Mount Rainier: Schwarmbeben lässt langsam nach

Erdbeben unter dem Mount Rainier lassen nach – fast 500 Beben lokalisiert

Seattle, 12.07.2025Der Erdbebenschwarm, der den Mount Rainier (US-Bundesstaat Washington) seit dem 8. Juli erschüttert, lässt weiter nach, doch noch immer werden stündlich mehrere Erschütterungen detektiert.  Während der Hochphase des Schwarms manifestierten sich bis zu 30 Beben pro Stunde.

Beben am Rainier

Bis zum Morgen des 12. Juli lokalisierten das Cascades Volcano Observatory (CVO) und das Pacific Northwest Seismic Network (PNSN) insgesamt 464 Beben. Darüber hinaus gab es eine große Anzahl schwacher Beben, die aufgrund der geringen Magnitude nicht lokalisiert werden konnten. Das bislang stärkste Beben im Rahmen des Schwarms erreichte eine Magnitude von 2,4 und wurde am 11. Juli gemessen. Die Hypozentren der Erdbeben liegen in Tiefen zwischen zwei und sechs Kilometern unter dem Gipfel des Vulkans.

Geophysikalische Messungen zeigen keine Hinweise auf Bodenverformung oder andere Veränderungen, wie sie mit aufsteigendem Magma in Verbindung stehen könnten. Vulkanologen interpretieren den Schwarm daher als Folge hydrothermaler Prozesse: magmatische Fluide bewegen sich entlang tektonischer Bruchzonen und verursachen die Erschütterungen.

Trotz des auffälligen Erdbebenschwarms sehen die Fachleute derzeit keinen Grund zur Beunruhigung. „Die Aktivität entspricht dem typischen Hintergrundverhalten des Vulkans und zeigt keine Hinweise auf aufsteigendes Magma“, heißt es in einer Mitteilung des CVO. Dennoch werde man die Entwicklung weiterhin genau beobachten und bei veränderten Mustern entsprechend informieren.

Mount Rainier erhebt sich auf über 4.390 Meter und dominiert das Landschaftsbild südöstlich von Seattle im Bundesstaat Washington. Der Vulkan gilt als einer der potenziell gefährlichsten der Vereinigten Staaten – nicht wegen häufiger Ausbrüche, sondern aufgrund seiner mächtigen Eiskappe und der Möglichkeit sogenannter Lahare – hierbei handelt es sich um vulkanisch bedingte Schlammströme. Bei einem zukünftigen Ausbruch könnten solche Ströme das dicht besiedelte Umland in kürzester Zeit erreichen.

Mount Rainier gehört zur Kaskaden-Vulkankette, die sich entlang der Westküste Nordamerikas von Nordkalifornien bis in den Süden British Columbias zieht. Die Vulkane dieser Region , zu denen auch der Mount St. Helens gehört, entstehen durch die Subduktion entlang des Nordamerika-Grabens vor der Westküste der USA.

Der letzte nachgewiesene Ausbruch des Mount Rainier liegt mehrere hundert Jahre zurück, doch sein Potenzial bleibt im Fokus der Überwachung. Gerade weil er in der Nähe dicht besiedelter Gebiete liegt, zählt Rainier für die US Geological Survey (USGS) zu den „Vulkanen mit hoher Priorität“ in der wissenschaftlichen Beobachtung.

Island: IMO bestätigt Störung der GNSS-Messungen

Störung der GNSS-Messungen auf Island von IMO bestätigt – Ursache unklar

Reykjavik 12.07.2025Wer in den letzten Tagen die GNSS-Daten zur Bodenhebung auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel betrachtete, wird sich vielleicht über den starken Sprung zur Bodenhebung gewundert haben, der auf den Grafiken abgebildet ist und fast 50 mm ausmachte. Da sich dieser Sprung auf allen Stationen der Gegend bemerkbar macht, ist klar, dass es sich nicht um einen realen Wert handelt, sondern um einen Messfehler. IMO hat in einem gestern veröffentlichten Bericht diesen Fehler eingestanden. Seine Ursache ist noch unklar.

Wie die Forscher des isländischen Wetterdienstes mitteilten, wurde eine ungewöhnliche Signalstörung festgestellt, die das gesamte Messnetz betrifft. Sie äußert sich in einem sprunghaften Anstieg der vertikalen Bewegung – ein Muster, das einer plötzlichen Landhebung ähnelt. Da dieses Signal jedoch gleichzeitig an allen Stationen auftrat, kann eine tatsächliche Hebung der Erdoberfläche ausgeschlossen werden.

Interne Fehler im Messsystem oder in den Datenübertragungen wurden ebenfalls ausgeschlossen. Es handelt sich daher um eine externe Störung, deren Ursache bis jetzt unklar ist.

