Teneriffa: Schwarmbeben unter dem Pico del Teide

Der Pico del Teide erhebt sich aus der Caldera Las Cañadas auf Teneriffa. © Marc Szeglat

Schwarmbeben unter dem Vulkan Pico del Teide auf Teneriffa – Mehr als 90 Beben innerhalb einer Stunde

Gestern Abend manifestierte sich unter dem Vulkan Pico del Teide auf Teneriffa ein Erdbebenschwarm. Er bestand aus mehr als 90 sehr schwachen Einzelerschütterungen vulkanotektonischen Ursprungs und wurde laut INVOLCAN von aufsteigenden magmatischen Fluiden verursacht, die auf ihrem Weg Gestein zum Brechen brachten.



Schwarmbeben Teneriffa

Das seismische Netzwerk der Kanaren registrierte den Anfang des Schwarmbebens um 17:14 Uhr. Er dauerte 72 Minuten und endete bereits um 18:26 Uhr (kanarische Zeit) wieder. Somit kommt man auf eine Bebenfrequenz von mehr als einem Beben pro Minute. Die Magnituden lagen im Bereich der Mikroseismizität. Die Hypozentren streuten in Tiefen zwischen 2 und 6 Kilometern.

Seit Juni 2017 kam es bereits zu 120 Schwärmen vulkanotektonischer Erdbeben. Wie schon in früheren Fällen steht auch dieser Schwarm im Zusammenhang mit Druckprozessen im vulkanisch-hydrothermalen System Teneriffas, die durch das Eindringen magmatischer Fluide verursacht werden. Dieses Muster wird seit 2016 beobachtet und durch verschiedene geochemische und geophysikalische Daten gestützt – unter anderem durch erhöhte diffuse CO₂-Emissionen im Teide-Krater sowie durch eine leichte Bodenhebung, die seit 2024 im nordöstlichen Sektor des Vulkankomplexes Teide–Pico Viejo festgestellt wird.

Die Vulkanologen auf Teneriffa rechnen nicht mit einem kurzfristig bevorstehenden Vulkanausbruch, doch langfristig betrachtet ist es wahrscheinlich, dass es zu einer neuen Eruption am Pico del Teide kommen wird. Bis jetzt lässt sich noch nicht sagen, wie groß so ein Ausbruch werden wird. Genauso wenig lassen sich andere Prognosen erstellen. So liegen Zeitpunkt und Art des Ausbruchs ebenfalls im Dunkeln.

Neben dem Schwarmbeben sorgt auch eine weitere Meldung für Beunruhigung: Dieses Jahr wurden nicht nur zahlreiche Erdbeben unter dem Pico del Teide und in der Meerenge zwischen Teneriffa und Gran Canaria festgestellt, sondern es kam auch zu einer erhöhten Seismizität in der Region Izaña, die gut 20 Kilometer östlich der Caldera Las Cañadas del Teide liegt. Auf dem Bergrücken von Izaña liegt eine astronomische Teleskopstation. Die Gegend galt bis zum letzten Jahr als seismisch stabil, doch seitdem wurden 51 leichte Beben registriert.

Ätna: Tremorabsturz und Aufhebung des F1-Alarms

Förderschlot auf 2980 m Höhe. © INGV

Tremor am Ätna stürzt ab – F1-Alarm bereits aufgehoben

Am Ätna stürzt der Tremor heute Morgen steil ab und deutet ein Ende der explosiven Aktivität an, die sich in den letzten Wochen am Südostkrater manifestierte. Auf der Thermalcam des INGV ist aber zu erkennen, dass der Förderschlot, der sich auf 3200 m auf der Flanke des Südostkraterkegels geöffnet hat, weiterhin aktiv ist und einen kleinen Lavastrom fördert.

INGV-Vulkanologe Boris Behncke schrieb heute auch darüber, dass der F1-Alarm nur einige Stunden aufrecht gehalten wurde und inzwischen aufgehoben wurde. Am Donnerstag deuteten die geophysikalischen Messwerte darauf hin, dass sich ein Paroxysmus zusammenbraut, doch die Werte stabilisierten sich bereits am Freitag wieder. Dennoch wurde der Bereich oberhalb von 2500 Höhenmetern für Besucher gesperrt. Boris schreibt über die Stille am Vulkan und darüber, dass man am Förderschlot auf 2980 m Höhe die Geräusche der fließenden Lava aufgrund der Ruhe sehr gut wahrnehmen konnte.

Die Rissbildung, die am Freitag erneut für Unruhe am Vulkan und in den sozialen Medien sorgte, wurde von den Vulkanologen bis jetzt nicht weiter kommentiert. Der Lavaausstoß war in den letzten Tagen vergleichsweise groß und es muss mehr Magma als üblich aufgestiegen sein, wodurch sich der Boden deformierte, was zu dem Riss geführt haben könnte. Der Riss selbst platzte nicht auf und brachte somit keinen weiteren Lavastrom hervor.




Die Lavafront des am weitesten fortgeschrittenen Lavastroms hatte am Freitag die 2350-m-Höhenlinie unterschritten und bewegte sich damit auf einem Höhenniveau, das am Ätna in den letzten Jahren nur selten unterschritten wurde. Der Lavastrom bewegte sich einige Kilometer westlich der Montagnola, so dass die Seilbahnstation und die Skipisten nicht gefährdet waren. Zuletzt war die touristische Infrastruktur bei den beiden großen Flankeneruptionen in den Jahren 2001 und 2002-03 gefährdet gewesen.

