ohrenbetäubendem Lärm auf die Dächer und das Pflaster, dazu das rhythmische Grollen des Berges, der nun vermehrt auch größere Steine und glühende Lava auf die Stadt herabregnen ließ. Giftige Dämpfe strömten die Hänge des Vulkans hinunter. Das mußte der Zorn der Götter sein, der Weltuntergang. Ratlose Panik verbreitete sich unter der Bevölkerung. Bis zum Nachmittag war die Stadt unter einer 2,5 Meter dicken Bimsschicht begraben. Dächer zerbarsten unter der Last der Vulkanasche und stürzen ein. Zahllose Menschen fanden den Tod in ihren Häusern. Andere starben auf den Straßen, in dem verzweifelten Bemühen die Stadt zu verlassen. Gegen Abend dann, endete das unaufhörliche Bombardement. Die Leute kehrten zurück um zu retten, was zu retten war. Ein verhängnisvoller Fehler! In der Nacht zum 25. August kam die alles vernichtende Fracht. Eine Glutwolke aus heißer Asche und giftigen Dämpfen ging über Pompeji nieder und löschte aus, was noch lebte. Die Menschen erstickten, verbrannten und wurden schnell unter Asche begraben. Insgesamt wurden Millionen von Tonnen vulkanischen Gesteins und Aschen in die Luft geschleudert und regneten im Umkreis von 70 km nieder. Vier Tage lang hielten die Eruptionen an. Pompeji wurde unter einer 520 cm dicken Schicht aus Bims, Lapilli und Aschen begraben. Im Laufe der Zeit verwesten die Körper der Verschütteten bis auf die Skelette und hinterließen Hohlräume in der festgebackenen Lava. Die Forscher unserer Zeit gießen diese grausigen Formen mit Gips aus. Der Todeskampf der Pompejianer blieb so für die Nachwelt erhalten, bis ins letzte Detail. Mehr als 2000 Tote wurden bis jetzt entdeckt. Daß wir heute etwas über den Hergang der Katastrophe wissen verdanken wir nicht nur den Wissenschaftlern unserer Zeit, sondern auch einem Augenzeugen. Plinus der Jüngere erlebte die Katastrophe von Misenum aus, ca. 25 Kilometer vom Vesuv entfernt. Er berichtete später in 2 Briefen dem Historiker Tacitus was geschehen war.
Gegenwart und Zukunft Pompejis Viele Jahrhunderte ruhte Pompeji unter ihrem Leichentuch aus Asche. Bei ihrer Wiederentdeckung war Italien christlich geworden, das neue Pompeji ein Wallfahrtsort. Für die Wissenschaftler waren die alten Mauern die Sensation, für die Kirche ein heidnisches Sakrileg. Bis heute besuchen Touristen die Ausgrabungen und Einheimische die Wallfahrtskirche. Berührungspunkte gibt es kaum. Doch der Zahn der Zeit nagt an den Ruinen. Nahezu 2000 Jahre haben sie gut erhalten im Boden überdauert, jetzt droht ihnen der Zerfall. Weite Teile der Ausgrabungen sind bereits für Touristen gesperrt, es herrscht Einsturzgefahr. Wie immer mangelt es in Italien am Geld. So wird darüber diskutiert den Erhalt aus privaten Mitteln zu finanzieren, oder Pompeji als Werbefläche zu vermarkten. Absurd, doch vielleicht werden Sie in Zukunft einmal den "Jupitertempel presented bei Coca Cola" betreten. Dabei müsste schon viel Geld aus den Eintrittspreisen (derzeit ca. 9 Euro) in die Kassen fließen. Bei jährlich gut 2 Millionen Besuchern kommt hier einiges zusammen. Doch man benötigt ca. 250 Millionen Euro nur für die nötigsten Restaurierungsarbeiten. Viel Geld versickerte in der Vergangenheit auch in den mafiosen Strukturen der Behörden. Daher startete man 1998 ein ungewöhnliches Experiment. Pompeji wurde selbständig, die Eintrittsgelder fließen nun nicht mehr in die Staatskasse (oder wohin auch