Sakurajima mit Aschewolke in 2100 m Höhe

Sakurajima eruptiert erneut – Vulkanasche in 2100 m Höhe, Warnstufe 3 bleibt bestehen

Der Vulkan Sakurajima im Süden Japans ist heute Morgen um 06:58 Uhr Ortszeit (UTC 21:58) erneut ausgebrochen. Das Tokyo Volcanic Ash Advisory Center (VAAC) veröffentlichte daraufhin eine VONA-Warnung, wonach eine Aschewolke bis in eine Höhe von FL070 (rund 2.100 m) aufstieg und sich mit etwa 19 km/h südwärts verlagerte. In den Folgestunden wurde die Vulkanasche über dem südlichen Kyushu und angrenzenden Seegebieten beobachtet. Im Tagesverlauf emittierte der Vulkan permanent eine diffuse Wolke aus Asche und Gas.

Archivbild

Die Eruption geht einher mit anhaltender vulkanischer Aktivität, weshalb die japanische Wetterbehörde JMA die Eruptionswarnstufe 3 weiterhin aufrechterhält. Besonders im Umfeld des Gipfelkraters Minami-dake und des Showa-Kraters besteht Gefahr durch ausgeworfene vulkanische Bomben und pyroklastisches Material, das bereits in den vergangenen Tagen über mehr als einen Kilometer vom Krater entfernt niedergegangen ist.

Nach Angaben der Meteorologischen Observatorien Fukuoka und Kagoshima hält die eruptive Phase des Sakurajima seit dem 2. Januar an. Am Minami-dake-Krater wurden wiederholt sehr kleine Eruptionen registriert, zudem zeigte sich nachts deutlicher Feuerschein, der mit hochempfindlichen Überwachungskameras erfasst wurde. Am Showa-Krater hingegen blieben Explosionen und Leuchterscheinungen bislang aus.

Seismisch zeigte sich der Vulkan vergleichsweise ruhig: Vulkanische Erdbeben traten nur vereinzelt auf, vulkanischer Tremor wurde nicht beobachtet. Zwischen dem 2. und 5. Januar wurden täglich zwischen 10 und 23 vulkanische Erdbeben registriert, Explosionen blieben in diesem Zeitraum aus.

Langfristige GNSS-Messungen belegen weiterhin eine langsamen Dehnung tief unter der Aira-Caldera, die sich unter der inneren Kagoshima-Bucht erstreckt. Dort sammelt sich seit Jahren Magma an – ein Prozess, der als treibende Kraft der anhaltenden Aktivität des Sakurajima gilt. Zusätzlich ist der Ausstoß von Schwefeldioxid weiterhin hoch, was nach Einschätzung der JMA dafür spricht, dass die vulkanische Aktivität auch in nächster Zeit anhalten wird.

Die Behörden warnen eindringlich vor dem Betreten des Sperrgebiets im Umkreis von etwa zwei Kilometern um die aktiven Krater. Neben herabfallenden Gesteinsbrocken können auch starke Druckwellen bei Explosionen auftreten, die Fensterscheiben beschädigen. Auf der windabgewandten Seite des Vulkans ist zudem mit Asche- und Schlackenfall in größerer Entfernung zu rechnen.

Island: 115 Erdbeben innerhalb von 2 Tagen

Zahlreiche Beben auf Island und speziell Reykjanes registriert – stärkstes Beben Mb 3,0

Auf Island hat es innerhalb von 48 Stunden 115 Erschütterungen gegeben. Die meisten davon auf der Reykjaneshalbinsel, wo 72 Erschütterungen registriert wurden – nur 2 der Beben trafen das Svartsengigebiet, wo die Bodenhebung mit ca. 1 mm pro Tag weitergeht und nach wie vor ein Vulkanausbruch jederzeit einsetzen könnte. Das stärkste Beben mit einer Magnitude von 3,0 (EMSC) manifestierte sich vor der Südwestspitze von Reykjanes, nahe der kleinen Insel Eldey.

Island. © EMSC/Leaflet

Viele der Erdbeben gab es bei Krysuvik und anderen Spaltensystemen auf Reykjanes. In den letzten Tagen wurde auch vermehrt die Gegend um Selfoss im Süden der Hauptinsel erschüttert. Obwohl die Hekla nicht fern ist, werden diese Beben tektonischen Ursprungs gewesen sein, denn in der Region gibt es markante Störungszonen.

Einige Erschütterungen wurden im Bereich der Askja detektiert, wo die Bodenhebung wahrscheinlich ebenfalls anhält, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als zu Beginn der Hebungsphase in 2021. Auch hier könnte es ohne langes Vorspiel zu einer Eruption kommen.

Ein wenig aus dem Fokus geraten ist die Seismizität im Bereich des Grjotarvatn bei Borganes am Rand der Snæfellsnes-Halbinsel Hier ereigneten sich binnen 2 Tagen 13 Erschütterungen. Seit einiger Zeit vermuten Geoforscher, dass hier das Ljósufjöll-Vulkansystem zu neuem Leben erwachen könnte, da hier neben den Erdbeben auch eine leichte Bodenhebung festgestellt wurde.