Island: Erneutes Schwarmbeben bei Reykjanestá

Der Leuchtturm von Reykjanestá. © Marc Szeglat

Schwarmbeben erschüttert Offshore-Bereich von Reykjanestá auf Island – stärkstes Beben Mb 3,2

In den frühen Morgenstunden begann vor der Westspitze der Reykjaneshalbinsel ein Schwarmbeben, das aus 30 Erschütterungen besteht. Das stärkste Einzelbeben hatte die Magnitude 3,2 und manifestierte sich in 6,4 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum des Erdstoßes wurde 5,5 km west-nordwestlich von Reykjanestá verortet.

Die Lokation Reykjanestá ist wegen ihres Leuchtturms bekannt. Von dort fährt man nur wenige Minuten die Küste entlang, bis man Grindavik erreicht. Um den kleinen Fischerort ist es in diesem Jahr ruhiger geworden, weil sich die Eruptionszentren der jüngsten Ausbrüche in nördliche Richtung verlagert hatten und die Lavaströme nicht mehr Richtung Grindavik flossen. Ein Umstand, der sich bei weiteren Eruptionen allerdings wieder ändern könnte.

Schwarmbeben vor der Westspitze von Reykjanes können rein tektonischer Natur sein, obwohl es im Kontext mit der Bodenhebung im nahen Svartsengi-Gebiet wahrscheinlich ist, dass die Erdbeben indirekt eine Folge der Magma-Ansammlung dort sind. Der steigende Druck im Untergrund wirkt sich auf Störungen vor der Küste aus und aktiviert die Störungszonen des Kolbensey-Ridge, das als Ver74029565f5384acbb88ba8ae7a368eablängerung des Mittelatlantischen Rückens Island durchzieht. Weiter südwestlich am Ridge manifestierte sich heute auch ein Erdbeben Mb 3,8.

Die Erdbeben wurden in einer kurzen Notiz bei MBL erwähnt. Obwohl der Erdstoß Mb 3,2 theoretisch im spürbaren Bereich lag, gab es keine entsprechenden Wahrnehmungsmeldungen. Laut IMO verhielt es sich mit dem Erdbeben Mb 3,1 bei Krysuvik, über das ich bereits gestern Abend berichtete, anders: Dieser Erdstoß wurde in der Hauptstadtregion von Reykjavik wahrgenommen.

Die Bodenhebung bei Svartsengi geht konstant weiter und ein Ende der Aktivität ist nicht in Sicht. So ist es wahrscheinlich, dass sich noch dieses Jahr eine weitere Eruption ereignen wird.

Das Schwarmbeben bei Reykjanestá ist übrigens noch nicht vorbei und es werden weitere schwache Erdstöße registriert.

Sakurajima eruptiert Asche auf 2400 m Höhe

Explosive Eruptionen fördern Aschewolken auf 2400 m Höhe – Vulkan dehnt sich aus

Der japanische Vulkan Sakurajima ist wieder in eine Phase erhöhter eruptiver Aktivität eingetreten und verursachte mehrere Explosionen, bei denen Vulkanasche bis auf 2400 m Höhe über dem Meeresspiegel ausgestoßen wurde. Starker Wind verhinderte einen höheren Aufstieg und verfrachtete die Aschewolken in Richtung Nordwesten.  Seit vorgestern wurden 9 VONA-Warnungen ausgegeben, die den Flugverkehr vor den Aschewolken warnen.

Die Eruptionen manifestierten sich aus dem Gipfelkrater Minami-dake. Der etwas tiefer gelegene Shōwa-dake dampft, bleibt aber ansonsten ruhig. Auf den Livecams sieht man heute Morgen zwar keine Ascheeruptionen, aber dafür eine enorme Dampfentwicklung, die einerseits durch besondere atmosphärische Bedingungen entstehen kann, andererseits aber auch auf erhöhten Gasausstoß hindeutet. Bei den letzten Messungen des Schwefeldioxidausstoßes, die am 20. August durchgeführt wurden, ergab sich ein SO2-Ausstoß von 3300 Tonnen am Tag, was fast 1000 Tonnen mehr war als bei der vorherigen Messung.

In einem Update vom 29. August berichteten die Vulkanologen vom JMA über eine anhaltende Ausdehnung des Vulkans, die sich sowohl via GPS-Messungen als auch mit Hilfe von Neigungsmessungen verifizieren ließ. Darüber hinaus dehnt sich auch der tiefe Untergrund der Aira-Caldera seit Monaten aus. Beide Phänomene sprechen dafür, dass sich Magma in verschiedenen Tiefen akkumuliert und sich unter der Caldera, aber auch direkt im Sakurajima, Magmenspeicher bilden bzw. an Volumen dazugewinnen. Kurzfristig könnte sich die Explosivität des Sakurajimas steigern und auch langfristig betrachtet wird der Nachschub an Schmelze nicht schnell abbrechen, so dass mit weiteren Eruptionen zu rechnen ist. Die Aktivität könnte sogar in einen größeren Ausbruch gipfeln, bei dem starke Explosionen das weitere Umland mit Asche bedecken und sogar Lavaströme gefördert werden. Zuletzt geschah das am Sakurajima im Jahr 1914. Damals wurde aus der Vulkaninsel eine Halbinsel, da ein Lavastrom den Sakurajima mit dem Festland verband.