sonst), sondern werden von der Superintendenza Pompeji verwaltet. Ein Hoffnungsschimmer? Wir werden sehen. Und selbst wenn Geld für den Erhalt bereit steht, scheiden sich die Geister an der Art der Restaurierung. Ist eine alte Mauer die abgebaut und mit neuem Mörtel wieder aufgebaut wird noch immer eine alte Mauer? Schon meinen findige Puristen die besten Chancen auf Erhalt bestünden unter einer 520 cm dicken Aschenschicht. Derzeit werden viele Stadtkomplexe überdacht um der Feuchtigkeit und dem Regen, die als Hauptübel gehandelt werden, ein Schnippchen zu schlagen. Aber auch viele Besucher benehmen sich schlimmer als Vandalen. Sie haben keinen Respekt vor diesem Ort, der 2000 Jahre alte Geschichte erzählt. Unverständlich ist uns auch die Schließung des Antiquariums in Pompeji. Die Ausstellungsstücke des kleinen Museums wurde z.T. nach Boscoreale geschafft. Das dortige Museum bei der Villa..., ist modern und anschaulicher als die Sammlung im Nationalmuseum Neapel, obwohl dort die Mosaike und Kunstgegenstände ausgestellt werden. Meiner Meinung nach gehören die Ausstellungsstücke aber in die Nähe des Fundortes und nicht über das gesamte Gebiet des "Golf von Neapel" verstreut. Ein Trostpflaster bleibt; wenn Sie sich mit ihrem Besuch beeilen, gilt die Eintrittskarte für Pompeji, Herculaneum und dem Museum von Boscoreale. Ein Besuch in Pompeji Wenn Sie als Besucher nach Pompeji kommen, betreten Sie die Stadt durch die Porta Marina, die heute der Haupteingang ist. Sie war das Stadttor zum Hafen von Pompeji, der wegen seiner Lage an der Mündung des Flusses Sarno der wichtigste Hafen des campanischen Hinterlandes war. Von hier aus wurden alle umliegenden Siedlungen versorgt. So wie heute die Besucher durch die Porta in die Stadt hineingelangen, versuchten die Bewohner am 24. August 79 n. Chr. fluchtartig den Hafen zu erreichen, um sich vor der Katastrophe zu retten. Im Haus des Fauns, welches eines der größten und reichsten der Stadt war, liegt der Gipsabguß einer Frau. Vermutlich konnte sich die Hausherrin nicht damit abfinden ihren Reichtum aufgeben zu müssen. So raffte sie ihren Schmuck und eine Tasche voller Gold zusammen, um damit zu fliehen, doch das Dach stürzte ein und begrub sie mit ihrem Schatz. Bei ihr liegend wurden zwei pfundschwere Goldarmreifen, Ringe mit Kameen und 203 Sesterzen gefunden, die heute im Nationalmuseum in Neapel zu besichtigen sind.
Nah der Porta Nocera wurden 1962 13 Pompejianer gefunden. Die drei Familien waren im Haus geblieben solange der Vesuv Lapilli auswarf und haben dann versucht sich in Sicherheit zu bringen. Im Ascheregen erlitten sie den Erstickungstot. Ihre Körper wurden mit Asche bedeckt. Bei ihrer Entdeckung wurden die Hohlräume, die die Körper hinterlassen haben, mit Gips ausgegossen. Deutlich erkennt man zwei Kinder Hand in Hand, einen Sklaven mit einem Sack, einen älterer Mann und ein Ehepaar mit einem Kind. Die Frau preßt sich ein Stück Stoff gegen die giftigen Dämpfe auf den Mund. Besser konnte der Schrecken über all die Jahre wohl kaum konserviert werden, als in dieser Gruppe. Doch die Gefahr ist keineswegs vorüber. Zehntausende von Menschen leben auch heute im Umfeld des Vesuvs, der zwar heute überwacht wird, im Erstfall jedoch kaum rechtzeitig zu evakuieren ist. Auch wenn die Lage heute friedlich erscheint sollte man nicht vergessen, daß der Vulkan zu einem Pulverfaß werden kann. |