Weitere Kandidaten potenzieller Eruptionen auf Island sind Grimsvötn und Bardarbunga – beide liegen unter dem Vatnajökull – sowie Katla unter dem Myrdalsjökull und die westlich davon gelegene Hekla. Doch bei keinem der genannten Vulkane sind die Anzeichen eines bevorstehenden Ausbruchs so ausgeprägt wie bei Svartsengi und der Sundhnukur-Kraterreihe, wo man das 10. Ereignis seit 2023 erwartet. Bis zum Herbst war ich mir sicher, dass zeitnah ein Ausbruch erfolgen wird, doch mit der Abnahme der Bodenhebegeschwindigkeit ist diesbezüglich eine gewisse Unsicherheit eingekehrt. Wenn der Druck im Speichersystem zu langsam ansteigt, besteht die Möglichkeit, dass die nötige Schwelle zum Einsetzen einer Eruption nicht erreicht wird.

Japan: Erdbeben Mw 5,7 im Westen von Honshu

Starkes Erdbeben erschüttert West-Honshu in Japan – keine Tsunami-Warnung, aber erhöhte Wachsamkeit empfohlen

Datum: 06.01.2026 | Zeit: 01:18:48 UTC | Koordinaten  35.321 ; 133.124 | Tiefe: 10 km | Mw 5,7

Der Westen der japanischen Hauptinsel Honshu wurde am Dienstagmorgen von einem starken Erdbeben der Magnitude 5,7 erschüttert. Der Erdstoß ereignete sich um 10:18 Uhr Ortszeit (01:18 UTC) in einer Region 19 km westlich von Matsue, nahe der Küste des Japanischen Meeres. Das Epizentrum lag bei  den Dezimal-Koordinaten 35.321 ; 133.124, die Herdtiefe betrug zehn Kilometer.  Der Erdstoß wurde nicht nur deutlich gespürt, sondern ließ Gebäude stark schwanken. Größere Schäden wurden bis jetzt nicht gemeldet.

Japan. © EMSC/Leaflet

Das Beben war in weiten Teilen der Präfektur Shimane sowie in angrenzenden Regionen spürbar. In Matsue, rund 19 Kilometer nordnordwestlich des Epizentrums, berichteten Anwohner von deutlich schwankenden Gebäuden und herabfallenden Gegenständen. Auch in Fukuyama, knapp 100 Kilometer entfernt, wurde das Erdbeben noch wahrgenommen. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben, da das Hypozentrum an Land lag.

Tektonisch liegt das betroffene Gebiet in einer komplexen Übergangszone. Während große Teile Japans durch die Subduktion der Pazifischen Platte und der Philippinischen Meeresplatte geprägt sind, dominieren im Westen Honshus vor allem intraplattennahe Störungszonen innerhalb der Eurasischen (bzw. Amur-)Platte. Das relativ junge Japanische Meer öffnete sich, und alte Krustenbrüche werden bis heute reaktiviert. Erdbeben in dieser Region entstehen daher häufig durch seitliche Verschiebungen entlang solcher Störungen und nicht ausschließlich durch klassische Subduktionsprozesse.

Historisch ist West-Honshu zwar weniger bekannt für Mega-Beben als der pazifische Küstenraum, blieb jedoch keineswegs verschont. Besonders in Erinnerung ist das Erdbeben von 1872 in der Region Hamada (ebenfalls Präfektur Shimane), das schwere Zerstörungen verursachte und tausende Opfer forderte. Auch im 20. und 21. Jahrhundert kam es wiederholt zu moderaten, aber lokal schadensträchtigen Beben. Das aktuelle Ereignis reiht sich somit in eine lange seismische Geschichte ein und unterstreicht, dass selbst abseits der großen Subduktionszonen Japans ein erhebliches Erdbebenrisiko besteht.

Auffällig ist, dass es in den letzten 24 Stunden entlang des Kamtschatka-Kurilengrabens und entlang des Japangrabens mehrere mittelstarke Erdbeben gab.

Mayon: Pyroklastischer Strom am 06.01.2026

Pyroklastischer Strom am Mayon – Vulkan bleibt unter Alarmstufe 2

Am Dienstagvormittag ist es am Gipfel des philippinischen Vulkans Mayon zum Abgang eines kleinen pyroklastischen Dichtestroms gekommen, der infolge eines Lavaabbruchs am Dom entstand. Das zuständige Observatorium PHIVOLCS teilte mit, dass sich das Ereignis am Dienstag, dem 6. Januar 2026, um 12:26 Uhr (Ortszeit) ereignete. Der Abgang wurde sowohl von Überwachungskameras als auch von seismischen Messinstrumenten des Mayon-Vulkannetzwerks registriert.

Mayon. © PHILVOLCS

Bereits am Dienstagabend wurde der Abbruch einer glühenden Schuttlawine beobachtet. Solche Ereignisse sind eng mit der Entstehung pyroklastischer Dichteströme verknüpft: Im Endeffekt entscheiden die Größe des Kollapses am Dom und der Gasgehalt des abgebrochenen Lavapakets, ob eine Schuttlawine oder ein Dichtestrom entsteht.