Die Messung von Landhebungen basiert auf der Berechnung der Zeit, die Signale von Satelliten benötigen, um GPS-Empfänger am Boden zu erreichen. Eine verkürzte Laufzeit deutet auf eine Anhebung der Erdoberfläche hin. Diese Signale können jedoch durch verschiedene äußere Einflüsse gestört werden.

Spekulativ ist, dass es sich um eine Störung der Satellitensysteme handelt. Es könnte zu Bahnabweichungen der künstlichen Trabanten gekommen sein, etwa durch gravitative Kräfte oder durch Sonnenstürme, wie es bereits im Mai vorkam. Allerdings wurde zwar ein außergewöhnlich großes koronales Loch der Sonne beobachtet, ungewöhnlich starke Sonnenstürme wurden aber nicht registriert.

IMO betont, dass die derzeitige Störung die Fähigkeit des isländischen Wetterdienstes nicht beeinträchtigt, potenzielle Magmaintrusionen oder Vulkanausbrüche frühzeitig zu erkennen und entsprechende Warnungen auszugeben.

Nach dem Sprung Anfang der Woche kam es zu einem deutlichen Absacken der Hebung. Mittlerweile scheint sich aber wieder der ursprüngliche Trend der kontinuierlichen Bodenhebung aus den Messungen ablesen zu lassen. Man muss halt die 50-mm-Phantomhebung von den Werten abziehen, um die tatsächliche Hebung zu erfassen.

Die Bodenhebung wird von aufsteigendem Magma verursacht, das sich unter Svartsengi akkumuliert. Seit Anfang April hob sich der Boden um gut 320 mm. Die Erdbeben gehen weiter: In den letzten 24 Stunden gab es entlang von Sundhnúkur 6 schwache Erschütterungen.

Campi Flegrei: Neue Löcher im Asphalt

Neues Loch im Straßen-Asphalt der Campi Flegrei – Fumarole brannte sich durch

Pozzuoli, 12.07.2025In den Campi Flegrei gab es am 9. Juli den bislang letzten Erdbebenschwarm. Er bestand aus 18 Einzelbeben geringer Magnituden. Das stärkste Beben brachte es auf Md 1,8. Am gleichen Tag manifestierte sich ein neues Loch im Asphalt einer frisch sanierten Straße – heiße Gase einer Fumarole hatten sich ihren Weg gebahnt und den Teer geschmolzen.

Bilder des ortsansässigen Fotografen Enzo Buono zeigen das Loch im Asphalt der Via Antiniana, die im südöstlichen Außenbereich der Solfatara liegt und nach Pisciarelli führt, wo die aktivste Fumarole der Campi Flegrei liegt. Wie Enzo in einem FB-Beitrag schreibt, wurde der Asphalt der Straße erst kürzlich saniert. Das kreisrunde Schmelzloch entstand in einem Straßenabschnitt, in dem es immer wieder zu solchen Ereignissen kommt. Bei genauerer Betrachtung der Fotos erkennt man weitere Absenkungen im Asphalt, die sich wie die Perlen einer Kette aneinanderreihen. Entweder wandert die Fumarole unterirdisch auf einer Linie entlang einer Schwächezone, oder der gesamte Hang der Solfatara bewegt sich infolge der Bodendeformation über eine ortsstabile Fumarole hinweg. Unklar ist, ob sich das Fumarolenfeld im Außenhang der Solfatara erst in den letzten Jahren gebildet hat, oder ob man so optimistisch war, die Straße hierdurch zu führen und dann auch noch Fumarolen zu überbauen. Letztendlich ein Zeugnis der Erdgewalten in den Campi Flegrei und ein Anzeichen dafür, dass sich hier Größeres zusammenbrauen könnte.

Dass sich in dem Areal der Campi Flegrei früher oder später eine bedeutende Naturkatastrophe ereignen wird, ist ziemlich offensichtlich. Letztendlich werden die beobachteten Phänomene in einem Vulkanausbruch resultieren, dem starke Erdbeben vorangehen und die sehr wahrscheinlich mit extremen Bodendeformationen einhergehen werden. Erdrutsche sind in diesem Zusammenhang wahrscheinlich. Die Frage ist nur, in welchem Zeitrahmen sich so eine Katastrophe ereignen wird. Bleibt den Menschen nur noch wenig Zeit, um sich vorzubereiten, oder dauert der Aufheizungsprozess des gigantischen Calderavulkans noch Jahrhunderte? Eine Frage, die die Wissenschaft bis jetzt nicht sicher beantworten kann, da Vergleichsdaten fehlen.