Nach Angaben von PHIVOLCS wurden innerhalb der vergangenen 24 Stunden insgesamt 85 Felsstürze am Vulkan verzeichnet. Trotz der anhaltenden Aktivität bleibt der Mayon weiterhin unter Alarmstufe 2. Die Behörde betonte erneut, dass das Betreten der permanenten Gefahrenzone mit einem Radius von 6 Kilometern strikt untersagt ist.

Bereits am 1. Januar 2026 hatte PHIVOLCS die Alarmstufe von 1 auf 2 angehoben. Diese Stufe steht für eine zunehmende bis mäßige vulkanische Unruhe, die auf oberflächennahe magmatische Prozesse zurückzuführen ist. Laut PHIVOLCS besteht dabei die Möglichkeit gefährlicher magmatischer Eruptionen, weshalb eine erhöhte Wachsamkeit erforderlich ist.

Ein besonders aktiver Tag wurde am 31. Dezember 2025 registriert: An diesem Tag zählten die Experten 47 Felsstürze, die höchste Tageszahl im gesamten vergangenen Jahr.

Auch der Luftverkehr ist betroffen. Die philippinische Zivilluftfahrtbehörde (CAAP) verlängerte das Flugverbot im Umfeld zweier aktiver Vulkane – Mayon in der Provinz Albay und Kanlaon auf der Insel Negros – bis Dienstag, den 6. Januar. Beide Vulkane stehen derzeit ebenfalls unter Alarmstufe 2. Flüge in der Nähe dieser Vulkane sind streng untersagt, da plötzliche Ausbrüche eine ernsthafte Gefahr für den Luftverkehr darstellen könnten.

Der Vulkan Mayon gilt als einer der aktivsten und zugleich formschönsten Vulkane der Erde. Er liegt im Südosten der philippinischen Insel Luzon in der Provinz Albay und erreicht eine Höhe von etwa 2.463 Metern. Berühmt ist Mayon für seinen nahezu perfekten kegelförmigen Aufbau, der ihm den Beinamen „perfekter Vulkan“ eingebracht hat.

Campi Flegrei: Erdbeben Md 3,1 in der Solfatara

Campi Flegrei. © EMSC/Leaflet

Zunahme der Seismizität in der Solfatara der Campi Flegrei – stärkste Erschütterung Md 3,1

Nach einer aus seismischer Sicht vergleichsweise ruhigen Vorwoche startet die Erdbebentätigkeit in den Campi Flegrei diese Woche wieder erhöht durch. Seit gestern ist es zu drei deutlich spürbaren Erdbeben im Bereich des Solfatara-Kraters gekommen. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 3,1 und eine Herdtiefe von 2400 m. Die beiden anderen Erschütterungen brachten es auf Md 2,9 und lagen 400 bis 500 m tiefer. Damit ereigneten sie sich im unteren Bereich des Hydrothermalsystems und gingen mit Gesteinsbruch infolge von Fluidaufstieg einher. Außerdem gehörten zum aktuellen Schwarmbeben 17 weitere Erschütterungen. Auf Jahressicht wurden 59 Beben lokalisiert.  Im letzten Jahr gab es übrigens 6807 lokalisierte Erschütterungen. In 2024 waren es 4899 Beben, also eine signifikante Steigerung der Seismizität.




Aus dem aktuellen INGV-Bulletin für den Beobachtungszeitraum 29.12.2025 bis 04.01.2026 ist zu entnehmen, dass es in dieser Woche „nur“ 26 Erdbeben gab. Das stärkste hatte eine Magnitude von 2,1. Wie immer, wenn es mal etwas ruhiger zugeht, feierten in den sozialen Medien einige Optimisten bereits das mögliche Ende der Krise, die aber nach wie vor mit einer Bodenhebung von 25 mm pro Monat einhergeht und daher alles andere als beendet ist. Die Erdbeben sind zwar die am deutlichsten wahrnehmbaren Manifestationen der Prozesse im Untergrund, aber im Endeffekt nur Symptome der Bodendeformationen und des zugrunde liegenden, magmatisch bedingten Aufheizungsprozesses des gewaltigen Calderavulkans. Meiner Meinung nach kann es zwar zu Fluktuationen in der Intensität der Prozesse kommen, doch dauerhaft stoppen werden sie vor einer Eruption wohl nicht mehr.

Die Vulkanologen vom INGV geben zwar keine Prognosen ab (nicht zuletzt, weil natürlich immer das Risiko besteht, mit seinen Einschätzungen falsch zu liegen und damit an Reputation zu verlieren), bestätigen in ihrem Bulletin aber den langjährigen Trend zur Druckbeaufschlagung des hydrothermalen Systems und damit auch des zugrunde liegenden magmatischen Systems. Der Gasausstoß und die Fumarolentemperaturen lagen im Bereich der Werte der letzten Wochen: Bei Pisciarelli wurden Durchschnittstemperaturen von 94 Grad gemessen, in der Solfatara bei 170 Grad mit Maximalwerten von 173 Grad.