Fest steht, dass die aktuelle Unruhephase seit 20 Jahren anhält und damit signifikant länger ausfällt als vorherige, auch wenn die Bodenhebung langsamer abläuft. Die Erdbeben werden immer stärker und es werden große Mengen magmatischer Gase ausgestoßen, auch wenn deren Konzentration in den letzten Wochen etwas zurückging: Im Juni betrug der Kohlendioxid-Ausstoß 4500 Tonnen am Tag. Im Vormonat waren es 5000 Tonnen am Tag. Die Bodenhebung summierte sich in den 20 Jahren auf 148 Zentimeter. Die monatliche Hebungsrate liegt aktuell bei 15 mm. Nach dem Erdbebenschwarm vom 9. Juli ist die Seismizität vergleichsweise niedrig, was aber kein Grund zur Entwarnung darstellt. Im Gegenteil: Die Bodenhebung geht weiter, wodurch sich Spannungen aufbauen. Je weniger schwache Erdbeben es gibt, desto größer wird die Gefahr, dass sie sich nach einigen Wochen in stärkeren Erdbeben entladen, denen dann ein moderates Zerstörungspotenzial innewohnt.

Ahuachapán: Hydrothermale Explosion in Los Ausoles

Schlamm bedeckt das Gebiet um den Santa-Teresa-Ausol. © DLH

Hydrothermale Explosion am Santa-Teresa-Ausol in El Salvador – Thermalgebiet bei Ahuachapán nach Erdbeben erneut aktiv

El Barro, 11.07.2025Eine unerwartete hydrothermale Explosion im Geothermalfeld Los Ausoles nahe der Stadt Ahuachapán hat am Donnerstagnachmittag für Aufsehen gesorgt. Gegen 16:55 Uhr Ortszeit schoss am sogenannten Santa-Teresa-Ausol eine Fontäne aus Dampf, kochendem Wasser und Schlamm in die Luft. Die phreatische Eruption beschädigte die umliegende Infrastruktur, blockierte eine wichtige Zufahrtsstraße zu den Santa-Teresa-Thermen und führte zur Evakuierung von 17 Anwohnern. Verletzt wurde niemand.

Das betroffene Gebiet liegt im Geothermalgebiet Los Ausoles, das über 130 heiße Quellen, Fumarolen und Schlammtöpfe umfasst. Die Erdwärme zieht nicht nur Touristen an, sondern wird auch in einem Geothermiekraftwerk zur Stromgewinnung genutzt. Geologisch betrachtet handelt es sich um ein Überbleibsel vulkanischer Aktivität rund um den Ahuachapán-Vulkan, einem Teil der salvadorianischen Vulkankette im Südwesten des Landes. Der Vulkan selbst gilt heute als inaktiv, denn seine letzte bekannte Eruption liegt über 10.000 Jahre zurück. Dennoch deutet die anhaltend hohe geothermale Aktivität in der Region auf eine noch vorhandene Hitzequelle im Untergrund hin.

Die aktuelle Explosion am Santa-Teresa-Ausol wurde von Überwachungskameras aufgezeichnet. Die Aufnahmen zeigen einen plötzlichen, explosiven Ausstoß heißer Fluide aus dem Untergrund, die als hydrothermale Explosion eingeordnet werden kann. Teilweise wird sie auch als phreatische Eruption eingestuft. Hierbei handelt es sich um eine nicht-magmatische Explosion, die entsteht, wenn Grundwasser durch Kontakt mit Hitzeeinwirkung schlagartig verdampft. Sie hinterließ ein vergleichsweise großes Areal, das mit Schlamm bedeckt ist und Vegetation zerstörte.

Das interessante ist, dass es einen Zusammenhang mit den Erdbeben im benachbarten Guatemala geben könnte, die sich mittlerweile zwar abgeschwächt haben, aber immer noch andauern. Zwischen dem Erdbebengebiet am Vulkan Agua südlich von Guatemala City und dem Thermalgebiet Los Ausoles liegen gerade einmal 110 Kilometer, also eine Entfernung, in der sich die stärkeren Erdbeben des Schwarms auf vulkanische Aktivität auswirken können. Dem nicht genug, manifestierte sich am Donnerstagmorgen ein Erdbeben Mb 5,0 bei Santa María Ixhuatán (Guatemala), das nur ca. 60 Kilometer vom Thermalgebiet in El Salvador entfernt liegt. Die Vibrationen der Erdbeben könnten also die Dampfexplosion getriggert haben.

Der Santa-Teresa-Ausol ist die aktivste Thermalquelle des Feldes und misst rund 70 Meter im Durchmesser. Temperaturen zwischen 300 und 350 Grad Celsius machen ihn zu einem der heißesten Punkte Mittelamerikas. Bereits 1989 kam es hier zu einer verheerenden Explosion, bei der mindestens 32 Menschen ums Leben kamen.

Behörden und Einsatzkräfte reagierten schnell auf die aktuelle Eruption und richteten eine 75 Meter breite Sperrzone ein. Der Zugang zum beliebten Thermalbereich Santa Teresa bleibt vorerst gesperrt.